Proendliche Zahl

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In der Algebra und Zahlentheorie ist eine proendliche Zahl (auch pro-endliche Zahl, proendliche Ganzzahl oder profinite (Ganz)zahl, englisch: profinite integer) durch die Reste (Restklassen) festgelegt, die sie in allen ganzzahligen Restklassenringen bildet. Damit ist sie ein Element aus der proendlichen Vervollständigung ^ (gesprochen: Zett-Dach) der Gruppe der ganzen Zahlen Vorlage:Nowrap Die (rationalen) Ganzzahlen lassen sich vermöge des kanonischen injektiven Homomorphismus

ι:^r(r+1,r+2,r+3,)

in die proendlichen Zahlen einbetten. Dabei wird die Zahl r:=1 in allen Restklassenringen /i auf das dortige 1+i abgebildet. Dieses (1+1,1+2,1+3,) „erzeugt“ gewissermaßen ^.

Die so eingebetteten ganzen Zahlen liegen dicht in den proendlichen ganzen Zahlen Vorlage:Nowrap Sie sind in ^ Folgen von Restklassen, und bei den Eigenschaften bspw. einer solchen 1 oder 2 kommt es (wie häufig in der Abstrakten Algebra) nur auf diejenigen an, die sie in ihren Verknüpfungen haben.

Die Galois-Gruppe des algebraischen Abschlusses eines endlichen Körpers über diesem Körper ist isomorph zu ^.

Definition

Die proendliche Vervollständigung der Gruppe der ganzen Zahlen ist

^:=limi/i           (projektiver oder inverser Limes).

Die Bildung eines projektiven Limes erfordert ein sog. projektives System bestehend aus einer gerichteten Indexmenge, die eine Folge von Objekten indiziert, und Übergangsmorphismen zwischen diesen Objekten. Für ^ nimmt man als gerichtete Indexmenge die natürlichen Zahlen (,), die durch die Teilbarkeitsrelation kj partiell geordnet sind, und als Folge von Objekten die Folge der endlichen zyklischen Gruppen /j. Zu jedem j und jedem kj gibt es den Gruppenhomomorphismus (die „Restklassenabbildung“, die „natürliche Surjektion“)

fjk:/j/kr+jr+k,

der wegen jk wohldefiniert ist. Diese Homomorphismen nimmt man als Übergangsmorphismen zwischen den Objekten. Sie bilden einen Erzeuger von /j in einen von /k ab und sind für kji in einer Weise, nämlich

fik(r+i)=r+k=fjk(r+j)=fjk(fij(r+i)) also fik=fjkfij,

verträglich, wie es für das projektive System und die Bildung des projektiven Limes erforderlich ist.

Im projektiven Limes werden diejenigen Familien (ri+i)ii/i von Restklassen zusammengefasst, deren Komponenten miteinander verträglich sind, bei denen also für alle j,k mit kj gilt:

fjk(rj+j)=rk+k,

was durch die Kongruenzen

rj rk(mod k) (V)

erfüllt wird. In einer Formel geschrieben ergibt sich:

^:=limi/i={(ri+i)ii/i|j,k:kjrjrk(mod k)}(pL)

Eine Elementefamilie, die die Verträglichkeitsbedingungen (V) erfüllt, die also zum projektiven Limes gehört, wird manchmal auch als „Faser“ bezeichnet.

Die komponentenweise definierte Addition ist stetig. Dasselbe gilt in ^ zusätzlich für die Multiplikation. Dadurch wird ^ zu einer topologischen additiven Gruppe und zu einem topologischen Ring mit 1.

Die natürliche Topologie auf ^ ist die Limestopologie, d. i. die von den diskreten Topologien auf den /i induzierte Produkttopologie. Diese Topologie ist mit den Ringoperationen verträglich und wird auch Krulltopologie genannt. Gleichzeitig ist ^ die abgeschlossene Hülle von im Produkt Πi(/i), was die Dichtheit von in ^ impliziert.

Alternative Konstruktion

Der Ring der ganzen Zahlen kann auch in „klassischer“ Manier über eine uniforme Struktur vervollständigt werden. Sei dazu für N

UN:={(x,y)xyN}={(x,y)xy(mod N)}

eine Nachbarschaft (der Ordnung Vorlage:Nowrap Die Menge F:={UNN} ist ein (abzählbares) Fundamentalsystem[1] und der zugehörige Filter

Φ:={VN:UNV}

eine uniforme Struktur für . Die Forderungen an Φ sind leicht verifiziert:

(1) Jede Nachbarschaft UN und jedes VΦ enthält die Diagonale {(x,x)x}.
(2) Ist VΦ und VW, dann ist WΦ.
(3) Ist V,WΦ, dann ist auch VWΦ.
(4) Zu jedem VΦ gibt es ein WΦ mit Vorlage:Nowrap
(5) Ist VΦ, dann ist auch V1Φ.

Die Vorlage:AnkerMenge 𝒞 der Cauchy-Netze in (,Φ) ist

𝒞:={(rj)jj|NnN:nNj,k(rj,rk)UN}(CN),

welche mit der komponentenweisen Addition eine Gruppe ist. Die Vervollständigung der ganzen Zahlen bezüglich der uniformen Struktur der Teilbarkeit ist die Faktorgruppe 𝒞/𝒩 der Cauchy-Netze modulo den Nullfolgen 𝒩 (genauer: den Folgen, die Nullnetze bzw. Cauchy-Netze mit Limes 0 sind).[2]

𝒞/𝒩 erweist sich als isomorph zu ^.

Beweis  
Sei (ri+i)ii/i eine Familie von verträglichen Restklassen, also
j,k:kjrjrk(mod k),

und sei N, dann ist für alle j,k mit Nj,k

rjrNrk(mod N),

die Folge (ri)i der Repräsentanten also ein Cauchy-Netz.

Ist umgekehrt (sν)ν eine Folge von ganzen Zahlen, die ein Cauchy-Netz ist im Sinne der oben definierten uniformen Struktur, dann gibt es zu jedem k ein νk, so dass für alle ν,μ mit νkν,μ gilt

sμsν(mod k) .

Nimmt man jetzt ν:=νk, dann ist

sμsνk(mod k)

für alle μ mit νkμ. Die Teilfolge (rk)k:=(sνk)k hat denselben Grenzwert wie die ursprüngliche Folge, repräsentiert also dasselbe Element 𝒞/𝒩. Ist nun k, dann ist für alle j mit kj auch νkνj und sνjsνk(mod k), also

rjrk(mod k) .

Damit erfüllt die Folge (rk+k)k von Restklassen die Verträglichkeitsbedingungen (V) und ist eine Familie

limk/k=^ .
Ergebnis
Man kann von Folgen von Restklassen rj+j zu den Folgen ihrer Repräsentanten rj übergehen – wie man auch umgekehrt aus einem Cauchy-Netz von Ganzzahlen durch Beigabe von Moduln eine Folge von Restklassen machen kann, die dieselbe proendliche Zahl ausmacht.

Eigenschaften

Kommutatives Diagramm zum Ring der proendlichen Zahlen
  • Der projektive Limes ^ zusammen mit den Homomorphismen
τi:^/i(xn)nxi,
den Vorlage:Ankerkanonischen Projektionen (des projektiven Limes), hat die folgende universelle Eigenschaft:
Für jede Gruppe T und Homomorphismen ti:T/i, für die tj=fijti für alle ji gilt, existiert ein eindeutig bestimmter Homomorphismus t:T^, so dass ti=τit gilt.
Universelle Eigenschaft des Einbettungs-
isomorphismus ι
Für jeden Homomorphismus f:G in eine proendliche Gruppe G gibt es einen (bezüglich der Krulltopologie) stetigen Homomorphismus f^:^G mit f=f^ι.
^pp
(mit als der Menge der natürlichen Primzahlen) von ^ zum direkten Produkt der [[p-adische Zahl|Vorlage:Nowrap Zahlringe]] p, die ihrerseits projektive Limites
p=limn/pn
sind.[3] Vorlage:AnkerBei der Umkehrfunktion des Isomorphismus lässt sich zu einem beliebigen Vektor (xp)p mit Komponenten xpp das Urbild x^ (eindeutig) mithilfe des chinesischen Restsatzes bestimmen, der in einem erweiterten iterativen Verfahren, ähnlich dem im Beweis der Dichtheit im Artikel Limes (Kategorientheorie) gebrachten, angewendet Vorlage:Nowrap
Wie im projektiven Limes geschehen Addition und Multiplikation im direkten Produkt komponentenweise. Das bedeutet, dass es Nullteiler gibt in ^ und ^ keinen Quotientenkörper haben kann.
Für jede Primzahl p bezeichne
πp:^p
die kanonische Projektion (des direkten Produktes). Angewendet auf die Injektion
ιp: p ^=Πpp
z           (0,,0,z ,0,)
Komponente p
erfüllt sie πpιp=idp. Die Komposition ιpπp dagegen entspricht der Multiplikation
1p: ^=2×3× ^=Πpp
x=(x2,x3,x5,,xp,)           (0,,0,xp ,0,)   =x1p
mit
1p := (0,,0,1 ,0,)   ^
Komponente p
  • Eine in ^ konvergente Zahlenfolge konvergiert auch in jedem proendlichen Unterring p und umgekehrt. Die Konvergenz für ein einzelnes p genügt allerdings nicht. Beispiel: Die Folge (2n)n, die in 2 gegen 0 konvergiert, divergiert sowohl in p für Primzahlen p ungleich 2 wie auch in ^. Denn ist k:=ordp(2) die Ordnung von 2=1+1 in der multiplikativen Gruppe (/p)× des endlichen Körpers, dann gilt für alle n:2kn1(mod p) und 2kn+12≢1(mod p).
Topologie

Vorlage:AnkerDie Produkttopologie auf ^ ist die gröbste Topologie (die Topologie mit den wenigsten offenen Mengen), bezüglich der alle Projektionen πp stetig sind.

Diese Topologie fällt mit der oben erwähnten Limestopologie zusammen und wird Krulltopologie genannt. Da der die Isomorphie etablierende Isomorphismus gleichzeitig in beiden Richtungen stetig unter den beiderseitigen Topologien ist, ist er zusätzlich ein Homöomorphismus.

Darstellung

Die Entwicklung einer proendlichen Zahl beinhaltet (wie die einer reellen) im Normalfall unendlich viele Symbole. Die solche Symbolfolgen bearbeitenden Algorithmen können davon nur endliche Anfangsstücke abarbeiten. Bei einem Abbruch ist eine Angabe über die Größenordnung des Fehlers wünschenswert, ähnlich den Vorlage:Nowrap Zahlen, bei denen die letzte ausgeworfene Ziffer genau ist.

Darstellung als direktes Produkt

Die Darstellung einer proendlichen Zahl x^ als direktes Produkt

x=(xp)pΠpp

ist ein in zwei Dimensionen unendlicher[4] „Vektor“. Bei dieser Darstellung sind viele algebraisch-zahlentheoretiche Eigenschaften von x anhand der Eigenschaften in den p gut erkennbar.[5]

Darstellung als unendliche Reihe

Im projektiven Limes (pL) kann man die Halbordnung der Teilbarkeitsrelation (,) durch eine lineare Ordnung (,<) ersetzen. Sei dazu mn mit m1=1 der „Stellenwert“ (das Gewicht) an der Stelle n und bn mit mn1bn=mn die „Basis“. Dann Vorlage:Nowrap

^={(xn)nn/mn|n:xn+1xn(mod mn)},

wobei jedes Element x=(xn)n eine unendliche Familie

x =:   (mn+1+ rn)n

von Restklassen ist. Jeder solche Repräsentant rn lässt sich als Teilsumme

rn = i=1n zi mi
  =     zn mn ++z3 m3 +z2 m2 +z11
  =       (( zn bn ++z3) b3 +z2) b2 +z1 (Rn)

einer Reihe (R) mit „Ziffern“   zn0zn<bn+1   in einer Stellenwertnotation mit mehreren Basen Vorlage:Nowrap

Die Indizierung ist so gewählt, dass die Ziffer zn Repräsentant einer Vorlage:Nowrap ist – mit einem um 1 höheren Index – und das Folgenglied rn Repräsentant einer Restklasse  mod mn+1, dem „Modul“ (an der Stelle Vorlage:Nowrap

Algorithmus  
In der Induktionsannahme seien für j{1,2,,n1} die Ziffern zj der Darstellung schon derart bestimmt, dass
rj i=1jzimi (mod mj+1) (Rj)

Im Induktionsschritt komme die Forderung

rn qn (mod n)

hinzu, die für alle Teiler gn die Verträglichkeitsbedingung

qn τg(x) (mod g) (Vg)

mit einer der kanonischen Projektionen τ des projektiven Limes erfüllt. Es sollen aber die bereits etablierten Kongruenzen erhalten bleiben, d. h.

rn rn1 (mod mn)

gelten. Der erweiterte euklidische Algorithmus

(g,u,v) :=extended_euclid(mn,n)

liefert zu den beiden Moduln mn und n neben dem größten gemeinsamen Teiler g zwei Zahlen u,v mit

g =umn+vn.

Wegen gmn gilt ähnlich wie in (Vg)

rn1 τg(x) (mod g),

was zusammengenommen

qn rn1 (mod g)

ergibt. Also lässt sich (qnrn1)/g und

zn :=(qnrn1)/gu

bilden, so dass mit

rn :=znmn+rn1 (Rn)

sowohl

rn rn1 (mod mn)

als auch

rn (qnrn1)/g(umn)+rn1
(qnrn1)/g(gvn)+rn1
qn (mod n)

gilt, wie es sein soll.     ■
Die gezeigte Wahl von zn führt zum System A003418 der kleinsten gemeinsamen Vielfachen und zum System A051451, während eine Wahl zn:=u(qnrn1)/g+kn/g(mod n) mit dem Vorlage:Nowrap Modul n und beliebigem k zum fakultätsbasierten System führt.

Der Algorithmus vereinigt in jedem Induktionsschritt in Anwendung des chinesischen Restsatzes (unter Zuhilfenahme des erweiterten euklidischen Algorithmus) zwei (simultane) Kongruenzen zu einer neuen, die zu den beiden Ausgangskongruenzen äquivalent ist. (Im Fall nicht-teilerfremder Moduln wird die Lösbarkeit durch die Verträglichkeitsbedingungen des projektiven Systems stets garantiert.) Das Verfahren wirft unabhängig von der Wahl des Basissystems pro Schritt ein Folgenglied einer unendlichen Reihe aus.

Werden umgekehrt Ziffern mit   zn0zn<bn+1   frei gewählt, dann stellt die mit ihnen und dem gegebenen Basissystem (bn)n gebildete unendliche Reihe (R) eine (eindeutige) proendliche Zahl dar.

Kofinale Folge

Diese Reihe ist nur dann bei jedem beliebigen x^ eine Stellenwertentwicklung, wenn das gegebene Basissystem (bn)n jede Primzahl unendlich oft enthält, d. h. wenn die Folge der Moduln (mn)n kofinal in (,|)[6] und monoton (wachsend)[7] ist.[4] Dies ist beim System der Fakultäten, dem A003418- und dem A051451-basierten System der Fall. Die Monotonie vermeidet Basen bn<1 und ist wachsend, da das interessante, das offene Ende von (,|) bei den großen Zahlen ist.

Fakultätsbasiert

Im fakultätsbasierten Zahlensystem (engl. factorial number system) werden als Moduln die Fakultäten mn:=n![8] und damit bn:=n als Basen gewählt. Lenstra gibt für 1^ die Symbolfolge

–1 = … 1010998877665544332211
    = (… 10987654321)!

und kennzeichnet sie mit dem tiefgestellten Rufzeichen. Dabei ist die Ziffer 1 ganz links wie in Lenstra Profinite Fibonacci numbers. S. 297 hochgestellt, um auszudrücken, dass sie (ggf. zusammen mit anderen hochgestellten Ziffern) bis einschließlich zur nächsten normal geschriebenen Ziffer rechts davon zu einer Dezimalzahl gehört, welche eine einzige Stelle der Darstellung ausmacht. Die Aufschreibung im Horner-Schema ist:

    = (((((((((( 10)·10+9)·9+8)·8+7)·7+6)·6+5)·5+4)·4+3)·3+2)·2+1)·1
    = 11! – 1 = 39916799 ≡ –1 (mod 39916800 = 11!).[9]

Proendliche Zahlen haben in dieser Darstellung abhängig von ihrem Rest mod 24=4·3·2 die folgenden Entwicklungen in den ersten (rechtesten) 3 Stellen:

xx (mod 24) 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
  (z3 z2 z1)!   000  001  010  011  020  021  100  101  110  111  120  121  200  201  210  211  220  221  300  …

Die Wahl der Fakultäten als Moduln bei der fakultätsbasierten Darstellung bevorzugt die Produkte kleiner Primfaktoren, ganz besonders des Primfaktors 2.

A003418- bzw. A051451-basiert

Die folgende Wahl der Basen und Moduln erzeugt Darstellungen, bei denen die natürlichen Zahlen umgekehrt proportional zu ihrer Größe bevorzugt werden.

Sei dazu zunächst für jedes n

Pn:=kgV(1,2,,n)

(kleinstes gemeinsames Vielfaches) das Produkt der maximalen Primzahlpotenzen Vorlage:Nowrap In Zahlen ausgerechnet ergibt sich mit

P:= ( P1, P2, P3, P4, P5, P6, P7, P8, P9, P10, … )
= ( 1, 1·2=2, 2·3=6, 6·2=12, 12·5=60, 60·1=60, 60·7=420, 420·2=840, 840·3=2520, 2520·1=2520, … )

die Vorlage:OEIS.[10]

Wählt man für die Darstellung mn:=Pn als Moduln, dann sind die zugehörigen Basen bn=mn/mn1. Ist n keine Primzahlpotenz, dann ist bn=1. Ist aber n>1 eine Primzahlpotenz, etwa pk, dann ist bn=p eine Primzahl.

Das Beispiel

–1 = … 101032217610542132211
    = … 10021604121,

im Horner-Schema

    = (((((((((( 10)·1+0)·3+2)·2+1)·7+6)·1+0)·5+4)·2+1)·3+2)·2+1)·1
    = P12 – 1 = 27719 ≡ –1 (mod 27720 = P12),

gibt die Darstellung von –1 (mit nur Ziffern oder mit den Ziffern fett und den Basen normal gedruckt). Dabei ist die Ziffer 1 ganz links wie in Lenstra Profinite Fibonacci numbers. S. 297 hochgestellt, um auszudrücken, dass sie zur selben Stelle gehört wie die nächste normal geschriebene Ziffer.

Vorlage:AnkerLässt man die Basen =1 zusammen mit den zu ihnen gehörenden, verschwindenden Ziffern weg, so hat man

zu den Moduln
P9=2520, P8=840, P7=420, P5=60, P4=12, P3=6, P2=2, P1=1 
resp. zu den Basen
b9=3,       b8=2,       b7=7,       b5=5,       b4=2,       b3=3,       b2=2        
die Entwicklung
–1 = … 1
= … 103 22 17 65 42 13 22 11
= … 10 ·P9+   2 ·P8+   1 ·P7+   6 ·P5+   4 ·P4+   1 ·P3+   2 ·P2+   1 
= …, 27719, 2519, 839, 419, 59, 11, 5,
= …, P11 – 1, P9 – 1, P8 – 1, P7 – 1, P5 – 1, P4 – 1, P3 – 1, P2 – 1 
≡ –1 (mod Pn) für alle nN.

Die Moduln Pn dieser Darstellung machen (bei entsprechend angepasster Indizierung) die Vorlage:OEIS Vorlage:Nowrap

Unterringe

Direkte Summe

Die Elemente im direkten Produkt Πpp, bei denen nur endlich viele Komponenten von 0 verschieden sind, fasst man in der direkten Summe

pp:={(xp)ppp|np:p>nxp=0}

zusammen. Eine proendliche Ganzzahl xpp dieser Art kann als Vorlage:Nowrap Entwicklung der Form

x=i=0ribi

mit einer Basis   b:=pxp0p   und Ziffern   ri aus {0,1,,b1}   geschrieben werden. Man sagt, x wird zur Basis b notiert. Die Vorlage:Nowrap lässt sich aus den Vorlage:Nowrap mit dem chinesischen Restsatz gewinnen.

Die Darstellung ist eindeutig und kommt ohne ein vor das Literal (die Zahlkonstante) gestelltes Vorzeichen aus. Für alle Basen b{1,0,1} ist

1=i=0(b1)bi.

Alle diese Darstellungen zur Basis b sind dieselben wie im Ring

b=limn/bnppbp,

der ein Unterring der direkten Summe ist.[11]

Aus dieser Darstellung lässt sich erkennen, dass (zu einem xpp) die Basis b quadratfrei gewählt werden kann.

Primzahlpotenzen

Für jede Primzahl p und m ist

pm=limi/pmi=limi/pi=p .
Beweis  
Eine Familie von Restklassen (ri+pmi)ii/pmi aus dem projektiven Limes limi/pmi=pm

erfüllt für alle jk die Kongruenzen

rj rk(mod pmk) (Vpm) ,

Kongruenzen, die

rj rk(mod pk) (Vp)

trivialerweise implizieren. Daraus folgt (ri+pmi)ilimi/pi, also pmlimi/pi=p .

Ist umgekehrt (ri+pi)ii/pi=p eine Familie aus dem projektiven Limes limi/pi, dann sind für alle jk die Kongruenzen

rj rk(mod pk) (Vp)

erfüllt. Die Familien von Restklassen

(ri+pmim)i

sind zwar eine Vergröberung der ursprünglichen Familien. Und sie erfüllen die Bedingungen (Vpm). Da aber die Folge (pmim)i kofinal ist zu (pi)i, ergeben sie denselben projektiven Limes.   ■

Die folgende Überlegung führt zum selben Ergebnis:
Ausgehend von der Vorlage:Nowrap Darstellung

x=i=kripi

mit k und ri{0,,p1} kommt man über die Teilsummen sj:=i=0m1rmj+ipi direkt zu

x=j=kmsjpmj ,

was wegen sj{0,,pm1} die Vorlage:Nowrap Darstellung ist. Dieser Weg lässt sich auch umkehren – mit dem Ergebnis:

pm=p

10-adische Zahlen

Die 10-adischen Zahlen sind ein Beispiel für einen Vorlage:Nowrap Ring, bei dem die Basis b=10=25 keine Primzahlpotenz ist. Sie werden als projektiver Limes

10=limi/10i

gebildet und sind ein Unterring der direkten Summe.

Ultrametrik

Auf dem Ring 10, ja auf ganz 2×5,[12] lässt sich eine Ultrametrik d10 definieren, die 2×5 zu einem metrischen Raum mit der Krulltopologie macht.

Beweis  
Eine rationale Zahl r× lässt sich schreiben als r=±pq10s mit ganzzahligen p,q,s und einem zu 10 und p teilerfremden q. Zu jedem von 0 verschiedenen r gibt es einen maximalen Exponenten s mit dieser Eigenschaft. Analog zu p wird auf ganz 2×5 eine Funktion ψ definiert Vorlage:Nowrap
ψ(r):={ 0 für   r=0,
es sonst.

Die Forderungen „Nicht-Negativität“ und „positive Definitheit“ aus der Zusammenstellung Betragsfunktion#Betragsfunktion für Körper sind leicht einzusehen. Die „Multiplikativität“ kann nicht erfüllt werden, da 10 Nullteiler hat (s. Abschnitt #Nullteiler).[13] Die „Dreiecksungleichung“ ergibt sich so: Haben die 2 Zahlen r und r verschiedene Exponenten s und s, dann hat die Summe den Exponenten min(s,s). Sind sie aber gleich, dann ist r+r=±pq+pqqq10s mit ggT(qq,10)=1, so dass der neue Exponent keinesfalls kleiner und der neue Betrag keinesfalls größer werden kann. Es gilt also

ψ(r+r)max(ψ(r),ψ(r)).  ■

Eine solche Dreiecksungleichung nennt man verschärft. Die mithilfe dieser Funktion ψ definierte Metrik

d10(x,y):=ψ(xy)

ist damit eine Ultrametrik. Die von ihr induzierte Topologie stimmt mit der durch die Filter definierten überein.

10-adisch zu 2-adisch und 5-adisch

Ist (xn)n10, ferner   ji,   und sind ri,rj jeweilige Repräsentanten der Nebenklassen xi=ri+10i,xj=rj+10j, dann entspricht die Bedingung rj+10j=fij(ri+10i) der Kongruenz

rjri(mod 10j).

Daraus folgt aber für p{2,5}

rjri(mod pj),

so dass dieselben Repräsentanten rn sowohl eine proendliche Vorlage:Nowrap Zahlenfolge (rn)n2 wie auch eine proendliche Vorlage:Nowrap Zahlenfolge (rn)n5 ausmachen.

(2×5)-adisch zu 10-adisch

Zu frei gewählten

y=:j=0yj2j2   und     z=:j=0zj5j5

gibt es ein eindeutig bestimmtes x=(xi)i10, mit

π2(x)=y   und     π5(x)=z     (sK).

Denn die 2 simultanen Kongruenzen

xij=0i1yj2j(mod 2i)   und     xij=0i1zj5j(mod 5i)     (sKi)

können wegen der Teilerfremdheit der Moduln für jedes i mit dem chinesischen Restsatz (eindeutig) gelöst werden. xi   wird dadurch   (mod kgV(2i,5i)=10i) festgelegt.

Nullteiler

Endliche Zahlen (abbrechende Zahlfolgen) in den Ringen 2,5 und 10 liegen allesamt im Ring der ganzen Zahlen. Letzterer Ring enthält bekanntlich keine Nullteiler, genauso wenig die proendlichen Ringe 2 und 5, die ja Quotientenkörper besitzen, nämlich die 2-adischen Zahlen 2 bzw. die Vorlage:Nowrap Zahlen 5.

Beispiel 1

Wie im Abschnitt #Eigenschaften ausgeführt, entspricht für ein p die Projektion πp einer Multiplikation mit 1p. Sind p,q zwei verschiedene Primzahlen, dann ist 1p1q=0 (komponentenweise Multiplikation in Πpp). Das Produkt zweier proendlicher Zahlen kann also Null sein, auch wenn beide Faktoren von Null verschieden sind.

Der Algorithmus im Abschnitt Darstellung als unendliche Reihe liefert in ^ für 12

zu den Stellenwerten[14] 2520,  840,  420,  60,  12,  6,  2,  1
die A051451-Entwicklung
12 = … 1 ·P9+   1 ·P8+   0 ·P7+   1 ·P5+   3 ·P4+   1 ·P3+   1 ·P2+   1
=           …, 3465, 945, 105, 105, 45, 9, 3, 1.

Die Glieder der Folge in der letzten Zeile sind ≡1 (mod 2n) und teilbar durch (im Limes immer höhere) Potenzen aller anderen Primzahlen.[15]

Für 15 ergibt sich die A051451-Entwicklung

15 = … 8 ·P9+   2 ·P8+   0 ·P7+   5 ·P5+   3 ·P4+   0 ·P3+   0 ·P2+   0
=           …, 22176, 2016, 336, 336, 36, 0, 0, 0

Die Glieder der Folge in der letzten Zeile sind ≡1 (mod 5n) und teilbar durch zunehmend höhere Potenzen aller anderen Primzahlen.

Die Folgenglieder des Produkts   1215   sind für wachsende Indizes durch immer höhere Potenzen von 10 teilbar, d. h. es ist Nullfolge in ganz ^.

Beispiel 2

Für n sei xn:=52n und yn:=65n. Wegen

(52n+252n+1)/(52n+152n)=52n+1+52n5+5250(mod 10)

ist 10n Teiler von xnxn1. Das bedeutet, dass die Folge x:=limnxn im Ring der 10-adischen Zahlen konvergiert. Ferner ist x5≢0(mod 10).

Für yn gilt analog:

(65n+265n+1)/(65n+165n)=(65n)45+(65n)44+(65n)43+(65n)42+(65n)416+6+6+6+6560(mod 10)

und entsprechend y:=limnyn6≢0(mod 10).

Zu jeder der beiden Folgen lässt sich eine 10-adische Entwicklung der Form j=0aj10j mit aj{0,,9} mit demselben 10-adischen Limes angeben (die sich also nur um eine 10-adische Nullfolge unterscheidet). Andererseits divergieren die Folgen für alle Primzahlen außer 2 und 5.

Wegen xnyn=52n65n0(mod 102n) ist das Produkt xy=limnxnyn0(mod 102n) durch beliebig hohe Potenzen von 10 teilbar, so dass xy=0 in 10.

Übrigens sind die beiden 10-adischen Zahlen Einheitswurzeln, weil xn+1=xn2 und yn+1=yn5 zur Folge hat, dass x2=x und y5=y.

Trivialerweise ist π2(x)=1 in 2 und π5(y)=1 in 5.

Oberringe

Der Ring der proendlichen Rationalzahlen

^ :=   {(xi)ii/i|j,k:kjxjxk(mod k)}

umfasst ^, und . Außerdem ist

^ =   +^=^^
    {(xp)ppp|np:p>nxpp}

der Ring der endlichen Adele.[16]

Das Produkt ^× ist der Ring der ganzzahligen Adele.

Anwendungen

p:𝔽p𝔽pxxp
dem Erzeuger (1,1,) von ^.[17]
  • In additiven Gruppen können proendliche Vielfachheiten definiert werden, in multiplikativen proendliche Exponenten.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Im Abschnitt Pseudometrik#Definition einer Spanne durch eine uniforme Struktur wird ausgehend von einer uniformen Struktur, hier Φ, unter Zuhilfenahme der Abzählbarkeit des Fundamentalsystems eine Pseudometrik konstruiert, die ihrerseits wieder Φ induziert.
    Es gibt jedoch sogar eine Metrik, die die uniforme Struktur Φ induziert:
    Sei dazu
    v(x):={ + für   x=0,
    max{nn!|x} sonst.
    der „!-Wert“ eines x. [v misst die Nähe zur Null (den Grad der Teilbarkeit) von x durch Teiler der Form n! (gesprochen: enn Fakultät) – in Analogie zum Vorlage:Nowrap in den Ringen p, der den maximalen Exponenten n bei der Teilbarkeit durch pn angibt, oder auch zu ε0 (s. Lenstra Profinite number theory. S. 21) in den archimedischen Systemen.]
    Dann gilt für x,y mit v(x)v(y)
    x=ξv(x)!,y=ηv(y)!
    mit passenden ξ,η und x+y=v(x)!(ξ+ηv(y)!/v(x)!), woraus v(x+y)v(x). Der symmetrische Fall v(x)v(y) führt zu v(x+y)v(y). Beide Fälle zusammen ergeben
    v(x+y)min{v(x),v(y)}.
    Die damit gebildete Abstandsfunktion
    d(x,y):=ev(xy)
    erfüllt die Forderungen für eine Metrik und ist eine Ultrametrik:
    (1) Positive Definitheit: d(x,y)0   und   d(x,y)=0x=y
    (2) Symmetrie: d(x,y)=d(y,x)
    (3) Verschärfte Dreiecksungleichung: d(x,y)max{d(x,z),d(z,y)}

    Diese Metrik ist wie die uniforme Struktur im Text durch den Grad der Teilbarkeit definiert, so dass sie als uniforme Strukturen übereinstimmen.

    NB: Die Folge (n!)n ist kofinal in (,|). Und jede monotone kofinale Folge definiert eine Metrik mit derselben uniformen Struktur.

  2. Diese Nullnetze (rn)n sind genau die monotonen in (,|) kofinalen Netze, denn
    Nn:Nrnn:rnrn+1limnrn=0NnN:nNnNrnNn:Nrn
  3. s. Artikel Limes (Kategorientheorie)
  4. 4,0 4,1 Der hier vorkommende Ordnungstyp ist nicht ω=(,<), sondern der in zwei Dimensionen (der Folge der Primzahlen und der Folge der Exponenten) unendliche Ordnungstyp
    (,)=(0,)()=pp0,
    d. s. die Vektoren
    n=Πpnp:0   mit   np=0 für fast alle p.
    Die Ordnungsrelation in (,) geht komponentenweise
    nmp:npmp.
    Als abzählbarer Ordnungstyp enthält er kofinale Teilfolgen.
  5. Lenstra Profinite number theory. S. 17
  6. Nn:Nmn
  7. n:mnmn+1
  8. Diese Folge ist streng monoton kofinal in (,|).
  9. Werden die Basen (oder Moduln) mitnotiert, dann sind damit auch die Restklassen angegeben, auf die sich die Zwischensummen beziehen. Dies gilt auch für Notationen, bei denen die Basen anderweitig bekannt gemacht sind oder erschlossen werden können.
  10. Diese Folge ist monoton kofinal in (,|).
  11. Lenstra Profinite Groups Example 2.1
  12. Die Schreibweise 10 wird vermieden, um nicht die Assoziation eines Körpers hervorzurufen.
  13. Es gilt jedoch ψ(rr)ψ(r)ψ(r).
  14. Die Stellenwerte (oder Moduln) sind die Gewichte, mit denen die Ziffern zu multiplizieren sind, z. B. die Ziffer 3 mit dem akkumulierten Gewicht 12 = 2·3·2·1.
  15. Betrachtet man also diese Reihe als ganzzahlige Zahlenfolge im Ring 2, so ist sie gleich (konvergiert sie gegen die dortige) 1. Man kann sie auch als Folge in 3,5, auffassen, dann konvergiert sie gegen (die dortige) 0.
  16. Lenstra Profinite number theory. S. 7
  17. Milne, Ch. I Example A. 5.
  18. Lenstra Profinite Fibonacci numbers. S. 299