Schwartz-Raum (allgemein)

Aus testwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Unter einem Schwartz-Raum versteht man in der Mathematik eine spezielle Klasse lokalkonvexer Vektorräume. Viele in den Anwendungen wichtige Räume, z. B. Räume differenzierbarer Funktionen, sind Schwartz-Räume. Der Raum 𝒮 der schnell fallenden Funktionen (s. u.) wird in der Distributionstheorie manchmal als der Schwartz-Raum bezeichnet, obwohl es sich lediglich um einen Vertreter der hier zu besprechenden Raumklasse handelt. Die Bezeichnung Schwartz-Raum (nach Laurent Schwartz) geht auf Alexander Grothendieck zurück. In der Literatur ist auch die Bezeichnung S-Raum verbreitet; ein vollständiger Schwartz-Raum wird dann auch ein S-Raum genannt.

Definition

Ein lokalkonvexer Raum E heißt ein Schwartz-Raum, wenn es zu jedem normierten Raum F und jedem stetigen linearen Operator A:EF eine Nullumgebung VE gibt, so dass das Bild A(V) präkompakt ist.

Dies ist genau dann der Fall, wenn es zu jedem Banachraum F und jedem stetigen linearen Operator A:EF eine Nullumgebung VE gibt, so dass A(V) kompakt ist.

Eine innere Charakterisierung lautet:

Ein lokalkonvexer Raum E ist genau dann ein Schwartz-Raum, wenn es zu jeder Nullumgebung UE eine Nullumgebung VE gibt, so dass man zu jedem ϵ>0 endlich viele Punkte x1,,xnE mit Vj=1n(xj+ϵU) finden kann.

Präkompakte Halbnormen

Weiter lassen sich Schwartz-Räume über die stetigen Halbnormen charakterisieren. Eine Halbnorm p auf einem lokalkonvexen Raum E heißt präkompakt, falls es eine Nullfolge (ζn)n in 𝕂 und eine gleichstetige Folge (fn)n im starken Dualraum E gibt, so dass für alle xE die Ungleichung p(x)supn|ζnfn(x)| gilt. (Dabei heißt die Folge (fn)n gleichstetig, wenn es eine stetige Halbnorm q auf E gibt mit |fn(x)|q(x) für alle xE und n.)

Präkompakte Halbnormen sind stetig, denn mit obigen Bezeichnungen erhält man die Abschätzung p(x)supn|ζnfn(x)|supn|ζn|q(x). Die Umkehrung ist im Allgemeinen nicht richtig, sie stellt vielmehr eine Charakterisierung der Schwartz-Räume dar, denn es gilt:

Ein lokalkonvexer Raum E ist genau dann ein Schwartz-Raum, wenn jede stetige Halbnorm präkompakt ist.

Beispiele

  • Unter den normierten Räumen sind genau die endlich-dimensionalen Räume Schwartz-Räume.
  • Jeder vollständige nukleare Raum ist ein Schwartz-Raum.
  • Sei 𝒮(n) der Raum aller Funktionen f:n, für die alle Suprema pk,m(f):=sup|α|ksupxn|(1+|x|2)mDαf(x)| endlich sind. Dabei wurde von der Multiindex-Schreibweise Gebrauch gemacht. Der Raum 𝒮(n) mit den Halbnormen {pk,m;k,m0} heißt Raum der schnell fallenden Funktionen. Er ist ein Schwartz-Raum und wird manchmal auch als der Schwartz-Raum bezeichnet.
  • Jede Folge (an)n1 definiert durch die Festlegung (xn)nn=1anxn ein lineares Funktional auf dem Folgenraum der beschränkten Folgen. Diesen Raum versehe man mit der feinsten lokalkonvexen Topologie, so dass der Dualraum bzgl. dieser Identifikation mit 1 zusammenfällt. Nach dem Satz von Mackey-Arens gibt es eine solche Topologie, die Mackey-Topologie τ(,1). Der lokalkonvexe Raum (,τ(,1)) ist ein vollständiger Schwartz-Raum, der nicht nuklear ist.

Eigenschaften

  • Unterräume und Quotientenräume nach abgeschlossenen Unterräumen von Schwartz-Räumen sind wieder Schwartz-Räume.
  • Beliebige Produkte von Schwartz-Räumen sind wieder Schwartz-Räume.
  • Vollständige quasitonnelierte Schwartz-Räume sind Montel-Räume. Es gibt aber Fréchet-Montel-Räume, die keine Schwartz-Räume sind.
  • Ein lokalkonvexer Raum E ist genau dann ein Schwartz-Raum, wenn es eine Menge I gibt, so dass E topologisch isomorph zu einem Unterraum von (,τ(,1))I ist. In diesem Sinne ist (,τ(,1)) ein universeller Schwartz-Raum.

Vollständige Schwartz-Räume

Vollständige Schwartz-Räume haben besondere Eigenschaften und lassen weitere Charakterisierungen zu. Ist p eine stetige Halbnorm auf dem lokalkonvexen Raum E, so ist Np:={xE;p(x)=0} ein abgeschlossener Unterraum von E und durch x+Npp:=p(x) wird eine Norm auf dem Faktorraum Ep:=E/Np erklärt. Die Vervollständigung dieses normierten Raums wird mit Bp bezeichnet. Ist q eine weitere stetige Halbnorm mit pq, so definiert x+Nqx+Np einen stetigen linearen Operator EqEp, der sich stetig zu einem linearen Operator κqp:BqBp fortsetzen lässt. Die Bp heißen die lokalen Banachräume und die Operatoren κqp heißen kanonische Abbildungen von E. Mit diesen Begriffen können vollständige Schwartz-Räume wie folgt charakterisiert werden:

Ein lokalkonvexer Raum ist genau dann ein vollständiger Schwartz-Raum, wenn es zu jeder stetigen Halbnorm p eine weitere stetige Halbnorm qp gibt, so dass die kanonische Abbildung κqp:BqBp ein kompakter Operator ist.

Es genügt natürlich, sich auf ein gerichtetes System erzeugender Halbnormen zu beschränken.

In vollständigen Schwartz-Räumen gilt der Satz von Bolzano-Weierstraß, das heißt, eine Menge ist genau dann kompakt, wenn sie abgeschlossen und beschränkt ist.

Literatur

  • K. Floret, J. Wloka: Einführung in die Theorie der lokalkonvexen Räume. Lecture Notes in Mathematics 56, 1968.
  • H. H. Schaefer: Topological Vector Spaces. Springer, 1971.
  • H. Jarchow: Locally Convex Spaces. Teubner, Stuttgart 1981.
  • Yau-Chuen Wong: Introductory Theory of Topological Vector Spaces. Marcel Dekker Ltd., 1992.
  • R. Meise, D. Vogt: Einführung in die Funktionalanalysis. Vieweg, 1992. ISBN 3-528-07262-8