Differentialform

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Der Begriff Differentialform (oft auch alternierende Differentialform genannt) geht auf den Mathematiker Élie Joseph Cartan zurück. Differentialformen sind ein grundlegendes Konzept der Differentialgeometrie. Sie erlauben eine koordinatenunabhängige Integration auf allgemeinen orientierten differenzierbaren Mannigfaltigkeiten.

Kontext

Es sei U

In jedem dieser Fälle gibt es

  • den Begriff der differenzierbaren Funktion auf U; der Raum der beliebig oft differenzierbaren Funktionen auf U werde mit C(U) bezeichnet;
  • den Begriff des Tangentialraums TpU an U in einem Punkt pU;
  • den Begriff der Richtungsableitung fX für einen Tangentialvektor XTpU und eine differenzierbare Funktion f;
  • den Begriff des differenzierbaren Vektorfeldes auf U; der Raum der Vektorfelder auf U sei mit Γ(TU) bezeichnet.

Der Dualraum des Tangentialraums TpU wird als Kotangentialraum Tp*U bezeichnet.

Definition

Differentialform

Eine Differentialform vom Grad k auf U oder kurz k-Form ω ist ein glatter Schnitt in der k-ten äußeren Potenz des Kotangentialbündels von U. In symbolischer Schreibweise bedeutet dies ωΓ(Λk(T*U)), wobei T*U das Kotangentialbündel von U, Λk(T*U) die k-te äußere Potenz von T*U und Γ(Λk(T*U)) somit die Menge der glatten Schnitte von Λk(T*U) bezeichnet.

Dies bedeutet, dass jedem Punkt pU eine alternierende Multilinearform ωp auf dem Tangentialraum TpU zugeordnet wird, und zwar so, dass für k glatte Vektorfelder X1,,Xk die Funktion

pωp((X1)p,,(Xk)p)

glatt, also beliebig oft differenzierbar, ist.

Alternativ dazu kann man eine k-Form ω als eine alternierende, glatte multilineare Abbildung ω:(ΓTU)kC(U) auffassen. Das bedeutet: ω ordnet k Vektorfeldern X1,,Xk eine Funktion ω(X1,,Xk) zu, sodass

  • ω(X1,,X'i+X'i,,Xk)=ω(X1,,X'i,,Xk)+ω(X1,,X'i,,Xk)
  • ω(X1,,fXi,,Xk)=fω(X1,,Xi,,Xk) für fC(U),1ik

und

  • ω(X1,,Xi,,Xj,,Xk)=ω(X1,,Xj,,Xi,,Xk)

gilt.

Alternative unter Rückgriff auf Tensorfelder: Eine k-Form ist ein alternierendes, kovariantes Tensorfeld der Stufe k.

Raum der Differentialformen

Die Menge der k-Formen auf U bildet einen Vektorraum und wird mit Ωk(U) bezeichnet. Weiterhin setzt man

Ω(U)=k=1Ωk(U).

Für endlichdimensionale Mannigfaltigkeiten ist diese Summe endlich, da für k>dimU der Vektorraum Ωk(U) der Nullvektorraum ist. Die Menge Ω(U) ist eine Algebra mit dem äußeren Produkt als Multiplikation und somit auch wieder ein Vektorraum. Aus topologischer Sicht ist dieser Raum auch eine Garbe.

Man kann ωp als Element der äußeren Potenz Λk(Tp*U) auffassen; infolgedessen definiert das äußere Produkt (d. h. das Produkt in der äußeren Algebra) Abbildungen

Ωk(U)×Ω(U)Ωk+(U),(ω,η)ωη,

wobei ωη durch

(ωη)p=ωpηp

punktweise definiert ist.

Dieses Produkt ist graduiert-kommutativ, es gilt

ωη=(1)degωdegηηω;

dabei bezeichnet degω den Grad von ω, d. h.: Ist ω eine k-Form, so ist degω=k. Demnach ist das Produkt zweier Formen ungeraden Grades antikommutativ und in allen anderen Kombinationen kommutativ.

Beispiele

Koordinatendarstellung

Es sei M eine n-dimensionale differenzierbare Mannigfaltigkeit. Weiter sei (U,x) ein lokales Koordinatensystem (eine Karte). Dann ist

B={dxi1|pdxik|p | i1<<ik}

eine Basis von Λk(Tp*M). Dabei ist dxi das totale Differential der i-ten Koordinatenfunktion xi. Das heißt, dxi|p ist diejenige Linearform auf Tp(M), die den i-ten Basisvektor der Basis x1|p,,xn|p auf 1 und alle anderen auf 0 abbildet.

Jede Differentialform ωΩk(M) hat auf jeder Karte (U,x) eine eindeutige Darstellung

ω|U=1i1<<iknai1,,ikdxi1dxik

mit geeigneten differenzierbaren Funktionen ai1,,ik.

Aus der Koordinatendarstellung ergibt sich, dass für k>n die Nullform ω=0 die einzige Differentialform ist.

Äußere Ableitung

Vorlage:Hauptartikel Die äußere Ableitung ist ein Operator, der einer k-Differentialform eine (k+1)-Differentialform zuordnet. Betrachtet man sie auf der Menge der 0-Differentialformen, also auf der Menge der glatten Funktionen, so entspricht die äußere Ableitung der üblichen Ableitung für Funktionen.

Definition

Die äußere Ableitung dω einer k-Form ω wird induktiv mithilfe der Lie-Ableitung und der Cartan-Formel

X=iXd+diX

definiert; dabei ist X ein Vektorfeld, X die Lie-Ableitung und iX die Einsetzung von X.

Ist beispielsweise ω eine 1-Form, so ist

(Xω)(Y)=X(ω(Y))ω(X(Y))=Xω(Y)ω([X,Y])

und

((diX)ω)(Y)=(d(ω(X)))(Y)=Yω(X),

also

dω(X,Y)=Xω(Y)Yω(X)ω([X,Y])

für Vektorfelder X,Y; dabei bezeichnet [X,Y] die Lie-Klammer.

Die allgemeine Formel lautet

dω(X0,,Xk)=i=0k(1)iXiω(X0,,X^i,,Xk)++0i<jk(1)i+jω([Xi,Xj],X0,,X^i,,X^j,,Xk);

dabei bedeutet das Dach ^ im Zeichen X^i, dass das entsprechende Argument wegzulassen ist.

Eigenschaften

Die äußere Ableitung hat folgende Eigenschaften:

  • Die äußere Ableitung ist eine Antiderivation. Das heißt, d ist -linear, und für αΩk(U),βΩl(U) gilt die Leibnizregel
d(αβ)=dαβ+(1)kαdβ.
  • Sei fC(U), dann stimmt die äußere Ableitung mit dem totalen Differential überein.
  • d2=dd=0
  • Die äußere Ableitung respektiert Einschränkungen. Es sei also UVM offen und αΩk(V). Dann gilt d(α|U)=(dα)|U. Man nennt die äußere Ableitung deshalb auch einen lokalen Operator.

Diese vier Eigenschaften charakterisieren die äußere Ableitung vollständig. Das heißt, man kann aus diesen Eigenschaften die obige Summenformel herleiten. Rechnet man mit der äußeren Ableitung, so bevorzugt man das Rechnen mit den Eigenschaften der Ableitung und vermeidet die obige Formel.

Koordinatendarstellung der äußeren Ableitung

Die äußere Ableitung einer Differentialform

ω=1i1<<iknai1,,ik(x)dxi1dxik

in Koordinatendarstellung lautet

dω=1i1<<ikndai1,,ikdxi1dxik

mit den totalen Differentialen der Koeffizientenfunktionen

dai1,,ik=j=1nai1,,ikxjdxj.

Um die dabei entstehenden Ausdrücke wieder durch die Standardbasis auszudrücken, sind die Identitäten

dxidxj=dxjdxi

und

dxidxi=0

wichtig.

Beispiel

Für n=2,k=1 gilt

d(a1dx1+a2dx2)=da1dx1+da2dx2=(a1x1dx1+a1x2dx2)dx1+(a2x1dx1+a2x2dx2)dx2=a1x1dx1dx1+a1x2dx2dx1+a2x1dx1dx2+a2x2dx2dx2=(a2x1a1x2)dx1dx2.

Allgemein gilt für die äußere Ableitung einer 1-Form

d(i=1naidxi)=1i<jn(ajxiaixj)dxidxj

Für n=3 bilden also die Koeffizienten der äußeren Ableitung einer 1-Form die Rotation des aus den Koeffizienten der 1-Form gebildeten Vektors.

Weitere Operationen auf Differentialformen

Inneres Produkt

Sei XT(M) ein glattes Vektorfeld. Das innere Produkt ist eine lineare Abbildung

iX:Ωk(M)Ωk1(M),

die durch

ωω(X,,,)

gegeben ist. Das heißt, das innere Produkt bildet eine k-Form ω auf eine (k1)-Form ab, indem die Form an einem festen Vektorfeld X ausgewertet wird. Diese Abbildung ist ein Analogon der Tensorverjüngung auf dem Raum der Differentialformen. Deshalb wird diese Operation im Englischen auch manchmal „contraction“ genannt.

Das innere Produkt iX ist eine Antiderivation. Das heißt, für ωΩk(M) und νΩl(M) gilt die Leibnizregel

iX(ων)=(iXω)ν+(1)kω(iXν).

Außerdem gilt für das innere Produkt iXiX=0.

Rücktransport (Pullback) von Differentialformen

Vorlage:Hauptartikel

Schema eines Pull-Back, T*M ist das Kotangentialbündel der Mannigfaltigkeit M und entsprechend für N

Ist f:MN eine glatte Abbildung zwischen differenzierbaren Mannigfaltigkeiten, so ist für ωΩk(N) die mittels f zurückgeholte Form (f*ω)Ωk(M) wie folgt definiert:

(f*ω)(X1,,Xk):=ω(df(X1),,df(Xk))

Dabei ist df:TMTN die durch f induzierte Abbildung der Ableitungen, auch „push-forward“ genannt. Das Zurückziehen ist mit der äußeren Ableitung und dem äußeren Produkt verträglich:

  • f*(dω)=d(f*ω)
(ausführlicher geschrieben: auf der linken Seite d=d(N), auf der rechten Seite dagegen d=d(M)) und
  • f*(ωη)=(f*ω)(f*η)
für alle ω,ηΩpback(N)

Insbesondere induziert f eine Abbildung zwischen den De-Rham-Kohomologie-Gruppen (siehe unten)

fpback:HdRk(N)HdRk(M),

wobei die Umkehr der Pfeilrichtung gegenüber f:MN zu beachten ist („pull-back“, „Kohomologie“ statt „Homologie“).

Duale Form und Stern-Operator

Vorlage:Hauptartikel Betrachtet werden äußere Formen in einem n-dimensionalen Raum, in dem ein inneres Produkt (Metrik) definiert ist, sodass eine orthonormale Basis ei des Raumes gebildet werden kann. Die zu einer äußeren Form von Grad k in diesem n-dimensionalen Raum duale Form ist eine (nk)-Form

*(e1e2ek)=ek+1ek+2en.

Dabei seien beide Seiten in orientierter Form geschrieben. Formal wird die duale Form durch Anwendung des (Hodge-)*-Operators bezeichnet. Speziell für Differentialformen im dreidimensionalen euklidischen Raum ergibt sich:

*dx=dydz
*dy=dzdx
*dz=dxdy

mit den 1-Formen dx,dy,dz. Dabei wurde berücksichtigt, dass die orientierte Reihenfolge hier (y,z),(z,x) und (x,y) ist (zyklische Vertauschungen in (x,y,z)).

Das *-Symbol soll die Tatsache unterstreichen, dass damit ein inneres Produkt im Raum der Formen auf einem zugrundeliegenden Raum M gegeben ist, denn α*β lässt sich für zwei k-Formen α und β als Volumenform schreiben und das Integral

(α,β)=Mα*β

liefert eine reelle Zahl. Der Zusatz dual zeigt an, dass die zweifache Anwendung auf eine k-Form wieder die k-Form ergibt – bis auf das Vorzeichen, das gesondert betrachtet werden muss. Genauer gilt für eine k-Form in einem n-dimensionalen Raum, dessen Metrik die Signatur s hat (s=+1 im euklidischen Raum, s=1 im Minkowski-Raum):

**α=(1)k(nk)sα

Oben wurde gezeigt, wie sich im 3-dimensionalen euklidischen Raum bei äußerer Ableitung einer 1-Form α die 2-Form dα ergibt mit den Komponenten des Rotations-Vektors der Vektoranalysis als Koeffizienten. Diese 2-Form kann man mit Hilfe des *-Operators nun auch formal direkt als 1-Form (rot-Vektor) schreiben: *(dα). Analog wird der *-Operator zur „Übersetzung“ des oben formulierten Satzes von Stokes in die Vektoranalysis-Form benutzt.

De-Rham-Kohomologie

Vorlage:Hauptartikel Aus der graduierten Algebra Ω(U) kann zusammen mit der äußeren Ableitung ein Kokettenkomplex konstruiert werden. Aus diesem wird dann mit den üblichen Methoden der homologischen Algebra eine Kohomologie definiert. Georges de Rham konnte zeigen, dass diese nach ihm benannte Kohomologietheorie mit der singulären Kohomologie übereinstimmt. Um die De-Rham-Kohomologie zu definieren, werden zuerst die Begriffe der exakten und der geschlossenen Differentialform definiert:

Exakte und geschlossene Formen

Eine k-Form ω heißt geschlossen, wenn dω=0 gilt; sie heißt exakt, wenn es eine (k1)-Form η gibt, sodass ω=dη gilt. Aufgrund der Formel ddη=0 ist jede exakte Form geschlossen. Man beachte, dass Geschlossenheit im Gegensatz zu Exaktheit eine lokale Eigenschaft ist: Ist {Vα} eine offene Überdeckung von U, so ist eine k-Form ω genau dann geschlossen, wenn die Einschränkung von ω auf Vα für jedes α geschlossen ist.

Die De-Rham-Kohomologiegruppen

Der Faktorraum

(Menge aller geschlossenen k-Formen auf U) / (Menge aller exakten k-Formen auf U)

heißt k-te De-Rham-Kohomologiegruppe HdRk(U). Sie enthält Informationen über die globale topologische Struktur von U.

Das Lemma von Poincaré

Vorlage:Hauptartikel Das Lemma von Poincaré besagt, dass HdRk(U)=0 gilt für k>0 und Sterngebiete U. Allgemeiner gilt die Aussage dieses Lemmas für zusammenziehbare offene Teilmengen U des n. Der Beweis ist konstruktiv, d. h., es werden explizite Beispiele konstruiert, was für Anwendungen sehr wichtig ist. Man beachte, dass HdR0(U) aus den lokal konstanten Funktionen besteht, da es per definitionem keine exakten 0-Formen gibt. Es ist also HdR0(U)=0 für jedes U.

Ist ω geschlossen und η=dη exakt, so folgt

ωη=ωdη=(1)degωd(ωη).

Entsprechendes gilt, falls ω exakt und η geschlossen ist. Damit gibt es induzierte Abbildungen

HdRk(U)×HdRm(U)HdRk+m(U).

Ein Beispiel aus der Elektrodynamik

In der Elektrodynamik impliziert das Lemma von Poincaré, dass zu jedem Paar E,B elektromagnetischer Felder, die zu einer zweistufigen alternierenden Differentialform 𝐅 in einem vierdimensionalen Minkowskiraum zusammengefasst werden können, eine einstufige Vektorpotentialform 𝐀 mit 𝐅=d𝐀 existiert, ein sogenanntes „Viererpotential“, siehe auch Vierervektor. Auch Strom- und Ladungsdichten können zu einem Vierervektor bzw. zu einer entsprechenden 3-Form 𝐣 zusammengefasst werden.

Die relativistischen Maxwell-Gleichungen der Elektrodynamik auf einer vierdimensionalen Raum-Zeit-Mannigfaltigkeit M (mit Metrik gα,β und Determinante der Metrik g, wobei hier natürlich die Signatur eines Minkowski-Raumes vorliegt, etwa diag(+1,1,1,1) für α=0,1,2,3, entsprechend der Definition des Linienelements ds) lauten beispielsweise unter Verwendung dieser Symbolik:

d𝐅=2(γFαβ+βFγα+αFβγ)dxαdxβdxγ=0

(die sogenannte Bianchi-Identität) und

d(*𝐅)=Fαβ;αgϵβγδηdxγdxδdxη=𝐣

mit dem elektromagnetischen Feldtensor ausgedrückt als 2-Form

𝐅=Fαβdxαdxβ,

z. B. F1,2=Bz mit der z-Komponente des Vektors der magnetischen Induktion, und mit dem Strom (geschrieben als 3-Form)

𝐣=jαgϵαβγδdxβdxγdxδ.

Hierbei ist ϵαβγδ das Antisymmetrisierungssymbol (Levi-Civita-Symbol) und das Semikolon steht für die kovariante Ableitung. Wie üblich wird über doppelt vorkommende Indizes summiert (Einsteinsche Summenkonvention) und es werden natürliche Einheiten verwendet (Lichtgeschwindigkeit c ersetzt durch 1). Durch Anwendung des *-Operators kann man den zweiten Satz der vier Maxwellgleichungen auch alternativ mit einer 1-Form für den Strom schreiben. Aus den Maxwellgleichungen sieht man, dass 𝐅 und *𝐅 in der Elektrodynamik ganz unterschiedlichen Gleichungen gehorchen, die Dualität also keine Symmetrie dieser Theorie ist. Das liegt daran, dass die Dualität elektrische und magnetische Felder vertauscht, in der Elektrodynamik aber keine magnetischen Monopole bekannt sind. Die freien Maxwellgleichungen, die sich für 𝐣0 ergeben, haben dagegen duale Symmetrie.

Die Potentialform 𝐀 ist nur bis auf einen additiven Zusatz dχ eindeutig: 𝐀 und 𝐀+dχ ergeben dasselbe 𝐅, mit einer Eichform χ, die d(dχ)0 erfüllt, aber ansonsten willkürlich ist. Man kann diese zusätzliche sogenannte Eichfreiheit benutzen, um punktweise zusätzliche Nebenbedingungen zu erfüllen. In der Elektrodynamik fordert man beispielsweise, dass für 𝐀 überall die zusätzliche sogenannte Lorenz-Bedingung (Lorenz-Eichung) d(*𝐀)=0 gelten soll, in den vier Komponenten lautet diese Bedingung einfach νAν=0. Durch diese „Eichfixierung“ ergibt sich schließlich als eindeutige Lösung aller vier Maxwell-Gleichungen das sogenannte „retardierte Potential“:

Aν(𝐫,t)=jν(𝐫,t|𝐫𝐫|c)4π|𝐫𝐫|d3r

Beim Übergang zum Dualen ist zu beachten, dass man es nicht mit dem 4, sondern mit 𝕄4 zu tun hat, der eine andere Metrik, nämlich die Minkowski-Metrik, trägt. Das bei Lorentztransformationen invariante Linienelement ist ds2=c2dτ2=dx2+dy2+dz2c2dt2=dxνdxν, wobei dτ das Differential der Eigenzeit ist und die Summenkonvention verwendet wurde. Ko- und kontravariante Vierervektorkomponenten unterscheiden sich nun. Zwar ist +dx0+dx0=cdt, aber dx1+dx1=dx, dx2+dx2=dy und dx3+dx3=dz.

Integrationstheorie

Orientierung

Vorlage:Hauptartikel Ist n=dimU, so heißt eine n-Form auf U, die in keinem Punkt verschwindet, eine Orientierung auf U. U zusammen mit einer derartigen Form heißt orientiert. Eine Orientierung α definiert Orientierungen der Tangential- und Kotangentialräume: Eine Basis η1,,ηn des Kotangentialraums in einem Punkt p sei positiv orientiert, wenn

αp=aη1ηn

mit einer positiven Zahl a gilt. Eine Basis X1,,Xn des Tangentialraums in einem Punkt p sei positiv orientiert, wenn

α(X1,,Xn)>0

gilt.

Zwei Orientierungen heißen äquivalent, wenn sie sich nur um einen überall positiven Faktor unterscheiden; diese Bedingung ist äquivalent dazu, dass sie auf jedem Tangential- oder Kotangentialraum dieselbe Orientierung definieren.

Ist U zusammenhängend, so gibt es entweder gar keine oder genau zwei Äquivalenzklassen.

U heißt orientierbar, wenn eine Orientierung von U existiert.

Integration von Differentialformen

Es sei wieder n=dimU, und wir nehmen an, auf U sei eine Orientierung gewählt. Dann gibt es ein kanonisches Integral

Uω

für n-Formen ω. Ist U eine offene Teilmenge des n, sind x1,,xn die Standardkoordinatenfunktionen im n und ist

ω=fdx1dxn,

so gilt:

Uω=Uf(x1,,xn)dx1dxn

Das Integral auf der rechten Seite ist das gewöhnliche Lebesgue-Integral im n.

Ist M eine n-dimensionale orientierte Mannigfaltigkeit, UM offen und ϕ:Un eine Karte, so definiert man

Uω=ϕ(U)(ϕ1)*ω

als Integral der n-Form ω über ein Kartengebiet U. Die Differentialform ω wird also mit der Parametrisierung ϕ1:ϕ(U)U von U auf die offene Teilmenge ϕ(U)n zurückgeholt und dann nach obiger Definition integriert. Aus dem Transformationssatz folgt, dass diese Definition invariant gegenüber Koordinatenwechsel ist.

Ist allgemeiner B eine messbare Teilmenge von U, so definiert man

Bω=UχBω

mit der charakteristischen Funktion χB, d. h., ω wird außerhalb von B null gesetzt.

Zur Definition des Integrals über ganz M kann eine Zerlegung

M=j=1Mj

in abzählbar viele paarweise disjunkte messbare Teilmengen Mj gewählt werden, sodass jedes Mj ganz in einem Kartengebiet Uj enthalten ist. Damit setzt man

Mω=j=1Mjω.

Für Integrale von Differentialformen gilt der folgende Transformationssatz: Ist f:MN ein orientierungserhaltender Diffeomorphismus, dann gilt für ωΩn(N)

Nω=Mf*ω

mit der auf M zurückgeholten Form f*ω.

Satz von Stokes

Vorlage:Hauptartikel Ist M eine kompakte orientierte n-dimensionale differenzierbare Mannigfaltigkeit mit Rand M und versieht man M mit der induzierten Orientierung, so gilt für jede (n1)-Form ω

Mdω=Mω.

Dieser Satz ist eine weitreichende Verallgemeinerung des Hauptsatzes der Differential- und Integralrechnung. Er enthält als Spezialfälle den gaußschen Integralsatz und den klassischen Integralsatz von Stokes.

Ist M geschlossen, das heißt, gilt M=, so folgt für jede exakte n-Form ωexakt, d. h. für ωωexakt=dφ, die Beziehung

Mωexakt=Mdφ=M=φ=0.

Zur Verdeutlichung der genannten Eigenschaft von M benutzt man oft die Formulierung mit einem Kreis-Integral:

Mωexakt=0

Das Integral liefert eine Abbildung

HdRn(M).

Ist M zusammenhängend, so ist diese Abbildung ein Isomorphismus. Man kommt damit zur De-Rham-Kohomologie zurück (s. o.).

Rechenbeispiele

Auf 3 mit den kartesischen Koordinaten (x,y,z) seien die 1-Form

ω=z2dx+2ydy+xzdz

und die 2-Form

ν=zdzdx

gegeben.

Für das äußere Produkt gilt:

ων=z3dxdzdx=0+2yzdydzdx=dxdydz+xz2dzdzdx=0=2yzdxdydz

Die äußere Ableitung von ω ergibt

dω=2zdzdx+2dydy+(zdx+xdz)dz=2zdzdxzdzdx=zdzdx,

also dω=ν. Insbesondere ist ν exakt und folglich geschlossen, d. h. dν=0. Das lässt sich auch durch direkte Rechnung überprüfen: dν=dzdzdx=0.

Sei weiter c:[0,1]3 gegeben durch c(t)=(t2,2t,1), dann folgt mit x=t2, y=2t, z=1 und dx=2tdt, dy=2dt, dz=0 für die auf [0,1] zurückgeholte Form:

c*ω=2tdt+8tdt=10tdt

Für das Integral von ω über die durch c gegebene Kurve Γ=c([0,1]) im 3 ergibt sich somit

Γω=[0,1]c*ω=0110tdt=5.

Ist S2={𝐱3 | 𝐱2=1} die Einheitssphäre im 3, so ist S2 der Rand der Einheitskugel B3={𝐱3 | 𝐱2<1}, also S2=B3. Nach dem Satz von Stokes gilt also wegen dν=0

S2ν=B3dν=0.

Die 3-Form ων kann beispielsweise über den Einheitswürfel W=[0,1]3 integriert werden. Ihr Integral stimmt mit dem Lebesgue-Integral der Koeffizientenfunktion (x,y,z)2yz überein:

Wων=W2yzdxdydz=0101012yzdxdydz=201ydy01zdz=12.

Komplexe Differentialformen

Vorlage:Hauptartikel In der Theorie der komplexen Differentialformen wird der hier eingeführte Kalkül auf komplexe Mannigfaltigkeiten übertragen. Dies funktioniert größtenteils analog zur Definition der hier beschriebenen Formen. Jedoch werden hier analog zu den komplexen Zahlen die Räume der komplexen Differentialformen in zwei Räume (reeller) Differentialformen

r(M)Ωr,r(M)=Ωr(M)iΩr(M)

zerlegt. Der Raum Ωp,q heißt dann der Raum der (p,q)-Formen. Auf diesen Räumen kann man analog zur äußeren Ableitung zwei neue Ableitungen definieren. Diese werden Dolbeault- und Dolbeault-Quer-Operator genannt, und analog zur De-Rham-Kohomologie kann man mit Hilfe des Dolbeault-Quer-Operators wieder eine Kohomologie bilden. Diese heißt Dolbeault-Kohomologie.

Siehe auch

Literatur

  • Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis III. 2. Auflage. Birkhäuser, Basel 2008, ISBN 978-3-7643-8883-6, Kapitel XI und XII.
  • Henri Cartan: Differentialformen. Bibliographisches Institut, Mannheim 1974, ISBN 3-411-01443-1.
  • Klaus Jänich: Vektoranalysis. 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2005, ISBN 978-3-540-27338-7.
  • Shigeyuki Morita: Geometry of differential forms. American Mathematical Society, 2001, ISBN 0821810456.
  • Harley Flanders: Differential forms with applications to the physical sciences. Academic Press, 1963.
  • Harold Edwards: Advanced Calculus – a differential forms approach. Birkhäuser, 1994 (zuerst 1969).
  • Steven H. Weintraub: Differential Forms – a complement to vector calculus. Academic Press, 1997.