σ-Algebra der τ-Vergangenheit

Aus testwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die σ-Algebra der τ-Vergangenheit,[1] auch Vergangenheit von τ[2] genannt, ist in der Wahrscheinlichkeitstheorie ein spezielles Mengensystem, genauer eine σ-Algebra. Sie entsteht durch Kombination einer Filtrierung mit einer Stoppzeit und findet meist Anwendung bei Aussagen über gestoppte Prozesse, also stochastische Prozesse, die an einem zufälligen Zeitpunkt angehalten werden. Zu diesen Aussagen gehören beispielsweise das Optional Stopping Theorem, das Optional Sampling Theorem und die Definition der starken Markow-Eigenschaft.

Definition

Gegeben sei ein Wahrscheinlichkeitsraum (Ω,𝒜,P) sowie eine Filtrierung 𝔽=(t)tT bezüglich der Ober-σ-Algebra 𝒜 und eine Stoppzeit τ bezüglich 𝔽. Dann heißt

τ={A𝒜|A{τt}t für alle tT}

die σ-Algebra der τ-Vergangenheit.

Eigenschaften

Sind σ,τ Stoppzeiten und ist στ, so ist στ.

Des Weiteren ist τ immer τ-messbar.

Ist τ<, so lässt sich zu einem stochastischen Prozess

X=(Xt)tT

eine „gesampelte“ Zufallsvariable

Xτ:ωXτ(ω)(ω)

definieren. Ist zusätzlich T höchstens abzählbar und der stochastische Prozess adaptiert, so ist Xτ immer τ-messbar. Die Zufallsvariable Xτ sollte nicht mit dem gestoppten Prozess Xτ verwechselt werden, insbesondere da die Notation in der Literatur nicht einheitlich ist.

Anschaulich besteht die Zufallsvariable Xτ im Falle der Indexmenge T= auf der Menge {τ=0} aus der Zufallsvariable X0, auf der Menge {τ=1} aus X1 etc. Damit ergibt sich in diesem Fall die alternative Definition

Xτ=n=0𝟏{τ=n}Xn.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Klenke: Wahrscheinlichkeitstheorie. 2013, S. 197.
  2. Kusolitsch: Maß- und Wahrscheinlichkeitstheorie. 2009, S. 278.