Tschebyscheff-Ungleichung (Arithmetik)

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Die Tschebyscheff-Ungleichung (nach Pafnuti Lwowitsch Tschebyschow) ist eine Ungleichung der Mathematik.[1][2]

Aussage

Sie besagt, dass für monoton gleich geordnete n-Tupel reeller Zahlen

a1a2an

und

b1b2bn,

die Beziehung

ni=1naibi(i=1nai)(i=1nbi).

gilt. Sind ai und bi hingegen entgegengesetzt geordnet, also beispielsweise

a1a2an

und

b1b2bn,

so gilt die Ungleichung in umgekehrte Richtung

ni=1naibi(i=1nai)(i=1nbi).

Man beachte, dass im Gegensatz zu vielen anderen Ungleichungen keine Voraussetzungen für die Vorzeichen von ai und bi notwendig sind.

Beweise

Beweis aus Umordnungs-Ungleichung

Die Tschebyschew-Summenungleichung lässt sich aus der Umordnungs-Ungleichung ableiten. Multipliziert man die rechte Seite aus, so ergibt sich

(i=1nai)(i=1nbi)=(a1b1+a2b2++an1bn1+anbn)

+(a1b2+a2b3++an1bn+anb1)
+(a1b3+a2b4++an1b1+anb2)
+
+(a1bn+a2b1++an1bn2+anbn1)

Wegen der Umordnungs-Ungleichung ist nun jede dieser n Summen (im Fall gleich geordneter Zahlen ai und bi) kleiner oder gleich (a1b1+a2b2++an1bn1+anbn), insgesamt erhält man also genau die gewünschte Beziehung

(i=1nai)(i=1nbi)n(a1b1+a2b2++an1bn1+anbn).

Im Fall entgegengesetzt geordneter Zahlen ai und bi braucht die Umordnungs-Ungleichung nur in die umgekehrte Richtung angewendet werden.

Beweis mit vollständiger Induktion

Die Tschebyschew-Summenungleichung lässt sich auch mit vollständiger Induktion und Anwendung der Umordnungs-Ungleichung für den einfachsten Fall mit zwei Summanden beweisen. Der Induktionsanfang ist einfach zu führen. Im Induktionsschritt betrachtet man nun

(an+1+i=1nai)(bn+1+i=1nbi)=an+1bn+1+i=1n(an+1bi+aibn+1)+(i=1nai)(i=1nbi).

Wendet man nun auf den mittleren Summanden die Umordnungs-Ungleichung für zwei Summanden und auf den letzten Summanden die Induktionsvoraussetzung an, so ergibt sich (im Fall gleich geordneter Zahlen ai und bi)

(an+1+i=1nai)(bn+1+i=1nbi)an+1bn+1+i=1n(aibi+an+1bn+1)+ni=1naibi
=an+1bn+1+i=1naibi+nan+1bn+1+ni=1naibi=(n+1)i=1n+1aibi.

Im Fall entgegengesetzt geordneter Zahlen ai und bi ist der Beweis analog.

Beweis aus Gleichungs-Formulierung

Ein anderer Beweis ergibt sich direkt aus der Gleichung

ni=1naibi(i=1nai)(i=1nbi)=i=1nk=i+1n(aiak)(bibk)=12i=1nk=1n(aiak)(bibk)

bzw. allgemeiner mit Gewichten wi

i=1nwii=1nwiaibi(i=1nwiai)(i=1nwibi)=12i=1nk=inwiwk(aiak)(bibk).

Es gilt nämlich

i=1nwik=1nwkakbk(i=1nwiai)(k=1nwkbk)=i=1nk=1n(wiwkakbkwiwkaibk).

Mit Umbenennung der Indizes ergibt sich

i=1nk=1n(wiwkakbkwiwkaibk)=k=1ni=1n(wiwkaibiwiwkakbi),

insgesamt also genau die Behauptung:

i=1nwik=1nwkakbk(i=1nwiai)(k=1nwkbk)=12i=1nk=1nwiwk(akbkaibk+aibiakbi)=12i=1nk=1nwiwk(aiak)(bibk).

Verallgemeinerung

Die Tschebyschew-Summenungleichung lässt sich auch in der Form

1ni=1naibi(1ni=1nai)(1ni=1nbi).

schreiben. In dieser Form lässt sie sich auch auf mehr als zwei gleich geordnete n-Tupel verallgemeinern, wobei die betrachteten Zahlen allerdings größer oder gleich Null sein müssen: Für

aj=(aj,1,,aj,n);j=1,,m

mit

aj,1aj,2aj,n0.

gilt

1ni=1nj=1maj,ij=1m(1ni=1naj,i).

Der Beweis kann beispielsweise mit vollständiger Induktion nach m erfolgen, da ja für bezüglich i fallend geordnete nichtnegative Zahlen aji auch deren Produkte

j=1maj,1j=1maj,2j=1maj,n0

fallend geordnet und nichtnegativ sind.

Varianten

Sind f,g auf [0,1] gleichsinnig monoton und ist ω:[0,1]0 eine Gewichtsfunktion, d. h. 01ω(x)dx=1 dann ist

01ω(x)f(x)g(x)dx01ω(x)f(x)dx01ω(x)g(x)dx.

Zum Beweis integriert man die nichtnegative Funktion ω(x)ω(y)(f(x)f(y))(g(x)g(y)) ausmultipliziert nach x und y jeweils von 0 bis 1. Dies lässt sich weiter verallgemeinern:

Sind f0,,fn auf [0,1] gleichsinnig monoton und nichtnegativ dann ist

01ω(x)k=0nfkdxk=0n01ω(x)fkdx.

Und sind f0,...,fn auf [a,b] gleichsinnig monoton und nichtnegativ und ist ω:[a,b]0 eine Gewichtsfunktion dann ist

abω(x)k=0nfkdx1(ba)n1k=0nabω(x)fkdx.

Dies ergibt sich wenn man x durch xaba substituiert.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis Teil 1. Wiesbaden, Vieweg+Teubner, Verlag 2003, ISBN 3-322-96828-6, S. 99.
  2. Martin Aigner: Diskrete Mathematik, 6., korrigierte Auflage, Vieweg, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-8348-0084-8, S. 54.