Darstellungstheorie der Lorentz-Gruppe

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In der Physik wird die Darstellungstheorie der Lorentz-Gruppe zur Beschreibung von Elementarteilchen in der relativistischen Quantenmechanik sowie zur Beschreibung von Feldern in der Quantenfeldtheorie benötigt.

Lorentz-Gruppe

Die Lorentz-Gruppe ist die Gruppe der die Minkowski-Metrik t2x2y2z2 invariant lassenden linearen Abbildungen der Raum-Zeit 1+3, also

O(3,1):={A4×4:A(1111)AT=(1111)}.

Sie hat vier Zusammenhangskomponenten. Die Zusammenhangskomponente des neutralen Elements heißt SO+(3,1). Diese Komponente wird von SL(2,) zweifach überlagert.

Insbesondere ist ihre Lie-Algebra 𝔰𝔬(3,1) isomorph zur Lie-Algebra sl(2,C).

Endlich-dimensionale Darstellungen

Darstellungen der Lie-Algebra

Die Darstellungstheorie der sl(2,C) zeigt, dass jede -lineare, irreduzible und endlich-dimensionale Darstellung von 𝔰𝔩(2,) eine sogenannte Spin-m-Darstellung für ein m12 ist. Diese Darstellung ist (2m+1)-dimensional und es gibt für jeden ganz- oder halbzahligen Wert von m eine bis auf Isomorphismus eindeutige irreduzible Darstellung πm.

Es folgt dann, dass jede -lineare, irreduzible und endlich-dimensionale Darstellung von 𝔰𝔩(2,)=𝔰𝔬(3,1) von der Form πm,n:=πmπn mit ganz- oder halbzahligen Werten m,n12 ist. Hierbei ist das Tensorprodukt zweier Lie-Algebra-Darstellungen definiert durch

πm,n(X):=I2m+1πn(X)+πm(X)I2n+1

und πn bezeichnet die zu πn komplex konjugierte Darstellung. (Die entsprechende Lie-Gruppen-Darstellung ist das Tensorprodukt der ersten Lie-Gruppen-Darstellung mit dem komplex konjugierten der zweiten.)

Die Darstellung πm,n ist (2m+1)(2n+1)-dimensional und irreduzibel.[1]

Projektive Darstellungen

Jede Lie-Algebren-Darstellung πm,n bestimmt (nach dem Zweiten Lie’schen Satz) eine (reelle) Darstellung von SL(2,) und damit eine projektive Darstellung ρm,n von SO+(3,1).

Falls m=n ist, kann ρm,n zu einer projektiven Darstellung der gesamten Lorentz-Gruppe O(3,1) fortgesetzt werden.

Dies ist nicht möglich für m=n, aber jedenfalls kann dann noch ρm,nρn,m zu einer irreduziblen projektiven Darstellung von O+(3,1) fortgesetzt werden.

Darstellungen

SL(2,) ist eine zweifache Überlagerung von SO+(3,1), wobei I2 und I2 auf das neutrale Element I4SO+(3,1) abgebildet werden. Eine Darstellung von SL(2,) entspricht also genau dann einer Darstellung (und nicht nur einer projektiven Darstellung) von SO+(3,1), wenn auch I2=(1001)SL(2,) auf die Einheitsmatrix abgebildet wird.

Man prüft leicht nach, dass das für die Darstellungen ρm,n genau dann der Fall ist, wenn m und n ganze Zahlen sind.

Wenn m=n, dann erhält man eine Darstellung der vollen Lorentz-Gruppe O(3,1).

Beispiele

Im Folgenden bezeichne (m,n) die (2m+1)(2n+1)-projektive Darstellung ρm,n von SO+(3,1).

  • (0, 0) ist die in relativistischen Skalarfeld-Theorien verwendete skalare Lorentz-Darstellung.
  • (12,0) ist die projektive Darstellung der linkshändigen Weyl-Spinoren, (0,12) die der rechtshändige Weyl-Spinoren. Diese beiden Darstellungen sind keine linearen Darstellungen der Gruppe SO+(3,1).
  • (12,0)(0,12) ist die Bispinor-Darstellung.
  • (12,12) ist die Vierervektor-Darstellung. Der Viererimpuls eines Teilchens transformiert sich entsprechend dieser Darstellung.
  • (1,0) ist die projektive Darstellung im Raum der selbstdualen 2-Formen und (0,1) die projektive Darstellung im Raum der anti-selbstdualen 2-Formen. Diese beiden Darstellungen sind keine linearen Darstellungen der Gruppe SO+(3,1).
  • (1, 0) ⊕ (0, 1) ist die Darstellung eines Paritäts-invarianten Feldes von 2-Formen (d. h. von Krümmungsformen). Das elektromagnetische Tensorfeld transformiert sich entsprechend dieser Darstellung.
  • (1,12)(12,1) entspricht dem Rarita–Schwinger-Feld.
  • (1, 1) ist die Spin-2-Darstellung eines spurlosen symmetrischen Tensorfelds.

Literatur

  • Brian C. Hall: Lie groups, Lie algebras, and representations. An elementary introduction. (= Graduate Texts in Mathematics. 222). Springer-Verlag, New York 2003, ISBN 0-387-40122-9.
  • Sigurður Helgason: Groups and geometric analysis. Integral geometry, invariant differential operators, and spherical functions. (= Mathematical Surveys and Monographs. 83). Corrected reprint of the 1984 original. American Mathematical Society, Providence, RI 2000, ISBN 0-8218-2673-5.
  • Anthony W. Knapp: Representation theory of semisimple groups. An overview based on examples. (= Princeton Landmarks in Mathematics). Reprint of the 1986 original. Princeton University Press, Princeton, NJ 2001, ISBN 0-691-09089-0.
  • E. R. Paërl: Representations of the Lorentz group and projective geometry. (= Mathematical Centre Tracts. No. 25). Mathematisch Centrum, Amsterdam 1969.
  • W. Rühl: The Lorentz group and harmonic analysis. W. A. Benjamin, New York 1970, Vorlage:OCLC.
  • Steven Weinberg: The quantum theory of fields. Vol. I: Foundations. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-55001-7.

Einzelnachweise

  1. Knapp, op.cit., Chapter II.3