Führungskraft (Technische Mechanik)

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Unter Führungskraft wird in der technischen Mechanik zweierlei verstanden:

Dieser Artikel befasst sich mit ersterer Bedeutung.

Führungsgeschwindigkeit und -beschleunigung

Vorlage:Siehe auch

Datei:Koordinatensysteme Ortsvektoren.png
Inertialsystem K und beschleunigtes Koordinatensystem K’

Im physikalischen Raum wird eine Punktmasse P betrachtet, die im Inertialsystem K den Ortsvektor r hat und die Masse m besitzt, siehe Bild. Am Ort R befindet sich ein beschleunigtes Bezugssystem K’ mit Orthonormalbasis ê’1,2,3, die sich mit der Winkelgeschwindigkeit ω dreht. Die Zeitableitung der Basisvektoren bildet sich mit ihr und dem Kreuzprodukt × gemäß e^˙'i=ω×e^'i. In K’ hat P den Ortsvektor r=iξie^'i=rR. Die Ableitung des Ortsvektors nach der Zeit liefert die Geschwindigkeit von P und lautet in K

r˙=R˙+r˙=R˙+iξ˙ie^'i+iξie^˙'i=R˙+iξ˙ie^'iv+iξiω×e^'iω×rv=R˙+ω×rvf+v=vf+v

Nochmalige Zeitableitung liefert die Beschleunigung in K:

r¨=R¨+iξ¨ie^'ia+iξ˙ie^˙'i+iξ˙iω×e^'i2ω×v+iξiω˙×e^'iω˙×r+iξiω×e^˙'iω×(ω×r)a=R¨+ω˙×r+ω×(ω×r)af+2ω×v+a=af+2ω×v+a

Die Bewegungsanteile, die weder die Relativgeschwindigkeit v noch Relativbeschleunigung a enthalten, bilden die Führungsgeschwindigkeit bzw. die Führungsbeschleunigung

vf=R˙+ω×raf=R¨+ω˙×r+ω×(ω×r)

Führungskraft

Mit der Führungsbeschleunigung und der Masse m der Punktmasse lässt sich die Führungskraft[1]Vorlage:Rp in Form von folgender Vektorgleichung ausdrücken:

Ff=maf=m(R¨+ω˙×r+ω×(ω×r))=mR¨+FEuler+FZentrifugal

Die beiden letzten Summanden sind die Eulerkraft und die Zentrifugalkraft.

Das zweite newtonsche Gesetz „Kraft gleich Masse mal Beschleunigung“ lautet damit im Inertialsystem K

ma=m(af+2ω×v+a)=F

Im beschleunigten Bezugssystem K' werden die Beschleunigung a und neben der Kraft F noch Scheinkräfte wahrgenommen:[1]Vorlage:Rp

ma=Fm(af+2ω×v)=F+Ff+Fc

mit

F: auf den Massenpunkt P wirkende Kraft
Ff=maf: Führungskraft (Scheinkraft)
Fc=2mω×v: Corioliskraft (Scheinkraft)

Wenn sich K' gleichförmig bewegt, ist R¨=ω=ω˙=0 und somit af=2ω×v=0 sowie Ff=Fc=0. K' ist ein Inertialsystem geworden, in dem keine Scheinkräfte mehr auftreten.

Beispiel

Bewegung einer Masse m entlang einer Schraubenlinie

Betrachtet wird eine Punktmasse mit der Masse m, die sich mit der konstanten Winkelgeschwindigkeit φ˙=Ω auf einer Schraubenlinie mit Radius R um einen Punkt s bewegt, der sich mit konstanter Translationsgeschwindigkeit vs verschiebt, siehe Bild. Das Bezugssystem K’ wird in den Punkt R=s gelegt mit der festen Position des Massenpunktes r=Re^ρ in K’. Dann lautet die Bewegungsfunktion:

r=s+Re^ρ.

Die Basisvektoren êρ,φ (schwarze Pfeile) bezeichnen wie in einem Zylinderkoordinatensystem die radiale bzw. die azimutale Richtung und die Drehachse êz ist zu ihnen senkrecht, sodass êρ,φ,z ein Rechtssystem bilden. Mit der Winkelgeschwindigkeit ω=Ωe^z berechnen sich die Zeitableitungen der Basisvektoren:

e^˙ρ=ω×e^ρ=Ωe^φunde^˙φ=ω×e^φ=Ωe^ρ.

Damit liegen die Führungsgeschwindigkeit und -beschleunigung fest:

vf=R˙+ω×r=vs+Ωe^z×Re^ρ=vs+ΩRe^φaf=R¨0+ω˙0×r+ω×(ω×r)=Ωe^z×(Ωe^z×Re^ρ)=Ωe^z×ΩRe^φ=Ω2Re^ρ

Die Führungskraft

Ff=maf=mΩ2Re^ρ

ist die Zentrifugalkraft, die für den Beobachter in K’ scheinbar auf die Punktmasse wirkt und die er durch eine entgegengesetzte Kraft, die Zentripetalkraft, ausgleichen muss, damit die Punktmasse in K’ ruht und im Inertialsystem, das sich mit der gleichbleibenden Geschwindigkeit s˙=R˙ bewegt, eine Kreisbewegung um s ausführt.

Literatur