Hochschild-Homologie und Kohomologie

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Die Hochschild-Homologie und Kohomologie, benannt nach Gerhard Hochschild, ist eine mathematische Theorie, die speziell auf die Untersuchung von Algebren zugeschnitten ist. Es handelt sich um eine Homologie- bzw. Kohomologie-Theorie, die sich aus Kettenkomplexen bzw. Kokettenkomplexen ergibt, die eng mit der Algebrenstruktur zusammenhängen.

Konstruktion der Homologiegruppen

Wir betrachten im Folgenden eine assoziative Algebra A mit Einselement über einem Körper K, kurz eine K-Algebra. Ferner sei ein A-Bimodul M gegeben, das heißt die Modulelemente können von links und rechts mit Elementen aus der Algebra multipliziert werden, so dass die zugehörigen Links- und Rechtmodulstrukturen verträglich sind, was a(mb)=(am)b für alle mM und a,bA bedeutet. Bezeichnet man mit An das n-fache Tensorprodukt von A mit sich selbst, wobei A0:=K, so lassen sich folgende Abbildungen definieren:

di(n):MAnMAn1
ma1an{ma1anfür i=0ma1aiai+1an,für 0<i<nanma1an1für i=n

wobei sich die di(n) zu K-linearen Abbildungen fortsetzen. Weiter sei dn:=i=0n(1)idi(n):MAnMAn1, das heißt

d1(ma1)=ma1a1m
d2(ma1a2)=ma1a2ma1a2+a2ma1
d3(ma1a2a3)=ma1a2a3ma1a2a3+ma1a2a3a3ma1a2

und so weiter. Dann gilt dndn+1=0 für alle n=1,2,3,, das heißt man erhält einen Kettenkomplex

0Md1MAd2MAAd3.

Die Hochschild-Homologie von A mit Werten in M ist als Homologie dieses Kettenkomplexes definiert, das heißt die n-te Hochschild-Homologiegruppe von A mit Werten in M ist die Faktorgruppe

Hn(A,M):=ker(dn)/im(dn+1),

wobei d0=0 gesetzt wurde. Da die obigen Definitionen der di(n) von der Algebren- und Bimodulstruktur Gebrauch machen, können die Hochschild-Homologiegruppen Informationen über die Algebra A enthalten.

Konstruktion der Kohomologiegruppen

Die Hochschild-Kohomologiegruppen erhält man durch eine analoge Konstruktion aus Räumen Hom(An,M) von K-linearen Homomorphismen AnM, wobei A wieder die betrachtete K-Algebra und M ein A-Bimodul seien. Für n=0 erhält man Hom(A0,M)=Hom(K,M)M.

Wir definieren wieder Abbildungen

i(n):Hom(An,M)Hom(An+1,M).

Ist fHom(An,M), so müssen wir festlegen, wie i(n)f auf a1an+1 wirkt und dabei ein Element aus M ergibt, und das geht so

i(n)f(a1an+1)={a1f(a2an+1)für i=0f(a1aiai+1an+1)für 0<i<n+1f(a1an)an+1für i=n+1

Man setzt, diesmal mit einem oberen Index:

n:=i=0n+1(1)ii(n):Hom(An,M)Hom(An+1,M),

das heißt

0m(a1)=a1mma1
1f(a1a2)=a1f(a2)f(a1a2)+f(a1)a2
2f(a1a2a3)=a1f(a2a3)f(a1a2a3)+f(a1a2a3)f(a1a2)a3

und so weiter. Dann gilt n+1n=0 für alle n=1,2,3,. Man erhält also einen Kokettenkomplex

0MHom(A0,M)0Hom(A1,M)1Hom(A2,M)2.

Die Hochschild-Kohomologie von A mit Werten in M ist als Kohomologie dieses Kokettenkomplexes definiert, das heißt die n-te Hochschild-Kohomologiegruppe von A mit Werten in M ist die Faktorgruppe

Hn(A,M):=ker(n)/im(n1),

wobei 1 der Nullmorphismus 0M ist.

Auch hier geht die Algebrenstruktur von A in die Definitionen ein, so dass die Hochschild-Kohomologiegruppen Informationen über die Algebra enthalten.

Beispiele

In den folgenden Beispielen, die in den Hochschild-Homomlogie- und Kohomologiegruppen steckende Informationen belegen sollen, seien A wieder eine assoziative K-Algebra mit Einselement und M ein A-Bimodul. Die 0-te Hochschild-Homologie und Kohomologiegruppen lassen sich leicht bestimmen:

H0(A,M)=M/im(d1)=M/[M,A],

wobei [M,A], der Kommutator aus M und A, das Erzeugnis aus allen amma,aA,mM ist.

Weiter ist

H0(A,M)=ker(0)={mM;am=maaA}.

A=M ist auf natürliche Weise ein A-Bimodul, wobei die Verträglichkeitsbedingung genau durch das Assoziativgesetz gegeben ist. Als Spezialfall erhält man daher

H0(A,A)=A/[A,A] und H0(A,A)=Z(A),

wobei Z(A) das Zentrum von A ist.

Eine K-Derivation auf A mit Werten in M ist eine K-lineare Abbildung f:AM mit der zusätzlichen Eigenschaft f(a1a2)=a1f(a2)+f(a1)a2, die an die Produktregel für das Ableiten erinnert. Mit Der(A,M) sei die Menge aller Derivationen bezeichnet. Für jedes mM ist durch fm(a):=amma eine solche Derivation gegeben. Derartige Derivationen fm nennt man innere Derivationen, IDer(A,M) bezeichne die Menge aller inneren Derivationen. Eine Inspektion der oben für 1 und 2 angegebenen Formeln zeigt

im(0)=IDer(A,M), ker(1)=Der(A,M)

und daher

H1(A,M)=Der(A,M)/IDer(A,M).

Die erste Hochschild-Kohomologiegruppe gibt also Auskunft über die Reichhaltigkeit der Derivationen, ihr Verschwinden bedeutet, dass alle Derivationen inner sind.

Multilineare Abbildungen

Die Hochschild-Kohomologiegruppen können alternativ mittels der Räume MLin(An,M) der multilinearen Abbildungen AnM eingeführt werden. Man setzt für fMLin(An,M) und (a1,,an)An:

nf(a1,,an+1):=a1f(a2,,an+1)+i=1n(1)if(a1,,aiai+1,,an+1)+(1)n+1f(a1,,an)an+1

und man kommt zu einem entsprechenden Kokettenkomplex

0M=MLin(A0,M)0MLin(A,M)1MLin(A2,M)2,

mit dem man wieder Kohomologiegruppen definieren kann. Man erhält zu den oben definierten Hn(A,M) isomorphe Gruppen, da sich multilineare Abbildungen AnM und lineare Abbildungen AnM nach Konstruktion des Tensorproduktes 1 zu 1 entsprechen.

Topologische Algebren

Die oben vorgestellten Konzepte lassen sich auch für topologische Algebren, insbesondere Banachalgebren, ausführen, wobei man bei der Tensorproduktbildung im Falle von Banachalgebren das projektive Tensorprodukt verwendet und sich bei allen auftretenden Abbildungen auf stetige Abbildungen beschränkt.

Literatur

  • Henri Cartan, Samuel Eilenberg: Homological Algebra, Princeton University Press (1999), ISBN 978-0-691-04991-5, insbesondere Kapitel X
  • A. Y. Helemskii: The Homology of Banach and Topological Algebras. Kluwer Academic Publishers (1989), ISBN 0-7923-0217-6.
  • G. Hochschild: On the Cohomology Groups of an Associative Algebra, Annals of Mathematics Band 46 (1945), Seiten 58–76