Fünfzehneck

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Regelmäßiges Fünfzehneck
Regelmäßiges Fünfzehneck

Das Fünfzehneck oder Pentadekagon (von Vorlage:GrcS und Vorlage:Lang)[1] ist eine geometrische Figur und ein Vieleck (Polygon). Es ist bestimmt durch fünfzehn Eckpunkte und deren fünfzehn Verbindungen namens Strecken, Seiten oder Kanten.

Variationen

Das Fünfzehneck ist darstellbar als:

  • konkaves Fünfzehneck, in dem mindestens ein Innenwinkel größer als 180° ist. Ein Fünfzehneck kann höchstens sieben solche Winkel haben.
  • konvexes Fünfzehneck, in dem alle Innenwinkel kleiner als 180° sind. Ein konvexes Fünfzehneck kann regelmäßig oder unregelmäßig sein.
  • Sehnenfünfzehneck, in dem alle Ecken auf einem gemeinsamen Umkreis liegen, aber die Seitenlängen möglicherweise ungleich sind.
  • regelmäßiges Fünfzehneck: Es ist bestimmt durch fünfzehn Punkte auf einem virtuellen oder realen Kreis. Die benachbarten Punkte haben zueinander stets den gleichen Abstand und sind mittels aneinandergereihten Strecken, auch Seiten oder Kanten genannt, verbunden.
  • regelmäßiges überschlagenes Fünfzehneck: Es ergibt sich, wenn beim Verbinden der fünfzehn Eckpunkte jedes Mal mindestens einer übersprungen wird und die somit erzeugten Sehnen gleich lang sind. Notiert werden solche regelmäßigen Sterne mit Schläfli-Symbolen {n/k}, wobei n die Anzahl der Eckpunkte angibt und jeder k-te Punkt verbunden wird.
Es gibt nur drei regelmäßige Fünfzehnstrahlsterne.
Die „Sterne“ mit den Symbolen {15/3} und {15/12} sind regelmäßige Fünfecke, {15/5} und {15/10} gleichseitige Dreiecke und {15/6} und {15/9} regelmäßige Pentagramme.

Regelmäßiges Fünfzehneck

Das regelmäßige Fünfzehneck ist neben dem Beweis in Euklids Werk Elemente[2] (siehe Abschnitt Konstruktion mit Zirkel und Lineal bei gegebenem Umkreis) auch nach Carl Friedrich Gauß und Pierre-Laurent Wantzel ein konstruierbares Polygon, da die Anzahl seiner Seiten als Produkt paarweise voneinander verschiedener Fermatscher Primzahlen (15=35) darstellbar ist.[3] Wie beim regelmäßigen Fünfeck ist der Goldene Schnitt der maßgebende Baustein für eine Konstruktion mit Zirkel und Lineal.

Größen

Größen eines regelmäßigen Fünfzehnecks
Innenwinkel α=n2n180=1315180=156

Größen des Fünfzehnecks

Zentriwinkel

(Mittelpunktswinkel)

μ=36015μ=24
Seitenlänge a=R2sin(18015)=2Rsin(12)=14R(10+25+315)0,416R
Umkreisradius R=a2sin(18015)=a2sin(12)=12a(5+25+3)2,405a
Inkreisradius r=a12cot(18015)=a12cot(12)=14a(10+25+15+3)2,352a
Höhe h=r+R4,757a
Flächeninhalt A=154a2cot(18015)=154a2cot(12)=158a2(10+25+15+3)17,642a2

Mathematische Zusammenhänge

Innenwinkel

Die allgemeine Formel für Polygone liefert:

α=n2n180=15215180=1315180=156

Dieser Wert lässt sich auch durch folgende Überlegungen herleiten:

Das Fünfzehneck lässt sich in fünfzehn Dreiecke teilen, deren Seiten jeweils eine Seite des Fünfzehnecks a und die Verbindungsstrecken seines Mittelpunktes mit den zwei Endpunkten der Seite sind. Die Winkel am Mittelpunkt des Fünfzehnecks addieren sich zu 360, sein Zentriwinkel beträgt also 24. Da die Winkelsumme in einem Dreieck immer 180 beträgt und das Dreieck gleichschenklig und damit symmetrisch zur Halbierenden des Zentriwinkels ist, schließen die beiden unbekannten Winkel jeweils 180242=78 ein. Da das für alle fünfzehn Dreiecke gilt, addieren sich die beiden Winkel an einem Eckpunkt zu 156.

Zentriwinkel

Der Zentriwinkel oder Mittelpunktswinkel μ wird von zwei benachbarten Umkreisradien R eingeschlossen. In der allgemeinen Formel ist für die Variable n die Zahl 15 einzusetzen.

μ=360n=36015=24

Seitenlänge und Umkreisradius

Wieder wird das Fünfzehneck in 15 kongruente Dreiecke zerlegt. Nimmt man die Hälfte eines solchen Dreiecks, also ein rechtwinkliges Dreieck mit den Seiten a2, R und r sowie mit dem halben Zentriwinkel 242=12, so gilt

sin(12)=a2R=a2R.

Aus dieser Beziehung folgt

a=2Rsin(12)0,416R.

Löst man nach R auf, so erhält man

R=a2sin(12)2,405a.

Algebraische Ausdrücke für a bzw. R finden sich in den Abschnitten Berechnung der Seitenlänge und Berechnung des Umkreisradius.

Inkreisradius

Auch der Inkreisradius r lässt sich mithilfe eines halbierten Bestimmungsdreiecks ermitteln. Es ergibt sich

tan(12)=a2r=a2r.

Durch Multiplikation mit 2r erhält man

2rtan(12)=a

und weiter

r=a2tan(12)

wegen

1tan(12)=cot(12)

gilt auch

r=a12cot(12).

Algebraische Ausdrücke für cot(12) bzw. r finden sich im Abschnitt Berechnung des Inkreisradius.

Höhe

Die Höhe h eines regelmäßigen Fünfzehneckes ist die Summe aus In- und Umkreisradius, da die Verlängerung der Höhe eines Teilstückes über den Mittelpunkt des Fünfzehnecks hinaus auf einen Eckpunkt trifft.

h=R+r=a2sin(12)+a2tan(12)4,757a

Flächeninhalt

Der Flächeninhalt eines Dreiecks berechnet sich zu AΔ=12aha. Für eines der 15 Bestimmungsdreiecke ist die Höhe ha gleich dem Inkreisradius r. Der Flächeninhalt des gesamten Fünfzehnecks beträgt also

A=152ar.

Zusammen mit dem in Berechnung des Inkreisradius hergeleiteten Ausdruck für r folgt daraus

A=152a14a(10+25+15+3)=158a2(10+25+15+3)17,642a2

Konstruktion mit Zirkel und Lineal bei gegebenem Umkreis

In der hier dargestellten Konstruktion werden ein gleichseitiges Dreieck BE1E6 (Schritte 1–3) und die ersten vier Punkte eines regelmäßigen Fünfecks BE14E2E5E8 (Schritte 4–6) in den gegebenen Umkreis eingepasst. E1E2 ist dann die Seite eines regelmäßigen Fünfzehnecks im gegebenen Umkreis. Diese Art der Konstruktion beschrieb schon Euklid in seinem Werk Elemente (Die Stoicheia) in Buch IV, Proposition 16; die Konstruktionsdetails des Dreiecks und Fünfecks weichen jedoch von seiner Konstruktion ab.[2] Das Bestimmen der ersten Seite des Fünfzehnecks entspricht der Darstellung von Johannes Kepler.[4]

AB bezeichnet die Strecke zwischen den Punkten A und B.

Vorlage:Doppeltes Bild Ist ein Kreis k1 (der Umkreis um das entstehende Fünfzehneck) um den Mittelpunkt M gegeben, lässt sich ein regelmäßiges Fünfzehneck konstruieren durch:

  1. Zeichnen eines Durchmessers; Schnittpunkte mit k1 sind A und B
  2. Konstruktion eines Radius, der orthogonal zu AB steht; Schnittpunkt mit k1 ist C
  3. Konstruktion eines Kreisbogens um A mit dem Radius AM; Schnittpunkte mit k1 sind E1 und E6
  4. Zeichnen von E1E6; Schnittpunkt mit AB ist F
  5. Zeichnen eines Kreisbogens um F mit dem Radius FC; Schnittpunkt mit AB ist G
  6. viermaliges Abtragen der Strecke CG auf k1 ab B entgegen dem Uhrzeigersinn; Schnittpunkte mit k1 sind E14, E2, E5, und E8; die Verbindung der Eckpunkte E1 mit E2 ergibt die erste Seite des entstehenden Fünfzehnecks
  7. achtmaliges Abtragen der Sehne E1E2 von k1 auf k1 ab E2 entgegen dem Uhrzeigersinn; die Schnittpunkte mit k1 sind die restlichen Eckpunkte E3, E4, E7, E9, E10, E12, E13 und E15 des Fünfzehnecks
  8. Verbinden der so gefundenen Punkte.

Berechnung der Seitenlänge

Die in obiger Tabelle angegebene Formel a=14R(10+25+315) für die Seitenlänge leitet sich wie folgt her:

Vorlage:Absatz

(𝟣) Gleichseitiges Dreieck AME1

(𝟣.𝟣)ME1=R (Umkreisradius)
(𝟣.𝟤)AM=ME1=AE1=R nach Konstruktion, Schritt 3
(𝟣.𝟥)FM=12R

(𝟤) Rechtwinkliges Dreieck FME1

Es gilt nach dem Satz des Pythagoras: ME12=FM2+FE12
(2.1)FE1=ME12FM2=R2(12R)2=R214R2=34R2=R34=R32

Vorlage:Absatz

(𝟥) Rechtwinkliges Dreieck FMC

Es gilt nach dem Satz des Pythagoras: FC2=FM2+MC2
(𝟥.𝟣)FC=FM2+MC2=(12R)2+R2=54R2=R52
(𝟥.𝟤)FG=FC=R52 nach Konstruktion, Schritt 5

Vorlage:Absatz

(𝟦) Rechtwinkliges Dreieck ABE2

ABE2 bezeichnet den von AB und BE2 eingeschlossenen Winkel β:
(𝟦.𝟣)MG=FGFM=R5212R=R512
(𝟦.𝟤)AE2=MG=R512
Nach dem Satz des Thales ist das Dreieck ABE2 rechtwinklig, wieder gilt nach dem Satz des Pythagoras: AB2=AE22+BE22
(𝟦.𝟥)BE2=AB2AE22=(2R)2(R512)2=4R2R2(51)24=R4(51)24=R164(525+1)4=R10+254=R14(10+25)=R122(5+5)
(𝟦.𝟦)sin(β)=AE2AB=R12(51)2R=14(51)=sin(18)ABE2=β=18
(𝟦.𝟧)cos(β)=BE2AB=R122(5+5)2R=142(5+5)=cos(18)

Vorlage:Absatz

(𝟧) Gleichschenkliges Dreieck E1E2M

(𝟧.𝟣)E1E2=a (Seitenlänge)
(𝟧.𝟤)HME2=12μ=12
(𝟧.𝟥)sin(18)=14(51) aus (4.4)
(𝟧.𝟦)cos(18)=142(5+5) aus (4.5)

Zur Berechnung der Seitenlänge benötigt man den Wert von sin(12), der sich mithilfe der Additionstheoreme berechnen lässt:

(𝟨)sin(12)=sin(3018)=sin(30)cos(18)cos(30)sin(18)=12142(5+5)12314(51)=18(10+25+315)

Damit ergibt sich für die Seitenlänge:

(𝟩)a=2Rsin(12)=2R18(10+25+315)=14R(10+25+315)

Berechnung des Inkreisradius

Die in obiger Tabelle angegebene Formel r=14a(10+25+15+3) für den Inkreisradius leitet sich wie folgt her:

Vorlage:Absatz

(𝟣) Rechtwinkliges Dreieck MHE2

(𝟣.𝟣)MH=r=a12cot(12) aus Mathematische Zusammenhänge, Inkreisradius
(𝟣.𝟤)HME2=12μ=12
(𝟣.𝟥)sin(12)=18(10+25+315) aus Berechnung der Seitenlänge (6.1)

Zur Berechnung des Inkreisradius benötigt man für den Term cot(12)=cos(12)sin(12) zuerst den Wert von cos(12), der sich mithilfe der Additionstheoreme berechnen lässt:

(𝟤)cos(12)=cos(3018)=cos(30)cos(18)+sin(30)sin(18)=123142(5+5)+1214(51)=18(3(10+25))+18(51)=18(30+65+51)

Die folgende hergeleitete Beziehung lässt sich zur Umformung von Rechenausdrücken verwenden.

(𝟥)10+25=(51)5+25   denn es gilt

(𝟥.𝟣)(51)5+25=(51)2(5+25)=(525+1)(5+25)=(625)(5+25)=30+12510520=10+25

(𝟦)sin(12)=18(10+25+315)(aus (1.3))=18((51)5+253(51))(nach (3))=18(51)(5+253)

(𝟧)cos(12)=18(30+65+51)(aus (2))=18(310+25+51)=18(3(51)5+25+(51))(nach (3))=18(51)(35+25+1)

Zur abschließenden Berechnung des Inkreisradius wird nun der Wert von cot(12) ermittelt.

(𝟨)cot(12)=cos(12)sin(12)=18(51)(15+65+1)18(51)(5+253)=15+65+15+253

  • Aus Gründen der besseren Übersicht sind acht dazwischenliegende Berechnungsschritte nur im Bearbeitungsmodus sichtbar!
cot(12)=215+23+25+25(51)4=15+3+10+252(nach (3))=12(10+25+15+3)

Damit ergibt sich für den Inkreisradius r

(𝟩)r=a12cot(12)=a1212(10+25+15+3)=14a(10+25+15+3)

Konstruktion mit Zirkel und Lineal bei gegebener Seitenlänge

Die Konstruktion ist nahezu gleich mit der des Fünfecks bei gegebener Seitenlänge, auch darin gelingt die Darstellung mittels Verlängerung der Seite und einer damit generierten Strecke, hier FE2, die nach dem Goldenen Schnitt, äußere Teilung geteilt ist.

E1E2 bezeichnet die Strecke zwischen den Punkten E1 und E2. Vorlage:Doppeltes Bild

Vorlage:Absatz

Ist eine Seite eines Fünfzehnecks gegeben, lässt sich ein regelmäßiges Fünfzehneck konstruieren durch:

  1. Bezeichnen der Streckenenden mit E1 und E2; beide sind Eckpunkte des entstehenden Fünfzehnecks
  2. Verlängern der Strecke E1E2 ab E1 um ca. einer Länge dieser Strecke
  3. Zeichnen eines Kreisbogens um E1 mit dem Radius E1E2
  4. Konstruktion einer Senkrechten zur Strecke E1E2 ab E1; Schnittpunkt mit dem Kreisbogen um E1 ist A
  5. Zeichnen eines Kreisbogens um E2 mit dem Radius E1E2; Schnittpunkte mit Kreisbogen um E1 sind B und C
  6. Zeichnen einer geraden Linie ab C durch B (Mittelsenkrechte von E1E2), die etwas mehr als dreimal so lang wie BC ist; Schnittpunkt mit E1E2 ist D
  7. Zeichnen eines Kreisbogens um D mit dem Radius DA; Schnittpunkt mit Verlängerung der Strecke E1E2 ist F
  8. Zeichnen eines Kreisbogens um E2 mit dem Radius E2F; Schnittpunkt mit der geraden Linie (ab C durch B) ist G
  9. Zeichnen eines kurzen Kreisbogens um E2 mit dem Radius CG; Schnittpunkt mit Verlängerung der Strecke CB ist M, der Mittelpunkt des Umkreises des entstehenden Fünfzehnecks
  10. Zeichnen des Umkreises k1 um M mit dem Radius ME2; Schnittpunkt mit dem Kreisbogen um E2 ist Eckpunkt E3
  11. elfmaliges Abtragen der Sehne E1E2 von k1 auf k1; Schnittpunkte mit k1 sind die Eckpunkte E3,,15 des Fünfzehnecks
  12. Verbinden der so gefundenen Eckpunkte.

Berechnung des Umkreisradius

Die in obiger Tabelle angegebene Formel R=a12(5+25+3) für den Umkreisradius leitet sich wie folgt her:

Vorlage:Absatz (𝟣)E1E2=E1A=CE2=a (Seitenlänge)

(𝟤)DE1=DE2=12a

(𝟥) Rechtwinkliges Dreieck AE1D

Es gilt nach dem Satz des Pythagoras: DA2=E1A2+DE12
(𝟥.𝟣)DA=E1A2+DE12=a2+(12)2a2=a1+14=a52
(𝟥.𝟤)DF=DA=a52 nach Konstruktion, Schritt 7

(𝟦)E1F=DFDE1=a52a12=a(5212)=a12(51)

(𝟧)E2F=a+E1F=a+a12(51)=a(1+12(51))=a(1+5212)=a(12+52)

(𝟧.𝟣)E2G=E2F=a(12+52) nach Konstruktion, Schritt 8

Vorlage:Absatz

(𝟨) Rechtwinkliges Dreieck DE2G

Es gilt nach dem Satz des Pythagoras: E2G2=DE22+DG2
(6.1)DG=E2G2DE22=a2(12+52)2a2(12)2=a(12+52)2(12)2=a14+52+5414=a54+254=a14(5+25)=a125+25

(𝟩) Rechtwinkliges Dreieck DCE2

Es gilt nach dem Satz des Pythagoras: CE22=DE22+DC2
(7.1)DC=CE22DE22=a2a2(12)2=a(114)=a34=a32

Nach Konstruktion, Schritt 9 gilt für den Umkreisradius R:

(8)R=E2M=CG=DG+DC=a12(5+25)+a32=a12(5+25+3)2,405a

Der Goldene Schnitt im Fünfzehneck

Sowohl in der Konstruktion bei gegebenem Umkreis als auch in der bei gegebener Seitenlänge wird der Goldene Schnitt zur Bestimmung von Konstruktionselementen verwendet.

Vorlage:Doppeltes Bild Vorlage:Absatz

  • In der Konstruktion bei gegebenem Umkreis teilt der Punkt M die Strecke AG im Verhältnis des Goldenen Schnittes:
AMMG=AGAM=1+52=Φ1,618.
  • In der Konstruktion bei gegebener Seitenlänge wird die Seite derart verlängert, dass sie die längere Strecke des Verhältnisses ist:
E1E2E1F=E2FE1E2=1+52=Φ1,618.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise