Sekundäre charakteristische Klasse

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Im mathematischen Gebiet der Differentialtopologie sind sekundäre charakteristische Klassen (wie die Cheeger-Chern-Simons-Klassen) Invarianten flacher Bündel.

Bekanntlich können verschiedene charakteristische Klassen

cHk(B;)

von G-Prinzipalbündeln EB mittels der Chern-Weil-Konstruktion durch invariante Polynome PIk(G) realisiert werden, d. h., es gibt ein invariantes Polynom P, so dass

[P(Ω)]=c

für jedes G-Prinzipalbündel mit Zusammenhangsform ω, wobei

ΩΩ2(B)

die Krümmungsform des Zusammenhangs ω, [P(Ω)] die De-Rham-Kohomologieklasse von

P(Ω)Ω2k(B),

und c das Bild der charakteristischen Klasse c unter dem kanonischen Homomorphismus

Hk(B;)Hk(B;)

bezeichnet.

Für flache Bündel ist

Ω=0

und demzufolge verschwinden alle über die Chern-Weil-Konstruktion definierten charakteristischen Klassen, insbesondere Chern-Klassen und Pontrjagin-Klassen.

Die Cheeger-Chern-Simons-Konstruktion definiert nun zu jeder solchen charakteristischen Klasse, genauer zu jedem invarianten Polynom

PIk(G)

und jeder Kohomologieklasse

cH2k(B)

mit [P(Ω)]=c einen Differentialcharakter

c^H^k(B;/).

Die Kohomologiegruppe Hk(B;/) ist eine Untergruppe von H^k(B;/) und im Fall flacher Bündel liegt c^ in dieser Untergruppe. Die so definierte Kohomologieklasse

c^Hk(B;/)

heißt (die zur primären charakteristischen Klasse c assoziierte) sekundäre charakteristische Klasse.

Anwendung des Bockstein-Homomorphismus H2k1(B;/)H2k(B;) bildet die sekundäre charakteristische Klasse c^ auf die charakteristische Klasse c ab, deren Bild in H2k(B;) verschwindet.

Existenz und Eindeutigkeit

Gegeben seien eine Lie-Gruppe G, ein invariantes Polynom PIk(G) und eine Kohomologieklasse uH2k(BG) mit wk(P)=u. Wir bezeichnen mit δ:H^2k1(B;/)A02k(B) die Korand-Abbildung und mit b:H^2k1(B;/)H2k(B;) den Bockstein-Homomorphismus.

Satz: Für jedes G-Prinzipalbündel p:EB mit Zusammenhangsform ω gibt es einen eindeutigen Differentialcharakter

SP,u(p,ω)H^2k1(B;/)

mit

  • δSP,u(p,ω)=P(Ω)
  • bSP,u(p,ω)=f*u,

so dass SP,u(p,ω)H^2k1(B;/) unter Bündelabbildungen natürlich transformiert.

Cheeger-Chern-Simons-Klassen

Ein Spezialfall ist die Konstruktion von Cheeger-Chern-Simons-Klassen.

Die Chern-Polynome CkIk(GL(n,)) seien definiert durch die Relation

det(λidn12πiA)=k=0nCk(A,,A)λnk

für alle AGL(n,). Der universelle Chern-Weil-Homomorphismus

wk:Ik(G)H2k(BG;)

bildet invariante Polynome auf Kohomologieklassen des klassifizierenden Raumes BG ab.

Im Fall der Chern-Polynome gibt es die universellen Chern-Klassen ckH2k(BGL(n,);) und für diese gilt

wk(Ck)=(ck).

Für ein GL(n,)-Prinzipalbündel p:EB gibt es nun eine klassifizierende Abbildung f:BBGL(n,) und die Chern-Klasse von p:EB ist f*ckH2k(B;). Für eine Zusammenhangsform ω definiert man nun

c^k(p,ω):=SCk,ck(p,ω)H^2k1(B;/).

Im Fall flacher Bündel p:EB erhält man die Cheeger-Chern-Simons-Klassen

c^k(p)H2k1(B;/).

Falls B eine (2k1)-dimensionale geschlossene orientierbare Mannigfaltigkeit ist, erhält man die Cheeger-Chern-Simons-Invariante

CCS(p):=c^k(p),[M]/

des flachen Bündels p:EB durch Anwenden der Cheeger-Chern-Simons-Klasse auf die Fundamentalklasse [M]H2k1(M;).

Literatur

  • Cheeger, Simons: Differential characters and geometric invariants. Geometry and topology (College Park, Md., 1983/84), 50–80, Lecture Notes in Math., 1167, Springer, Berlin, 1985. pdf
  • Dupont, Hain, Zucker: Regulators and characteristic classes of flat bundles. The arithmetic and geometry of algebraic cycles (Banff, AB, 1998), 47–92, CRM Proc. Lecture Notes, 24, Amer. Math. Soc., Providence, RI, 2000.