Jordansche Normalform

Aus testwiki
Version vom 5. Oktober 2024, 22:48 Uhr von imported>FerdiBf (Vereinheitlichung "jordansche Normalform")
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die jordansche Normalform ist ein Begriff aus dem mathematischen Teilgebiet der linearen Algebra. Benannt wurde sie nach Marie Ennemond Camille Jordan, der sie 1870 für endliche Körper und 1871 im Zusammenhang mit der Lösung komplexer Differentialgleichungssysteme für komplexe Matrizen herleitete, die aber auch schon 1868 Karl Weierstraß in seiner Behandlung bilinearer Formen im Komplexen bekannt war[1]. Die jordansche Normalform ist ein einfacher Vertreter der Äquivalenzklasse der zu einer trigonalisierbaren Matrix ähnlichen Matrizen. Die Trigonalisierbarkeit ist gleichbedeutend damit, dass das charakteristische Polynom der Matrix vollständig in Linearfaktoren zerfällt. Matrizen über einem algebraisch abgeschlossenen Körper sind immer trigonalisierbar und daher immer ähnlich einer jordanschen Normalform.

Für jede lineare Abbildung eines endlichdimensionalen Vektorraums, deren charakteristisches Polynom vollständig in Linearfaktoren zerfällt, kann eine Vektorraumbasis gewählt werden, so dass die Abbildungsmatrix, die die Abbildung bezüglich dieser Basis beschreibt, die jordansche Normalform hat. Dies gilt insbesondere für jede nilpotente Matrix.

Für jede beliebige, auch nicht trigonalisierbare Matrix liefert die rationale Normalform oder Frobenius-Normalform einen standardisierten Repräsentanten der Ähnlichkeitsklasse dieser Matrix.

Definition

Die jordansche Normalform zu einer quadratischen n×n-Matrix A über den komplexen Zahlen ist eine Matrix J in der folgenden Blockdiagonalform:

J=(J100Jk)=Q1AQ.

Die Matrix Q ist die Matrix der Eigenvektoren und Hauptvektoren, aus denen sie spaltenweise besteht. Q1 bezeichnet dabei die inverse Matrix von Q. Die Darstellung von A als

A=QJQ1

wird als Jordanzerlegung (engl. jordan decomposition) von A bezeichnet. Die Matrizen Jj heißen Jordanblöcke oder Jordankästchen; sie sind Bidiagonalmatrizen der folgenden Form:

Jj=(λj10λj1λj10λj)sj×sj.

Die λj sind dabei die Eigenwerte von A. Zu jedem Eigenwert λj gibt es seiner geometrischen Vielfachheit entsprechend viele Jordanblöcke. Die geometrische Vielfachheit ist dabei die Dimension des Eigenraums zum Eigenwert λj. Die Gesamtdimension aller Jordanblöcke eines Eigenwertes entspricht seiner algebraischen Vielfachheit, d. h. seiner Vielfachheit im charakteristischen Polynom.

In einem Jordanblock sind die sogenannten Jordanketten „gespeichert“ (siehe Hauptvektor). Bestehe A z. B. nur aus einem Jordanblock mit Eigenwert λ und bezeichne vl einen Hauptvektor l-ter Stufe, das heißt, v1 ist ein Eigenvektor zum Eigenwert λ und es gilt (AλE)v1=0 und (AλE)vl=vl1 für l=2,,n, dann gelten Av1=λv1 und Avl=vl1+λvl für l=2,,n, das heißt, die Abbildungsmatrix bezüglich der Basis (v1,,vn) ist tatsächlich ein Jordanblock.

Es existiert noch die alternative Darstellung der Jordanblöcke mit 1 in der unteren Nebendiagonalen.

Im Spezialfall einer diagonalisierbaren Matrix ist die jordansche Normalform eine Diagonalmatrix.

Form der Transformationsmatrix

Seien vj,1,,vj,l,,vj,sj Hauptvektoren der jeweils l-ten Stufe, wobei sj die Dimension des j-ten Jordanblocks sei, j=1,,k. Dann ist Q, definiert durch

Q:=(v1,1||v1,s1||vk,1||vk,sk),

eine Transformationsmatrix, die mittels Q1AQ=J die jordansche Normalform J von A herstellt.

In Worten: Die Spalten von Q sind die Eigenvektoren mit den dazugehörigen Hauptvektoren in der Reihenfolge der dazugehörigen Jordanblöcke. Allerdings ist Q nicht eindeutig bestimmt.

Algorithmus zur Bestimmung einer komplexen jordanschen Normalform

Für die jordansche Normalform eines Endomorphismus u:VV eines n-dimensionalen -Vektorraums V wählt man eine Basis B=(b1,,bn) des Vektorraums V und berechnet die jordansche Normalform der Abbildungsmatrix A=MB(u) von u bezüglich der Basis B.

Im Folgenden wird daher V=n gesetzt und die komplexe jordansche Normalform einer quadratischen Matrix An×n bestimmt. Die Einheitsmatrix wird mit En bezeichnet.

Bestimmung der Eigenwerte

Mit Hilfe des charakteristischen Polynoms

χA=det(λEnA)

errechnet man aus seinen Nullstellen die paarweise verschiedenen Eigenwerte

λ1,,λk.

Die Eigenwerte werden hier also nicht ihrer Vielfachheit entsprechend aufgeführt.

Bestimmung der Größe der Jordanblöcke

Hierfür müssen zunächst die Dimensionen der verallgemeinerten Eigenräume bestimmt werden. Das heißt, man berechnet für alle 1jk die Zahlen

aj,s:=dimKern(AλjEn)s,s0.

Insbesondere ist stets aj,0=0 und aj,1 ist gerade die geometrische Vielfachheit des Eigenwerts λj. Die Dimension des Kerns kann mit Hilfe des Dimensionssatzes aus dem Rang berechnet werden, der beispielsweise mit dem gaußschen Algorithmus bestimmt werden kann.

Die Folge der aj,s ist monoton wachsend und wird ab einem bestimmten Wert für s stationär, spätestens bei der algebraischen Vielfachheit des Eigenwertes im charakteristischen Polynom. Die Anzahl der Jordanblöcke der Größe s zum Eigenwert λj lässt sich dann mit Hilfe der Formel

(aj,saj,s1)(aj,s+1aj,s)

berechnen. Außerdem gibt aj,1 die Gesamtzahl der zu diesem Eigenwert gehörigen Jordanblöcke an.

Komplexe jordansche Normalform

Die erhaltenen Jordanblöcke schreibt man in eine Matrix und erhält die komplexe jordansche Normalform einer Matrix. Haben alle Blöcke die Größe 1, liegt der Spezialfall einer Diagonalmatrix vor, und A ist somit diagonalisierbar.

Das Minimalpolynom g[X] von A erhält man aus g=j=1k(Xλj)mj, worin mj die Größe des größten Jordanblocks zum Eigenwert λj bezeichnet.

Die jordansche Normalform ist bis auf die Reihenfolge der Jordanblöcke eindeutig bestimmt. Sofern alle Eigenwerte in 𝕂 liegen, sind zwei Matrizen, welche dieselbe jordansche Normalform haben, zueinander ähnlich.

Beispiel

Man betrachte die Matrix A5×5, die definiert sei als

A:=(2516304412137182661812213612961221611815223).

Ihr charakteristisches Polynom lautet χA=(X3)5. Somit besitzt diese Matrix genau einen Eigenwert, nämlich 3. Mit der Abkürzung B:=A3E5 werden nun die as bestimmt:

Es gilt rg(B)=2. Somit ist a1=dim(V)rg(B)=52=3.

Weiterhin ist B2 die Nullmatrix, also gilt rg(B2)=0 und somit a2=50=5 und die Folge as wird ab dieser Stelle stationär.

Damit folgt: Es gibt a1=3 Jordanblöcke, davon

(a1a0)(a2a1)=32=1 Jordanblock der Größe 1 und
(a2a1)(a3a2)=20=2 Jordanblöcke der Größe 2.

Somit ist (3100003000003100003000003) die jordansche Normalform von A. Das Minimalpolynom von A ist (X3)2.

Bestimmung einer Basistransformation zur komplexen jordanschen Normalform

Nun soll eine Basistransformationsmatrix PGL(n;) bestimmt werden, die

J=P1AP

erfüllt. Sie ist durch diese Gleichung bekanntlich nicht eindeutig bestimmt. Das Standard-Verfahren verwendet die vorherige Kenntnis der komplexen jordanschen Normalform J.

Ein Standard-Verfahren

Ein gängiges Verfahren, um eine Basistransformation zu erhalten, ist das folgende: Man bestimme (wie auch bei obigem naiven Ansatz) zunächst die Jordannormalform J. Dann hat man insbesondere schon alle Eigenwerte λ berechnet sowie die Kerne Kern(AλI)k für alle 1km(λ), worin m(λ) die Dimension des größten Jordanblocks zum Eigenwert λ bezeichnet. Anschließend arbeite man zur Bestimmung einer regulären Matrix P mit J=P1AP die Blöcke nacheinander ab. Dabei ist zu beachten, dass man bei Jordanblöcken zum selben Eigenwert stets vom größten Block zum kleinsten Block vorgeht.

Zu jedem Block der Größe s und Eigenwert λ werden s Spalten der Basistransformationsmatrix v1,,vs nach einem bestimmten Schema bestimmt. Wenn der Block in J die Spalten m,,m+s1 belegt, so werden die Vektoren v1,,vs in P ebenso (von links nach rechts) in die Spalten m,,m+s1 eingefügt. Die Vektoren v1,,vs werden nun wie folgt bestimmt:

  • Man wähle vsKern(AλI)sSpan(Kern(AλI)s1M) beliebig, worin M die Menge der zuvor berechneten Spalten (d. h. Basisvektoren) der Stufe s aus zuvor abgearbeiteten Jordanblöcken zum selben Eigenwert λ (sofern vorhanden) bezeichnet. Insbesondere an dieser relativ freien Wahl erkennt man, dass die Basistransformation nicht eindeutig sein kann. Wenn s=1, ist v1 einfach ein Eigenvektor zum Eigenwert λ.
  • Nach der Wahl obigen Vektors besteht nun für die weiteren Basisvektoren keine Wahlfreiheit mehr: Man muss sukzessiv vj:=(AλI)vj+1 für alle j=s1,,1 setzen.

Nachdem man auf obige Weise alle Jordanblöcke abgearbeitet hat, wurden am Ende alle Spalten von P aufgefüllt. Es gilt: Die Matrix P ist regulär und erfüllt P1AP=J, und ihre Spalten bilden eine Basis, bezüglich deren A die Darstellung J besitzt.

Wird die alternative Darstellung der Jordanblöcke gewählt, d. h. mit 1 in der unteren Nebendiagonalen, muss lediglich die Reihenfolge der Basisvektoren pro Jordanblock umgekehrt werden.

Beispiel

Als erläuterndes Beispiel betrachte man hierzu die Matrix

A:=(2516304412137182661812213612961221611815223)

wie oben. Es gilt

Kern(A3I)=Span({(21200),(20010),(22001)}) und Kern(A3I)2=5.

Ihre Jordannormalform lautet

J=(3100003000003100003000003).

Man beginne mit dem ersten Jordanblock der Dimension 2. Dazu wähle man

v2Kern(A3I)2Kern(A3I)1

beliebig, beispielsweise v2:=(10000). Dann ist v1:=(A3I)v2=(221318911) zu wählen. Daraus erhält man P:=(221***130***180***90***110***). Nun gehe man zum zweiten Jordanblock der Größe 2 über. Man wähle nun

w2Kern(A3I)2Span(Kern(A3I)1{v2})

beliebig, beispielsweise w2:=(01000). Dann ist w1:=(A3I)w2=(16101268), und man landet bei P=(221160*130101*180120*9060*11080*). Schließlich ist der letzte Jordanblock (der Größe 1) an der Reihe. Man wähle hierzu

x1Kern(A3I)1Span({v1,w1})

beliebig, beispielsweise x1:=(20010). Dann ist P=(22116021301010180120090601110800) eine reguläre Matrix mit J=P1AP.

Jordansche Normalform nilpotenter Matrizen

Eine nilpotente Matrix hat ausschließlich den Eigenwert null, weswegen die Hauptdiagonale ihrer jordanschen Normalform aus Nullen besteht. Sei Np der Jordanblock der Größe p zum Eigenwert null. Dann ist jede nilpotente n×n-Matrix ähnlich zu einer eindeutig bestimmten Blockdiagonalmatrix[2]

J=(Np1Np2Npk)

mit

p1+p2++pk=n   und   p1p2pk

Die Partitionsfunktion P(n) gibt die Anzahl der Äquivalenzklassen für nilpotente n×n-Matrizen an.

Mit jeder Potenz von J entfernen sich die Einsen um einen Schritt von der Hauptdiagonalen. In J=J1 ist der Abstand per definitionem eins, in J2 zwei, in Jk ist der Abstand k. Das heißt, J ist nilpotent mit einem Nilpotenzgrad kleiner oder gleich n.

Sei D die Diagonalmatrix, deren Hauptdiagonale dieselbe ist wie die der jordanschen Normalform J einer trigonalisierbaren Matrix, und N sei die Matrix, die aus J entsteht, indem die Hauptdiagonale mit Nullen belegt wird. Dann liegt die Summenzerlegung

J=D+N mit DN=ND

vor. Somit lässt sich jede trigonalisierbare Matrix in eine diagonalisierbare und eine nilpotente Matrix additiv zerlegen. Siehe auch Schursche Normalform und Jordan-Chevalley-Zerlegung eines Endomorphismus.

Reelle jordansche Normalform

Betrachtet man reelle Matrizen, so zerfällt deren charakteristisches Polynom im Allgemeinen nicht mehr vollständig in Linearfaktoren, sondern nur noch in irreduzible Faktoren, die in diesem Fall stets lineare oder quadratische Faktoren sind. Es stellt sich nun die Frage nach einer Normalform, wenn man ausschließlich reelle Basistransformationen zulässt.

Zu einem quadratischen irreduziblen Faktor (λaj)2+bj2 mit bj>0 definiert man als Jordanblock

Jj=(ajbj100bjaj01ajbj10bjaj011001ajbj0bjaj).

Wir nennen die Anzahl der Zeilen (bzw. Spalten) die Größe dieses Blocks. Dann bezeichnet man

J=(J100Jk)=P1AP

als reelle jordansche Normalform. Um sie und eine geeignete reelle Matrix Pn×n zu bestimmen, kann man folgendermaßen vorgehen:

  • Bestimme das charakteristische Polynom und faktorisiere es in irreduzible Faktoren. Es ergibt sich
χ(λ)=j=1k(λλj)μjj=1l((λaj)2+bj2)νj,
wobei λ1,,λk paarweise verschiedene Eigenwerte mit Vielfachheit μj bezeichnen. Weiter seien darin a1,,al, b1,,bl>0, ν1,,νl und (a1,b1),,(al,bl) paarweise verschieden.
  • Für jedes j{1,,k} bestimme man
Kj,m:=Kern(AλjE)m für m=1,2,,mj,
worin mjμj die kleinste natürliche Zahl m ist mit dimKj,m=dimKj,m+1. Analog bestimme man für jedes j{1,,l}
Kj,m:=Kern((AajE)2+bj2E)m für m=1,2,,nj,
worin njνj die kleinste natürliche Zahl m ist mit dimKj,m=dimKj,m+1.
Zudem setzen wir Kj,0:=Kj,0:={0}.
  • Nun stelle man die jordansche Normalform auf. Es gilt hierbei
    •  dimKj,mdimKj,m1 ist die Anzahl der Jordanblöcke zum Eigenwert λj, deren Größe größer oder gleich m ist.
    • 12(dimKj,mdimKj,m1) ist die Anzahl der Jordanblöcke zum Faktor (λaj)2+bj2, deren Größe größer oder gleich 2m ist.
Außerdem ist μj die Summe der Jordanblockgrößen zum Eigenwert λj und 2νj die Summe der Jordanblockgrößen zum Faktor (λaj)2+bj2. Aus diesen Angaben kann man eindeutig die jordansche Normalform J bestimmen.
  • Danach bestimme man die Basistransformationsmatrix P, das heißt, man sucht eine reelle invertierbare Matrix Pn×n, so dass J=P1AP.

Ein Verfahren, um eine Basistransformation zu erhalten, ist das folgende:

  • Man arbeite die Blöcke nacheinander ab. Dabei ist zu beachten, dass man bei Jordanblöcken zum selben irreduziblen Faktor stets vom größten Block zum kleinsten Block vorgeht. Zu jedem Block der Größe t werden t Spalten der Basistransformationsmatrix v1,,vt nach einem bestimmten Schema bestimmt. Wenn der Block in J die Spalten m,,m+t1 belegt, so werden die Vektoren v1,,vt in P ebenso (von links nach rechts) in die Spalten m,,m+t1 eingefügt. Die Vektoren v1,,vt werden nun wie folgt bestimmt:
    • Zu einem Jordanblock der Größe m zum Eigenwert λj wähle man vmKj,mSpan(Kj,m1M) beliebig, worin M die Menge der zuvor berechneten Spalten (das heißt Basisvektoren) der Stufe m aus zuvor abgearbeiteten Jordanblöcken zum selben Eigenwert λj (sofern vorhanden) bezeichnet. Anschließend setze man sukzessiv vt1:=(AλjE)vt für alle t=m,,2.
    • Zu einem Jordanblock der Größe 2m zum irreduziblen Faktor (λaj)2+bj2 wähle man einen Vektor v2mKj,mSpan(Kj,m1M), wobei M aus den bereits berechneten Hauptvektoren der Stufen 2m,2m1 zum selben irreduziblen Faktor (λaj)2+bj2 besteht.
Dann setze man für t=2m,,2 sukzessiv vt1:={1bj(AajE)vt,falls t gerade,(AajE)vt+bjvt+1,falls t ungerade.
Schließlich setzt man P wie gehabt aus den Vektoren v1,,v2m zusammen.
  • Nachdem man auf obige Weise alle Jordanblöcke abgearbeitet hat, werden am Ende alle Spalten von P aufgefüllt. Es gilt: Die Matrix P ist regulär und erfüllt P1AP=J, und ihre Spalten bilden eine Basis, bezüglich deren A die Darstellung J besitzt.

Beispiel

Man betrachte die Matrix BM5(), die wie folgt definiert ist

B:=(6261111212201011022144623).

Ihr charakteristisches Polynom lautet χ(λ)=((λ2)2+1)2(λ1), wobei (λ2)2+1 irreduzibel über ist. Nun berechnen wir die jordansche Normalform:

Kern(B1E)=Span({(11110)}).

Dieser Kern hat die Dimension 1. Also gibt es nur einen Jordanblock der Größe mindestens 1. Andererseits muss die Summe der Jordanblockgrößen 1 sein (die Potenz von λ1), so dass es genau einen Jordanblock zum Eigenwert 1 gibt, und er hat die Größe 1. Weiter hat

Kern((B2E)2+12E)=Span({(20111),(01011)})

die Dimension 2, so dass es demzufolge nur 122=1 Jordanblock der Größe mindestens 2 gibt. Da die Summe der Jordanblockgrößen 4 sein muss (das Doppelte der Potenz von (λ2)2+1), ergibt sich, dass dieser eine Jordanblock die Größe 4 besitzt. Außerdem errechnen wir

Kern((B2E)2+12E)2=Span({(10001),(01001),(00101),(00010)}).

Somit ist J:=(1211012012112) die reelle jordansche Normalform von B.

Zum Vergleich lautet die komplexe jordansche Normalform J:=(12+i12+i2i12i).

Zum Berechnen einer Basistransformationsmatrix beginne man mit dem ersten reellen Eigenwert und dann mit dem (ersten) Jordanblock der Dimension 1. Man wähle

u1Kern(B1E)1Kern(B1E)0

beliebig, also beispielsweise u1:=(11110). Daraus erhält man P:=(1****1****1****1****0****).

Nun gehe man zum ersten irreduziblen Faktor (komplexen Eigenwert) und dann zum Jordanblock der Größe 4 über. Dazu wähle man

v4Kern((B2E)2+12E)2Kern((B2E)2+12E)1

beliebig, beispielsweise v4:=(00010). Dann ist v3:=11(B2E)v4=(11002), v2:=(B2E)v3+bv4=(02022) und v1:=11(B2E)v2=(40222) zu wählen. Daraus erhält man: P:=(1401010210120001220102220). P ist eine reguläre Matrix mit J=P1BP.

Jordansche Normalform in allgemeinen Körpern

Die jordansche Normalform kann noch weiter verallgemeinert werden auf allgemeine Körper. In diesem Zusammenhang wird sie häufig auch als Weierstraß-Normalform (bzw. Frobenius-Normalform) bezeichnet. Dies erlaubt eine eindeutige Matrixdarstellung von Endomorphismen von endlichdimensionalen Vektorräumen, bei der sich alle ähnlichen Endomorphismen durch eine eindeutige Matrix darstellen lassen. So können ähnliche lineare Abbildungen identifiziert werden. Das Lemma von Frobenius charakterisiert zueinander ähnliche Matrizen durch die Elementarteiler ihrer charakteristischen Matrizen und liefert die Frobenius-Normalform als Normalform des Vektorraums unter der Operation eines Polynomrings.

Durch die Darstellung in der Weierstraß-Normalform ist der Aufbau des Minimalpolynoms sofort erkennbar und das charakteristische Polynom leicht zu berechnen.

Matrixfunktion

Vorlage:Hauptartikel

Ein Weg, um aus einer skalaren Funktion f: eine Matrixfunktion f:n×nn×n zu bilden, ist über die jordansche Normalform der Matrix. Es gilt

f(A)=Qf(J)Q1.

Anwendung bei linearen Differentialgleichungssystemen erster Ordnung mit konstanten Koeffizienten

Gegeben sei ein lineares Differentialgleichungssystem (von n Gleichungen) erster Ordnung mit konstanten Koeffizienten

y=Ay+g(x)

durch eine Matrix An×n und eine stetige Funktion g:n. Es ist bekannt, dass die eindeutige Lösung des Anfangswertproblems

y(x0)=y0n

gegeben ist durch

y(x)=e(xx0)Ay0+x0xe(xt)Ag(t)dt ,

worin

exp(B):=eB:=k=01k!Bk für Bn×n

die Matrixexponentialfunktion bezeichnet. Man beachte:

  • Die Matrixexponentialfunktion von einem komplexen Jordanblock kann explizit ausgerechnet werden:
exp(t(λ1000λ1000λ100λ))=etλ(1t11!t22!tn1(n1)!01t11!tn2(n2)!001t11!001).
  • Die Matrixexponentialfunktion von einer komplexen Jordannormalform J=diag(J1,,Jm) kann explizit berechnet werden mittels:
exp(tdiag(J1,,Jm))=diag(exp(tJ1),,exp(tJm)).
  • Die Matrixexponentialfunktion einer Matrix A, deren komplexe Jordannormalform J zusammen mit einer Basistransformationsmatrix Pn×n bekannt ist, das heißt A=PJP1, kann explizit berechnet werden mittels:
exp(tA)=exp(tPJP1)=Pexp(tJ)P1.

Mit anderen Worten: Kennt man eine Darstellung A=PJP1 mit der komplexen jordanschen Normalform J, so kann man exp(tA) für jedes t explizit ausrechnen, so dass zum Bestimmen von

y(x)=e(xx0)Ay0+x0xe(xt)Ag(t)dt 

nur noch das Integrationsproblem zu lösen ist, welches im homogenen Fall g=0 völlig entfällt.

Siehe auch

  • Diagonalisierung ist ein Spezialfall der jordanschen Normalform.
  • Die jordansche Normalform ist ein Spezialfall der Weierstraß-Normalform.
  • Die Existenz der jordanschen Normalform liefert die Existenz der (additiven) Jordan-Chevalley-Zerlegung eines Endomorphismus.
  • Da für die Existenz einer jordanschen Normalform die Existenz von Nullstellen des charakteristischen Polynoms ausschlaggebend ist, kann die reelle Normalform wie hier beschrieben allgemeiner für affine Selbstabbildungen des zweidimensionalen affinen Raumes über einem euklidischen und eines affinen Raumes mit beliebiger, endlicher Dimension über einem reell abgeschlossenen Körper bestimmt werden.

Vorlage:Wikiversity

Einzelnachweise

  1. Wilhelm von Alten u. a., 4000 Jahre Algebra, Springer 2008, S. 409
  2. Vorlage:Literatur

Literatur