Gleichverteilung auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit

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Die Gleichverteilung auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit ist eine matrixvariate Wahrscheinlichkeitsverteilung, die von besonderem Interesse in der multivariaten Statistik ist. Dort hat man häufig mit Integralen über der orthogonalen Gruppe oder der Stiefel-Mannigfaltigkeit bezüglich eines invarianten Maßes zu tun. Zum Beispiel erscheint die Verteilung bei der Untersuchung der Funktionaldeterminante bei Transformationen mit orthogonalen respektive semiorthogonalen Matrizen. Die Gleichverteilung auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit ist das normalisierte Haar-Maß auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit.

Eine Zufallsmatrix, welche gleichverteilt über der Stiefel-Mannigfaltigkeit ist, ist invariant unter der zweiseitigen Wirkung des Produktes der orthogonalen Gruppen O(p)×O(n), das heißt XV1XV2 für V1O(p),V2O(n).

Gleichverteilung auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit

Einführung

Sei Vp,n:=Vn(p) die Stiefel-Mannigfaltigkeit, das heißt der Raum aller orthonormalen n-Rahmen in p für np. Wir können diese Mannigfaltigkeit auch als den Matrizenraum

Vp,n={Xp×n:XX=In,np}

darstellen. Die Stiefel-Mannigfaltigkeit ist homöomorph zum Quotientenraum der orthogonalen Gruppen

Vp,nO(p)/O(pn),

wir können beide miteinander identifizieren und im Fall p=n erhalten wir gerade die orthogonale Gruppe. Die Stiefel-Mannigfaltigkeit übernimmt die linke Gruppenwirkung

XVX,VO(p).

O(pn) ist eine kompakte abgeschlossene Lie-Untergruppe von O(p). Nach dem Satz von Haar existiert ein Haar-Maß auf O(p), welches wiederum ein invariantes Maß auf dem Quotientenraum O(p)/O(pn) induziert.

Herleitung des Haar-Maßes auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit

Sei XO(p), dann differenzieren wir XX=Ip und erhalten

dXX+XdX=0.

Seien x1,,xp die Spalten von X=(x1,,xp). Das äußere Produkt der superdiagonalen Elemente liefert eine Differentialform

(XdX):=1i<jpx'idxj=1i<jp(x1idx1j++xpidxpj),

welche den Grad 12p(p1) hat und somit maximal ist. Diese Differentialform ist invariant unter der linken und der rechten Gruppenwirkung der orthogonalen Gruppe. Integration der Differentialform liefert das entsprechende Haar-Maß der orthogonalen Gruppe.

Sei nun XVp,n ein Element der Stiefel-Mannigfaltigkeit und von der Form X=(x1,,xn). Dann wählen wir eine Matrix X=(xn+1,,xp)p×(pn), so dass [X:X]=(x1,,xp)O(p). Die induzierte Differentialform des invarianten Maßes auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit ist vom maximalen Grad 12n(2pn1) und gegeben durch

(XdX):=j=1pn1=inx'n+jdxi1i<jnx'jdxi.

Die Differentialform hängt nicht von einer spezifischen Form von X ab und ist wieder invariant unter linker und rechter Gruppenwirkung.[1]

Integration des Haar-Maßes

Man kann nun zeigen, dass für das Integral des invarianten Maßes über der Stiefel-Mannigfaltigkeit folgende Rekursion

Vp,n(XdX)=ApVp1,n1(XdX)1,Ap:=2πp/2Γ(12p)

gilt. Die Notation (XdX)1 steht hier einfach für das invariante Maß auf Vp1,n1.

Aus der Rekursion folgt

v(p,n):=Vp,n(XdX)=2nπpn/2Γn(12p),

wobei Γn die multivariate Gammafunktion ist.[2]

Gleichverteilung auf der Stiefel-Mannigfaltigkeit

Die Gleichverteilung ist das eindeutige Haar-Wahrscheinlichkeitsmaß

[dX]=1v(p,n)(XdX),

wobei

(XdX)=j=1pn1=inx'n+jdxi1i<jnx'jdxi

ist und die Normalisierungskonstante

v(p,n)=2nπpn/2Γn(12p).[2]

Literatur

Einzelnachweise

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