Liste von Trägheitstensoren

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Der Trägheitstensor (Formelzeichen 𝐈,Θ,I, Dimension 1=M L², SI-Einheit 1=kg m²) eines starren Körpers gibt seine Trägheitsmomente an, also den Widerstand des Körpers gegen beschleunigte Drehungen. Der Trägheitstensor spielt für Drehungen eine vergleichbare Rolle wie die Masse für Translationsbewegungen. Er darf nicht verwechselt werden mit dem Flächenträgheitsmoment, das bei Balkenbiegungen verwendet wird.

Die Berechnung des Trägheitstensors realer Körper erfordert die Auswertung von Volumenintegralen, was entsprechend aufwändig ist. Einfacher gestaltet sich die Bestimmung, wenn der Körper aus Teilen zusammengesetzt ist, deren Trägheitstensor bekannt ist. Mit der Regel für die Tensortransformation bei Drehungen und dem Steiner’schen Satz kann dann der Trägheitstensor des Körpers ohne Integrationen ermittelt werden. In den Tabellen unten sind zu diesem Zweck die Trägheitstensoren einiger einfacher Körper mit homogener Massenverteilung aufgelistet.

Berechnung von Trägheitstensoren

In der Tabelle sind die Trägheitstensoren bezüglich des Ursprungs eines kartesischen Koordinatensystems mit Standardbasis e^x,y,z angegeben, die hier – wenn nicht anders angegeben – mit dem Hauptachsensystem zusammenfällt. Sofern der Massenmittelpunkt des Körpers im Ursprung liegt, wird der Trägheitstensor mit Is bezeichnet, ansonsten mit I0, und besitzt die Darstellungen

𝐈0:=(IxIyIz):=Ixe^xe^x+Iye^ye^y+Ize^ze^z:=V[(xx)𝟏xx]ρdV

Darin ist

Ist g^x,y,z eine andere rechtshändige Orthonormalbasis, dann ist

𝐉:=Ixg^xg^x+Iyg^yg^y+Izg^zg^z=𝐐𝐈𝐐

der Trägheitstensor mit Hauptachsensystem g^x,y,z. Darin ist

𝐐:=g^xe^x+g^ye^y+g^ze^z=(g^xg^yg^z)

ein orthogonaler Tensor. In der letzten Darstellung wurden die Basisvektoren als Spaltenvektoren angesetzt. Mit dem Steiner’schen Satz kann der Trägheitstensor bezüglich eines beliebigen anderen Bezugspunkts berechnet werden:

𝐈c=𝐈s+m[(cc)𝟏cc]

Darin ist c der Abstandsvektor vom Massenmittelpunkt s, der für die Berechnung von Is verwendet wurde. Insbesondere ist hier

𝐈0=𝐈s+m[(ss)𝟏ss]

wenn der Massenmittelpunkt s nicht im Ursprung liegt.

Von zwei Teilkörpern können die Trägheitstensoren addiert werden, wenn sie bezüglich desselben Bezugspunkts aufgestellt wurden. Trägheitstensoren können auch subtrahiert werden, wenn das Volumen des dazu gehörenden Teilkörpers ausgespart werden soll.

Punktmasse

Eine Punktmasse hat keine Trägheitsmomente bezüglich Achsen, auf denen sie liegt. Nach dem Steiner’schen Satz verursacht sie jedoch Trägheitsmomente, wenn sie nicht auf der Drehachse liegt.

Beschreibung Bild Trägheitstensor
Punktmasse m bei x=r.[Anm. 1] 𝐈0=mr2(011)
Zwei Punktmassen M und m im Abstand a auf der x-Achse und Massenmittelpunkt bei x = 0. 𝐈s=MmM+ma2(011)

Stab, Parallelogramm und Quader

Beschreibung Bild Trägheitstensor
Schlanker Stab in x-Richtung mit Länge l und Masse m bezüglich eines Endes.[Anm. 1]
𝐈0=m3l2(011)

m=ρAl mit Querschnitt A≪l²

Schlanker Stab in x-Richtung mit Länge l und Masse m bezüglich seiner Mitte.[1][Anm. 1]

Dieser Trägheitstensor entsteht beim massiven Quader unten mit b = h = 0.

𝐈s=m12l2(011)

m=ρAl mit Querschnitt A≪l²

Dünne rechteckige Platte in der xy-Ebene mit Länge w in x-Richtung, Breite h in y-Richtung und Masse m.[Anm. 1]

Dieser Trägheitstensor entsteht beim massiven Quader unten mit h = 0.

𝐈s=m12(h2w2w2+h2)

m=ρwhd mit Dicke d≪w,h

Dünne parallelogramm­förmige Platte mit Seite l, Höhe h, „Überhang“ p und Masse m. Mit p = 0 entsteht die Rechteckplatte. Nur dort sind die Hauptträgheitsachsen parallel zu den gewählten Koordinatenachsen. 𝐈s=m12(h2hphpl2+p2h2+l2+p2)

m=ρlhd mit Dicke d≪l,h

Vorlage:AnkerMassiver Quader mit Länge l in x-Richtung, Breite b in y-Richtung, Höhe h in z-Richtung und Masse m.[1][Anm. 1]

Die Trägheitstensoren dünner Platten oder schlanker Stäbe entstehen durch Nullsetzen einer bzw. zweier Dimensionen b, h oder t.

𝐈s=m12(b2+h2l2+h2l2+b2)

m=ρlbh

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Die Ausrichtung der Drehachse ist – anders als im Bild dargestellt – beliebig.

Kreisscheibe, Volltorus und Kugel

Beschreibung Bild Trägheitstensor
Dünner Kreisring mit Radius r und Masse m.

Dies ist der Spezialfall des Volltorus mit a = 0 und des zylindrischen Rohres mit offenen Enden mit r1 = r2 sowie h = 0.

𝐈s=m2r2(112)

m=ρ2πrA mit Querschnitt A≪r²

Dünne Scheibe mit Radius r und Masse m.

Dies ist der Spezialfall eines massiven Zylinders mit h = 0.

𝐈s=m4r2(112)

m=ρπr²d mit Dicke d≪r

Volltorus mit großem Kreis in der xy-Ebene und Radius b, Radius des kleinen Kreises a und Masse m.[1] 𝐈s=m8(5a2+4b25a2+4b26a2+8b2)

[2]

m=ρ2π²a²b

Kugel mit Radius r und Masse m.[1] 𝐈s, dünnwandig=2m3r2𝟏mdünnwandig=ρ4πr2d𝐈s, massiv=2m5r2𝟏mmassiv=ρ43πr3

Dicke d≪r

Halbkugel (Kugel von der xy-Ebene halbiert) mit Radius r, Masse m und Schwerpunktsabstand z=3r/8 von der Schnittebene.[1]Vorlage:Rp 𝐈s=mr2320(8383128)m=ρ23πr3
Hohlkugel mit Außenradius r2 und zentrischem kugelförmigen Hohlraum mit Radius r1 sowie Masse m.[1]

Mit dem Innenradius r1 = 0 entsteht der Spezialfall der massiven Kugel.

Aus r1 = r2 entsteht wegen lim\limits r1r2r25r15r23r13=53r22 der Spezialfall der dünnwandigen Kugel.

𝐈s=2m5(r25r15r23r13)𝟏m=ρ43π(r23r13)[3]
Massives Ellipsoid mit Halbachsen a, b, c in x-, y- bzw.  z-Richtung und Masse m.

Mit a = b = c entsteht eine massive Kugel mit Radius a.

𝐈s=m5(b2+c2a2+c2a2+b2)m=ρ43πabc

Dreiecksscheibe und Pyramide

Beschreibung Bild Trägheitstensor
Dünne Dreiecksscheibe mit Höhe h, Grundseite l = p + q sowie Masse m. Nur bei Symmetrie mit p = q sind die Hauptträgheitsachsen parallel zu den gewählten Koordinatenachsen. 𝐈s=m36(2h2(qp)h(qp)h2(l2pq)2(h2+l2pq))

m=½ρh(p+q)d mit Dicke d≪h,p+q

Rechteck-Pyramide mit Höhe h, Breite a in x-Richtung, Breite b in y-Richtung sowie Masse m bezüglich des Schwerpunkts S.[1]

m=ρ3abh

𝐈s=m80(4b2+3h24a2+3h24a2+4b2)
Rechteck-Pyramide mit Höhe h, Breite a in x-Richtung, Breite b in y-Richtung sowie Masse m bezüglich der Spitze O. 𝐈0=m20(b2+12h2a2+12h2a2+b2)

Kegel

Beschreibung Bild Trägheitstensor
Gerader massiver Kreis­kegel mit Radius r, Höhe h und Masse m bezüglich seines Schwerpunkts.[1] 𝐈s=3m80(4r2+h24r2+h28r2)mmassiv=ρπ3r2h
Gerader Kreis­kegel mit Radius r, Höhe h und Masse m bezüglich seiner Spitze.[4] 𝐈0, massiv=3m20(r2+4h2r2+4h22r2)𝐈0, dünnwandig=m4(r2+2h2r2+2h22r2)mdünnwandig=ρπrr2+h2d

Dicke d≪r,h

Rohr und Zylinder

Beschreibung Bild Trägheitstensor
Massiver Zylinder mit Radius r, Höhe h und Masse m[1] 𝐈s=m12(3r2+h23r2+h26r2)

m=ρπr2h

Dickwandiges zylindrisches Rohr mit offenen Enden, innerem Radius r1, äußerem Radius r2, Länge h und Masse m[1] 𝐈s=m12(3d2+h23d2+h26d2)d2=r12+r22m=ρπ(r22r12)h

Beliebige rotationssymmetrische Körper

Die Berechnung des Trägheitstensors mit Volumenintegralen lässt sich bei Rotationskörpern mit dem Trägheitstensor für die dünne Kreisscheibe und den Steiner’schen Satz vereinfachen, denn dann kann der Körper aus (infinitesimal) dünnen Kreisscheiben zusammengesetzt gedacht werden.

Das Material des Körpers habe die Dichte ρ, seine Figurenachse liege in z-Richtung und die erzeugende Kurve sei durch den Radius r( z ) gegeben. Die Masse der Kreisscheiben mit Dicke t ist an der Stelle z

m(z,t)=ρπr2(z)t

Um ihren Mittelpunkt hat die Kreisscheibe bei z den Trägheitstensor

𝐈s=(m(z,t)4r2(z)m(z,t)4r2(z)m(z,t)2r2(z))=ρπ4r4(z)t(112)

Bezüglich des Ursprungs kommt noch der Steiner’sche Anteil

𝐈z=m(z,t)z2(110)=ρπr2(z)z2t(110)

hinzu. Somit entsteht der Trägheitstensor aus dem Integral

𝐈0=ρπ4z1z2r4(z)dz(112)+ρπz1z2r2(z)z2dz(110)=ρπ4z1z2(r4(z)+4r2(z)z2r4(z)+4r2(z)z22r4(z))dz

über Kreisscheiben der Dicke dz.

Der Trägheitstensor für den geraden Kreiskegel mit Radius r und Höhe h bezüglich seines Massenmittelpunkts entsteht so mit r(z)=(34zh)r im Intervall [-¼h, ¾h] und seiner Masse m=ρπ3r2h.

Platonische Körper

Bei den Platonischen Körpern sind die drei Hauptträgheitsmomente gleich. In der Tabelle ist d≪s die gegenüber der Kantenlänge s geringe Dicke der Seitenflächen und ρ die Dichte.

Beschreibung Bild Trägheitstensor
(Diagonalelement)
Regelmäßiges Tetraeder mit Kantenlänge s und Masse m. Is, dünnwandig=m12s2𝟏mdünnwandig=ρ3s2dIs, massiv=m20s2𝟏mmassiv=ρ212s3[5]
Der Würfel ist der Spezialfall des #Quaders mit drei gleichen Seiten s.
𝐈s=m6s2𝟏

m=ρs3

Regelmäßiges Oktaeder mit Kantenlänge s und Masse m. 𝐈s, dünnwandig=m6s2𝟏mdünnwandig=ρ23s2d𝐈s, massiv=m10s2𝟏mmassiv=ρ23s3 [5]
Regelmäßiges Dodekaeder mit Kantenlänge s und Masse m. 𝐈s, dünnwandig=m90(39ϕ+28)s2𝟏mdünnwandig=ρ315+20ϕs2d𝐈s, massiv=m150(39ϕ+28)s2𝟏mmassiv=ρ2(4+7ϕ)s3
wobei ϕ=1+52 [5]
Regelmäßiges Ikosaeder mit Kantenlänge s und Masse m. 𝐈s, dünnwandig=m6ϕ2s2𝟏mdünnwandig=ρ53s2d𝐈s, massiv=m10ϕ2s2𝟏mmassiv=ρ56(1+ϕ)s3
wobei ϕ=1+52[5]

Beispiel

Der Trägheitstensor von (unsymmetrischen) Parallelogrammen, Dreiecken und daraus des Tetraeders soll berechnet werden.

Parallelogramm

Parallelogramm mit Massenmittelpunkt im Ursprung

Der Trägheitstensor eines Parallelogramms kann mit den Trägheitstensoren von in x- und y-Richtung verschobenen Stäben berechnet werden, siehe Bild. Ein Stab in x-Richtung der Länge l, Breite b, Dicke d und Dichte ρ besitzt den Trägheitstensor

𝐈s(b)=ρdl312(011)b

Wird dieser in den Schwerpunkt bei (xs, ys) verschoben, addiert sich der Steiner’sche Anteil

𝐈x(b)=ρdl(0l212l212)b+ρdl[(xs2+ys2)𝟏(xs2xsysxsysys20)]b=ρdl(ys2xsysxsysl212+xs2l212+xs2+ys2)b

Mit xs=ys cotα im Parallelogramm wird daraus:

𝐈x(b)=ρdl(ys2ys2cotαys2cotαl212+ys2cot2αl212+ys2(1+cot2α))b

Integration dieses Trägheitstensors mit Breite b=dy über das Intervall ys ∈ [-½h, ½h] liefert den Trägheitstensor des Parallelogramms:

𝐈p=h/2h/2𝐈x(dy)=ρdhl12(h2h2cotαh2cotαl2+h2cot2αl2+h2(1+cot2α))

Mit m = ρ d h l und p = h cotα lautet der Trägheitstensor eines Parallelogramms:

𝐈p=m12(h2hphpl2+p2h2+l2+p2)

Nur bei p = 0 sind die Hauptachsen parallel zum gewählten Koordinatensystem und es entsteht der Trägheitstensor der Rechteckplatte.

Dreieck

Rechteck aus zwei Dreiecken

Teilung des Parallelogramms entlang einer Diagonale in zwei Dreiecke mit Masse md = ½ mp liefert deren Trägheitstensor bezüglich des Ursprungs:

𝐈d0=md12(h2hphpl2+p2h2+l2+p2)

Der Schwerpunkt des Dreiecks (gelb) liegt im Schwerpunkt seiner Ecken:

sd=13(A+B+C)=13(q2p+q2q2h2h2+h20)=16(2p+qh0)

Bei Verschiebung des Schwerpunkts in den Ursprung subtrahiert sich der Steiner’sche Anteil

𝐒=md[(sdsd)𝟏sdsd]=md36(h2(2p+q)h(2p+q)h(2p+q)2h2+(2p+q)2)

woraus der Trägheitstensor eines Dreiecks entsteht:

𝐈ds=𝐈d0𝐒=md36(2h2(qp)h(qp)h2(l2pq)2(h2+l2pq))

Nur bei Symmetrie mit p = q sind die Hauptträgheitsachsen parallel zu den gewählten Koordinatenachsen.

Die folgenden Spezialfälle sind hervorzuheben:

  • Rechtwinklige Dreiecke entstehen mit p q = h² oder p = 0 und q = l.
  • Gleichschenklige Dreiecke haben p = q = ½ l.
  • Gleichseitige Dreiecke ergeben sich mit p = q = ½ l und h² = ¾ l².

Tetraeder

Der Trägheitstensor des regelmäßigen Tetraeders kann berechnet werden, indem es in gleichseitige Dreiecksscheiben zerlegt wird und deren Trägheitstensoren aufsummiert werden. Die Masse einer gleichseitigen Dreiecksscheibe mit Dichte ρ, Kantenlänge l, Höhe h und Dicke d ist md=ρ2lhd=ρ34l2d. Damit lautet der Trägheitstensor:

𝐈3s(d)=mdl224(112)=ρ396l4(112)d

Diese Dreiecksscheibe wird in z-Richtung verschoben was durch den Steiner’schen Anteil

𝐒(d)=mdz2(110)

zu berücksichtigen ist. Zusammen genommen lautet der Trägheitstensor der Dreiecksscheibe im Abstand z von der xy-Ebene:

𝐈3z(d)=𝐈3s(d)+𝐒(d)=ρ34(l424+l2z2l424+l2z2l412)d

Das Tetraeder hat die Höhe 23l und wenn der Schwerpunkt im Ursprung liegt, dann ist die Grundseite bei z0=l24 und die gegenüberliegende Ecke bei z1=38l. Daraus ergibt sich die Kantenlänge der Dreiecksscheiben in der Höhe z zu:

l(z)=z1zz1z0l=32(38lz)

Mit diesen Definitionen berechnet sich der Trägheitstensor des Tetraeders als Summe von Dreiecksscheiben der Dicke d=dz:

𝐈=ρ34z0z1(l4(z)24+l2(z)z2l4(z)24+l2(z)z2l4(z)12)dz=m20l2𝟏

wobei m=ρ212l3 seine Masse ist.

Literatur