Konstante von Glaisher-Kinkelin

Aus testwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Konstante von Glaisher-Kinkelin, oft auch nur glaishersche Konstante, ist eine mathematische Konstante, die in einigen Summen und Integralen auftritt, vor allem im Zusammenhang mit der Gammafunktion und der riemannschen Zetafunktion. Sie ist nach J. W. L. Glaisher und Hermann Kinkelin benannt.

Näherungswert

Die Konstante von Glaisher-Kinkelin wird üblicherweise mit A bezeichnet. Ein Näherungswert ist

A=1,28242 71291 00622 63687 53425 68869 79172 77676 88927 32500 11920 63740 02174 04063 08858 82646 11297 36491 95820 23743 ...[1]

Die einzelnen Nachkommastellen bilden die Vorlage:OEIS.

Definitionen der Glaisher-Kinkelin-Konstante

Definition über die Hyperfakultät

Eine mögliche Definition[2] von A lautet wie folgt:

A=limnK(n+1)n12n2+12n+112e14n2=limnhf(n)exp[(12n2+12n+112)ln(n)14n2]

Dabei ist die Hyperfakultät so definiert:

hf(x)=exp{x2[x+1ln(2π)γx]}n=1[(1+xn)nxexp(x22n+x)]

hf(x)=exp{x2[x+1ln(2π)]+01xln[Π(xy)]dy}

hf(x)=exp{x2[x+1ln(2π)]+01xln[Γ(xy+1)]dy}

hf(x)=exp{x2[γx+x+1ln(2π)]+0x2y22xy+22exp(xy)2y2[exp(y)1]dy}

Alle vier soeben gezeigten Definitionsformeln für die Hyperfakultät sind zueinander identisch.

Für die Fakultätsfunktion beziehungsweise die Gaußsche Pifunktion gilt mit dem Weierstraß-Produkt[3] diese Definition:

x!=Π(x)=Γ(x+1)=exp(γx)n=1[(1+xn)1exp(xn)]

Diese Induktionsgleichungen sind für die Hyperfakultät gültig:

hf(n)=nK(n)=K(n+1)=m=1nmm=112233nn
hf(n)=K(n+1)=112233nn

Die Hyperfakultät ist mit der K-Funktion des Nachfolgers identisch.

Mit dieser Definition eng verwandt ist diese über die Gammafunktion Γ erfolgende Definition:

A=27/36π1/6exp{13+2301/2ln[Π(x)]dx}=27/36π1/6exp{13+2301/2ln[Γ(x+1)]dx}

Definition über die Superfakultät

Eine weitere Definition unter Verwendung der Kreiszahl π lautet wie folgt:

A=limnn12n2112(2π)12ne34n2+112G(n+1)

Dabei steht der Buchstabe G für die Barnessche G-Funktion G(n+1)=1!2!3!(n1)!

Deswegen kann alternativ zu diesem Ausdruck auch eine Grenzwertdefinition mit der Superfakultät aufgestellt werden:

A=limn1sf(n)exp[(12n2+n+512)ln(n+1)+12(n+1)ln(2π)34n232n23]

Dabei ist die Superfakultät mit diesen zueinander identischen Formeln definiert:

sf(x)=Π(x)exp{x2[ln(2π)γxx1]}n=1[(1+xn)nexp(x22nx)]

sf(x)=Γ(x+1)exp{x2[ln(2π)γxx1]}n=1[(1+xn)nexp(x22nx)]

sf(x)=hf(x)1Π(x)x+1=hf(x)1Γ(x+1)x+1

Definition über die Riemannsche Zetafunktion

Eine andere Definition lautet so:

A=exp[112ζ(1)]

die einen Zusammenhang zur Ableitung der Riemannschen Zetafunktion ζ darstellt.

Hurch Hinzufügung der Abel-Plana-Definition von der Riemannschen Zeta-Ableitung erhält man diese Formel:

A=exp[1302arctan(x)+xln(x2+1)2exp(πx)sinh(πx)dx]

Durch Einsetzen der Abel-Plana-Definitionen von Dirichletscher Lambdafunktion und Etafunktion können auch diese Definitionen aufgestellt werden:

A=exp[124+16ln(2)+02arctan(x)+xln(x2+1)4exp(πx/2)sinh(πx/2)dx]
A=exp[112+19ln(2)+1302arctan(x)+xln(x2+1)2sinh(πx)dx]

Summenreihen und Produktreihen

Eine Reihendarstellung lautet (Guillera, Sondow 2008)[4]

lnA=18+12n=01n+1k=0n(1)k+1(nk)(k+1)2ln(k+1)

Sie basiert auf der Riemannschen Zetafunktion.

Der Mathematiker Helmut Hasse hat sie auf Basis des genannten Werkes von Sondow und Guillera weitererforscht.

Folgende[5] Produktreihen ergeben folgenden Wert:

n=1n1/n2=exp{2π2ln(A)π26[ln(2π)+γ]}
pprimp1/(p21)=exp[12ln(A)ln(2π)γ]

Das obere von diesen beiden Produkten weist eine enge Verwandtschaft zu den Kummerschen Reihen auf.

Ableitungswerte der Riemannschen und Dirichletschen Funktionen

Definition der Funktionen und Ableitungen

Im Folgenden werden die Abel-Plana-Definitionen für die Riemannsche Zetafunktion, die Dirichletsche Lambdafunktion und die Dirichletsche Etafunktion aufgestellt:

Name der Funktion Abel-Plana-Integralausdruck
Riemannsche Zetafunktion ζ(x)=x+12x2+0sin[xarctan(y)](y2+1)x/2exp(πy)sinh(πy)dy
Dirichletsche Lambdafunktion λ(x)=x2x2+0sin[xarctan(y)]2(y2+1)x/2exp(πy/2)sinh(πy/2)dy
Dirichletsche Etafunktion η(x)=12+0sin[xarctan(y)](y2+1)x/2sinh(πy)dy

Durch Bildung des Differentialquotienten bezüglich x entstehen folgende Definitionen für die Ableitungen der Riemannschen und Dirichletschen Funktionen:

Name der Funktion Abel-Plana-Integralausdruck
Riemannsche Zetaableitung ζ(x)=1(x1)2+02arctan(y)cos[xarctan(y)]ln(y2+1)sin[xarctan(y)]2(y2+1)x/2exp(πy)sinh(πy)dy
Dirichletsche Lambdaableitung λ(x)=12(x1)2+02arctan(y)cos[xarctan(y)]ln(y2+1)sin[xarctan(y)]4(y2+1)x/2exp(πy/2)sinh(πy/2)dy
Dirichletsche Etaableitung η(x)=02arctan(y)cos[xarctan(y)]ln(y2+1)sin[xarctan(y)]2(y2+1)x/2sinh(πy)dy

Wertetabelle

Als Nächstes werden die Ableitungswerte der Riemannschen und Dirichletschen Funktionen ausgedrückt über die Glaisher-Kinkelin-Konstante tabellarisch gegenübergestellt:

Abszissenwerte x Riemannsche Zetaableitung Dirichletsche Lambdaableitung Dirichletsche Etaableitung
+2 ζ(2)=16π2[12ln(A)ln(2π)γ] λ(2)=124π2[36ln(A)ln(16π3)3γ] η(2)=112π2[ln(4π)12ln(A)+γ]
1 ζ(1)=112ln(A) λ(1)=ln(A)16ln(2)112 η(1)=3ln(A)13ln(2)14

Denn es gelten folgende Umwandlungsformeln:

λ(x)=2xln(2)ζ(x)+(12x)ζ(x)
η(x)=21xln(2)ζ(x)+(121x)ζ(x)

Literatur

  • Hermann Kinkelin: Ueber eine mit der Gammafunction verwandte Transcendente und deren Anwendung auf die Integralrechnung. (Juli 1856) In: Journal für die reine und angewandte Mathematik, 57, 1860, S. 122–138 (beim GDZ: digizeitschriften.de)
  • J. W. L. Glaisher: On the Product 1¹.2².3³...nⁿ. In: The Messenger of Mathematics, 7, 1878, S. 43–47 (englisch; „A=1·28242 7130“ auf S. 43); Vorlage:Archive.org

Einzelnachweise

  1. Vorlage:Webarchiv – die ersten 20.000 Nachkommastellen beim Projekt mpmath (englisch)
  2. Julian Havil: Gamma: Eulers Konstante, Primzahlstrände und die Riemannsche Vermutung. Springer-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-540-48495-0, S. 103
  3. Vorlage:Literatur
  4. Jesús Guillera, Jonathan Sondow: Double integrals and infinite products for some classical constants via analytic continuations of Lerch’s transcendent. In: The Ramanujan Journal, 16, 2008, S. 247–270 (Vorlage:ArXiv)
  5. Vorlage:Literatur