Sekans und Kosekans

Aus testwiki
Version vom 8. Dezember 2024, 03:15 Uhr von 95.90.242.52 (Diskussion) (typo)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Definitionen am Einheitskreis
OT=secb ; OK=cscb

Sekans und Kosekans sind trigonometrische Funktionen. Der Sekans wird mit sec(x) bezeichnet, der Kosekans mit csc(x) oder cosec(x)[1]. Die Funktionen haben ihren Namen durch die Definition im Einheitskreis. Die Funktionswerte entsprechen der Länge von Sekantenabschnitten:

OT=sec(b)OK=csc(b)
Ein rechtwinkliges Dreieck
Ein rechtwinkliges Dreieck

Im rechtwinkligen Dreieck ist der Sekans das Verhältnis der Hypotenuse zur Ankathete und damit die Kehrwert-Funktion der Kosinusfunktion.

Der Kosekans ist das Verhältnis der Hypotenuse zur Gegenkathete und damit die Kehrwert-Funktion der Sinusfunktion:

sec(α)=lHylAK=cbcsc(α)=lHylGK=casec(x)=1cos(x)csc(x)=1sin(x)

Eigenschaften

Graphen

Graph der Sekansfunktion
Graph der Kosekansfunktion

Definitionsbereich

Sekans:    <x<+;x(n+12)π;n
Kosekans:    <x<+;xnπ ;n

Wertebereich

<f(x)1;1f(x)<+

Periodizität

Periodenlänge 2π:f(x+2π)=f(x)

Symmetrien

Sekans:    Achsensymmetrie: f(x)=f(x)
Kosekans:    Punktsymmetrie: f(x)=f(x)

Polstellen

Sekans:    x=(n+12)π;n
Kosekans:    x=nπ ;n

Extremstellen

Sekans:    Minima:  x=2nπ;n Maxima:  x=(2n1)π ;n
Kosekans:    Minima:  x=(2n+12)π ;n Maxima:  x=(2n12)π ;n

Nullstellen

Beide Funktionen haben keine Nullstellen.

Asymptoten

Beide Funktionen haben keine horizontalen Asymptoten.

Sprungstellen

Beide Funktionen haben Sprungstellen.

Wendepunkte

Beide Funktionen haben keine Wendepunkte.

Wichtige Funktionswerte

Da Sekans und Kosekans periodische Funktionen mit der Periode 2π (entspricht im Gradmaß 360) sind, reicht es, die Funktionswerte des Sekans für den Bereich 0x2π;xπ2,x3π2 und die des Kosekans für den Bereich 0x2π;x0,xπ,x2π zu kennen. Funktionswerte außerhalb dieses Bereichs können also aufgrund der Periodizität durch den Zusammenhang

sec(x)=sec(x+2kπ)undcsc(x)=csc(x+2kπ)

bestimmt werden. In Gradmaß lautet der Zusammenhang analog

sec(x)=sec(x+k360)undcsc(x)=csc(x+k360).

Hierbei bezeichnet k eine ganze Zahl. Die folgende Tabelle listet die wichtigen Funktionswerte der beiden trigonometrischen Funktionen in einer leicht zu merkenden Reihe auf.[2]

Winkel (Grad) Bogenmaß Sekans Kosekans
0 0 24=1
30 π6 23=233 21=2
45 π4 22=2 22=2
60 π3 21=2 23=233
90 π2 124=1

Weitere wichtige Werte sind:

Winkel (Grad) Bogenmaß Sekans Kosekans
15 π12 62 6+2
18 π10 1550105 1+5
36 π5 51 1550+105
54 3π10 1550+105 51
72 2π5 1+5 1550105
75 5π12 6+2 62
180 π 1
270 3π2 1
360 2π 1

Beweisskizzen:

  • sec(45)=csc(45)=2, weil das rechtwinklige Dreieck im Einheitskreis (mit der Hypotenuse 1) dann gleichschenklig ist, und nach Pythagoras gilt 12+12=x2x=2.
  • sec(60)=csc(30)=2, weil das rechtwinklige Dreieck im Einheitskreis (mit der Hypotenuse 1) gespiegelt an der x-Achse dann gleichseitig ist (mit Seitenlänge 1), und somit die Seitenlänge die doppelte Länge der Gegenkathete ist.
  • sec(30)=csc(60)=233, weil für das rechtwinklige Dreieck im Einheitskreis (mit der Hypotenuse 1) wegen sin(30)=12 für den Sekans nach Pythagoras gilt (1x)2+(12)2=12  1x2=34  x2=43  x=233.
  • sec(72)=csc(18)=114(51)=1+5, weil im Pentagramm das Inverse des Goldenen Schnitts auftritt, wobei der halbierte Winkel in den Spitzen gleich 18° ist.
  • sec(36)=csc(54)=114(1+5)=51, weil im regelmäßigen Fünfeck der Goldene Schnitt auftritt, wobei der halbierte Innenwinkel gleich 54° ist.
  • sec(75)=csc(15) und sec(15)=csc(75) lassen sich mit Hilfe der Halbwinkelformeln für Sinus und Kosinus herleiten.

Weitere mit Quadratwurzeln darstellbare Funktionswerte

Siehe auch: Sinus und Kosinus: Weitere mit Quadratwurzeln angebbare Funktionswerte

Weil der Sekans jeweils der Kehrwert des Kosinus und der Kosekans der Kehrwert des Sinus ist, lassen sich die Funktionswerte csc(x) und sec(x) genau dann mit Quadratwurzeln darstellen, wenn das auch für sin(x) und cos(x) möglich ist. Generell gilt, dass cscα und secα genau dann explizit mit den vier Grundrechenarten und Quadratwurzeln darstellbar sind, wenn der Winkel α mit Zirkel und Lineal konstruierbar ist, insbesondere also wenn α von der Gestalt

α=k3602np1pr

ist, wobei k, n0 und die pi für i=1,,r Fermatsche Primzahlen sind.[3]

Umkehrfunktionen

Sekans:

Auf einer halben Periodenlänge, z. B. x[0,π] ist die Funktion umkehrbar (Arkussekans):
x=arcsec(y)

Kosekans

Auf einer halben Periodenlänge, z. B. x[π2,π2] ist die Funktion umkehrbar (Arkuskosekans):
x=arccsc(y)

Reihenentwicklung

Summenreihen

Sekans:

sec(x)=4πk=0(1)k(2k+1)(2k+1)2π24x2

Kosekans:

csc(x)=1x2xk=1(1)kk2π2x2=k=(1)kxx2k2π2

Fakultät und Produktreihe

Mit Hilfe der Fakultätsfunktion beziehungsweise der Gaußschen Pifunktion können Sekans und Kosekans wie folgt dargestellt werden:

Sekans:

sec(πx)=4Π(12x)Π(12+x)π(12x)(1+2x)

Kosekans:

csc(πx)=Π(x)Π(1x)πx(1x)

Die Fakultätsfunktion entspricht der Eulerschen Gammafunktion von der Nachfolgerfunktion und kann demnach für alle reellen Zahlen x so definiert werden:

x!=Π(x)=Γ(x+1)=exp(γx)n=1[(1+xn)1exp(xn)]

Die nun gezeigte Produktreihe wird Weierstraßsches Produkt genannt und dient der Ermittlung von Sekans und Kosekans mittels Produktentwicklungen.

Mit dem griechischen Buchstaben γ wird die Euler-Mascheroni-Konstante dargestellt.

Ableitung

Sekans:

ddxsec(x)=ddx1cos(x)=+sin(x)cos2(x)=+sec(x)tan(x)=+sec2(x)csc(x)

Kosekans

ddxcsc(x)=ddx1sin(x)=cos(x)sin2(x)=csc(x)cot(x)=csc2(x)sec(x)

Integral

Sekans:

sec(x)dx=ln|1+sin(x)cos(x)|+C=ln|sec(x)+tan(x)|+C=ln|tan(x2+π4)|+C=12ln(1+sinx1sinx)+C

Kosekans

csc(x)dx=ln|sin(x)1+cos(x)|+C=ln|tan(x2)|+C

Komplexes Argument

sec(x+iy)=2cos(x)cosh(y)cos(2x)+cosh(2y)+i2sin(x)sinh(y)cos(2x)+cosh(2y)   mit x,y


csc(x+iy)=2sin(x)cosh(y)cos(2x)cosh(2y)+i2cos(x)sinh(y)cos(2x)cosh(2y)   mit x,y

Anwendung für numerische Berechnungen – Bedeutung historisch

Bevor elektronische Rechenmaschinen allgegenwärtig waren, verwendete man für die Winkelfunktionen Tabellen, meist in gedruckten Büchern. Mit einem solchen Funktionswert aus einer Tabelle zu multiplizieren war bequemer und praktischer, als durch so einen Wert zu dividieren (dies gilt übrigens auch für nicht aufgehende Wurzelwerte usw.); wenn in einer Formel also ein Sinus oder Kosinus im Nenner steht, ist es bequem, statt dieser Werte die entsprechenden Kosekans- bzw. Sekanswerte in den Zähler zu schreiben.

Dieses Argument ist im Zeitalter der allgemein verfügbaren elektronischen Taschenrechner nur noch von historischer Bedeutung; Sekans und Kosekans sind in den neueren Formelsammlungen nicht mehr erwähnt und auch nicht als Funktionen (mit eigener Taste) in den Rechnern implementiert. Für diesen Zweck sind diese Funktionen schlicht überflüssig geworden; sie lösten ein Problem, das nicht mehr besteht.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Vorlage:Literatur
  2. Vorlage:Literatur
  3. Emil Artin: Galoissche Theorie. Verlag Harri Deutsch, Zürich 1973, ISBN 3-87144-167-8, S. 85.

Vorlage:Navigationsleiste Trigonometrische Funktionen