Alternierende Gruppe

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Die alternierende Gruppe vom Grad n besteht aus allen geraden Permutationen einer n-elementigen Menge. Die Verknüpfung der Gruppe ist die Verkettung (Hintereinanderausführung) der Permutationen. Meist wird einfach von der alternierenden Gruppe An gesprochen.

Die alternierenden Gruppen sind Untergruppen der entsprechenden symmetrischen Gruppen Sn. Eine besondere Bedeutung kommt der alternierenden Gruppe A5 zu. Dass sie der einzige nicht-triviale Normalteiler von S5 ist, ist ein wichtiger Bestandteil des Beweises des Satzes von Abel-Ruffini. Dieser Satz aus dem beginnenden 19. Jahrhundert besagt, dass Polynomgleichungen fünften oder höheren Grades nicht durch Wurzelausdrücke lösbar sind.

Eigenschaften

Die alternierenden Gruppen sind nur für n2 definiert.

Die alternierende Gruppe An besteht aus 12n! Elementen. Nur die Gruppen A2 und A3 sind abelsch. Die alternierende Gruppe An ist die Kommutatorgruppe der symmetrischen Gruppe Sn.

Bis auf A2 und A4 sind alle alternierenden Gruppen einfach. A5 ist die kleinste nichtabelsche einfache Gruppe; sie ist isomorph zur Drehgruppe des Ikosaeders (siehe Ikosaedergruppe).

Erzeugendensystem

Die alternierende Gruppe An wird von den 3-Zykeln der symmetrischen Gruppe Sn erzeugt.

Jeder 3-Zykel (abc) ist eine gerade Permutation, da er sich als Produkt von zwei Transpositionen

(ab)(bc)=(abc)

schreiben lässt, und deshalb ein Element der alternierenden Gruppe. Des Weiteren ist jede gerade Permutation ein Produkt von 3-Zykeln, da Paare aus zwei Transpositionen Produkte von 3-Zykeln sind. Im Einzelnen gilt

  • (ab)(ab)=id=(abc)(cba), wenn beide Transpositionen gleich sind.
  • (ab)(ac)=(acb), wenn beide Transpositionen ein gemeinsames Element besitzen.
  • (ab)(cd)=(acb)(acd), wenn beide Transpositionen kein gemeinsames Element besitzen.

Einbettbarkeiten

Als Untergruppe kann die alternierende Gruppe An trivialerweise in die symmetrische Gruppe Sn eingebettet werden.

Aber auch umgekehrt kann Sn unter Anhängen der Transposition ((n+1)(n+2)) an jede ungerade Permutation in die alternierende Gruppe An+2 eingebettet werden.

Inversionen und Inversionszahl, gerade und ungerade Permutationen

Von einem Fehlstand oder einer Inversion spricht man, wenn zwei „Stellen“ einer Permutation in „falscher“ Reihenfolge stehen. Zur Ermittlung der Inversionszahl einer Permutation werden alle ihre Stellen paarweise miteinander verglichen und die Anzahl der Inversionen wird gezählt.

Beispiel: Die Permutation in Tupelschreibweise (3,1,2) besitzt die Inversionen „3 vor 1“ und „3 vor 2“ (abzulesen an der Zweizeilenform) und damit die Inversionszahl 2.

Von einer geraden Permutation spricht man, wenn deren Inversionszahl eine gerade Zahl ist; von einer ungeraden Permutation spricht man, wenn deren Inversionszahl eine ungerade Zahl ist.

Oft definiert man auch das Signum sgn:Sn{+1,1} wie folgt:

sgn(p)=+1, falls die Permutation p gerade ist, und
sgn(p)=1, falls p ungerade ist.

Das Signum ist ein Gruppenhomomorphismus, es gilt also:

sgn(ps)=sgn(p)sgn(s)

für die Permutationen p und s.

Gruppeneigenschaften

Als Kern des Signums ist An automatisch ein Normalteiler von Sn. Man kann auch die Untergruppeneigenschaften leicht nachrechnen:

Für die Menge der geraden Permutationen gilt:

  • Die identische Permutation id ist Element dieser Menge.
  • Die Menge ist bezüglich Verkettung abgeschlossen, d. h., wenn p1 und p2 gerade Permutationen sind, sind auch p1p2 und p11 gerade; eine Beweisskizze folgt weiter unten.

Mit diesen Voraussetzungen „erbt“ An direkt von Sn alle notwendigen Gruppeneigenschaften:

  • Für alle geraden Permutationen p1,p2,p3An gilt: p1(p2p3)=(p1p2)p3
  • Für alle geraden Permutationen p1 gilt: p1id=idp1=p1
  • Für alle geraden Permutationen p1An gilt: Es gibt ein gerades p11An mit p1p11=p11p1=id.

Die Gruppe A5 stellt hierbei eine Besonderheit dar, da sie die kleinste einfache nicht-abelsche Gruppe ist.

Abgeschlossenheit

Transpositionen Vorlage:Anker

Als Transposition bezeichnet man eine Permutation, bei der genau zwei verschiedene Stellen miteinander vertauscht werden, z. B. (53), bei der 3 und 5 vertauscht werden.

Allgemein gilt für alle n-stelligen Permutationen p1 und p2: p2 lässt sich mit endlich vielen Transpositionen aus p1 erzeugen.

Als Spezialfall hiervon gilt für eine beliebige Permutation p2: p2 lässt sich mit endlich vielen Transpositionen aus der identischen Permutation id erzeugen.

Im Bild ist dargestellt, wie die Permutation in Tupelschreibweise (25314) aus (12345) mit 5 Transpositionen erzeugt wird.

Bei der Wahl der notwendigen Transpositionen existiert eine gewisse Freiheit, so könnte man im Bild rechts beispielsweise die Transpositionen b und c wegfallen lassen, da sie sich offensichtlich aufheben. Ebenso könnte man durch den Einbau weiterer sich paarweise aufhebender Transpositionen die Anzahl der Transpositionen auf 7, 9, 11, … erhöhen. Allerdings ist es nicht möglich, (25314) mit einer geraden Anzahl von Transpositionen aus (12345) zu erzeugen.

Transpositionen und Inversionszahl

Durch eine einzelne Transposition ändert sich der Wert der Inversionszahl immer um eine ungerade Zahl, d. h., aus einer geraden Permutation wird eine ungerade und umgekehrt.

Bei einer Transposition, die aus

(,x,,yi,,z,) die neue Permutation
(,z,,yi,,x,) erzeugt,

setzt sich die Änderung der Inversionszahl zusammen aus der Summe folgender Änderungen:

  • Änderung, die sich aus der neuen Reihenfolge von x und z ergibt, diese ist +1, falls x<z, ansonsten −1.
  • Änderung, die sich aus der neuen Reihenfolge von x,yi und z ergibt.
    • Falls yi größtes oder kleinstes Element von x,yi,z ist, beträgt die Änderung 0.
    • Falls yi mittleres Element von x,yi,z ist, beträgt die Änderung +2 oder −2.

Die Summe aus einer ungeraden und beliebig vielen geraden Zahlen ergibt immer eine ungerade Zahl.

Umwandlung zwischen geraden und ungeraden Permutationen durch Transpositionen

Die weiter oben getroffene Aussage lässt sich verallgemeinern:

  • Durch eine ungerade Anzahl von Transpositionen ändert sich der Wert der Inversionszahl immer um eine ungerade Zahl, d. h., aus einer geraden Permutation wird eine ungerade und umgekehrt.
  • Durch eine gerade Anzahl von Transpositionen ändert sich der Wert der Inversionszahl immer um eine gerade Zahl, d. h., aus einer geraden Permutation wird erneut eine gerade Permutation und aus einer ungeraden Permutation wird erneut eine ungerade Permutation.

Transpositionen und Abgeschlossenheit

Da id eine gerade Permutation ist, gilt:

  • Alle geraden Permutationen lassen sich nur durch eine gerade Anzahl von Transpositionen aus id erzeugen.
  • Alle ungeraden Permutationen lassen sich nur durch eine ungerade Anzahl von Transpositionen aus id erzeugen.

Wenn p und q gerade Permutationen sind, dann gibt es gerade Zahlen pn und qn, so dass sich p und q als Verkettung von Transpositionen wie folgt darstellen lassen:

  • p=tp1tpn
  • q=tq1tqn

Damit gilt pq=tp1tpntq1tqn, somit ist auch die Verkettung pq gerade.

Analog kann man herleiten: Die Verkettung einer geraden und einer ungeraden Permutation erzeugt immer eine ungerade Permutation. Damit führt die Annahme, eine Permutation p sei gerade und p1 sei ungerade, wegen pp1=id zum Widerspruch.

Präsentation der Gruppe An

Eine Präsentation durch Erzeugende und Relationen sieht so aus: Die Gruppe An wird für n3 durch

Erzeugende x1,,xn2 und
Relationen
x13=xi2=e   für   2in2
(xixi+1)3=e   für   2in3
(xixj)2=e   für   1in4,i+1<j

definiert.[1] Das heißt, dass jede Gruppe, die n2 Elemente x1,,xn2 enthält, die untereinander die oben genannten Gleichungen erfüllen und insgesamt die Gruppe erzeugen, bereits zur alternierenden Gruppe An isomorph ist.

Das kann man etwa verwenden, um zu zeigen, dass A8 isomorph zur Gruppe GL4(2) der invertierbaren 4×4-Matrizen über dem Körper mit zwei Elementen ist. Das folgt aus der nachzurechnenden Tatsache, dass

x1=(1111000111000101)x2=(0101001001001010)x3=(0111010111000001)
x4=(1010010000100101)x5=(0010010110000001)x6=(0111001001001110)

die Gruppe erzeugen und obige Relationen erfüllen.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Christian Karpfinger, Kurt Meyberg: Algebra. Gruppen – Ringe – Körper. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8274-2018-3, S. 108–109

Einzelnachweise

  1. B. Huppert: Endliche Gruppen I, Springer-Verlag (1967), Kapitel I, Satz 6.14
  2. B. Huppert: Endliche Gruppen I, Springer-Verlag (1967), Kapitel II, Satz 2.5