Yang-Mills-Higgs-Gleichungen

Aus testwiki
Version vom 6. Dezember 2024, 21:33 Uhr von imported>Samuel Adrian Antz (Verbindungen hinzugefügt.)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Yang-Mills-Higgs-Gleichungen sind im mathematischen Teilgebieten der Differentialgeometrie und insbesondere der Yang-Mills-Theorie auftauchende nichtlineare partielle Differentialgleichungen für Zusammenhänge auf einem Hauptfaserbündel und Schnitte in ihrem adjungierten Vektorbündel. Über dreidimensionalen Mannigfaltigkeiten bestehen Verbindungen zur Bogomolny-Gleichung, wozu insbesondere die BPS-Grenze gehört. Über dreidimensionalen Calabi-Yau-Mannigfaltigkeiten ist diese nötig für die Definition der Gopakumar-Vafa-Invarianten in der Stringtheorie. Benannt sind die Gleichungen nach Chen-Ning Yang und Robert Mills, welche die als Spezialfall enthaltenen Yang-Mills-Gleichungen im Jahr 1954 erstmals aufgestellt haben,[1] sowie Peter Higgs, welcher im Jahr 1964 das die Zusatzterme beschreibende Higgs-Feld postuliert hat.[2][3]

Formulierung

Mathematische Notation

Sei G eine Lie-Gruppe mit Lie-Algebra 𝔤 und EB ein G-Hauptfaserbündel, wobei B eine orientierbare Riemannsche Mannigfaltigkeit mit Metrik g und Volumenform volg ist. Sei Ad(E):=E×G𝔤B das adjungierte Bündel. Sei AΩAd1(E,𝔤)Ω1(B,Ad(E)) ein Zusammenhang und FA:=dA+12[AA]ΩAd2(E,𝔤)Ω2(B,Ad(E)) dessen Krümmungsform sowie ΦΩAd0(E,𝔤)Ω0(B,Ad(E))Γ(B,Ad(E)) ein glatter Schnitt. Für diese sind die Yang-Mills-Higgs-Gleichungen gegeben durch:[4][5][6][7]

dAFA+[Φ,dAΦ]=0;
dAdAΦ=0.

Darüber hinaus gelten die Bianchi-Identitäten:[8]

dAFA=0
dAdAΦ+[Φ,FA]=0

Zudem soll das Higgs-Feld im Unendlichen verschwinden:[9]

lim|x||Φ(x)|=0.

Eine Lösung (A,Φ) der Yang-Mills-Higgs-Gleichungen wird Yang-Mills-Higgs-Paar genannt.

Mit 2=(1)k(nk) und δA=(1)n(k+1)+1dA bei Anwendung auf k-Formen lässt sich die erste Yang-Mills-Higgs-Gleichung auch umschreiben zu:

δAFA+[Φ,dAΦ]=0.

Zudem lässt sich die zweite Yang-Mills-Higgs-Gleichung umschreiben zu:

δAdAΦ=0.

Physikalische Notation

In der Physik werden die Yang-Mills-Higgs-Gleichungen bevorzugt in lokalen Koordinaten angegeben. Griechische Indizes stehen dabei für die Koordinaten der zugrundeliegenden Mannigfaltigkeit, welche in der Physik die Raumzeit darstellt, und lateinische Indizes stehen für die Koeffizienten bezüglich einer Basis Ta der Lie-Algebra. (Etwa den Pauli-Matrizen für 𝔤=𝔰𝔲(2) oder den Gell-Mann-Matrizen für 𝔤=𝔰𝔲(3).) Es ist:

Φ=ΦaTa;
A=Aμdxμ=AμaTadxμ;
F=Fμνdxμdxν=FμνaTadxμdxν.

Die Definition der Krümmungsform wird nun zu:

Fμνa=μAνaνAμa+fbcaAμbAνc.

Die Yang-Mills-Higgs-Gleichungen werden zu:

μFμνa+fbcaAμbFμνc+fbcaΦb(νΦc+fdecAνdΦe)=0;
fbcaΦb(νΦc+fdecAνdΦe)=0.

Dabei wird bei allen Gleichungen die Einsteinsche Summenkonvention verwendet, bei welcher über Indizes, die sowohl kovariant (unten) als auch kontravariant (oben) vorkommen, summiert wird, wobei das Summenzeichen jedoch zur Vereinfachung weggelassen wird.

Herleitung

Hergeleitet werden können die Yang-Mills-Higgs-Gleichungen aus der Yang-Mills-Higgs-Wirkung:[10][7]

YMH:Ω1(B,Ad(E))×Γ(B,Ad(E)),YMH(A,Φ):=BFA2+dAΦ2dvolg.

Yang-Mills-Higgs-Paare sind genau ihre kritischen Punkte, also lokale Extrema einer Variation, wozu lokale Minima, Sattelpunkte und lokale Maxima gehören. Mathematisch ausgedrückt ist also (A,Φ) ein Yang-Mills-Higgs-Paar, wenn für alle glatten Wege α:(ε,ε)Ω1(B,Ad(E)) mit α(0)=A und φ:(ε,ε)Γ(B,Ad(E)) und φ(0)=Φ die Bedingung:

ddtYMH(α(t),φ(t))|t=0=0

erfüllt ist.

Abelsche Yang-Mills-Higgs-Gleichungen

Die abelschen Yang-Mills-Higgs-Gleichungen (oder abelsche YMH-Gleichungen) sind der Spezialfall der Yang-Mills-Higgs-Gleichungen für eine abelsche Lie-Gruppe G und entsprechend für eine abelsche Lie-Algebra 𝔤, für welche alle Lie-Klammern verschwinden. Daher fällt der zweite Term in der kovarianten Ableitung dA=d+[A] heraus und diese wird einfach zur Cartan-Ableitung d. (Ebenso fällt die adjungierte kovariante Ableitung δA=±dA zur adjungierten Cartan-Ableitung δ=±dzurück.) Zudem verschwindet der zweite Term in den ersten Yang-Mills-Higgs-Gleichungen direkt. Dadurch fallen die abelschen Yang-Mills-Higgs-Gleichungen auf die abelschen Yang-Mills-Gleichungen sowie eine verallgemeinerte Laplace-Gleichung zurück:

ddA=0;
ddΦ=0.

U(1)-Yang-Mills-Higgs-Gleichungen auf R²

Die ersten U(1)-Yang-Mills-Higgs-Gleichungen auf 2 sind einfach die U(1)-Yang-Mills-Gleichungen auf 2.

dΦ=xΦdx+yΦdy
dΦ=xΦdyyΦdx
ddΦ=x2Φdxdyy2Φdydx=(x2+y2)Φdxdy

Dadurch werden die zweiten U(1)-Yang-Mills-Higgs-Gleichungen auf 2 einfach zur zweidimensionalen Laplace-Gleichung:

ΔΦ=(x2+y2)Φ=0.

U(1)-Yang-Mills-Higgs-Gleichungen auf R³

Die ersten U(1)-Yang-Mills-Higgs-Gleichungen auf 3 sind einfach die U(1)-Yang-Mills-Gleichungen auf 3.

dΦ=xΦdx+yΦdy+zΦdz
dΦ=xΦdydz+yΦdzdx+zΦdxdy
ddΦ=x2Φdxdydz+y2Φdydzdx+z2Φdzdxdy=(x2+y2+z2)Φdxdydz

Dadurch werden die zweiten U(1)-Yang-Mills-Higgs-Gleichungen auf 2 einfach zur dreidimensionalen Laplace-Gleichung:

ΔΦ=(x2+y2+z2)Φ=0.

Verbindung zu verallgemeinerten Laplace-Gleichungen

Das Cartan-Differential d, welches den Grad einer Differentialform um eins erhöht, sowie dessen adjungiertes Kodifferntial δ, welches den Grad einer Differentialform um eins verringert, können zur Definition eines verallgemeinerten Laplace-Operators Δ=δd+dδ verwendet werden. Dies ist ebenfalls für Lie-Algebrenwertige Differentialformen möglich durch:

ΔA:=δAdA+dAδA:Ωk(B,Ad(E))Ωk(B,Ad(E)).

Während jedoch d2=0, ist dA2=[FA]0 (wie etwa oben bei der zweiten Bianchi-Identität für Φ bereits gesehen), weshalb sich etwa die De-Rham-Kohomologie oder die Hodge-Zerlegung nicht einfach analog übertragen lassen.

Eine Kombination der Bianchi-Identität dAFA=0 und den Yang-Mills-Gleichungen δAFA=[Φ,dAΦ] impliziert direkt:

ΔAFA=dA[Φ,dAΦ].

Eine Kombination der trivial gültigen Identität δAΦ=0 (da Φ eine 0-Form ist, deren Grad nicht weiter gesenkt werden kann) und den zweiten Yang-Mills-Higgs -Gleichungen δAdAΦ=0 impliziert direkt:

ΔAΦ=0.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Vorlage:Cite journal
  2. Vorlage:Literatur
  3. Vorlage:Literatur
  4. Taubes 82, Part I, Gleichungen (2.2a) und (2.2b)
  5. Taubes 84, Gleichung (1), wobei jedoch ein Hodge-Stern-Operator fehlt
  6. Taubes 85, Gleichungen (A.1.1a) und (A.1.1b)
  7. 7,0 7,1 Vorlage:Internetquelle
  8. Taubes 82, Part I, Gleichungen (2.2c) und (2.2d)
  9. Taubes 82, Part I, Gleichung (2.3)
  10. Taubes 82, Part I, Gleichung (2.1)