TAP-Score
Der TAP-Score (Tumour Area Positivity-Score) ist ein diagnostisches Bewertungssystem zur Quantifizierung der PD-L1-Expression in Tumorgewebe. Er dient insbesondere der Beurteilung von soliden Tumoren wie beispielsweise Ösophagus-, Magen- oder gastroösophagealen Übergangskarzinomen im Hinblick auf eine potenzielle Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (z. B. PD-1/PD-L1-Antikörper).[1]
Im Gegensatz zum Combined Positive Score (CPS) oder dem Tumor Proportion Score (TPS) berücksichtigt der TAP-Score sowohl PD-L1-positive Tumorzellen als auch tumorassoziierte Immunzellen innerhalb der gesamten Tumorfläche.[1][2]
Diagnostik und Berechnung
Der TAP-Score wird durch eine Immunhistochemische (IHC) Färbung bestimmt. Dabei wird das Tumorgewebe mit spezifischen monoklonalen Antikörpern gefärbt, um PD-L1 zu detektieren. Der Anteil der PD-L1-positiven Tumorzellen wird anschließend mikroskopisch oder mittels digitaler Bildanalyse quantifiziert.[1]
Der TAP-Score wird als Prozentsatz der gesamten Tumorfläche angegeben, die PD-L1-exprimierende Tumor- und Immunzellen enthält. Die Berechnung erfolgt anhand folgender Formel:[1]
Indikationen und klinische Relevanz
Der TAP-Score wird vor allem in der onkologischen Diagnostik bei Tumoren eingesetzt, die für eine PD-1/PD-L1-gerichtete Immuntherapie in Frage kommen. Dazu gehören insbesondere:[3]
- Adenokarzinome des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs (GC/GEJC)
- Plattenepithelkarzinome des Ösophagus (ESCC)
Die genaue Grenze für die Positivität des TAP-Scores kann je nach Tumorentität und Therapie unterschiedlich definiert werden.[4]
Im Hinblick auf die klinische Relevanz könnte der TAP-Score eine entscheidende Rolle in der Prädiktion des Therapieansprechens und der Optimierung der PD-L1-Diagnostik spielen. Durch seine spezifische Methodik bietet er potenzielle Vorteile gegenüber anderen Scoring-Systemen, insbesondere in folgenden Bereichen:[1]
- Präzisere Identifikation von Immuntherapie-Respondern
- Der TAP-Score könnte eine genauere Korrelation mit dem Ansprechen auf PD-1-Inhibitoren aufweisen als der CPS oder TPS, wodurch eine gezieltere Patientenselektion ermöglicht wird.
- Vermeidung von Fehlklassifikationen
- Da sich der TAP-Score ausschließlich auf die Tumorfläche konzentriert, wird verhindert, dass PD-L1-positive Immunzellen die Bewertung überproportional beeinflussen und zu einer überhöhten CPS-Einstufung führen, obwohl die Tumorzellen selbst nur geringe PD-L1-Expression aufweisen.
- Standardisierte und reproduzierbare Bewertung
- Durch die klare Abgrenzung von Tumor- und Immunzellflächen könnte der TAP-Score eine einheitlichere Alternative zum CPS bieten, der aufgrund interindividueller Unterschiede in der Beurteilung von Immunzellen variabler ausfallen kann.
Übereinstimmung mit dem Combined Positive Score (CPS)
Der CPS-Score ist ein etablierter diagnostischer Score, der die PD-L1-Expression auf Tumorzellen und Immunzellen kombiniert:[2]
Studien zeigen eine hohe Übereinstimmung der Scoringverfahren TAP und CPS, insbesondere wenn eine PD-L1-Expression primär auf Tumorzellen auftritt. Allerdings könnte der CPS in bestimmten Fällen durch eine hohe Anzahl PD-L1-positiver Immunzellen auch überschätzt werden. Der TAP-Score könnte sich deshalb als verlässlichere Methode für die Selektion von Patienten für PD-1/PD-L1-Inhibitoren erweisen.[5][6]
Relevante Klone und Assays für die TAP-Score-Bewertung
Zur immunhistochemischen Analyse der PD-L1-Expression werden spezifische Antikörper-Klone verwendet. Besonders wichtig ist der Ventana SP263 Assay, der für die TAP-Score-Bewertung bevorzugt verwendet wird, da er eine hohe Sensitivität und Reproduzierbarkeit für PD-L1 in Tumorzellen bietet.[7]
Übersicht PD-L1-Klone und Assays
| Antikörper-Klon[8] | Hersteller | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| SP263 | Ventana (Roche)[9] | u. a. bei NSCLC, HNSCC, UC, GC, TNBC |
| 22C3 | Agilent/Dako[10] | CPS-Berechnung |
| E1L3N | Cell Signaling Technology[11] | Forschungsanwendung, gelegentlich für PD-L1-Testung in Studien verwendet |
| SP142 | Ventana (Roche)[12] | Früher für IC-Scoring (Immunzell-Score) verwendet |
Eine Studie belegt, dass die beiden Klone SP263 und 22C3 bei Patienten mit GC/GEJC und ESCC die höchste Übereinstimmung zwischen den einzelnen Tests aufwiesen.[13][8]
Literatur
- Sajjadi E et al. Biomarkers for precision immunotherapy in the metastatic setting: hope or reality. Ecancermedicalscience 2020; 14: 1150.
- Liu C et al. Tumor Area Positivity (TAP) score of programmed death‑ligand 1 (PD‑L1): a novel visual estimation method for combined tumor cell and immune cell scoring. Diagnostic Pathology. 2023; 18: 48.
- Raymond E et al. Tislelizumab (TIS) + chemotherapy (CT) vs placebo (PBO) + CT in locally advanced unresectable or metastatic esophageal squamous cell carcinoma (ESCC). PD-L1 biomarker analysis from RATIONALE-306. Oral Presentation at ESMO GI 2024.
- Möhler M et al. Tislelizumab (TIS) plus chemotherapy (CT) vs placebo (PBO) plus CT in HER2-negative advanced or metastatic gastric or gastroesophageal junction adenocarcinoma (GC/GEJC): PD-L1 biomarker analysis from RATIONALE-305. Oral presentation at ESMO-GI 2024.
- Klempner SJ et al. PD-L1 Immunohistochemistry in Gastric Cancer: Comparison of Combined Positive Score and Tumor Area Positivity Across 28-8, 22C3, and SP263 Assays. JCO Precis Oncol. 2024; 8: e2400230. Vorlage:Doi.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Vorlage:Literatur
- ↑ 2,0 2,1 Vorlage:Literatur
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Literatur
- ↑ 8,0 8,1 Vorlage:Literatur
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ Vorlage:Literatur