Mehrspuren-Turingmaschine

Aus testwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Eine Mehrspuren-Turingmaschine (Vorlage:EnS) ist eine abstrakte Maschine in der theoretischen Informatik und eine Erweiterung der klassischen Turingmaschine.

3 Spuren-Turing-Maschine

Die Mehrspuren-Turingmaschine verfügt über ein Speicherband mit mehreren Spuren, d. h., pro Feld können mehrere Symbole ausgelesen werden, aber nur einen Lese- und Schreibkopf. Dieser Schreibkopf liest/schreibt immer alle Spuren eines Feldes am Band und bewegt sich dann für alle Spuren synchron (ein wesentlicher Unterschied zu Mehrband-Turingmaschinen). Ansonsten verhalten sich Mehrspuren-Turingmaschinen genau so wie klassische Turingmaschinen.

Eine Mehrspuren-Turingmaschine mit nur einem Band entspricht genau der klassischen Turingmaschine und jede Mehrspuren-Turingmaschine kann durch eine klassische Turingmaschine (mit nur einem Band) simuliert werden. Die beiden Maschinenmodelle sind also bezüglich der Berechenbarkeit von Funktionen äquivalent, d. h., beide Modelle können die gleichen Funktionen berechnen.

Formale Definition

Formal kann eine (deterministische) k-Spuren Turingmaschine als Tupel M=(Q,Σ,Γ,δ,q0,,F) dargestellt werden.

  • Q ist die endliche Zustandsmenge.
  • Σ ist das endliche Eingabealphabet.
  • Γ ist das endliche Bandalphabet und es gilt ΣΓ.
  • δ:(QF)×ΓkQ×Γk×{L,N,R} ist die (partielle) Überführungsfunktion.
  • q0Q ist der Anfangszustand.
  • ΓΣ steht für das leere Feld (Blank).
  • FQ die Menge der Endzustände.

Die Definition unterscheidet sich von der einer klassischen Turingmaschine (oder auch einer Mehrband-Turingmaschine) nur in der Definition der Überführungsfunktion. Die partielle Überführungsfunktion δ liefert zu einem Zustand und den k aus einem Feld gelesenen Bandsymbolen (i) den nächsten Zustand, (ii) k Bandsymbole das in das aktuelle Feld geschrieben werden, und (iii) die Bewegungsrichtung des Lese-Schreib-Kopf (L … ein Feld nach links, N … nicht bewegen, R … ein Feld nach rechts). Im Kontrast zur klassischen Turingmaschine werden k Symbole statt nur einem Symbol gelesen und geschrieben. Der Unterschied zur Mehrband-Turingmaschine besteht darin, dass δ nur eine Bewegungsrichtung für den Lese-Schreib-Kopf festlegt, während δ bei Mehrband-Turingmaschinen k Bewegungsrichtungen festlegt (eine für jeden Lese-Schreib-Kopf).

Um eine nichtdeterministische Variante der k-Spuren Turingmaschine zu definieren, ersetzt man die Überführungsfunktion durch eine Übergangsrelation δ:

  • δ(QF)×Γk×Q×Γk×{L,N,R}

Beispiel

Das folgende Beispiel ist eine 3 Spuren Turingmaschine, die 2 gleich lange Binärzahlen addiert. Dabei sind zu Beginn die zwei gegebenen Zahlen in den ersten beiden Spuren gespeichert und die Ausgabe wird in die dritte Spur gespeichert. M=({q0,q1,q2,qf},{0,1},{0,1,b},δ,q0,b,{qf})

Die Überführungsfunktion δ definieren wir schrittweise. Im Zustand q0 bewegt sich die Maschine an das rechte Ende der Eingabe. Wenn die Maschine den Zustand q0 verlassen hat, steht der Lese-Schreib-Kopf auf der letzten Ziffer der Eingabe.

aktueller
Zustand
geles.
Symbol
  schr.
Symbol
neuer
Zustand
Kopf-
richtung
q0 0 0 b 0 0 b q0 R
q0 0 1 b 0 1 b q0 R
q0 1 0 b 1 0 b q0 R
q0 1 1 b 1 1 b q0 R
q0 b b b b b b q1 L

Für die eigentlich Addition werden die zwei Zustände q1 und q2 verwendet. Hier entspricht q1 der Addition an der aktuellen Stelle ohne Übertragsbit aus dem vorherigen Schritt und q2 der Addition mit einem Übertragsbit aus dem letzten Schritt. Wir definieren schließlich noch δ für q1 und q2.

aktueller
Zustand
geles.
Symbol
  schr.
Symbol
neuer
Zustand
Kopf-
richtung
q1 0 0 b 0 0 0 q1 L
q1 0 1 b 0 1 1 q1 L
q1 1 0 b 1 0 1 q1 L
q1 1 1 b 1 1 0 q2 L
q1 b b b b b b qf R
aktueller
Zustand
geles.
Symbol
  schr.
Symbol
neuer
Zustand
Kopf-
richtung
q2 0 0 b 0 0 1 q1 L
q2 0 1 b 0 1 0 q2 L
q2 1 0 b 1 0 0 q2 L
q2 1 1 b 1 1 1 q2 L
q2 b b b b b 1 qf N

Wir betrachten als Beispiel die Addition von 0011 und 1010

Schritt Zust. Band-Spuren
1 q0 b0011b
b1010b
bbbbbb
2 q0 b0011b
b1010b
bbbbbb
3 q0 b0011b
b1010b
bbbbbb
4 q0 b0011b
b1010b
bbbbbb
5 q0 b0011b
b1010b
bbbbbb
6 q1 b0011b
b1010b
bbbbbb
Schritt Zust. Band-Spuren
7 q1 b0011b
b1010b
bbbb1b
8 q2 b0011b
b1010b
bbb01b
9 q1 b0011b
b1010b
bb101b
10 q1 b0011b
b1010b
b1101b
hält qf b0011b
b1010b
b1101b

Simulation durch eine klassische Turingmaschine

Jede k-Spuren-Turingmaschine Mk=(Q,Σ,Γ,δ,q0,,F) kann durch ein Turingmaschine M=(Q,Σ,Γ,δ,q0,k,F) simuliert werden. Dabei bleiben die Zustände der Maschine unverändert, aber für die klassische Turingmaschine wird ein größeres Bandalphabet zu verwenden sein, das (1) alle k-Tupel über Gamma und (2) das Eingabealphabet enthält. Die Überführungsfunktion oder Übergangsrelation wird eigentlich unverändert übernommen werden, muss aber auf Σ erweitert werden. Ein Symbol aΣ wird in der konstruierten Turingmaschine wie das k-Tupel (a,,,) behandelt. Als Blanksymbol der Turingmaschine M fungiert das k-Tupel (,,,), das nur Blanksymbole enthält. Formal kann das wie folgt ausgedrückt werden:

  • Γ=ΓkΣ
  • Für γkΓk gilt (q,γk,q,γk,D)δ genau dann, wenn (q,γk,q,γk,D)δ.
  • Für σΣ gilt (q,σ,q,γk,D)δ genau dann, wenn (q,(σ,,,),q,γk,D)δ.

Literatur