Differenzierbares Maß

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Ein differenzierbares Maß ist ein Begriff aus der Funktionalanalysis und bezeichnet ein Maß, welches einen Ableitungsbegriff besitzt. Die Theorie der differenzierbaren Maße wurde von Sergei Fomin begonnen und als unendlich-dimensionale Ergänzung für die Distributionstheorie am internationalen Mathematikkongress 1966 in Moskau vorgeschlagen, seither wurde sie (vor allem von der russisch-sprachigen Mathematikschule) stetig weiterentwickelt.[1] Es existieren hierbei verschiedene Differenzierbarkeitsbegriffe, der geläufigste ist der von Sergei Fomin, es gibt aber auch einen von Anatolij Skorochod ([2]), einen von Albeverio und Høegh-Krohn sowie einen von Smolyanow und von Weizsäcker.[3]

Die Theorie hat Anwendungen in der Stochastik und insbesondere in der Theorie der gaußschen Maße.

Differenzierbares Maß

Sei

  • X ein reeller Vektorraum,
  • 𝒜 eine σ-Algebra, die invariant unter Translationen bezüglich eines Vektors hX ist, das bedeutet A+th𝒜 für alle A𝒜 und t.

Dieser Rahmen ist sehr allgemein gehalten, weil die meisten Definition nur von der Linearität und der Messbarkeit abhängen. Üblicherweise ist X aber ein reeller hausdorffscher lokalkonvexer Raum und für 𝒜 wählt man entweder die borelsche σ-Algebra (X) oder die zylindrische σ-Algebra (X,X).

Für ein Maß μ führen wir den Shift um hX ein, das bedeutet μh(A):=μ(A+h).

Differenzierbarkeit nach Fomin

Ein Maß μ auf (X,𝒜) ist Fomin-differenzierbar entlang von hX, falls für jede Menge A𝒜 der Grenzwert

dhμ(A):=lim\limits t0μ(A+th)μ(A)t

existiert.[4]

Erläuterungen

  • In anderen Worten, für alle Mengen A𝒜 ist die Abbildung fμA,h:tμ(A+th) in 0 differenzierbar.
  • Die Fomin-Ableitung dhμ() ist wieder ein Maß und absolutstetig bezüglich μ.
  • Die Fomin-Differenzierbarkeit lässt sich direkt auf signierte Maße μ erweitern.
  • Höhere und gemischte Ableitungen werden induktiv definiert.

Differenzierbarkeit nach Skorochod

Sei 𝒜 die bairesche σ-Algebra und μ ein Baire-Maß darauf. Weiter sei Cb(X) der Raum der beschränkten und stetigen Funktionen auf X.

μ ist Skorochod-differenzierbar oder S-differenzierbar entlang hX, falls ein Baire-Maß ν existiert, so dass für alle fCb(X)

lim\limits t0Xf(xth)f(x)tμ(dx)=Xf(x)ν(dx)

gilt.

Mit dem Shift-Operator erhält man

lim\limits t0Xf(xth)f(x)tμ(dx)=lim\limits t0Xfd(μthμt).

Das Baire-Maß ν nennt man Skorochod-Ableitung oder schwache Ableitung von μ entlang hX und ist eindeutig.[4][5]

Stetigkeit eines Maßes

Sei μTV=(μ++μ)(X) die Totalvariationsnorm. Wir sagen ein Maß ist stetig entlang von hX, falls

lim\limits t0μthμ=0,

man spricht auch von Konvergenz in Variation.[4]

Differenzierbarkeit nach Albeverio-Hoegh-Krohn

Ein Maß μ ist Albeverio-Hoegh-Krohn-differenzierbar (AHK-differenzierbar) entlang von hX, falls ein Maß λ0 existiert, so dass

  1. μth absolutstetig bezüglich λ ist, das heißt μthλ und λth=ftλ,
  2. die Abbildung g:L2(λ),tft1/2 differenzierbar ist.[4]

Erläuterungen

  • Die AHK-Differenzierbarkeit lässt sich auch auf signierte Maße erweitern.

Beispiel

Sei μ ein Maß mit stetig differenzierbarer Radon-Nikodým-Dichte g(x). Dann lässt sich die Fomin-Differenzierbarkeit wie folgt berechnen

dhμ(A):=lim\limits t0μ(A+th)μ(A)t=lim\limits t0Ag(x+th)g(x)tdx=Ag(x)dx.

Literatur

Einzelnachweise