Lagrange-Identität (Randwertprobleme)

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Die Lagrange-Identität, benannt nach Joseph Louis Lagrange (1736–1813), wird bei der Lösung von gewöhnlichen Differentialgleichungen zweiter Ordnung, insbesondere bei Sturm-Liouville-Problemen, verwendet.

Definition

Die Lagrange-Identität für die Funktionen ϕ, ψ aus der Differentiationsklasse ϕ,ψC2((a,b),) und den Koeffizientenfunktionen w,qC0((a,b),), pC1((a,b),) und p,q>0 ist gegeben durch den Sturm-Liouville-Operator

=1w(ddxpddx+q)

für den gilt:

ϕψψϕ=1wddx(p(ϕψψϕ))=1wddx(pW(ϕ,ψ))

wobei W(ϕ,ψ) die Wronski-Determinante der Funktionen ϕ,ψ bedeutet.

Herleitung

Sei ein Sturm-Liouville-Differentialoperator, dann ist:

ϕψ=ϕ1w(ddx(pdψdx)qψ),

und

ψϕ=ψ1w(ddx(pdϕdx)qϕ).

Subtraktion der beiden Gleichungen ergibt:

ϕψψϕ=ϕ1wddx(pdψdx)ψ1wddx(pdϕdx).

Nun lassen sich unter Verwendung der Produktregel für Ableitungen, der Term 1w bleibt hierbei unberücksichtigt, folgende Darstellungen berechnen ϕddx(pdψdx)=ddx(pϕdψdx)(pdψdx)dϕdx und ψddx(pdϕdx)=ddx(pψdϕdx)(pdϕdx)dψdx. Auf diese Weise wird erkennbar, dass der zweite Term in beiden Ableitungen gleich ist und bei der Differenzenbildung verschwindet, also:

ϕψψϕ=1wddx(pϕdψdx)1wddx(pψdϕdx)=1wddx(p(ϕdψdxψdϕdx))=1wddx(pW(ϕ,ψ)).

Literatur

  • Harro Heuser: Gewöhnliche Differentialgleichungen, Vieweg+Teubner 2009 (6. Auflage), ISBN 978-3-8348-0705-2