Umgebung (Mathematik)

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Eine Epsilon-Umgebung (ε) um die Zahl a, eingezeichnet auf der Zahlengeraden.

Umgebung ist ein Begriff der Mathematik aus der Topologie, der in vielen Teilgebieten gebraucht wird. Er ist eine Verallgemeinerung des Begriffs der Vorlage:Nowrap aus der Analysis und präzisiert das alltagssprachliche Konzept der ‚Umgebung‘ für den mathematischen Gebrauch.

Mathematische Eigenschaften, die auf eine gewisse Umgebung bezogen sind, heißen lokal, im Unterschied zu global.

Umgebungen in metrischen Räumen

Die Menge V ist eine Umgebung des Punkts p.
Das Rechteck V ist keine Umgebung für den Eckpunkt p.

Definition

In einem metrischen Raum (X,d) ergibt sich der Umgebungsbegriff aus der Metrik d.

ε-Umgebung

Man definiert die sogenannten Vorlage:Nowrap wie folgt: Für jeden Punkt x des Raums X und jede positive reelle Zahl ε (Epsilon) wird definiert:

Uε(x):={yXd(x,y)<ε}

Die so definierte Vorlage:Nowrap von x wird auch offene Vorlage:Nowrap um x oder offener Ball genannt. Eine Teilmenge von X ist nun genau dann eine Umgebung des Punktes x, wenn sie eine Vorlage:Nowrap von x enthält.

Äquivalent lässt sich der Umgebungsbegriff in metrischen Räumen auch direkt ohne Verwendung des Begriffes einer Vorlage:Nowrap definieren:

Eine Menge UX heißt genau dann Umgebung von xX, wenn es ein ε>0 gibt, so dass für alle yX mit d(x,y)<ε die Eigenschaft yU erfüllt ist.

Mit Quantoren lässt sich der Sachverhalt auch so ausdrücken:

ε>0yX:(d(x,y)<εyU).

Umgebung

Man nennt eine Menge VX eine Umgebung von x, wenn eine Vorlage:Nowrap U existiert, so dass

xUVX.

Beispiele

  • Die Menge der reellen Zahlen wird durch die Definition der Metrik d(x,y):=|xy| zu einem metrischen Raum. Die Vorlage:Nowrap einer Zahl x ist das offene Intervall (xε, x+ε).
  • Die Menge der komplexen Zahlen wird ebenso zum metrischen Raum. Die Vorlage:Nowrap einer Zahl z ist die offene Kreisscheibe um z vom Radius ε.
  • Etwas allgemeiner tragen alle Vorlage:Nowrap reellen Vektorräume durch den üblichen (von der euklidischen Norm induzierten) Abstandsbegriff eine Metrik. Die Vorlage:Nowrap sind hier Vorlage:Nowrap Kugeln (im geometrischen Sinn) vom Radius ε. Dies motiviert die allgemeinere Sprechweise von Vorlage:Nowrap auch in anderen metrischen Räumen.
  • Ein wichtiges Beispiel aus der reellen Analysis: Der Raum der beschränkten Funktionen auf einem reellen Intervall I wird durch die Supremumsnorm zu einem metrischen Raum. Die Vorlage:Nowrap einer beschränkten Funktion f auf I besteht hier aus allen Funktionen, die f punktweise mit einer kleineren Abweichung als ε approximieren. Anschaulich: Die Schaubilder aller dieser Funktionen liegen innerhalb eines Vorlage:Nowrap um das Schaubild von f herum.

Nehme zum Beispiel die folgende Menge M:

Menge M mit inneren Punkt a auf der Zahlengeraden
Menge M mit inneren Punkt a auf der Zahlengeraden

Diese Menge M ist eine Umgebung von a, weil sie eine Obermenge von ]aε,a+ε[ für ein ε>0 ist:

Menge M mit innerem Punkt a und Vorlage:Nowrap um a
Menge M mit innerem Punkt a und Vorlage:Nowrap um a

Umgebungen in topologischen Räumen

Gegeben sei ein topologischer Raum (X,𝒯). Zu jedem Punkt xX gehört die Menge seiner Umgebungen 𝒰(x). Das sind in erster Linie die offenen Mengen O𝒯, die x als Element enthalten; diese heißen offene Umgebungen von x. Dazu kommen alle Mengen UX, die eine offene Umgebung von x als Teilmenge enthalten. Damit ist UX genau dann Umgebung von x, also U𝒰(x), wenn es eine offene Menge O𝒯 gibt, für die gilt xOU.

Die Menge 𝒰(x) der Umgebungen des Punktes x bildet bezüglich der Mengeninklusion einen Filter, den Umgebungsfilter von x.

Eine Teilmenge (x) von 𝒰(x) heißt eine Umgebungsbasis von x, oder Basis von 𝒰(x), wenn jede Umgebung von x ein Element von (x) als Teilmenge enthält. So bilden die offenen Umgebungen eines Punktes stets eine Basis seines Umgebungssystems. Ein anderes Beispiel bilden die ε-Umgebungen eines Punktes in einem metrischen Raum, ebenso in 2 die Quadrate mit Mittelpunkt x und positiver Seitenlänge (= Kugeln bzgl. der Maximumsnorm).

Eine Teilmenge U eines topologischen Raumes X heißt Umgebung der Menge SX, falls eine offene Menge O mit SOU existiert.

Eigenschaften

Für die Umgebungen gelten folgende Eigenschaften:[1]

  1. Ist U𝒰(x), so gilt xU. (Jede Umgebung eines Punktes enthält den Punkt.)
  2. Ist U𝒰(x) und UUX, so ist auch U𝒰(x). (Jede Obermenge einer Umgebung eines Punktes ist wieder Umgebung des Punktes.)
  3. Ist U𝒰(x) und V𝒰(x), so gilt auch UV𝒰(x). (Die Schnittmenge zweier Umgebungen eines Punktes ist wieder Umgebung des Punktes. Damit ist auch die Schnittmenge einer endlichen Menge von Umgebungen eines Punktes wieder Umgebung des Punktes.)
  4. Zu jedem U𝒰(x) existiert ein V𝒰(x), so dass U𝒰(y) für jedes yV gilt. (Die Umgebung eines Punktes kann gleichzeitig Umgebung anderer in ihr enthaltener Punkte sein. Im Allgemeinen ist eine Umgebung U eines Punktes x nicht Umgebung aller in ihr enthaltenen Punkte, sie enthält aber eine weitere Umgebung V von x, so dass U Umgebung aller Punkte in V ist.)

Diese vier Eigenschaften werden auch die Hausdorffschen Umgebungsaxiome genannt und bilden die historisch erste Formalisierung des Begriffes des topologischen Raumes.

Denn ordnet man umgekehrt jedem Punkt x einer Menge X ein die obigen Bedingungen erfüllendes nichtleeres Mengensystem 𝒰(x) zu, so gibt es eine eindeutig bestimmte Topologie auf X, sodass für jedes x das System 𝒰(x) das Umgebungssystem von x ist. So erfüllen beispielsweise die oben definierten Umgebungen in metrischen Räumen die Bedingungen 1 bis 4 und bestimmen damit auf der Menge M eindeutig eine Topologie: die durch die Metrik induzierte Topologie. Verschiedene Metriken können denselben Umgebungsbegriff und damit dieselbe Topologie induzieren.

Eine Menge ist in diesem Fall genau dann offen, wenn sie mit jedem ihrer Punkte auch eine Umgebung dieses Punktes enthält. (Dieser Satz motiviert die Verwendung des Wortes „offen“ für den oben definierten mathematischen Begriff: Jeder Punkt nimmt seine nächsten Nachbarn in die offene Menge mit, keiner steht anschaulich gesprochen „am Rand“ der Menge.)

Punktierte Umgebung

Definition

Eine punktierte Umgebung U˙ eines Punktes x entsteht aus einer Umgebung U𝒰(x), indem man den Punkt x entfernt, also

U˙:=U{x}.[2]

Punktierte Umgebungen spielen insbesondere bei der Definition des Grenzwerts einer Funktion eine Rolle, ebenso in der Funktionentheorie bei der Betrachtung von Wegintegralen holomorpher Funktionen.

Beispiel

In einem metrischen Raum (M,d) sieht eine punktierte Vorlage:Nowrap folgendermaßen aus:

U˙ε(x):={yM|0<d(x,y)<ε}

Einzelnachweise

  1. Querenburg: Mengentheoretische Topologie. 1979, S. 20.
  2. Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis. Teil 1. 8. überarbeitete Auflage. Teubner, Stuttgart u. a. 1990, ISBN 3-519-12231-6, S. 236 (Mathematische Leitfäden).

Literatur

  • Boto von Querenburg: Mengentheoretische Topologie (= Springer-Lehrbuch). 3., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-540-67790-9.
  • James R. Munkres: Topology. 2. Auflage. Prentice Hall, Upper Saddle River NJ 2000, ISBN 0-13-181629-2.