Euler-Produkt

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Das Euler-Produkt ist ein Begriff aus dem mathematischen Teilgebiet der Analysis und insbesondere der Zahlentheorie. Es ist eine Darstellung einer Dirichlet-Reihe mittels eines unendlichen Produktes indiziert über die Menge der Primzahlen. Benannt ist das Euler-Produkt nach Leonhard Euler, der das unendliche Produkt bezüglich der Dirichlet-Reihe der Riemannschen Zeta-Funktion untersuchte.[1]

Definition

Sei f eine multiplikative zahlentheoretische Funktion und F(s):=n=1f(n)ns die entsprechende Dirichlet-Reihe von f. Falls diese Reihe für eine komplexe Zahl s absolut konvergiert, dann gilt

F(s)=p primk=0f(pk)pks.

Im Falle einer vollständig multiplikativen Funktion f vereinfacht sich dieses Produkt zu

F(s)=p prim11f(p)ps.

Diese unendlichen Produkte über alle Primzahlen heißen Euler-Produkte.[2] Der Wert dieser Produkte ist definiert als Grenzwert limNPN der Folge endlicher Produkte PN, die entsteht, indem man das Produkt nur auf Primzahlen unterhalb einer Schranke N erstreckt.

Beweis

Es gibt mehrere Beweise für die Gültigkeit des Euler-Produktes.

Zunächst ist klar, dass mit absoluter Konvergenz der Reihe F(s) auch jeder Faktor k=0f(pk)pks absolut konvergiert. Es folgt, dass für jedes N das Partialprodukt

FN(s)=pNp Primzahlk=0f(pk)pks

existiert. Damit sieht man sogleich mit der Cauchy-Produktformel und der aufsteigenden Folge der Primzahlen 2=p1<p2<<pjN<pj+1:

FN(s)=k1=0kj=0f(p1k1)f(pjkj)(p1k1pjkj)s=k1=0kj=0f(p1k1pjkj)(p1k1pjkj)s.

Im zweiten Schritt wurde die Multiplikativität von f benutzt. Damit folgt

FN(s)=nNf(n)ns+n>N'f(n)ns,

wobei der Strich an der zweiten Summe anzeigt, dass nur über alle n>N summiert wird, deren Primteiler sämtlich N sind. Damit folgt: für jedes ε>0 existiert ein N>0 mit

|F(s)FN(s)|n=N+1|f(n)ns|<ε.

Somit konvergiert die Folge der Partialprodukte FN(s) für jedes s im Bereich der absoluten Konvergenz gegen F(s) (sogar gleichmäßig auf kompakten Teilmengen) und der Satz ist gezeigt.

Das Euler-Produkt der Riemannschen Zeta-Funktion

Formulierung

Im Fall f(n)=1 für alle n ist f offenbar vollständig multiplikativ. Es gilt demnach für alle Re(s)>1

ζ(s)=n=11ns=p prim111ps.

Die Funktion ζ(s) ist dabei auch bekannt als Riemannsche Zeta-Funktion.

Herleitung von Euler

Die Idee dieses Herleitungsweges wurde bereits von Euler verwendet. Man nehme eine Teilmenge M und eine Primzahl p, so dass 1M und pMM. Ist also mM, so folgt ebenfalls pmM. Dann gilt ganz allgemein für Re(s)>1

(11ps)mM1ms=mM1msmM1(pm)s=mMpM1ms.

Bezeichnen wir jetzt pn als die Folge der Primzahlen in aufsteigender Folge, und Mk als die Menge der Zahlen, die nicht durch p1,,pk teilbar sind (z. B. M1={1,3,5,7,}). Setze zudem M0:=. Dann hat jedes Mk die obere Eigenschaft mit der nächsten Primzahl pk+1 und es gilt Mk+1=Mkpk+1Mk. Also:

(11pk+1s)mMk1ms=mMk+11ms

und damit induktiv

(112s)(113s)(11pks)ζ(s)=mMk+11ms.

Bildet man auf beiden Seiten den Limes, ergibt sich

limk(112s)(113s)(11pks)ζ(s)=limkmMk+11ms=1,

da die 1 die einzige natürliche Zahl ist, die durch keine Primzahl teilbar ist.

Einzelnachweise