Mohrscher Spannungskreis

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Abb. 1: Mohr’scher Spannungskreis im Spannungsraum mit Normalspannungen σn auf der Abszisse und Schubspannungen σt auf der Ordinate

Der Mohr’sche Spannungskreis oder kurz Mohr’sche Kreis, benannt nach Christian Otto Mohr, ist eine Möglichkeit, den 2D-Spannungszustand in einem Punkt eines Körpers zu veranschaulichen oder zu untersuchen, siehe Abbildung 1. Am Kreis kann beispielsweise abgelesen werden, in welchem Winkel β zur x-Achse die Hauptschubspannung τI und in welchem Winkel γ die Hauptspannungen σI,II auftreten, siehe dazu den Abschnitt Geometrische Zusammenhänge.

Neben dem Cauchy-Spannungstensor können auch andere symmetrische Tensoren mit dem Mohr’schen Kreis veranschaulicht oder untersucht werden, z. B. der Verzerrungstensor und der Trägheitstensor. Neben dem Mohr’schen Kreis gibt es auch andere Verfahren zur Veranschaulichung symmetrischer Tensoren, z. B. Ellipsoide wie Lamés Spannungsellipsoid oder Superquadriken, je nachdem der Tensor positiv definit ist oder nicht.

Seine Gleichung lautet im Spannungsraum, wo auf der Abszisse die Normalspannungen und auf der Ordinate die Schubspannungen aufgetragen sind:[1]

(σ𝗎𝗎,𝗏𝗏σ𝗆)𝟤+σ𝗎𝗏𝟤=𝖱𝟤

mit

σ𝗆=12(σ𝗑𝗑+σ𝗒𝗒)   und   𝖱=(σxxσyy2)𝟤+σ𝗑𝗒𝟤

Darin ist

  • xx, σyy, σxy} ein gegebener Spannungszustand in der xy-Ebene, die zur Drehachse ê senkrecht ist, wie zum Beispiel im ebenen Spannungszustand mit Drehachse senkrecht zu seiner Ebene,
  • uu, σvv, σuv} ist der Spannungszustand im uv-Koordinatensystem, dessen u- und v-Achsen wie in Abb. 2 um den Winkel α um ê gegenüber den x- bzw. y-Achsen verdreht sind, wobei der Drehsinn am Kreis dem in Abb. 2 entgegengesetzt ist,
  • σm der Mittelpunkt des Kreises auf der Abszisse und
  • R der Radius des Kreises.

Mohr führte den Spannungskreis 1882 ein,[2][3] zu einer Zeit, als der Ingenieur noch mit dem Rechenschieber arbeitete und der Kreis somit ein nützliches Werkzeug darstellte.[4]Vorlage:Rp

Koordinatentransformation

Abb. 2: Spannungs­komponenten in zwei Koordinaten­systemen, die im Winkel α zueinander verdreht sind

Eine Koordinaten­trans­formation wird unter anderem bei einer Drehung wie im Bild notwendig, und wenn der Spannungszustand in der zur Drehachse senkrechten Ebene interessiert, kann er anschaulich mit dem Mohr’schen Spannungskreis untersucht werden. Allgemein geschieht eine Drehung mathematisch mit einer Drehmatrix Q und die Koordinaten­trans­formation der Koordinatenmatrix σ des Spannungstensors gemäß

σ’=Q·σ·Q,

siehe #Tensorkomponenten aus Transformationsbeziehung und vergleiche Euklidische Transformation.

Spannungen in der Ebene

In der xy-Ebene bezüglich kartesischer Koordinaten der Abbildung 2 ergibt sich:

(σ𝗎𝗎σ𝗎𝗏σ𝗎𝗏σ𝗏𝗏)=(cosαsinαsinαcosα)(σ𝗑𝗑σ𝗑𝗒σ𝗑𝗒σ𝗒𝗒)(cosαsinαsinαcosα)

Die Komponenten in der uv-Ebene auf der linken Seite können mit den Doppelwinkelfunktionen dargestellt werden:[5]Vorlage:Rp

σ𝗎𝗎=σ𝗑𝗑cos𝟤α+𝟤σ𝗑𝗒sinαcosα+σ𝗒𝗒sin𝟤α=12(σ𝗑𝗑+σ𝗒𝗒)+12(σ𝗑𝗑σ𝗒𝗒)cos𝟤α+σ𝗑𝗒sin𝟤ασ𝗏𝗏=σ𝗑𝗑sin𝟤α𝟤σ𝗑𝗒cosαsinα+σ𝗒𝗒cos𝟤α=12(σ𝗑𝗑+σ𝗒𝗒)12(σ𝗑𝗑σ𝗒𝗒)cos𝟤ασ𝗑𝗒sin𝟤ασ𝗎𝗏=σ𝗑𝗑sinαcosα+(cos𝟤αsin𝟤α)σ𝗑𝗒+σ𝗒𝗒sinαcosα=12(σ𝗒𝗒σ𝗑𝗑)sin𝟤α+σ𝗑𝗒cos𝟤α

Hier zeigt sich mit σm=(σxxyy)/2:

(σ𝗎𝗎σ𝗆)𝟤=(σ𝗏𝗏σ𝗆)𝟤=(12(σxxσyy)cos2α+σxysin2α)𝟤

und

(σ𝗎𝗎σ𝗆)𝟤+σ𝗎𝗏𝟤=(σ𝗏𝗏σ𝗆)𝟤+σ𝗎𝗏𝟤=14(σ𝗑𝗑σ𝗒𝗒)𝟤+σ𝗑𝗒𝟤=:𝖱𝟤

Letzteres ist die Gleichung des Mohr’schen Kreises in einem Koordinatensystem, in dem die Normalkomponenten σuu,vv auf der Abszisse und die Schubkomponenten σuv auf der Ordinate aufgetragen werden. Der Mittelpunkt des Kreises liegt auf der Abszisse bei σm und sein Radius ist R.

Die folgenden Punkte sind von besonderem Interesse:

  • Bei σuuvvm ist die Schubkomponente σuv extremal und gleich der Hauptschubspannung in der Ebene, wenn die Drehung um eine Hauptspannungsrichtung erfolgt. Der Winkel β im Bild errechnet sich aus seinem Tangens gemäß tan𝟤β=σyyσxx2σxy
  • Bei σuv=0 sind die Normalkomponenten extremal und gleich den Hauptspannungen σI,II in der Ebene, wenn die Drehung um eine Hauptspannungsrichtung erfolgt. Die Hauptspannungen treten im Winkel γ oder γ±90° auf mit tan𝟤γ=2σxyσxxσyy=1tan2β.

Der Kehrwert des Tangens von 2β gehört zum Ergänzungswinkel 90° − 2β = 2γ, worin sich zeigt, dass die Hauptschubspannung im 45°-Winkel zu den Hauptspannungen vorkommen. Die Tabelle stellt die interessierenden Zustände nochmal zusammen.

Zielspannungszustand Winkel in Abb. 3 Argumente für α=½atan2(x,y) in Abb. 2
σuu σvv σuv x y
σI σII 0 γ σxx − σyy xy
σII σI 0 90° − γ σyy − σxx −2σxy
σm σm τmax β xy σyy − σxx
σm σm τmin 90° − β −2σxy σxx − σyy

Der Radius ist eine Invariante im ebenen Spannungszustand, denn

σ𝗎𝗎+σ𝗏𝗏=σ𝗑𝗑+σ𝗒𝗒σ𝗎𝗎σ𝗏𝗏σ𝗎𝗏𝟤=σ𝗑𝗑σ𝗒𝗒σ𝗑𝗒𝟤𝖱𝟤=14[(σ𝗑𝗑+σ𝗒𝗒)𝟤𝟦(σ𝗑𝗑σ𝗒𝗒σ𝗑𝗒𝟤)]

Die ersten beiden Größen entsprechen den Hauptinvarianten Spur und Determinante, weswegen auch der Radius R eine Invariante ist.[1]Vorlage:Rp

Geometrische Zusammenhänge

Abb. 3: Winkel im Mohr’schen Kreis

Der Mohr’sche Spannungskreis kann konstruiert werden, wenn die Spannungen σxx, σyy und σxy in der Ebene bekannt sind. Auf der Abszisse werden die Normalspannungen σxx und σyy unter Beachtung ihrer Vorzeichen markiert. Über diesen Punkten wird die Schubspannung σxy bei σxx vorzeichenrichtig und bei σyy mit umgekehrtem Vorzeichen aufgetragen, was die Endpunkte eines Durchmessers des Kreises liefert. Zwischen diesen beiden Punkten liegt auf der Abszisse der Mittelpunkt des Kreises, der nun gezeichnet werden kann.[1]Vorlage:Rp

Am Mohr’schen Spannungskreis können Winkel abgelesen werden, in denen interessierende Spannungen auftreten, siehe Abbildung 3. Dort sind in verschiedenen Schnittebenen (blau) die zugehörigen Traktionsvektoren (rot) und die Winkel, in denen sie auftreten (grün) eingezeichnet. Die Spannungen in einem uv-System, das wie in Abb. 2 um den Winkel α gedreht ist, finden sich auf dem Kreis auf dem Durchmesser, der gegenüber dem xy-Ausgangszustand mit dem doppelten Winkel in entgegengesetzter Richtung gedreht ist. Analytische Werte sind im Abschnitt #Spannungen in der Ebene gegeben.

Spannungen senkrecht zur Ebene

Oft wird ein Ebener Spannungszustand angenommen, was für die obige Darstellung jedoch nicht notwendig ist; nicht verschwindende Spannungskomponenten senkrecht zur Ebene beeinträchtigen die Gesetzmäßigkeiten nicht, solange die Ebene nur senkrecht zur Drehachse ist.

Die Normalspannung in Richtung der Drehachse ê (in z-Richtung) bleibt bei Drehungen der Ebene um ê per Definition des Spannungstensors unverändert: σ’zzzz. Die Schubspannungen σxz, σyz transformieren sich gemäß

σ𝗎𝗓=σ𝗑𝗓cosα+σ𝗒𝗓sinασ𝗏𝗓=σ𝗑𝗓sinασ𝗒𝗓cosασ𝗎𝗓𝟤+σ𝗏𝗓𝟤=σ𝗑𝗓𝟤+σ𝗒𝗓𝟤=:𝗋𝟤

Im Schubspannungsraum, in dem die Schubspannungen σxz,uz auf der Abszisse und σyz,vz auf der Ordinate aufgetragen sind, liegen die Schubspannungen senkrecht zur Ebene demnach auf einem Kreis mit Radius r.

Mohr’scher Spannungskreis und Schnittspannungsvektoren

Der Spannungs- oder Traktionsvektor t wird auf einem infinitesimalen Volumen durch einen Freischnitt sichtbar. Der Vektor wird zerlegt in seinen Anteil σn (hier auch tx¯ bezeichnet) senkrecht zur Schnittfläche (den sogenannten Normalspannungsanteil) und seinen Anteil τn (hier auch ty¯ bezeichnet) parallel zur Schnittfläche (den so genannten Schubspannungsanteil). Abhängig vom Winkel φ, unter dem geschnitten wird, lassen sich Paare (tx¯,ty¯) berechnen und in ein Diagramm als Punkte einzeichnen. Die Menge aller Punkte ist der Mohr’sche Kreis. An ihm lassen sich z. B. die Hauptspannungen, die Hauptspannungsrichtungen oder die größte Schubspannung ablesen. Dadurch gewinnt man eine anschauliche Vorstellung von der Beanspruchung des Volumens. Bei Festigkeitskriterien, wie Versagenskriterien, Fließkriterien oder Elastizitätsgrenzen, von isotropen, homogenen Materialien sind ausschließlich die Hauptspannungen relevant. Bei einigen Festigkeitskriterien ist nur die Beanspruchung in der Ebene der größten und kleinsten Hauptspannung relevant. Zu ihrer Beurteilung wird auch im Computerzeitalter oft der Mohr’sche Spannungskreis verwendet, denn er liefert schnell eine anschauliche Lösung.

Der Mohr’sche Kreis kann auch zur Berechnung des Traktionsvektors auf eine beliebige Flächennormale verwendet werden und somit kann man die Komponenten des Spannungstensors rückbestimmen: Sind die Spannungstensor-Komponenten bezogen auf ein kartesisches (x,y)-Koordinatensystem gegeben, dann lassen sich mit dem Mohr’schen Kreis die Spannungstensor-Komponenten bezogen auf ein kartesisches (x¯,y¯)-Koordinatensystem grafisch bestimmen. Vorausgesetzt ist hierbei, dass das (x¯,y¯)-Koordinatensystem durch eine Drehung um den Winkel φ aus dem (x,y)-Koordinatensystem hervorgeht.

Schnittspannungsvektor

(x, y)-Komponenten

Teilchen mit Spannung σ geschnitten senkrecht zu x (links) und unter einem Winkel φ (rechts), Normalen-Einheits­vektor n, Schnitt­spannungs­vektor t

Der Spannungszustand an einem Teilchen ist festgelegt durch den symmetrischen Cauchy-Spannungstensor σ, der meist als (2,0)-Tensor definiert wird. An diesem Teilchen und durch seine unmittelbare Umgebung lässt sich ein Freischnitt führen in beliebiger Richtung. An der entstandenen Schnittfläche lässt sich der Schnittspannungsvektor t (traction vector) berechnen. Der Zusammenhang zwischen dem Spannungstensor und dem Schnittspannungsvektor t ist

t=σn,

wobei n ein Normalen-Einheitsvektor ist, der senkrecht auf der Schnittfläche steht und „nach außen“ zeigt. Die Komponenten des Spannungsvektors t bezogen auf das kartesische (x,y)-Koordinatensystem werden aus den Komponenten des Spannungstensors und denen des Normalen-Einheitsvektors mittels Matrixmultiplikation bzw. nach der Summenkonvention berechnet als:

[txty]=[σxxτxyτxyσyy][nxny]{tx=σxxnx+τxynyty=τxynx+σyynyti=σijnj

Wenn an einem Schnittufer n der Normalen-Einheitsvektor ist, ist am gegenüber liegenden Schnittufer −n der Normalen-Einheitsvektor. Damit ist das Reaktionsprinzip mit der Definition des Spannungstensors von vornherein erfüllt.

Zusammenhang zwischen den Komponenten des Spannungs­tensors und denen der Schnitt­spannungs­vektoren

Die Komponenten von t bezogen auf das (x,y)-Koordinatensystem lassen sich für jede beliebige Schnittrichtung berechnen:

[txty]=[σxxτxyτxyσyy][cφsφ]

mit den Abkürzungen:

cφ=cosφsφ=sinφ

Besonders einfach ist die Berechnung für Schnitte parallel zu den Koordinatenflächen. Bei φ=0 ist wegen (c0,s0)=(1,0):

[txty]=[σxx1+τxy0τxy1+σyy0]=[σxxτxy]

Bei φ=90 ist wegen (c90,s90)=(0,1):

[txty]=[τxyσyy]
Schnittwinkel φ nx ny tx ty
0 1 0 σxx τxy
90 0 1 τxy σyy
180 1 0 σxx τxy
270 0 1 τxy σyy

Die Komponenten des Spannungstensors sind also auch die Komponenten der Spannungen auf den Schnittflächen. Und der Mohr’sche Kreis beschreibt, wie diese Spannungen von der Schnittrichtung abhängen. Vorlage:Absatz

(x̅, y̅)-Komponenten

(tx,ty) und (tx¯,ty¯)

Vorlage:Anker

Zählrichtung für Schnitt­winkel φ sowie (tx¯,ty¯) für 12 Schnitt­winkel. Beispiel: [σxxτxyτxyσyy]=[1445]

Im Abschnitt (x, y)-Komponenten wurden die Komponenten von t bezogen auf das (x,y)-Koordinatensystem angegeben. Die Komponenten von t bezogen auf das (x¯,y¯)-Koordinatensystem sind:

[tx¯ty¯]=[cφsφsφcφ][txty]{tx¯=cφtx+sφtyty¯=sφtx+cφty

Durch Einsetzen und mit Hilfe der Umformungen

tx¯(φ)=txcφ+tysφ=(σxxcφ+τxysφ)cφ+(τxycφ+σyysφ)sφ=σxxcφ2+2τxysφcφ+σyysφ2=σxx1+c2φ2+τxys2φ+σyy1c2φ2=12(σxx+σyy)+12(σxxσyy)c2φ+τxys2φty¯(φ)=txsφ+tycφ=(σxxcφ+τxysφ)sφ+(τxycφ+σyysφ)cφ=σxxsφcφ+τxy(sφ2+cφ2)+σyysφcφ=(σxxσyy)sφcφ+τxy(sφ2+cφ2)=(σxxσyy)12s2φ+τxyc2φ

erhält man:

tx¯(φ)12(σxx+σyy)=12(σxxσyy)c2φ+τxys2φty¯(φ)=12(σxxσyy)s2φ+τxyc2φ

Auf diesen beiden Gleichungen basiert die Konstruktion des Mohr’schen Kreises. Für das Beispiel:

[σxxτxyτxyσyy]=[1445]

sind diese Formeln im Bild „Zählrichtung für Schnittwinkel“ für 12 verschiedene Winkel ausgewertet.

Das Bild „Zählrichtung für Schnittwinkel“ zeigt nicht den Mohr’schen Kreis, sondern veranschaulicht die Formeln für tx¯ und ty¯. Man sieht an jedem Schnitt den dort wirkenden Schnittspannungsvektor und seine (x¯,y¯)-Komponenten. Den Mohr’schen Kreis erhält man, indem man ty¯ über tx¯ aufträgt – indem man also ein Diagramm zeichnet, worin die Paare (tx¯,ty¯) als Punkte dargestellt sind. Dies wird im folgenden Abschnitt getan.

Für Schnitte parallel zu den (x,y)-Koordinatenflächen ist:

Schnittwinkel φ nx ny tx¯ ty¯
0 1 0 σxx τxy
90 0 1 σyy τxy
180 1 0 σxx τxy
270 0 1 σyy τxy

Vorlage:Absatz

Kreisgleichung und Hauptspannungen

Kreisgleichung

Innen: Zähl­richtung für 2φ im Uhrzeigersinn sowie Punkte (tx¯,ty¯) für 2φ=60,120 etc. Außen: Zähl­richtung für φ entgegen Uhrzeigersinn sowie Schnitte für φ=30,60 etc., vgl. Bild „Zähl­richtung für Schnitt­winkel“.

Aus den Gleichungen für tx¯ und ty¯ wird die Kreisgleichung des Mohr’schen Kreises abgeleitet. Quadrieren beider Gleichungen liefert zunächst:

(tx¯12(σxx+σyy))2=(12(σxxσyy)c2φ+τxys2φ)2ty¯2=(12(σxxσyy)s2φ+τxyc2φ)2

Und durch Addieren dieser Gleichungen erhält man die Gleichung eines Kreises mit Radius R und Mittelpunkt bei (a,b), nämlich:

(tx¯a)2+(ty¯b)2=R2(tx¯12(σxx+σyy)a)2+(ty¯0b)2=(12(σxxσyy))2+τxy2R2

Der Mittelpunkt des Mohr’schen Kreises liegt bei:

(tx¯,ty¯)=(a,b)=(12(σxx+σyy),0)

Für das Beispiel ergibt sich (vgl. Bild „Zählrichtung innen/außen“):

(a,b)=(12(1+5),0)=(2,0)

Und der Radius beträgt:

R=(12(σxxσyy))2+τxy2

Für das Beispiel ergibt sich (vgl. Bild „Zählrichtung innen/außen“):

R=(12(15))2+42=9+16=5

Hauptspannungen und Hauptspannungsrichtungen

Freischnitte entlang der Hauptspannungsrichtungen und (x¯,y¯)-Komponenten von t für [σxxτxyτxyσyy]=[1445]

Die Hauptspannungen sind die Eigenwerte (der Komponentenmatrix) des Spannungstensors. Die charakteristische Gleichung zur Berechnung der Eigenwerte ist:

det([σxxλτxyτxyσyyλ])=0

Einfache Umformungen

Umformungen
(σxxλ)(σyyλ)τxy2=0λ2λ(σxx+σyy)+σxxσyyτxy2=0λ1/2=12(σxx+σyy)±14(σxx+σyy)2σxxσyy+τxy2λ1/2=12(σxx+σyy)±14(σxx2+σyy2+2σxxσyy)σxxσyy+τxy2λ1/2=12(σxx+σyy)±14(σxx2+σyy22σxxσyy)+τxy2λ1/2=12(σxx+σyy)±14(σxxσyy)2+τxy2

führen auf:

λ1/2=12(σxx+σyy)±R,

sodass man die Hauptspannungen als Schnittpunkte des Kreises mit der tx¯-Achse abliest. Für das konkrete Beispiel ergeben sich die Hauptspannungen:

λ1/2=2±5

Es gibt verschiedene Methoden, um die Hauptspannungsrichtungen zu bestimmen.

Berechnung aus Kreisgleichung

Im Spezialfall ty¯=0 ist t parallel zum Normalen-Einheitsvektor n.

Aus der Kreisgleichung folgt dann:

0=(12(σxxσyy)s2φ1/2+τxyc2φ1/2)2tan(2φ1/2)=2τxyσxxσyy

Und für das Beispiel ergeben sich die positiven Schnittwinkel:

tan(2φ1/2)=432φ1/2127±kπφ1/263±kπ2

Berechnung aus Eigenvektoren

Die Richtungen lassen sich alternativ mit den Eigenvektoren bestimmen. Der zu λ1=7 gehörende Eigenvektor v1 ist Lösung von:

[σxxλ1τxyτxyσyyλ1][v1xv1y]=0[v1xv1y]=α[12]

Die Hauptspannungsrichtung für λ2=3 ergibt sich entsprechend zu:

[v2xv2y]=α[21]

Nun liegen die (x,y)-Komponenten beider Eigenvektoren fest. Der Winkel zwischen x-Achse und erstem Eigenvektor ist damit:

tan(φ)=21φ163±kπ=(,63,243,)

Die zweite Eigenrichtung ist um 90 Grad gegenüber der ersten gedreht, sodass:

φ2153±kπ=(,27,153,)

Die Einheitsvektoren der Eigenvektoren bilden eine Orthonormalbasis, die den physikalischen Raum aufspannen, diese Eigenvektoren werden mit eI,eII,eIII bezeichnet. Da der Spannungstensor mit den Einheitseigenvektoren multipliziert (T=σn) jeweils eine der Hauptspannungen ergeben, werden sie in diesem Zusammenhang auch nI,nII,nIII bezeichnet.

Vorlage:Anker

Mohr’sche Spannungskreise in 3D

Mohr’sche Kreise für einen dreidimensionalen Spannungszustand. Die drei Radien berechnen sich wie im Bild ersichtlich jeweils aus der Differenz zweier Hauptspannungen.

Die dreidimensionale Realität kann man mit 3 Mohr’schen Spannungskreisen darstellen. Wie in 2D können die Richtungskosinus des Normalenvektors im Bild abgelesen werden, siehe den nächsten Abschnitt. Der Traktionsvektor wird aufgeteilt in eine Normalkomponente mit Betrag σn und eine Tangentialkomponente τn. In der Ebene, in der die Normalkomponente σn auf der Abszisse und die Tangentialkomponente τn auf der Ordinate aufgetragen werden, liegen die möglichen Zustände in der grünlichen Fläche im Bild. Jeder Traktionsvektor muss innerhalb des äußeren Kreises (oder auf dem äußeren Kreis) liegen. Spannungskombinationen aus Normalspannung und Schubspannung, die innerhalb der inneren Kreise liegen, können nicht auftreten, woraus auch folgt, dass es ausschließlich 3 Normalspannungen gibt, bei denen die Schubspannung null ist.

In einem Spannungszustand, bei dem zwei Hauptspannungen gleich sind, degeneriert ein Kreis zu einem Punkt und der andere innere Kreis ist identisch mit dem äußeren Kreis. Bei einem hydrostatischen Spannungszustand degenerieren alle drei Kreise zu einem Punkt, da hier keine Schubspannungen vorhanden sind und in jeder Richtung dieselbe Normalspannung wirkt.

Bestimmung des Normalenvektors bzw. des Traktionsvektors

Wie man die Komponenten von n konstruktiv ermittelt
Konstruktion der Von-Mises-Vergleichs­spannung

Man zeichnet die drei Spannungskreise und jenen Spannungspunkt (den Punkt (σnn), mit Normal- und Schubkomponente des Traktionsvektors t) ein, der gesucht ist. Dieser Punkt muss sich zwischen den drei Kreisen befinden, liegt er exakt auf einem Kreis kann der Normalenvektor wie bei dem 2D-Spannungskreis ermittelt werden. Ein Spannungspunkt außerhalb des äußeren oder innerhalb eines der kleineren Kreise kann nicht angenommen werden. Durch Einstechen im Mittelpunkt eines der beiden kleinen Spannungskreise und Abtragen des Abstandes zu (σnn) auf einem der anderen Kreise, kann man wie in 2D den doppelten Winkel zu einer Hauptspannungsrichtung bestimmen. Damit kann man den Normalenvektor ermitteln:

n=cos(αI)nI+cos(αII)nII+cos(αIII)nIII= (cos(αI),cos(αII),cos(αIII))nI,nII,nIIIT

Dabei reicht die Kenntnis zweier Winkel aus, um den dritten über n²=cos²(αI)+cos²(αII)+cos²(αIII) zu berechnen. Ebenso ist eine grafische Bestimmung des Traktionsvektors für einen bestimmten Normalenvektor möglich; hier muss man die zuvor erwähnten Schritte in umgekehrter Reihenfolge durchführen.

Durch die Hauptnormalspannungen σI und σIII wird eine Seite eines gleichseitigen Dreiecks aufgespannt. Der Abstand zwischen dem Punkt des soeben aufgespannten Dreiecks, der nicht auf der Abszisse liegt, und σII entspricht der Von-Mises-Vergleichsspannung.Vorlage:Absatz

Analytische Beschreibung

Die Beschreibung erfolgt im System der Hauptspannungsrichtungen, kurz Hauptachsensystem ê1,2,3 mit den zugehörigen Hauptspannungen σ1,2,3. Diese werden nach Größe sortiert σ1 > σ2 > σ3 und sollen hier der Einfachheit halber alle verschieden sein. Der Traktionsvektor mit Normalkomponente σn und Tangentialkomponente τn schreibt sich

𝗍=σ𝟣𝗇𝟣𝖾^𝟣+σ𝟤𝗇𝟤𝖾^𝟤+σ𝟥𝗇𝟥𝖾^𝟥=σ𝗇𝗇^+τ𝗇𝖻^

mit 𝗇^=𝗇𝟣𝖾^𝟣+𝗇𝟤𝖾^𝟤+𝗇𝟥𝖾^𝟥, |𝗇^|=|𝖻^|=𝟣 und 𝗇^𝖻^=0. Im Hauptachsensystem gilt:

𝗍𝗇^=σ𝗇=σ𝟣n𝟣𝟤+σ𝟤n𝟤𝟤+σ𝟥n𝟥𝟤|𝗍|𝟤=σ𝗇𝟤+τ𝗇𝟤=σ𝟣𝟤n𝟣𝟤+σ𝟤𝟤n𝟤𝟤+σ𝟥𝟤n𝟥𝟤𝗇^𝗇^=𝟣=n𝟣𝟤+n𝟤𝟤+n𝟥𝟤

Aus diesen drei Gleichungen können die Normalenkomponenten n1,2,3 berechnet werden:

n𝟣𝟤=(σnσm1)2+τn2R124R2R30n𝟤𝟤=R22(σnσm2)2τn24R1R30n𝟥𝟤=(σnσm3)2+τn2R324R1R20

Darin sind

  • σ𝗆𝟣=σ2+σ32,σ𝗆𝟤=σ1+σ32,σ𝗆𝟥=σ1+σ22 die Mittelpunktskoordinaten auf der Abszisse und
  • 𝖱𝟣=σ2σ32,𝖱𝟤=σ1σ32,𝖱𝟥=σ1σ22 die (positiven) Radien der Mohr’schen Spannungskreise.

Weil in den letzten drei Gleichungen die Nenner positiv sind, müssen es die Zähler auch sein, woran zu erkennen ist, dass die Punkte (σnn) außerhalb der kleinen Spannungskreise und innerhalb des umschließenden Kreises liegen.

Der Punkt (x1,y1), der auf dem linken Kreis um (σm1,0) liegt und denselben Abstand zum Mittelpunkt des rechten Kreises um (σm3,0) hat wie (σnn), liegt bei (x1,y1) mit

𝗑𝟣=σn2+τn22σm3σn+σ2σ32R2,𝗒𝟣=R𝟣𝟤(𝗑𝟣σ𝗆𝟣)𝟤

und der entsprechende Punkt auf dem größten Kreis bei

𝗑𝟤=σn2+τn22σm3σn+σ1σ32R1,𝗒𝟤=R𝟤𝟤(𝗑𝟤σ𝗆𝟤)𝟤

Die 3-Komponente der Normale bestimmt sich damit aus

cos𝟤α𝟥=σm1x1R1=σm2x2R2=𝟤n𝟥𝟤𝟣,𝗇𝟥=cosα𝟥

Für die Punkte (x3,y3) und (x4,y4), die auf dem rechten bzw. größten Kreis liegen und denselben Abstand zum Mittelpunkt des linken Kreises um (σm1,0) haben wie (σnn), liegen bei

𝗑𝟥=σn2+τn22σm1σn+σ1σ22R2,𝗒𝟥=R𝟥𝟤(𝗑𝟥σ𝗆𝟥)𝟤𝗑𝟦=σn2+τn22σm1σn+σ1σ32R3,𝗒𝟦=R𝟤𝟤(𝗑𝟦σ𝗆𝟤)𝟤

Die 1-Komponente der Normale bestimmt sich damit aus

cos𝟤α𝟣=x3σm3R3=x4σm2R2=𝟤n𝟣𝟤𝟣,𝗇𝟣=cosα𝟣

Die Komponente n2 in Richtung der 2-Achse ergibt sich aus n𝟣𝟤+n𝟤𝟤+n𝟥𝟤=𝟣.

Mohr’scher Kreis: Konstruktion und Auswertung

Konstruktion

Mohr’scher Kreis, Hauptspannungen und Hauptspannungsrichtungen für Beispiel [σxxτxyτxyσyy]=[1445]

Die Konstruktion des Mohr’schen Kreises geschieht wie in nebenstehenden Bild dargestellt nach folgendem Schema:

  1. Zeichnen eines kart. Koordinatensystems für Punkte (tx¯,ty¯).
  2. Eintragen der zwei Punkte:
    • P0=(tx¯(0),ty¯(0))=(σxx,τxy)
    • P90=(tx¯(90),ty¯(90))=(σyy,τxy).
    Verbinden dieser zwei Punkte durch eine Gerade (strich-punktierte Linie).
  3. Zeichnen des Kreises, der die Punkte P0 und P90 beinhaltet und dessen Mittelpunkt der Schnittpunkt der strichpunktierten Linie mit der tx¯-Achse ist.
  4. Eintragen/Ablesen der zwei Punkte:
    • Pσ𝗆𝖺𝗑=(λ1,0)
    • Pσ𝗆𝗂𝗇=(λ2,0)
    Verbinden dieser zwei Punkte mit P0 (blaue gestrichelte Linien).
  5. Eintragen/Ablesen der zwei Punkte:
    • Pτ𝗆𝖺𝗑=(a,R)
    • Pτ𝗆𝗂𝗇=(a,R)
    Verbinden dieser zwei Punkte mit P0 (rote gestrichelte Linien).

Auswertung

1. Schnittrichtung / Schnittspannung
Jeder Punkt auf dem Mohr’schen Kreis im Bild im Absatz #Konstruktion entspricht einem Schnittwinkel φ, siehe Bild „Zähl­richtung für Schnitt­winkel“. φ ist einerseits der Winkel zwischen der x-Achse und dem Normalen-Einheitsvektor n – ausgehend von x entgegen dem Uhrzeigersinn positiv gezählt (in Bild „Zähl­richtung für Schnitt­winkel“). Andererseits ist 2φ im Mohr’schen Kreis, bzw. dem Bild im Absatz #Konstruktion, der Winkel zwischen P0 und dem zur jeweiligen Schnittrichtung passenden Punkt (tx¯,ty¯) – von P0 ausgehend im Uhrzeigersinn positiv gezählt.
Für jeden vorgegebenen Schnittwinkel φ liest man im Mohr’schen Kreis die (x¯,y¯)-Komponenten des zu dieser Schnittrichtung passenden Schnittspannungsvektors ab. Diese Komponenten sind das Paar (tx¯,ty¯), das abzulesen ist an der Stelle 2φ.
2. Hauptspannungen
An den Schnittpunkten des Kreises mit der tx¯-Achse sind die (x¯,y¯)-Komponenten der Spannungsvektoren (tx¯,ty¯)=(λ1,0) bzw. (tx¯,ty¯)=(λ2,0). Der Schnittspannungsvektor t ist an diesen Schnittpunkten also parallel zu n, und darum sind λ1 bzw. λ2 die Hauptspannungen.
3. Hauptspannungsrichtungen
Die zwei zugehörigen Hauptspannungsrichtungen stehen senkrecht aufeinander. Darum reicht es aus, die zu λ1 gehörende Richtung abzulesen. Diese ist gegeben durch den Schnittwinkel φ1, d. h. die Hälfte des Winkels 2φ1 bzw. die blaue gestrichelte Linie zwischen (λ2,0) und P0. Diese Linie/Richtung ist die Hauptspannungsrichtung. Die Richtung, unter der der Freischnitt ausgeführt wird, steht senkrecht dazu. Sie ist durch die blaue gestrichelte Linie zwischen (λ1,0) und P0 gegeben.
4. Extremwerte der Schubspannung
Der Radius des Kreises ist die größte auftretende Schubspannung, d. h.:
τmax=ty¯max=Rτmin=ty¯min=R
Die zugehörigen Schnittwinkel sind um 45 versetzt zu den Schnittwinkeln, unter denen die Hauptspannungen auftreten (siehe rote gestrichelte Linien im Bild im Absatz #Konstruktion).

Spezialfall: Wenn der Deviator-Anteil des Spannungstensors Null ist – d. h., wenn der Spannungstensor ein Kugeltensor ist – entartet der Kreis zu einem Punkt. Für die Komponenten des Spannungstensors gilt dann in jedem Koordinatensystem:

[σxxτxyτxyσyy]=α[1001]

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Mohr’sche Verzerrungskreise

Analog zu den Mohr’schen Spannungskreisen kann man Mohr’sche Verzerrungskreise zeichnen, die einem aufzeigen, welche Verzerrungszustände angenommen werden. Jedoch gibt es hier keinen Traktionsvektor, der die Spannungskomponenten auf eine beliebige Fläche angibt, wie bei den Spannungskreisen.

Tensorkomponenten aus zwei Schnitten

Spannungstensor-Komponenten (σxx,σyy,τxy) bezogen auf das (x,y)-Koordinaten­system; Spannungs­tensor-Komponenten (σx¯x¯,σy¯y¯,τx¯y¯) bezogen auf das um φ gedrehte (x¯,y¯)-Koordinaten­system für Beispiel [σxxτxyτxyσyy]=[1445]

Seien die Spannungstensor-Komponenten bezüglich (x,y)-Koordinatensystem gegeben. Sei genau ein (x¯,y¯)-Koordinatensystem definiert, das um einen Winkel φ gegenüber dem (x,y)-Koordinatensystem gedreht ist, siehe nebenstehendes Bild. Seien weiterhin die Spannungstensor-Komponenten bezogen auf dieses eine (x¯,y¯)-Koordinatensystem (σxx,σyy,τxy) gesucht.

Dann lassen sich diese Komponenten bestimmen durch einen Schnitt unter φ – und einen zweiten Schnitt unter φ+90, denn:

[σx¯x¯τx¯y¯]=[tx¯(φ)ty¯(φ)][τx¯y¯σy¯y¯]=[ty¯(φ+90)tx¯(φ+90)]=[ty¯(φ)tx¯(φ+90)]

Die letzten Formeln ermöglichen es, die Komponenten des Spannungstensors in Bezug auf ein um einen Winkel φ gedrehtes Koordinatensystem zu berechnen. Die Funktionen tx¯ und ty¯, die dazu verwendet werden, sind dieselben wie die zur Konstruktion des Mohr’schen Kreises. Und darum kann man die Komponenten des Spannungstensors in Bezug auf ein gedrehtes Koordinatensystem auch aus dem Mohr’schen Kreis ablesen, siehe hierzu das Bild am Beginn dieses Absatzes.

Tensorkomponenten aus Transformationsbeziehung

Diese (x¯,y¯)-Komponenten des Spannungstensors lassen sich auch direkt aus den (x,y)-Komponenten des Spannungstensors berechnen, siehe #Koordinatentransformation. Denn der Koordinatenwechsel von (x,y) auf (x¯,y¯) erzeugt folgende Transformationsbeziehung (auch Pushforward genannt) für die Komponenten des (2,0)-Spannungstensors:

[σx¯x¯τx¯y¯τx¯y¯σy¯y¯]=[cφsφsφcφ][σxxτxyτxyσyy][cφsφsφcφ]=[cφσxx+sφτxycφτxy+sφσyysφσxx+cφτxysφτxy+cφσyy][cφsφsφcφ]=[(cφσxx+sφτxy)cφ+(cφτxy+sφσyy)sφ(cφσxx+sφτxy)(sφ)+(cφτxy+sφσyy)cφ(sφσxx+cφτxy)cφ+(sφτxy+cφσyy)sφ(sφσxx+cφτxy)(sφ)+(sφτxy+cφσyy)cφ]=[(σxxcφ+τxysφ)cφ+(τxycφ+σyysφ)sφ(σxxcφ+τxysφ)sφ+(τxycφ+σyysφ)cφ(σxxcφ+τxysφ)sφ+(τxycφ+σyysφ)cφ(σxxcφ+π2+τxysφ+π2)cφ+π2+(τxycφ+π2+σyysφ+π2)sφ+π2]

Vergleich mit den Gleichungen für tx¯ und ty¯ aus Abschnitt #(x̅, y̅)-Komponenten liefert:

[σx¯x¯τx¯y¯τx¯y¯σy¯y¯]=[tx¯(φ)ty¯(φ)ty¯(φ)tx¯(φ+π2)]

Dieses Ergebnis ist äquivalent zum Ergebnis aus dem letzten Abschnitt, siehe hierzu auch das Bild im Absatz #Tensorkomponenten aus zwei Schnitten.

Häufig wird dieses Ergebnis auch geschrieben als:

σx¯x¯(φ)=12(σxx+σyy)+12(σxxσyy)c2φ+τxys2φτx¯y¯(φ)=12(σxxσyy)s2φ+τxyc2φ

Umrechnung Flächenträgheitsmomente

Mohr’scher Trägheits­kreis, Haupt­trägheit­smomente I1,I2 für Beispiel [IyIyzIyzIz]=[3449]

Die Transformationsregel für Flächenträgheitsmomente kann genau wie die Transformationsregel für die Komponenten des Spannungstensors bestimmt werden. Der Spannungstensor ist eine lineare Abbildung zwischen Vektoren gemäß:

[txty]=[σxxτxyτxyσyy][nxny][tx¯ty¯]=[σx¯x¯τx¯y¯τx¯y¯σy¯y¯][nx¯ny¯]

Damit diese Abbildungen unabhängig von der Wahl des Koordinatensystems gelten, müssen die Komponenten des Spannungstensors folgende Transformationsregeln erfüllen:

[σx¯x¯τx¯y¯τx¯y¯σy¯y¯]=[cφsφsφcφ][σxxτxyτxyσyy][cφsφsφcφ]

siehe Euklidische Transformation. Analog gilt bei einem Profilstab zwischen Biegemomenten My,Mz und Verkrümmungen ψy,ψz (bezogen auf die Neutralachse) mit den Flächenträgheitsmomenten definiert als

Iy=z2dAIz=y2dAIyz=yzdA

der lineare Zusammenhang:[6]

[MyMz]=[EIyEIyzEIyzEIz][ψyψz][My¯Mz¯]=[EIy¯EIy¯zEIy¯z¯EIz¯][ψy¯ψz¯]

Die Momente und die Verkrümmungen transformieren sich wie Pseudovektoren – also bei Drehung des Koordinatensystems wie Vektoren. Und darum ist die Transformationsregel für die Flächenträgheitsmomente:

[EIy¯EIy¯z¯EIy¯z¯EIz¯]=[cφsφsφcφ][EIyEIyzEIyzEIz][cφsφsφcφ][Iy¯Iy¯z¯Iy¯z¯Iz¯]=[cφsφsφcφ][IyIyzIyzIz][cφsφsφcφ]

Der Mohr’sche Kreis kann also zur Umrechnung der Flächenträgheitsmomente bei Koordinatenwechsel ebenso verwendet werden wie zur Umrechnung der Komponenten des Spannungstensors.

Programm zum Ausprobieren

Plot einiger Paare (tx¯,ty¯), erzeugt mit nebenstehendem Programm

mit Matplotlib und NumPy

import matplotlib.pyplot as plt
from numpy import pi, sin, cos, array, transpose, dot
from numpy import radians, degrees, set_printoptions

#There is the (x,y)-system and the (X,Y)-system.

#         [s_xx  t_xy ]     [-1  4 ]
#  S_xy = [           ]  =  [      ]
#         [t_xy  s_yy ]     [ 4  5 ]

# ---
# --- User input:
# ---

# 1: Stress tensor components:
(s_xx, s_yy, t_xy) = (-1, 5, 4)

# 2: List of angles phi in degrees:
phi_deg = array([0., 30., 60., 90., 120., 150.])

# ---
# --- Program output:
# ---

# phi [ t_X, t_Y ]

# 0.0  [-1.   4.  ]
# 30.0 [ 3.96 4.6 ]
# 60.0 [ 6.96 0.6 ]
# ...

# phi [ s_XX, t_XY ]
#     [ t_XY, s_YY ]

# 0.0   [-1.   4.  ]
#       [ 4.   5.  ]
# 30.0  [ 3.96 4.6 ]
#       [ 4.6  0.04]
# 60.0  [ 6.96 0.6 ]
#       [ 0.6 -2.96]
# ...

# ---
# --- Program:
# ---

# Matrix of components::
S_xy = array([ [s_xx, t_xy],
               [t_xy, s_yy] ])

# Yes
half = 0.5
two  = 2.0

# Some functions for later use:
def c2(phi):
    """ computes cos(2 phi) """
    return cos(two*phi)

def s2(phi):
    """ computes sin(2 phi) """
    return sin(two*phi)

def get_t_X(phi):
    """
    computes t_X(phi) as in section
    "(X,Y)-Komponenten"
    """
    t_X = half*(s_xx + s_yy) + half*(s_xx - s_yy) * c2(phi) + t_xy*s2(phi)
    return t_X

def get_t_Y(phi):
    """
    computes t_Y(phi) as in section
    "(X,Y)-Komponenten"
    """
    t_Y = -half*(s_xx - s_yy) * s2(phi) + t_xy * c2(phi)
    return t_Y

def get_t_XY(phi):
    """
    computes pair (t_X, t_Y)
    """
    t_X = get_t_X(phi)
    t_Y = get_t_Y(phi)
    return array([t_X, t_Y])

def get_R(phi):
    """
    computes rotation matrix as in section
    "Tensorkomponenten aus Transformationsbeziehung"
    """
    Rt = array([ [ cos(phi), sin(phi)],
                 [-sin(phi), cos(phi)] ])
    return Rt

def get_S_XY(phi):
    """
    computes S_XY = R * S_xy * R^T as in section
    "Tensorkomponenten aus Transformationsbeziehung"
    """
    R = get_R(phi)
    R_T = R.transpose()
    S_XY = dot(dot(R, S_xy), R_T)
    return S_XY

# Compute and plot some pairs (t_X, t_Y):

# phi in radians:
phis = array([ radians(a) for a in phi_deg ])

# for prettier printing:
set_printoptions(precision=2)

print ()
print ("phi   [ t_X, t_Y ]")
print ()
for phi in phis:
    tX_tY = get_t_XY(phi)
    print (degrees(phi),"  ", tX_tY)

print ()
print ("phi   [ s_XX, t_XY ]")
print ("      [ t_XY, s_YY ]")
print ()
for phi in phis:
    S_XY = get_S_XY(phi)
    print (degrees(phi), "  ", S_XY[0])
    print ("       ",         S_XY[1])

# Now plot these pairs (t_X, t_Y):

# phi --> t_X(phi):
t_X = list(map(get_t_X, phis))
# phi --> t_Y(phi):
t_Y = list(map(get_t_Y, phis))

# color = phi in degrees:
color = degrees(phis)

# make the circle be a circle:
plt.axis("equal")

# plot some colored points:
plt.scatter(t_X, t_Y, s=100, c=color)

# add colorbar:
cbar = plt.colorbar()

# plt.clim(0,180.)
# add ticks to colorbar:
cbar.set_ticks(degrees(phis))

# show plot:
plt.show()

Vorlage:Absatz

Vorlage:Commonscat

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Vorlage:Literatur
  2. [Christian Otto] Mohr: „Über die Darstellung des Spannungszustandes und des Deformationszustandes eines Körperelementes und über die Anwendung derselben in der Festigkeitslehre.“ In: Der Civilingenieur. Organ des sächsischen Ingenieur- und Architekten-Vereins. (Leipzig) N.F., Bd. 28 (1882), S. 112–156, darin auf S. 113; auf den Mohr’schen Kreis sowie auf die Originalarbeit wird hingewiesen durch: S. Timoshenko: History of strength of materials. McGraw Hill, 1953, S. 285. Aufgeführt wird der Autor in der Zeitschrift als „Professor Mohr“; der Vorname bleibt unerwähnt.
  3. Karl-Eugen Kurrer, Geschichte der Baustatik. Auf der Suche nach dem Gleichgewicht. Ernst & Sohn, 2016, S. 323
  4. Vorlage:Literatur
  5. Vorlage:Literatur
  6. Vorlage:Literatur

Literatur