Malfatti-Kreis

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Malfatti-Kreis
Malfatti-Kreis

Die Malfatti-Kreise, später bekannt als Malfattisches Problem,[1] sind benannt nach Gianfrancesco Malfatti, der 1803 ihre Konstruktion angab.[2] Bestimmt sind die Malfatti-Kreise – unabhängig von der Form des Ausgangsdreiecks – durch drei Kreise in einem Dreieck mit der Eigenschaft, dass jeder die beiden anderen Kreise von außen und zwei Dreiecksseiten von innen berührt.[3][4]

Malfatti nahm fälschlich an, dass diese Eigenschaft der Kreise das Problem löse, drei Kreise überschneidungsfrei so in ein Dreieck zu packen, dass sie maximalen Flächeninhalt haben. Warum die Malfatti-Kreise dieses sogenannte Malfatti’sche Maximierungsproblem, sprich die maximale Bedeckung der Dreiecksfläche durch drei Kreise, nicht lösen, lässt sich z. B. leicht an einem langen schmalen rechtwinkligen Dreieck erkennen.[5]

Für die Radien der Malfatti-Kreise eines Dreiecks ABC gilt:[6]

rA=r2(sa)(sr(IB+ICIA))
rB=r2(sb)(sr(IC+IAIB))
rC=r2(sc)(sr(IA+IBIC))

Dabei steht r für den Inkreisradius und s für den halben Dreiecksumfang. I ist der Inkreismittelpunkt und ωα,ωβ,ωγ sind die drei Winkelhalbierenden.

Geschichtliches

Das Marmor-Problem
Dreieckiges Prisma mit drei einbeschriebenen zylinderförmigen Säulen sowie mit den neun möglichen Berührungspunkten der Malfatti-Kreise

Das ursprüngliche Malfatti-Problem bezog sich auf eine Aufgabe aus der Stereotomie,[6] deren vermeintliche Lösung Malfatti 1802 fand und 1803 in der Memoria di Matematica e Fisica della Società Italiana delle Scienze in seinem Artikel Memoria sopra un problema stereotomico veröffentlichte. Zu Beginn seines Artikels formuliert Malfatti dazu die Aufgabenstellung.[6]

Frei übersetzt lautet sie:

Aus einem gegebenen rechtwinkligen Prisma aus beliebigem Material, z. B. Marmor, schneide daraus drei [kreisförmige] Zylinder mit der gleichen Höhe wie das Prisma, aber mit dem maximalen Gesamtvolumen, d. h. mit der minimalen Materialverschwendung aus dem Volumen des Prismas.

In seinem Artikel Memoria sopra un problema stereotomico weist Malfatti auch darauf hin, dass diese stereotomische Aufgabe auf ein Problem der Flächengeometrie reduzierbar ist. Er definiert die Lage der Kreise, die dem Dreieck einbeschrieben sind, heute als Malfatti-Kreise bezeichnet, folgendermaßen:[6]

Freie Übersetzung

Gegeben sei ein Dreieck, konstruiere drei Kreise darin so, dass jeder der Kreise tangential ist (das heißt, sie berühren einen Punkt) mit den anderen zwei und mit zwei Seiten des Dreiecks.

Das wurde allerdings 1992 von W. A. Salgaller und G. A. Los[7] widerlegt,[8] die zeigten, dass die Lösung stattdessen dadurch erreicht wird, jeweils in aufeinanderfolgenden Schritten einen Kreis mit dem größten Flächeninhalt einzubeschreiben – im Folgenden beschrieben im Abschnitt Konstruktion nach Salgaller und Los.

Bereits 1687 wurde das Malfatti-Konstruktionsproblem von Jakob I Bernoulli in einem Spezialfall gelöst (gleichschenkliges Dreieck)[9][10] und später gaben Jakob Steiner[11][12] auf rein geometrischem Weg[9] und Alfred Clebsch Lösungen, Letzterer mit elliptischen Funktionen (1857, Crelle’s Journal).[13] Auch der Japaner Ajima Naonobu gab 30 Jahre vor Malfatti im Rahmen japanischer Architektur eine Lösung.[14] Dass die Konstruktion von Malfatti das Malfatti-Problem nicht in allen Fällen löste, zeigten schon Lob und Richmond 1930 mithilfe gleichseitiger Dreiecke[15] sowie Howard W. Eves 1965 durch Untersuchungen anhand schmaler und langer Dreiecke.[5] Im Jahr 1967 wurde sogar von Michael Goldberg in einem Aufsatz gezeigt,[16] dass Malfattis Konstruktion dies in keinem Fall tut. Hierfür erbrachten, wie bereits oben erwähnt, Salgaller und Los 1992 die Lösung. Die Begründung von Salgaller und Los war aber nicht vollständig und auf reine numerische rechnerische Argumenten in manchen Schwerpunkten basiert (wie bei Goldberg 1967). Im Juni 2022 hat Giancarlo Lombardi dazu den ersten geometrisch-analytischen Beweis durchgeführt und somit die Lösung erledigt.[17]

Freie Übersetzung (Teil der Zusammenfassung) Vorlage:Zitat

Geometrische Konstruktionen

Ingmar Lehmann erläutert 2003 diverse Lösungen des Malfatti-Problems in seiner Analyse Das Malfatti-Problem – Ein Thema in der Begabtenförderung. Im Folgenden werden daraus vier Methoden im Einzelnen beschrieben.

Konstruktion nach Malfatti

Malfatti-Kreise, Berechnungsskizze

Variante mit vorherigen Berechnungen Vorlage:Zitat Dazu leitet Lehmann mithilfe des Satzes des Pythagoras und der Ähnlichkeit von Dreiecken drei Gleichungen her, deren Lösungen die Tangentenabschnitte x=AC1,y=BC2 und z=CA2 liefern.

Es werden noch folgende Beziehungen berücksichtigt:

AI=r2+s2,BI=r2+t2,CI=r2+u2,

darin bedeuten die Bezeichnungen

s=ALc,t=BLc und u=CLa.

Mit den entsprechend eingesetzten Werten ist es jetzt möglich, eine sogenannte Hilfsstrecke PQ mit der Länge m zu bestimmen

m=12(AI+BI+CIALcBLcCLa+r),

dann gilt für die oben beschriebenen Tangentenabschnitte

x=AC1=AIm,y=BC2=BIm,z=CA2=CIm.

Wird in der Formel für m der Faktor 12 den Summanden einzeln zugeordnet

m=12AI+12BI+12CI12ALc12BLc12CLa+12r,

ist damit eine sehr einfache und platzsparende geometrische Konstruktion (siehe nebenstehendes Bild) darstellbar.

Malfatti-Kreise, Konstruktion der Hilfsstrecke PQ

Konstruktionsbeschreibung

Nach dem Zeichnen eines z. B. ungleichseitigen Dreiecks ABC mit den Seitenlängen a,b und c wird der Mittelpunkt des Inkreises I mithilfe der drei Winkelhalbierenden ωα,ωβ und ωγ bestimmt. Damit ergeben sich die Strecken AI,BI und CI. Es folgt das Fällen des Lots von I auf die Strecke BC mit dem Fußpunkt La und das Ziehen des Inkreises k um I mit dem Radius ILa. Das Fällen der Lote von I auf AC mit dem Fußpunkt Lb sowie von I auf AB mit dem Fußpunkt Lc schließt sich an.

Nun wird die Länge m der Hilfsstrecke PQ folgendermaßen auf einer Zahlengeraden ermittelt. Zuerst werden die Streckenhälften 12AI,12BI und 12CI addiert, aus deren Summe die Streckenhälften 12ALc,12BLc und 12CLa subtrahiert und schließlich zum erhaltenen Rest der halbe Inkreisradius 12r addiert.

Weiter geht es mit dem Bestimmen der Mittelpunkte der Malfatti-Kreise. Die Hilfsstrecke PQ, sprich m, mit dem Zirkel abgreifen und jeweils auf die drei Winkelhalbierenden ωα,ωβ und ωγ ab dem Inkreismittelpunkt I übertragen; dies ergibt die Punkte D,E und F. Ab den Punkten D und E einen Kreisbogen bis auf die Dreieckseite c und ab F einen Kreisbogen bis auf a geschlagen, ergibt die Punkte C1,C2 und A2. Es folgt das Errichten dreier Lote von den Fußpunkten C1,C2 und A2 auf die betreffenden Winkelhalbierenden ωα,ωβ und ωγ; somit ergeben sich die gesuchten Mittelpunkte MA,MB und MC.

Um die Berührungspunkte B2,A1 und B1 zu erhalten, sind noch drei Lote von den Mittelpunkten MA,MB und MC auf die Dreieckseiten b,a und nochmals b zu fällen. Abschließend die Malfatti-Kreise kA,kB und kC mit den Radien rA,rB und rC einzeichnen und man erhält deren letzten drei Berührungspunkte G,H und J.

Somit sind die drei Malfatti-Kreise kA,kB und kC mit ihren neun möglichen Berührungspunkten C1,C2,A1,A2,B1,B2,G,H und J konstruiert. Vorlage:Absatz

Konstruktion nach Steiner-Petersen

Jakob Steiner brachte 1826 die Malfatti-Kreise in Verbindung mit den Inkreisen aus drei Teildreiecken, die deswegen als Konstruktionselement für die Malfatti-Kreise verwendet werden können. Steiner formulierte dazu den Satz: Vorlage:Zitat

Hierbei ist zu betonen, dass die von Steiner erwähnten Tangenten an die Malfatti-Kreise im Allgemeinen nicht die Winkelhalbierenden von ABC sind, sondern deren Spiegelbilder an den Verbindungsgeraden zweier Inkreismittelpunkte der Teildreiecke.

Julius Petersen fand im Jahr 1879 eine elementargeometrische Lösung (Variante ohne vorherige Berechnungen)[18] des Konstruktionsproblems von Malfatti, die im Folgenden dargestellt ist.[19]

Konstruktionsbeschreibung

Es ist wegen einer besseren Übersichtlichkeit vorteilhaft, die Konstruktion in drei Hauptschritten, (1)–(3), darzustellen. Dabei werden nur die relevanten Konstruktionselemente vom ersten in den zweiten bzw. vom zweiten in den dritten Hauptschritt übernommen.

Malfatti-Kreise nach Steiner-Petersen
Hauptschritt (1): Konstruktion der drei Inkreise der Teildreiecke BCI,CAI,ABI

(1) Konstruktion der drei Inkreise der Teildreiecke BCI,CAI,ABI[19]

Nach dem Zeichnen eines z. B. ungleichseitigen Dreiecks ABC mit den Seitenlängen a,b und c wird der Mittelpunkt des Inkreises I mithilfe der drei Winkelhalbierenden ωα,ωβ und ωγ bestimmt. Die Inkreismittelpunkte MP,MQ und MR der Teildreiecke BCI,CAI und ABI erhält man wieder als Schnittpunkt zweier Winkelhalbierenden, z. B. durch Vierteln der Winkel α,β, und γ. Es folgt das Fällen des Lots von MP auf die Strecke BC mit dem Fußpunkt P und das Ziehen des Inkreises kP um MP mit dem Radius MPP. Das Fällen der Lote von MQ auf AC mit dem Fußpunkt Q sowie von MR auf AB mit dem Fußpunkt R und das Einzeichnen der letzten beiden Inkreise kQ und kR, um ihre Mittelpunkte MQ bzw. MR, schließen sich an. Vorlage:Absatz

Malfatti-Kreise nach Steiner-Petersen
Hauptschritt (2): Konstruktion der drei Tangenten RZ,PX,QY

(2) Konstruktion der drei Tangenten RZ,PX und QY

Es geht weiter mit dem Verbinden der Punkte R mit MP, der Halbierung der Strecke RMP in M1 und dem Einzeichnen des Thaleskreises k1. Er schneidet den Inkreis kP in den Punkten K und L. Nun zieht man die erste Tangente vom Punkt R durch den Berührungspunkt L des Inkreises kP, bis sie die Dreieckseite b in Z schneidet.

Im Anschluss daran wird P mit MQ verbunden, die Strecke PMQ in M2 halbiert und der Thaleskreis k2 eingezeichnet. Er schneidet den Inkreis kQ in den Punkten O und N. Das Einzeichnen der zweiten Tangente vom Punkt P durch N, bis sie die Dreieckseite b in X schneidet, liefert den Schnittpunkt T. Da T auch ein Punkt auf der dritten Tangente sein muss, bedarf es zu deren Bestimmung nur noch einer Linie von Q durch T bis auf die Dreieckseite c und den Schnittpunkt Y. Somit ist auch die dritte Tangente QY ermittelt. Vorlage:Absatz

Malfatti-Kreise nach Steiner-Petersen
Hauptschritt (3): Konstruktion der Malfatti-Kreise kA,kB,kC

(3) Konstruktion der Malfatti-Kreise kA,kB und kC

Zunächst wird im Dreieck ARZ die Winkelhalbierende ωϵ vom Punkt R bis auf die Winkelhalbierende ωα eingezeichnet; dabei ergibt sich der Mittelpunkt MA des ersten Malfatti-Kreises. Es folgt das Fällen des Lots von MA auf die Strecke AB mit dem Fußpunkt C1 und das Ziehen des ersten Malfatti-Kreises kA um MA mit dem Radius MAC1. Das Fällen der Lote von MA auf AC mit dem Fußpunkt B2 sowie von MA auf die Tangente RZ mit dem Fußpunkt C schließt sich an. Die darauf folgende Linie ab MA durch C bis auf die Winkelhalbierende ωβ erzeugt den Mittelpunkt MB. Nach dem Einzeichnen des zweiten Malfatti-Kreises kB um MB mit dem Radius MBC werden die Lote von MB auf AB mit dem Fußpunkt C2, von MB auf BC mit dem Fußpunkt A1 sowie von MB auf die Tangente PX mit dem Fußpunkt A gefällt. Die darauf folgende Linie ab MB durch A bis auf die Winkelhalbierende ωγ erzeugt den Mittelpunkt MC. Nun folgt das Einzeichnen des dritten Malfatti-Kreises kC um MC mit dem Radius MCA.

Um die Berührungspunkte A2,B1 und B zu erhalten, bedarf es noch zweier gefällter Lote vom Mittelpunkt MC auf BC, von MC auf AC und der Verbindung des Punktes MA mit MC.

Somit sind die drei Malfatti-Kreise kA,kB und kC mit ihren neun möglichen Berührungspunkten C1,C2,A1,A2,B1,B2,A,B und C konstruiert. Vorlage:Absatz

Konstruktion nach Lob und Richmond

Konstruktion nach H. Lob und H. W. Richmond,
gleichseitiges Dreieck mit Inkreis als Teil der Lösung des Maximierungs-Problems

H. Lob und H. W. Richmond veröffentlichten 1930[15] eine Lösung für das Maximierungs-Problem von Malfatti. Darin wird der Inkreis des gleichseitigen Dreiecks als ein Kreis von dreien genutzt. Die Bedeckung der Dreiecksfläche durch diese Anordnung der Kreise ist nur marginal größer, nämlich um 1%, aber dafür ist die Aufgabe leicht und mit wenig Aufwand darstellbar.

Sie haben damit bewiesen,

Vorlage:Zitat

Konstruktionsbeschreibung

Nach dem Zeichnen eines gleichseitigen Dreiecks ABC mit den gleich langen Seitenlängen a,b und c wird der Mittelpunkt des Inkreises I mithilfe der drei Winkelhalbierenden ωα,ωβ und ωγ bestimmt. Es folgt das Fällen des Lots von I auf die Strecke BC mit dem Fußpunkt D und das Ziehen des Inkreises k um I mit dem Radius ID; die Schnittpunkte sind E mit der Winkelhalbierenden ωα und F mit der Winkelhalbierenden ωβ. Das Fällen der Lote von I auf AC mit dem Fußpunkt G sowie von I auf AB mit dem Fußpunkt H schließt sich an.

Für die kleineren Kreise zieht man (im gleichseitigen Dreieck) zwei Parallelen zur Strecke AB – eine ab dem Punkt E bis auf die Strecke AC mit dem Schnittpunkt J, die zweite ab dem Punkt F bis auf die Strecke BC mit dem Schnittpunkt K. Das Errichten des Lots mit dem Fußpunkt J auf die Winkelhalbierende ωα und das Errichten des Lots auf die Winkelhalbierende ωβ mit dem Fußpunkt K ergibt die Mittelpunkte MA und MB. Nun wird ein Kreis um MA mit dem Radius MAE und ein Kreis um MB mit dem Radius MBF gezogen. Um die beiden letzten Berührungspunkte zu erhalten, werden abschließend zwei Lote auf AB gefällt, von MA und von MB, dabei ergeben sich die Fußpunkte L und M.

Somit sind in das gleichseitige Dreieck die drei Kreise k,kA und kB mit ihren neun möglichen Berührungspunkten D,E,F,G,H,J,K,L und M konstruiert.

Konstruktion nach Goldberg

Michael Goldberg veröffentlichte 1967 einen Aufsatz, in dem er zeigte, dass Malfattis Konstruktion, unabhängig von der Form des Dreiecks, in keinem Fall das Maximierungs-Problem erfüllen kann. Zu diesem Ergebnis kam er – ohne es zu beweisen –[8] durch Untersuchungen anhand unterschiedlicher Formen der Dreiecke, die alle eines gemeinsam hatten: Einer der drei Kreise war stets der Inkreis.[16] Vorlage:Zitat

Konstruktionsbeschreibung

Konstruktion nach Goldberg, unregelmäßiges Dreieck mit Inkreis k1 als einem von den drei das Maximierungs-Problem lösenden Kreisen.
Radius SR<OM, daraus folgt: Der dritte Kreis k3 liegt auf der Winkelhalbierenden ωα.

Nach dem Zeichnen des unregelmäßigen Dreiecks ABC wird der Mittelpunkt I des Inkreises k1 mithilfe der zwei Winkelhalbierenden ωα und ωγ bestimmt. Damit ergeben sich die Strecken AI und CI. Es folgt das Fällen des Lots von I auf die Strecke AB mit dem Fußpunkt D und das Ziehen des Inkreises k1 um I mit dem Radius ID; der Schnittpunkt auf ωα ist E. Das Fällen der Lote von I auf AC mit dem Fußpunkt F sowie von I auf BC mit dem Fußpunkt G schließt sich an.

Der Mittelpunkt des zweiten Kreises k2 wird nun sehr einfach mit zwei Schritten bestimmt. Es bedarf dafür nur einer Senkrechten zur Strecke AI ab dem Punkt E, die AC in H schneidet, und einer Winkelhalbierenden des Winkels AHE. Der damit erzeugte Punkt J ist der Mittelpunkt des zweiten Kreises k2 mit dem Radius JE und den Berührungspunkten K und L mit zwei Seiten des Dreiecks.

Um für den dritten und letzten gesuchten Kreis den größtmöglichen Radius zu finden, werden zuerst auf zwei Winkelhalbierenden – auf dreien, falls es die Form des Dreiecks verlangt – mögliche Radien bestimmt. Man erhält sie durch analoge Wiederholung der Konstruktionsschritte des zweiten Kreises k2 mit Mittelpunkt J. Die gepunkteten Linien im nebenstehenden Bild zeigen den auf der Winkelhalbierenden ωβ konstruierten Radius SR, als Vergleichsmöglichkeit zum Radius OM auf ωα. Die Bewertung der beiden Radien ergibt SR<OM. Daraus folgt: Der Kreis um den Mittelpunkt O ist der gesuchte größtmögliche dritte Kreis k3.

Somit sind in das unregelmäßige Dreieck die drei Kreise k1,k2 und k3 mit ihren neun möglichen Berührungspunkten D,E,F,G,K,L,M,P und Q konstruiert.

Konstruktion nach Salgaller und Los

W. A. Salgaller[20] und G. A. Los[7] veröffentlichten – nach ihrer Lösung 1992 (siehe Geschichtliches) – 1994 im Journal of Mathematical Sciences ihre Lösung des Malfatti’schen Maximierungs-Problems.[21][22] Darin sind u. a. fünf allgemeine Dreiecke zu sehen, in denen jeweils der Inkreis einer der drei sich nicht überlappenden Kreise ist. Nur in einem Dreieck davon, in Konstruktion nach Goldberg beschrieben, liegen diese drei Kreise auf derselben Winkelhalbierenden.[23]

Bedeckung der Dreiecksfläche durch drei Kreise

  • Die Methode nach Malfatti (Bild 1) sowie die Methode nach Steiner-Petersen erreicht
(332)π0,72910 oder ca. 72,91%.[4]
  • Die Methode nach Lob und Richmond (Bild 2) erreicht
11381π0,73895 oder ca. 73,90%.[5]
  • Methode mit Inkreis nach Salgaller und Los[7] sowie die Methode nach Goldberg (Bild 3 und Bild 4):
Die Bedeckung der Dreiecksfläche, z. B. als prozentualer Wert, ist von der gewählten Form des Ausgangsdreiecks sowie von der Position der Kreise k2 und k3 abhängig. Für die dargestellte Formen, mit A für die entsprechenden Flächeninhalte, gilt die Prozentformel:
Ak1+Ak2+Ak3AABC100%,
dies ergibt eine Bedeckung der Dreiecksfläche für das Dreieck in Bild 3 von 72,70% bzw. für das Dreieck in Bild 4 von 76,1%.

Literatur

  • Vorlage:Internetquelle
  • Marco Andreatta, Andras Bezdek, Jan P. Boronski: The Malfatti Problem: two centuries of debate. Mathematical Intelligencer, 2011, Nr. 1.
  • Heinrich Dörrie: Malfatti’s Problem in 100 Great Problems of Elementary Mathematics: Their History and Solutions. Dover, New York 1965, ISBN 0-486-61348-8, S. 147–151.
  • Michael Goldberg: On the Original Malfatti Problem (PDF; 553 kB) In Math. Mag. Nr. 40, 1967, S. 241–247.
  • Charles Stanley Ogilvy: Excursions in Geometry. Dover, New York 1990, ISBN 0-486-26530-7.
  • Vorlage:Literatur
  • Vorlage:Literatur

Einzelnachweise

  1. Vorlage:Internetquelle
  2. Gianfrancesco Malfatti: Memoria sopra un problema stereotomica. (PDF; 966 kB) Memorie di Matematica e Fisica della Società Italiana delle Scienze, No. 10, 1, 1803, S. 235–244, abgerufen am 15. November 2020.
  3. Gianfrancesco Malfatti: Memoria sopra un problema stereotomica. (PDF; 966 kB) Memorie di Matematica e Fisica della Società Italiana delle Scienze, No. 10, 1, 1803, S. 243 ff, abgerufen am 15. November 2020.
  4. 4,0 4,1 Vorlage:Internetquelle
  5. 5,0 5,1 5,2 Vorlage:Internetquelle
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Vorlage:Internetquelle
  7. 7,0 7,1 7,2 Sic! – Diese Schreibweise Los weicht gemäß den Transkriptionsregeln der deutschsprachigen Wikipedia (Fußnote 6) von der anderswo großteils zu findenden Schreibweise Los’ (mit Apostroph) ab, siehe dazu z. B. auch hier.
  8. 8,0 8,1 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger <ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namens Lehmann wurde kein Text angegeben.
  9. 9,0 9,1 Vorlage:Internetquelle
  10. Jacques Bernoulli: Oeuvres complètes, Genf 1744, Band 1, S. 303.
  11. Jakob Steiner: Einige geometrische Sätze; Jacob Steiner’s Gesammelte Werke, Band 1, G. Reimer, 1881, S. 3, in der Google-Buchsuche, abgerufen am 15. November 2020.
  12. Jakob Steiner: Einige geometrische Betrachtungen; Jacob Steiner’s Gesammelte Werke, Band 1, G. Reimer, 1881, S. 19, in der Google-Buchsuche, abgerufen am 15. November 2020.
  13. Vorlage:Internetquelle
  14. Ajima Naonobu in seinem Hauptwerk Fukyo sampo von 1799. Vorlage:MacTutor
  15. 15,0 15,1 Vorlage:Internetquelle
  16. 16,0 16,1 Vorlage:Literatur
  17. Vorlage:Literatur
  18. Vorlage:Internetquelle
  19. 19,0 19,1 Vorlage:Internetquelle
  20. Sic! – Diese Schreibweise Salgaller entspricht den Wikipedia:Namenskonventionen, siehe hierzu auch Wiktor Abramowitsch Salgaller
  21. Vorlage:Literatur
  22. Vorlage:Internetquelle
  23. Vorlage:Internetquelle

Vorlage:Exzellent