Arkustangens und Arkuskotangens

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Abb. 1: Graph der Funktion arctan
Abb. 2: Graph der Funktion arccot

Arkustangens und Arkuskotangens sind zwei miteinander verwandte mathematische Arkusfunktionen. Sie sind die Umkehrfunktionen der geeignet eingeschränkten Tangens- und Kotangensfunktionen: Eine Einschränkung der ursprünglichen Definitionsbereiche ist nötig, weil Tangens und Kotangens periodische Funktionen sind. Man wählt beim Tangens das Intervall ]π/2,π/2[ und beim Kotangens das Intervall Vorlage:Nowrap

Zusammen mit Arkussinus und Arkuskosinus als Umkehrfunktionen des Sinus und Kosinus bildet der Arkustangens den Kern der Klasse der Arkusfunktionen. Zusammen mit den Areafunktionen sind sie in der komplexen Funktionentheorie Abwandlungen des komplexen Logarithmus, von dem sie auch die „Mehrdeutigkeit“ erben, die ihrerseits von der Periodizität der komplexen Exponentialfunktion herrührt.

Schreibweisen

Mathematische Formeln verwenden für den Arkustangens als Formelzeichen Vorlage:Nowrap Vorlage:Nowrap Vorlage:Nowrap tan1 oder Vorlage:Nowrap Für den Arkuskotangens sind die Schreibweisen arccot, arcctg, acot und neuerdings auch cot1 in Gebrauch.Vorlage:Nowrap

Aufgrund der heute für Umkehrfunktionen gebräuchlichen allgemeinen Schreibweise f1 beginnt dabei aber auch in diesem Fall die namentlich auf Taschenrechnern verbreitete Schreibweise tan1 die klassische Schreibweise arctan zu verdrängen, was leicht zu Verwechslungen mit dem Kehrwert des Tangens, dem Kotangens, führen kann (s. a. die Schreibweisen für die Iteration).

Eigenschaften

Arkustangens Arkuskotangens
Definitionsbereich x x
Bildmenge π2<f(x)<π2 0<f(x)<π
Monotonie streng monoton steigend streng monoton fallend
Symmetrien Ungerade Funktion:
arctan(x)=arctanx
Punktsymmetrie zu (x=0,y=π2)
arccotx=πarccot(x)
Asymptoten f(x)±π2 für x± f(x)π für x
f(x)0 für x+
Nullstellen x=0 keine
Sprungstellen keine keine
Polstellen keine keine
Extrema keine keine
Wendepunkte (0,0) (0,π2)

Wichtige Funktionswerte

Die folgende Tabelle listet die wichtigen Funktionswerte der beiden Arkusfunktionen auf.[1]

x arctan(x) arccot(x)
0 0 0 90 π2
133 30 π6 60 π3
1 45 π4 45 π4
3 60 π3 30 π6

Weitere wichtige Werte sind:

x arctan(x) arccot(x)
23 15 π12 75 5π12
1525105 18 π10 72 2π5
525 36 π5 54 3π10
1525+105 54 3π10 36 π5
5+25 72 2π5 18 π10
2+3 75 5π12 15 π12

Für Tangenswerte x>1 siehe die Formel im Abschnitt #Funktionalgleichungen.

Näherungsweise Berechnung

Es gelten folgende Näherungen:

Arkustangens, maximale Abweichung unter 0,005 Radianten:[2]

arctanx{x1+0,28x2fu¨r|x|1π2xx2+0,28fu¨rx>1π2xx2+0,28fu¨rx<1

Eine weitere Berechnungsmöglichkeit bietet CORDIC.

Arkuskotangens:

arccotx3x3x21fu¨rx1

Reihenentwicklungen

MacLaurinsche Reihen

Die Taylorreihe des Arkustangens mit dem Entwicklungspunkt x=0 lautet:

arctanx=k=0(1)kx2k+12k+1=x13x3+15x517x7+

Die Taylorreihe des Arkuskotangens mit dem Entwicklungspunkt x=0 lautet:

arccotx=π2k=0(1)kx2k+12k+1=π2x+13x315x5+17x7

Diese Reihen konvergieren genau dann, wenn |x|1 und x±i ist. Zur Berechnung des Arkustangens für |x|>1 kann man ihn auf einen Arkustangens von Argumenten mit |x|<1 zurückführen. Dazu kann man entweder die Funktionalgleichung benutzen oder (um ohne π auszukommen) die Gleichung

arctanx=2arctanx1+1+x2.

Durch mehrfache Anwendung dieser Formel lässt sich der Betrag des Arguments beliebig verkleinern, was eine sehr effiziente Berechnung durch die Reihe ermöglicht. Schon nach einmaliger Anwendung obiger Formel hat man ein Argument mit |x|<1, sodass obige Taylorreihe konvergiert, und mit jeder weiteren Anwendung wird |x| mindestens halbiert, was die Konvergenzgeschwindigkeit der Taylorreihe mit jeder Anwendung der Formel erhöht.

Wegen cotα=1tanα hat der Arkuskotangens am Entwicklungspunkt x= die Taylorreihe:

arccotx=k=0(1)kx2k12k+1=1x13x3+15x517x7+

Sie konvergiert für x1 und stimmt dort mit dem oben angegebenen Hauptwert überein. Sie konvergiert auch für x1, allerdings mit dem Wert arccotxπ. Manche Pakete der Computeralgebra geben für x<0 den am Ursprung unstetigen, aber punktsymmetrischen und am unendlich fernen Punkt stetigen Wert arccotxπ als Hauptwert.

Reihen mit den Zentralbinomialkoeffizienten

Die folgenden Reihen mit den Zentralbinomialkoeffizienten konvergieren für alle Zahlen x schnell und sind wurzelfrei:[3]

arctan(x)=n=1(2x)2n1nCBC(n)(x2+1)n
arctan(x)2=n=1(2x)2n2n2CBC(n)(x2+1)n

Der n-te Zentralbinomialkoeffizient für eine natürliche Zahl n ist gegeben durch:

CBC(n)=(2nn)=(2n)!(n!)2=Π(2n)Π(n)2,

dabei ist   Π(x)=x!=Γ(x+1)   die Gaußsche Pifunktion.

Funktionalgleichungen

Statt aus Argumenten x über 1 oder unter −1 lässt sich der Arkustangens aus Argumenten y=1x zwischen −1 und 1 ableiten:

arctanx=sgn(x)π2arctan1x.

Gleiches gilt für den Arkuskotangens:

arccotx=(2sgn(x))π2arccot1x.

Wenn man (bspw. durch die erste Ersetzung) bei einem Argument (einem Tangenswert) y[0,1] ankommt, kann man anschließend im Fall y[33,1] die Gleichung

arctany=π412arctan(1y22y),

anwenden, sodass mit z=1y22y das Argument des Arkustangens in jedem Fall (jetzt z, sonst y) ins Intervall [0,33] mit 330,577350 zu liegen kommt.

Weitere Beziehungen

arccotx={arctan1xfu¨rx>0arctan(1x)+πfu¨rx<0
arctanx={arccot1xfu¨rx>0arccot(1x)πfu¨rx<0
arccot1xarctanx=arccotxarctan1x={0fu¨rx>0πfu¨rx<0
arctanx+arccotx=π2

Wegen der Punktsymmetrie arctan(x)=arctan(x) ist mit (x,y) auch (x,y) ein Wertepaar der Arkustangensfunktion.

Additionstheoreme

Vorlage:Hauptartikel

Die Additionstheoreme für Arkustangens und Arkuskotangens erhält man mit Hilfe der Additionstheoreme für Tangens und Kotangens:

arctanx+arctany={arctan(tan(arctanx+arctany))=arctan(x+y1xy)wenn xy<1π+arctan(tan(arctanx+arctany))=π+arctan(x+y1xy)wenn x+y0 und xy>1π+arctan(tan(arctanx+arctany))=π+arctan(x+y1xy)wenn x+y<0 und xy>1
arccotx+arccoty={arccot(cot(arccotx+arccoty))=arccot(xy1x+y)wenn x+y>0π+arccot(cot(arccotx+arccoty))=π+arccot(xy1x+y)wenn x+y<0

Daraus folgt insbesondere für doppelte Funktionswerte

2arctanx={arctan(2x1x2)wenn x2<1π+arctan(2x1x2)wenn x0 und x2>1π+arctan(2x1x2)wenn x<0 und x2>1
2arccotx={arccot(x212x)wenn x>0π+arccot(x212x)wenn x<0

Aus dem ersten Gesetz lässt sich für hinreichend kleine x,y mit

xy:=tan(arctanx+arctany)=x+y1xy

das Gruppengesetz ableiten. Es gilt also beispielsweise:

1213=12+13116=1,

woraus sich

arctan12+arctan13=arctan12+13116=arctan1=π4

errechnet. Ferner gilt

1n14n3+3n=4n3+4n4n4+3n21=4n(n2+1)(4n21)(n2+1)=4n4n21=212n

und dementsprechend

arctan1n=2arctan12narctan14n3+3n.

Die zwei Gleichungen als Arkuskotangens geschrieben:

arccot2+arccot3=arccot612+3=arccot1=π4

und

arccotn=2arccot(2n)arccot(4n3+3n).

Berechnung der Kreiszahl π mit Hilfe des Arkustangens

Die Reihenentwicklung kann dazu verwendet werden, die Zahl π mit beliebiger Genauigkeit zu berechnen: Die einfachste Formel ist der Spezialfall x=1, die Leibniz-Formel

π4=113+1517+

Da sie nur extrem langsam (logarithmisch) konvergiert, verwendete John Machin 1706 die Formel

π4=4arccot5arccot239,

um die ersten 100 Nachkommastellen von π mit Hilfe der Taylorreihe für den Arkustangens zu berechnen. Letztere konvergiert schneller (linear) und wird auch heute noch für die Berechnung von π verwendet.

Im Laufe der Zeit wurden noch mehr Formeln dieser Art gefunden. Ein Beispiel stammt von Carl Størmer (1896):

π4=44arccot57+7arccot23912arccot682+24arccot12943,[4]

was gleichbedeutend damit ist, dass der Realteil und der Imaginärteil der Gaußschen Zahl

(57+i)44(239+i)7(682i)12(12943+i)24=(1+i)n mit n

gleich sind.[5]

Gleiches gilt für die Formel von John Machin, wobei es hier um die Gaußsche Zahl

(5+i)4(239i)=(1+i)114244

geht, die mit einem Taschenrechner berechnet werden kann.

Komplexer Arkustangens und Arkuskotangens

Lässt man komplexe Argumente und Werte zu, so hat man

arctan(a+bi)={12(arctana2+b212a+π2sgn(a))a00a=0,|b|1π2sgn(b)a=0,|b|>1} +i12artanh2ba2+b2+1  mit a,b,

eine Darstellung, die quasi schon in Real- und Imaginärteil aufgespalten ist. Wie im Reellen gilt

arccot(z)=π2arctan(z)

mit z=a+bi.

Man kann im Komplexen den Arkustangens (wie auch den Arkuskotangens) durch ein Integral und durch den komplexen Logarithmus ausdrücken:

arctanz=0zdt1+t2=120z(dt1+it+dt1it)=ln(1+iz)ln(1iz)2i=12iln1+iz1iz

für z in der zweifach geschlitzten Ebene ||:={iy|y,|y|1}. Das Integral hat einen Integrationsweg, der die imaginäre Achse nicht kreuzt außer evtl. im Einheitskreis. Es ist in diesem Gebiet || regulär und eindeutig.[6]

Der Arkustangens spielt eine wesentliche Rolle bei der symbolischen Integration von Ausdrücken der Form

1ax2+bx+c.

Ist die Diskriminante D=b24ac nichtnegativ, so kann man eine Stammfunktion mittels Partialbruchzerlegung bestimmen. Ist die Diskriminante negativ, so kann man den Ausdruck durch die Substitution

t=2ax+bD

in die Form

4aD11+t2

bringen; eine Stammfunktion ist also

2Darctan2ax+bD.

Und so entsteht das Endresultat:

1ax2+bx+c=ddx[24acb2arctan(2ax+b4acb2)]

Umrechnung ebener kartesischer Koordinaten in polare

Ist ein Punkt 𝖯 in der Ebene durch Polarkoordinaten (r,φ) gegeben, so sind seine kartesischen Koordinaten (x,y) durch die Gleichungen Vorlage:Anker

x=rcos(φ)y=rsin(φ) }(PK)

bestimmt.

Die Umrechnung in der Gegenrichtung ist etwas komplizierter. Auf jeden Fall gehört der Abstand Vorlage:Anker

r=x2+y2 (KPr)

des Punktes 𝖯 vom Ursprung 𝖮(0,0) zur Lösung. Ist nun r=0, dann ist auch x=y=0, und es spielt keine Rolle, welchen Wert φ hat. Dieser Fall wird im Folgenden als der singuläre Fall bezeichnet.

Ist aber r0, dann ist φ, weil die Funktionen sin und cos die Periode 2π haben, durch die Gleichungen (PK) nur modulo 2π bestimmt, d. h., mit φ ist auch φ+2πn für jedes n eine Lösung.

Trigonometrische Umkehrfunktionen sind erforderlich, um von Längen zu Winkeln zu kommen. Hier zwei Beispiele, bei denen der Arkustangens zum Einsatz kommt.

Der simple Arkustangens φ=arctan(yx) (s. Abb. 3) reicht allerdings nicht aus. Denn wegen der Periodizität des Tangens von π muss dessen Definitionsmenge vor der Umkehrung auf eine Periodenlänge von π eingeschränkt werden, was zur Folge hat, dass die Umkehrfunktion (der Arkustangens) keine größere Bildmenge haben kann.

Abb. 3: φ als Außenwinkel eines gleichschenkligen Dreiecks

Halber Winkel

In der nebenstehenden Abb. 3[7] ist die Polarachse (die mit der Vorlage:Nowrap definitionsgemäß zusammenfällt) um den Betrag r in die Vorlage:Nowrap verlängert, also vom Pol (und Ursprung) 𝖮 bis zum Punkt 𝖭. Das Dreieck 𝖭𝖮𝖯 ist ein gleichschenkliges, sodass die Winkel 𝖯𝖭𝖮 und 𝖮𝖯𝖭 gleich sind. Ihre Summe, also das Doppelte eines von ihnen, ist gleich dem Außenwinkel φ des Dreiecks 𝖭𝖮𝖯. Dieser Winkel ist der gesuchte Polarwinkel 𝖷𝖮𝖯. Mit dem Abszissenpunkt 𝖠 gilt im rechtwinkligen Dreieck 𝖭𝖠𝖯

tan(φ2)=|Gegenkathete 𝖯𝖠||Ankathete 𝖠𝖭|=yr+x,

was nach φ aufgelöst Vorlage:Anker

φ=2arctan(yr+x) (KPφ(A))

ergibt. Die Gleichung versagt, wenn r+x=0 ist. Dann muss wegen |x||r|x=|r| auch y=0 sein. Wenn jetzt x=0 ist, dann handelt es sich um den singulären Fall. Ist aber x<0, dann sind die Gleichungen (PK) durch φ=+π oder φ=π Vorlage:Nowrap Das ist in Einklang mit den Bildmengen ]π,+π] resp. [π,+π[ der Funktion im folgenden Abschnitt.

Der „Arkustangens“ mit zwei Argumenten

Vorlage:Hauptartikel

Ein anderer Weg, um zu einem vollwertigen Polarwinkel zu kommen, ist in vielen Programmiersprachen und Tabellenkalkulationen gewählt worden, und zwar eine erweiterte Funktion, die mit den beiden kartesischen Koordinaten beschickt wird und die damit genügend Information hat, um den Polarwinkel modulo 2π, bspw. im Intervall ]π,π], und in allen vier Quadranten zurückgeben zu können: Vorlage:Anker

φ=arctan2(x,y) (KPφ(B))

Zusammen mit der Gleichung (KPr) erfüllt jede der beiden Lösungen (KPφ(A)) und (KPφ(B)) die Gleichungen (PK):

x=rcosφ       und
y=rsinφ ,

und zwar für (x,y)=(0,0) mit jedem beliebigen φ.

Arkustangens mit Lageparameter

Abb. 4: Arkustangens mit Lageparameter

In vielen Anwendungsfällen soll die Lösung y der Gleichung x=tany so nahe wie möglich bei einem gegebenen Wert η liegen. Dazu eignet sich die mit dem Parameter η modifizierte Arkustangens-Funktion

y=arctanηx:=arctanx+πrniηarctanxπ.

Die Funktion rni rundet zur engstbenachbarten ganzen Zahl.

Ableitungen

Arkustangens:

ddxarctan(x)=11+x2

Arkuskotangens:

ddxarccot(x)=11+x2

Integrale

Standardisierte Integraldarstellungen

Arkustangens und Arkuskotangens haben folgende standardisierte Integraldarstellungen:

arctan(x)=0x1t2+1dt=01xx2y2+1dy
arccot(x)=x1t2+1dt=π201xx2y2+1dy

Arkustangens und Gaußsches Fehlerintegral

Die Arkustangensfunktion hat folgende Integralidentität mit der Gaussschen Fehlerfunktion erf(x):

arctan(x)=0πexp(y2)erf(xy)dy

Mit der nicht normierten Fehlerfunktion kann diese Identität auch so geschrieben werden:

arctan(x)=02exp(y2)erf*(xy)dy
erf*(v)=0vexp(w2)dw

Durch Ableiten dieser Integralidentität entsteht die Ableitung des Arkustangens:

ddx02exp(y2)erf*(xy)dy=02yexp(y2)exp(x2y2)dy=
=02yexp[(x2+1)y2]dy=1x2+1

Die genannte Integralidentität ist bezüglich x eine Ursprungsfunktion.

Wenn der Wert x=1 eingesetzt wird, dann wird folgender Zusammenhang sichtbar:

π4=arctan(1)=02exp(y2)erf*(y)dy=[erf*(y)2]y=0y==limyerf*(y)2
0exp(x2)dx=limyerf*(y)=12π

Mit der genannten Identität des Arkustangens kann somit das Integral der Gaussschen Glockenkurve bewiesen werden.

Integralidentität mit dem Logarithmus Naturalis

Auch mit dem Logarithmus Naturalis kann für den Arkustangens eine Integralidentität aufgestellt werden:

arctan(x)=011πyln[x2+1(y2+1)+2xyx2+1(y2+1)2xy]dy

Durch Ableiten dieser Integralidentität entsteht ebenso die Ableitung des Arkustangens:

ddx011πyln[x2+1(y2+1)+2xyx2+1(y2+1)2xy]dy=014(y2+1)πx2+1[(x2+1)(y4+1)+2(x2+1)y2]dy=1x2+1

Die genannte Integralidentität ist bezüglich x eine Ursprungsfunktion.

Die nun gezeigte Integralidentität wurde durch den Mathematiker James Harper entdeckt und in seinem Werk Another simple proof[8] aus dem Jahre 2003 behandelt.

Wenn der Grenzwert von dieser Identität für x berechnet wird, dann entsteht für dieses Integral über den Areatangens Hyperbolicus folgende Identität:

011yartanh(y)dy=π28

Und mit dieser Formel kann das Basler Problem gelöst werden.

Ebenso kann für das Quadrat des Arkustangens eine Logarithmus-Naturalis-Integralidentität aufgestellt werden:

arctan(x)2=0112zln[(x2+1)(z+1)2(x2+1)(z2+1)+2(1x2)z]dz

Ursprüngliche Stammfunktionen

Das sind die direkten Stammfunktionen der beiden behandelten Arkusfunktionen:

Arkustangens:

Die Ursprungsstammfunktion des Arkustangens lautet so:

0xarctan(y)dy=01xarctan(xz)dz=xarctan(x)12ln(1+x2)

Nach dem Fundamentalsatz der Infinitesimalrechnung gilt somit:

ddx[xarctan(x)12ln(1+x2)]=arctan(x)

Arkuskotangens:

Die Ursprungsstammfunktion des Arkuskotangens ist diese Funktion:

0xarccot(y)dy=01xarccot(xz)dz=xarccot(x)+12ln(1+x2)

Analog zum vorherigen Fall gilt damit:

ddx[xarccot(x)+12ln(1+x2)]=arccot(x)

Von einer ursprünglichen Stammfunktion auf die jeweils andere kann außerdem mit dieser Beziehung direkt gefolgert werden:

arccot(x)+arctan(x)=π2

Stammfunktion des kardinalisierten Arkustangens

Der kardinalisierte Arkustangens hat das sogenannte Arkustangensintegral (Inverse Tangent Integral)[9] als ursprüngliche Stammfunktion:

0x1yarctan(y)dy=011zarctan(xz)dz=Ti2(x)

Diese Funktion zählt zu den Polylogarithmen und bildet zu der Legendresche Chifunktion χ2 das imaginäre Gegenstück.

Die Catalansche Konstante ist das bekannteste Beispiel für einen Wert dieser Stammfunktion:

011xarctan(x)dx=Ti2(1)=β(2)=G

Mit dem kleinen Beta wird hierbei die Dirichletsche Betafunktion dargestellt.

Dies sind zwei weitere Funktionswerte für das Arkustangensintegral:

Ti2(23)=23G112πarcosh(2)
Ti2(2+3)=23G+512πarcosh(2)

Diese Bilanz stellt eine Beziehung zur Funktion Areasinus Hyperbolicus her:

Ti2(x2+1+x)Ti2(x2+1x)=12πarsinh(x)

Zur Ursprungsstammfunktion des kardinalisierten Arkussinus, dem sogenannten Arkussinusintegral hat das Arkustangensintegral diese Identität:

2Ti2[x(1+1x2)1]=4Si2(121+x121x)Si2(x)

Summenreihen mit dem Arkustangens

Einige Arkustangenssummen divergieren:

n=1arctan(1n)=+

Vergleichsformel ohne Arkustangens:

n=11n=+

Andere Arkustangenssummen konvergieren:

n=1arctan(1n2)=π4+arctan[cot(122π)tanh(122π)]1,42474177842998

Die Abkürzung tanh bringt die Funktion Tangens Hyperbolicus zum Ausdruck.

Vergleichsformel ohne Arkustangens:

n=11n2=π261,644934066848

Folgende Formel handelt von den Fibonacci-Zahlen und ergibt ein einfaches Resultat:

n=1arctan(1f2n1)=π21,5707963267948966

Denn für alle natürlichen Zahlen n gilt dieser[10] Zusammenhang:

arctan(1f2n)=arctan(1f2n+1)+arctan(1f2n+2)

Mit der Tangenssumme ausgedrückt:

1f2n=1f2n+11f2n+2

Dagegen ergibt die Vergleichsformel ohne Arkustangens ein elliptisches[11][12] Resultat:

n=11f2n1=58[ϑ00(φ)2ϑ01(φ)2]1,8245151574
φ=12(51)

Die kleinen griechischen Thetasymbole stellen die Jacobische Thetafunktion dar.

Die Summenreihen mit dem Arkustangens als Summanden dienen auch zur Beschreibung einiger Funktionen. Beispielsweise hat die Gudermannfunktion für alle reellen Zahlen x diese Identität:

gd(x)=n=1{2arctan[2x(4n3)π]2arctan[2x(4n1)π]}

Diese Summenreihe geht als Ursprungsstammfunktion aus der Cauchyschen Summenreihe für den Sekans Hyperbolicus hervor:

sech(x)=n=1[(16n12)π(4n3)2π2+4x2(16n4)π(4n1)2π2+4x2]

Siehe auch

Literatur

  • Vorlage:Literatur
  • G.Huvent: Autour de la primitive de tp coth (αt/2). 3. Februar 2002. Seite 5
  • Mircea Ivan: A simple solution to Basel problem. General Mathematics Vol. 16, No. 4, Technical University of Cluj-Napoca Department of Mathematics, 2008
  • James D. Harper: A simple proof of 1+1/22+1/32+=π2/6 The American Mathematical Monthly 109(6) (Jun. – Jul., 2003) 540–541.

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Vorlage:Literatur
  2. Vorlage:Webarchiv
  3. Derrick Henry Lehmer: Interesting Series Involving the Central Binomial Coefficient. Volume 92, 1985. Seite 452
  4. Bspw. sind die Zahlen 1,2,4,5, Størmer-Zahlen;
    3,,57,,239,,682,,12943, dagegen nicht.
  5. Dabei ist n2,8443810226.
  6. Milton Abramowitz und Irene Stegun: Handbook of Mathematical Functions. (1964) Dover Publications, New York, ISBN 0-486-61272-4 Vorlage:Webarchiv
  7. Eine ganz ähnliche Skizze ist die von Einheitskreis#Rationale Parametrisierung.
  8. James D.Harper, Another simple proof of 1+122+132+=π26, American Mathematical Monthly, Band 110, Nr. 6, 2003, S. 540–541
  9. Vorlage:Internetquelle
  10. Vorlage:Internetquelle
  11. Vorlage:Internetquelle
  12. Vorlage:Internetquelle

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