Lippische Münzgeschichte

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Die Lippische Münzgeschichte beschreibt das Münzwesen in Lippe bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918.

Geschichte

Lippe war ein deutscher Staat, die Herrschaft der lippischen Herren wurde im 12. Jahrhundert erstmals beurkundet. 1528 wurde die Herrschaft Lippe zu einer Reichsgrafschaft erhoben, 1789 zum Fürstentum.

Bis 1806 war Lippe ein Territorium im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches, von 1806 bis 1813 Teil des Rheinbundes, von 1816 bis 1866 ein Teil des Deutschen Bundes, ab 1866 Mitglied im Norddeutschen Bund, ab 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs. Nach Ende des Ersten Weltkriegs, 1919, war Lippe ein demokratisch verfasster Freistaat in der Weimarer Republik. 1947/1948 musste das Land Lippe auf Betreiben der britischen Besatzungsmacht seine jahrhundertelange Selbstständigkeit aufgeben und entschied sich für den Beitritt zu dem 1946 gegründeten Land Nordrhein-Westfalen.

Das Gebiet des ehemaligen Landes Lippe in seinem letzten Gebietsstand entspricht weitgehend dem heutigen Kreis Lippe im Regierungsbezirk Detmold, deren beider Verwaltungssitz Detmold ist. Der Kreis Lippe bildet neben Westfalen und dem Rheinland den dritten und weitaus kleinsten Landesteil des Landes Nordrhein-Westfalen.

Regenten

1789 wurden die absolutistisch regierenden Grafen in den Fürstenstand erhoben, wodurch das Land zum Fürstentum wurde. Die vollkommene absolutistische Machtentfaltung blieb den Fürsten aber durch die geringe Größe des Landes und die sich daraus nur eingeschränkt ergebende Souveränität beispielsweise in militärischen Fragen, andererseits durch die starke Stellung der Stände verwehrt. Bereits 1836 wurde ein Landtag einberufen und die Macht der Fürsten durch eine Verfassung eingeschränkt. Die Fürsten stammten aus dem hochadligen Haus Lippe, dessen erstes Oberhaupt 1123 erwähnt wurde. Die meisten Fürsten stammten aus der Linie Lippe-Detmold. Nach heftigen Erbstreitigkeiten ging die Regentschaft zunächst auf die Linie Schaumburg-Lippe über (die Länder Schaumburg-Lippe und Lippe waren aber nur verbunden und nicht vereinigt), zuletzt auf die Linie Lippe-Biesterfeld, die bis dahin kein eigenes Territorium besaß. Der letzte Fürst dankte in der Novemberrevolution 1918 ab, durfte aber weiterhin im Detmolder Schloss wohnen. Die Nachfahren des letzten Fürsten nennen sich Prinzen zur Lippe. Sie leben bis heute im Schloss zu Detmold. Derzeitiges Oberhaupt der Familie ist seit 2015 Stephan Prinz zur Lippe (* 1959).

Bernhard VII.
1429 bis 1511
Simon V.
1511 bis 1536
Bernhard VIII.
1536 bis 1563
Simon VI.
1563 bis 1613
Simon VII.
1613 bis 1627
Johann Bernhard
1650 bis 1652
Hermann Adolf
1652 bis 1666
Simon Heinrich
1666 bis 1697
Friedrich Adolf
1697 bis 1718
Simon H. Adolf
1718 bis 1734
Simon August
1734 bis 1782
Leopold I.
1789 bis 1802
Leopold II.
siehe Text
Pauline
1802 bis 1820
Leopold III.
1851 bis 1875
Woldemar
1875 bis 1895
Alexander
1895 bis 1905
Leopold IV.
1905 bis 1918

Übergang zu nationalen Einheitswährungen

Im Hochmittelalter war das Münzprägerecht ein Privileg, das jeder Adlige anstrebte, denn das Münzregal war ein profitables Hoheitsrecht. Dies führte dazu, dass es viele nicht vergleichbare Währungen gab, da der Feingehalt der einzelnen Münzenarten stark schwanken konnte. Denn im Mittelalter waren Kurantmünzen üblich, der Kurswert einer fremden Münze wurde anhand des Edelmetallgehaltes ermittelt. Dies wiederum hinderte den überregionalen Handel. Aus diesen zwei Gründen – Handelserleichterung und Machtkonzentration – verstärkte sich die Tendenz zu nationalen Einheitswährungen.

In der frühen Zeit des Kurantgeldes entsprach der Metallgehalt der Münzen ihrem Nominalwert. Da sich die Münzherren jedoch öfter zu Münzverschlechterung verleiten ließen, um ihren Geldbedarf zu decken, kam es in der Frühen Neuzeit mehrfach zur Inflation. So beruhte beispielsweise die sogenannte Kipper- und Wipperzeit zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges auf einer Münzverschlechterung.

Treibend in Europa war Frankreich, das mit seiner Zentralregierung die Münzrechte früh sammelte und dem König unterstellte. Die erste wichtige Währungsreform war die große Münzreform unter Ludwig XIII. in den Jahren 1640 und 1641, als der Louis d’or eingeführt wurde. Mit der Einführung des Französischen Franc 1795 wurde die erste Dezimalwährung etabliert. Durch Napoleons Feldzüge wurde diese Währung und vor allem deren dezimale Stückelung in Europa verbreitet. Dadurch entstanden in und um Frankreich einige Münzsysteme, die ähnlich aufgebaut waren und wegen der Kurantmünzen hohen Reinheitsgrades feste Wechselkurse bildeten. Dies führte dazu, dass am 23. Dezember 1865 die Lateinische Münzunion gegründet wurde; sie war eine Währungsunion, die aus Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und Griechenland bestand und klare Vorgaben für die Münzenherstellung gab.[1] Der Nachteil der Lateinischen Münzunion war der Bimetallismus, also der feste Umtauschsatz zwischen den Gold- und Silbermünzen.

Münzstätten, Münzmeister und Wardeine

Der verantwortliche Betriebsleiter einer Münzstätte war der Münzmeister. Er stand entweder im Lohn des Münzherrn oder leitete als Pächter die Münzstätte eigenverantwortlich. Die Kontrolle der Qualität der Münzen und des Prägeguts einer Münzstätte oblag einem Beamten, dem Wardein.

Münzstätten

Münzstätte Blomberg

Holzschnitt: Mittelalterliche Münze

In Blomberg war die Münzstätte der Edelherren zur Lippe unter Bernhard III. (1229 bis 1265) und Simon I. (1275 bis 1344). Erhalten sind Pfennige (Sterlinge), geprägt nach englischem Vorbild unter Simon VII. zwischen 1610 und 1618 (Taler und Groschen mit lippischem Wappen) und unter Paul Alexander Leopold 1821 sowie 1827 bis 1840 (Kupfergeld mit lippischem Wappen und Wertzahl).

Münzstätten Detmold

Die Detmolder Münzstätten im Schloss, in der Oberen Mühle und in der Bokemühle[2] waren von 1598 bis 1811, mit Ausnahme der Jahre 1610 bis 1618, die gräflich-lippische Münzstätte. Geprägt wurden Gold-, Silber- und Kupfermünzen in zahlreichen Werten.

Münzstätte Horn

Urkundliche Nachrichten über eine Münzrechtsverleihung an die lippischen Edelherrn oder eine Prägetätigkeit in der Münzstätte Horn sind nicht überliefert, ebenso sind bisher keine Horner Münzen aus der frühen Zeit nach der Gründung aufgetaucht. Der Beginn der Münzprägung kann nach dem bekannten Material erst in die Zeit zwischen 1280 bis 1290 gelegt werden. Horn war die Münzstätte der Herren zur Lippe unter Simon I. (1275–1344), hier wurden Pfennige auf Wiedenbrücker Schlag und ferner solche nach dem Vorbild der englischen Eduard-Sterlinge hergestellt. Die frühesten urkundlichen Erwähnungen Horner Pfennige finden sich sogar erst in Urkunden des 14. Jahrhunderts.[3]

Münzstätte Lemgo

In Lemgo war die Münzstätte der Edelherren zur Lippe vom ersten Jahrzehnt des 13.[4] bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Dazu gehörte die wichtige, sogenannte Wessele (= Wechselbank). Zunächst wurden Pfennige auf Soester und Paderborner (Brakeler) Schlag, dann nach englischem Vorbild (Sterlinge) geprägt. Weiter entstanden unter Bernhard VII. (1431 bis 1511) in Lemgo Stüber und kleinere Werte mit dem lippischen Wappen. Auch die Ausmünzung 1528 unter Simon V. erfolgte wohl in Lemgo (ältester lippischer Taler mit Bildnis und Wappen des Grafen; Hohlpfennige). Schließlich wurde hier von 1812 bis 1825 das lippische Kupfergeld hergestellt.

Münzstätte Berlin

In der Münze Berlin (Münzstättenzeichen = „A“) wurden von 1843 bis 1913 die Reichsmünzen, die auch in Lippe Gültigkeit besaßen, geprägt, unter anderem die 1875 im ganzen Kaiserreich eingeführte Goldmark. Die Vorderseite, das Avers, konnte von den Gliedstaaten des Reiches gestaltet werden. In Lippe zeigten sie das Porträt des regierenden Fürsten.

Direktoren während der Münzprägung für das Fürstentum Lippe

Münzmeister

Münzmeisterzeichen
Peter Busch / Caspar Huxer
Münzmeisterzeichen
Christoph Dyß / Jakob Pfahler
Münzmeisterzeichen
Henning Hansen / Engelh. Hausmann
Zeitraum Name Sonstiges
um 1295 Hermannus filius Heinrici monetarit
um 1306 Johannes monetarius
um 1324 Heynricus dictus monetarius
um 1497 ? Dietrich Münzmeister von Neuss[5][6]
1528 Gerhard Loyß auch Lohaus; mit ihm schloss Simon V. einen Vertrag zur Errichtung einer Münzstätte in Lippstadt[7]
1595 bis 1601 Peter Busch zuvor Münzmeister zu Bielefeld
1601 bis 1602 Caspar Huxer * 1552 in Münden, 1590 bis 1596 für die Münzprägung der Grafschaft Waldeck verantwortlich, † 1628
1602 bis 1605 Henning Hansen aus Osterode am Harz, zuvor im Dienst der Stadt Hildesheim, nach 1605 in Norddeutschland tätig
Münzmeisterzeichen: Kreuz und zwei gekreuzte Zainhaken (siehe Abbildung)
1605 bis 1608 Engelhard Hausmann auch Engelbert; zuvor im Dienst des Landgrafen zu Kassel, ab 1608 Münzmeister der Münzstätte Werl
1608 bis 1610 Christoph Dyß
der Jüngere
in der Münzstätte Blomberg tätig, zuvor in Diensten der Grafen zu Regenstein und der Stadt Hameln (1606–1608); ab 1611 Münzmeister in der Münzstätte Peine, † Dezember 1611
1610 bis 1616 Caspar Kohl  1 aus Wien; in der Münzstätte Blomberg tätig; 1620–1621 und ab 1635 Münzmeister der Grafschaft Holstein-Schauenburg
1616 bis 1618 Melchior Kohl  1 * im 16. Jh.; † im 17. Jh.;
vom 23. Januar bis 18. Dezember 1616 an der städtischen Münze in Hannover; von 1620 bis 1621 Münzmeister der Münzstätte Oldendorf
1618 bis 1619 Jakob Pfahler auch Jacob Pfa(h)ler, * 1568 in Saalfeld; 1609 bis 1614 in Northeim[8]
kam über Marsberg[9] an den lippischen Hof, hatte eine „recht zweifelhafte Vergangenheit“[10]
Münzmeisterzeichen: Herz, Kreuz, Zainhaken (siehe Abbildung)
1619 Melchior Kuttner stammte vermutlich aus der Nähe von Schwäbisch Hall
1620 bis 1621 Ipo Rizema auch Ip(p)o Ri(t)zema; zuvor, vom 8. Februar 1613 bis 1616 Münzmeister in Bremen, dann gräflich Bentheim’scher Münzmeister zu Freudenberg[11]
1621 bis 1623 Melchior Kuttner
1636 bis 1639
1644 bis 1658 Michael Kuttner
1658 bis 1660 Christoph Henning Schlüter * 1633 in Goslar, † 12. November 1688 ebenda;
nacht seiner Tätigkeit in Lippe Münzmeister in Lüneburg (1660), Münzmeister in Goslar (1674 bis 1676) und Generalmünzwardein des Niedersächsischen Kreises (ab 1681)[12]
1671 bis 1695 Johann Hoffmann aus Rinteln, geboren wohl 1639, vohl Sohn des Herforder Münzmeisters Caspar Hoffmann;
zuvor von 1683 bis 1711 Münzmeister in Paderborn und für Waldeck im Jahre 1693
In Paderborn ohne Initiale bzw. Münzzeichen, sonst IH[13]
1710 bis 1716 Hans Lüders * 1654 in Hildesheim, ▭ am 4. Mai 1716 in Detmold;
zuvor Münzmeister in Hildesheim; 300 Taler Jahresgehalt plus Prägelohn in Höhe von 6¼ Talern je einhundert Dukaten;[14]
Münzmeisterzeichen: HL
1716 bis 1727 Ludolph Henrich Lüders * um 1690 in Hildesheim als Sohn des Hans Lüders;
zuvor, von 1714 bis 1716, Münzwardein in Detmold (siehe unten)[15]
1763 bis 1768 Johann Conrad Bandel * um 1703 in Kassel, † im Dezember 1768
Münzmeisterzeichen: I.C.B.
1769 bis 1787 Henrich Daniel Stümer † 12. August 1787
Vorlage:Zitat
1789 bis 1811 Johann Balthasar Reinhard * 1729 in Kassel, † 11. August 1816 in Detmold;
zuvor als Münzwardein (1764 bis 1774) und Münzmeister in Kassel (1774 bis 1782) tätig[16]
1791, 1792, 1796 Johann Theodor Stockmar * 21. Dezember 1750 in Ilmenau, † 1818 in Düsseldorf;
Münzmeister in Gotha, Münzeisenschneider und Münzwardei
1812 bis 1825 Jobst Henrich Trebbe * 28. Jan 1807 in Lemgo;[17][18]
Kupferschmied in Lemgo
Münzmeisterzeichen: T
1821 bis 1840 ? Strickling Mechanikus in Blomberg; Strickling fertigte unter anderem auch Feuerspritzen[19][20]
Münzmeisterzeichen: ST.

Anmerkung: 1) Einige Quellen gehen von nur einer Person, Caspar Melchior Kohl, aus.[21]

Münzverwalter, Münzdirektoren, Münzaufseher, Kammerräte, Referendare und Assessoren zum lippischen Münzwesen

Zeitraum Name Sonstiges
1594 bis 1598 Johannes Kotzenberg auch Johan Kötzenberger
1610 bis 1618 Johan Tecklenburg
1618 bis 1619 Dietrich Witte und Meyer Wallich
ab 1620 Hans Adam von Hammerstein * 1579 oder 19. Juli 1571 in Öge, Amt Hückeswagen; † 10. Februar 1653 in Altenbruchhausen
1656 bis 1658 Johan Kuttner
1661 bis 1669 Hans Georg Mörser
1710 bis 1729 ? Boht Kammerrat / Münzkommissar / Münzdirektor
1763 bis 1765 Leutnant Knoch Münzdirektor
1763 bis 1772 ? Helm Münkommissar
1784 bis 1796 Georg Karl Stein Kammerrat, Leiter des Münzdepartements
ab 1796 ? Meineke Kammerrat, Leiter des Münzdepartements
ab 1798 und
1803 bis 1826
Johann Christian Gerke * 1792, † 1824; als Wegebau-Commisarius in fürstlich-lippischen Diensten unter anderem auch für das Münzwesen verantwortlich; Assessor, später Kammerrat[22]
1826 bis 1839 Wilhelm Georg Stein Referendarius, Leiter des Münzdepartements
ab 1839 Wilhelm Georg Stein Kammerrat

Wardeine

Zeitraum Name Sonstiges
1595 bis 1598 Christoph Draubel
zu Weihnachten 1600 bis 1602 Alexander Wackerwaldt
1604 bis 1605 Ernst Schröder
1605 bis 1608 Burckhardt Lachtorp
1608 bis 1609 in Detmold
1610 bis 1611 in Blomberg
Henning Brauns * um 1575 Oldendorf an der Weser, † 1638[23]
1619 bis 1623 Jobst Brauns * um 1570 in Goslar; † 1646 ebenda
1711 bis 1713 Johann Heinrich Siegel * um 1680 Zellerfeld im Harz, † 1753 Harzgerode[24]
1715 bis 1717 Ludolph Heinrich Lüders von 1717 bis 1727 Münzmeister (siehe oben)
1763 bis 1769 Heinrich Daniel Stümer von 1769 bis 1787 Münzmeister (siehe oben)
1789 bis 1811 Johann Balthasar Reinhard[25] von 1789 bis 1811 Münzmeister (siehe oben)

Gewichte, Münzfüße und Zählweise

Gewichte nach Kölner Mark

  • Bis Juli 1838: 1 Kölner Mark ~ 233,9 g
  • Juli 1838 bis 1857: 1 Kölner Mark = 233,855 g
  • 1 Kölner Mark in deutscher Teilung = 16 Lot = 288 Grän
  • 1 Kölner Mark in französischer Teilung = 12 Pfennig = 288 Grän
  • 1 Kölner Mark als Goldgewicht = 24 Karat = 288 Grän

Münzfüße

Ein Münzfuß ist eine offizielle Bestimmung eines Münzherrn, wie viele Münzen einer Sorte aus einer Gewichtseinheit Edelmetall geschlagen werden sollen; er legt damit fest, welche Menge eines Edelmetalls (Feingehalt) in einer bestimmten Münze enthalten sein soll.

Goldmünzen
Bei einem Raugewicht von 3,25 g und einem Feingewicht von 2,50 g entsprach der Feingehaltsanteil = 77,1 %
Bei einem Raugewicht von 3,49 g und einem Feingewicht von 3,44 g entsprach der Feingehaltsanteil = 98,6 %
Bei einem Raugewicht von 6,751 g und einem Feingewicht von 6,191 g entsprach der Feingehaltsanteil = 91,7 %
  • Münzfuß des abgeglichenen Louis d’or nach den Wiener Verträgen 1753
1 Louis d’or = 5 Reichstaler
Bei einem Raugewicht von 11,111 g und einem Feingewicht von 10,000 g entsprach der Feingehaltsanteil = 90,0 %
Silbermünzen
  • Münzfuß nach der Reichsmünzordnung von 1524
Feingehaltsanteil eines Reichsguldiners (27,4 g) und ein Reichstaler (29,2 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 93,7 %
  • Münzfuß nach der Reichsmünzordnung von 1566
Feingehaltsanteil eines Reichstalers aus der Feinen Kölner Mark (25,984 g) und ein Reichstaler aus der Rauen Mark (29,232 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 88,9 %
Feingehaltsanteil eines Rechnungstalers aus der Feinen Kölner Mark (22,272 g), 2/3-Taler (14,848 g) und gewogene Raugewichte (18,5 bis 19,5 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 75,0 %
  • Münzfuß nach den Verträgen von Leipzig und Torgau 1690
Feingehaltsanteil eines Rechnungstalers aus der Feinen Kölner Mark (19,488 g), Feingehalt des geprägten 2/3-Talers (12,992 g) sowie Raugewicht des 2/3-Talers (17,322 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 75,0 %
  • Münzfuß nach den Wiener Verträgen von 1753:
Feingehaltsanteil eines Rechnungstalers aus der Feinen Kölner Mark (17,539 g), Konventionstaler aus der Feinen Kölner Mark (23,386 g) sowie Raugewicht des Konventionstalers (28,062 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 83,3 %
  • Münzfuß der Vereinsmünzen nach der Dresdner Konvention vom 30. Juli 1838
Feingehaltsanteil eines Talers aus der Feinen Kölner Mark (16,704 g), Vereinsmünze aus der Feinen Kölner Mark (33,408 g) sowie Raugewicht der Vereinsmünze (37,120 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 90,0 %
  • Münzfuß der Silbergroschen nach der Lippischen Landesverordnung vom 1. September 1846
Feingehaltsanteil eines Talers aus der Feinen Kölner Mark (14,616 g), Silbergroschen à 6 Lot aus der Feinen Kölner Mark (1,218 g), Silbergroschen à 5 Lot aus der Feinen Kölner Mark (0,487 g) sowie Silbergrosche á 4 Lot aus der Feinen Kölner Mark
  • Münzfuß der Vereinstaler nach dem Wiener Münzvertrag vom 24. Januar 1857
Feingehaltsanteil des Vereinstalers aus einem Pfund Feinsilber (16,667 g) sowie Raugewicht des Vereinstalers (18,518 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 90 %
  • Münzfuß der Silbergroschen nach der Lippischen Landesverordnung vom 3. April 1858
Feingehaltsanteil des 1/2 Talers aus einem Pfund Feinsilber (14,492 g), des 1/2 Silbergroschens (1,208 g) sowie eines Silbergroschens (0,483 g)

Zählweise nach dem lippischen Münzfuß

↓ Zeitraum Vorlage:0Vorlage:0Vorlage:0Vorlage:0Vorlage:0Vorlage:0Vorlage:0Vorlage:0Einheit → Taler Mark Mag Kör Pfg Gos Sig Reg aMg aRg SwG Füg Sch Mat Hel
1555 1 = 36 108 432
1598 bis 1620 1 = 36 288 432 24
20. Aug. bis 7. Sep. 1620 1 = 336 672 42 63
7. Sep. 1620 bis 1. Nov. 1622 1 = 42 252 504 36 63
1620 bis 1621 1 = 252 21
1. Nov. 1622 bis 1640 1 = 36 252
1640 bis 1765 1 = 36 216 72 12
1. März 1765 bis 31. Dez. 1846 1 = 6
1. Jan. 1847 bis 24. Juni 1857 1 = 360 30
24. Juni 1857 bis 4. Dez. 1871 1 = 360 30
ab 4. Dez. 1871 1 = 100

Anmerkung: Mag = Mariengroschen, Kör = Körtlinge („Kurzgroschen“), Pfg = Pfennige, Gos = Gosler, Sig = Silbergroschen, Reg = Reichsgroschen, aMg = alter Mariengroschen, aRg = alter Reichsgroschen, SwG = Schwerer Groschen, Füg = Fürstengroschen, Sch = Schillinge, Mat = Matthier, Hel = Heller[26]

Zeittafel

Das Recht, Münzen zu prägen, war lange Zeit allein dem König oder Kaiser vorbehalten. Erst zur Zeit Ludwig des Frommen (814–840) sind erste Münzrechtsverleihungen bekannt, anfangs nur an Erzbischöfe, Bischöfe oder Äbte. Für den westfälischen Raum ist die erste Verleihung im Jahr 833 an das Kloster Corvey belegt. Bis zum 11. Jahrhundert können in der Nachbarschaft Lippes lediglich die bischöflichen Münzstätten in Paderborn und Minden, die Münzstätten der Abteien Corvey, Helmarshausen und Herford sowie die königliche und erzbischöflich-kölnische Münzstätte in Soest genannt werden.[27]

HERRSCHAFT UND GRAFSCHAFT LIPPE

Hermann (bis 1123)

Der Edelherr Hermann zur Lippe (* 11. Jahrhundert; † vor 1123) war Herr der Herrschaft Lippe und ist der erste greifbare Vorfahr der lippischen Fürsten und der späteren Königin Beatrix der Niederlande.

Bernhard I. (1123 bis um 1158)

Bernhard I. († um 1158[28]), Sohn des Hermann, ist einer der frühesten Vertreter der edlen „Herren zur Lippe“. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Familie ist auf 1123 datiert, in der „Bernhardus de Lippe“ namentlich erwähnt wird.[29] Da nach seinem Tode um 1158 die Herrschaft von seinem Bruder Hermann übernommen wurde, ist anzunehmen, dass Bernhard keine Nachkommen hatte.

Hermann I. (um 1158 bis um 1160)

Hermann I. († um 1160[30]) gründete mit seinem Bruder Bernhard um 1139 ein Prämonstratenserinnenkloster in Cappel. Nach dem Tode Bernhards übernahm er 1158 dessen um die spätere Stadt Lippstadt gelegenes Herrschaftsgebiet. Er war ein treuer Gefolgsmann Heinrichs des Löwen. Ihm verdankte er auch seinen Aufstieg: Hermann wurde Vogt seines gegründeten Klosters Cappel und war auch Vogt von Busdorf und Schötmar.[30]

Bernhard II. (~ 1168 bis 1196)

Bernhard II. zur Lippe (* um 1140 auf Burg Lipperode; † 1224 in Mesothen) war der Begründer der Landesherrschaft Lippe und der Planstädte Lippstadt (1185, anderen Quellen zufolge schon 1184) und Lemgo (1190). Er entwickelte sich im Laufe seines Lebens zu einer der wichtigsten und einflussreichsten westfälischen Persönlichkeiten der Stauferzeit. Ihm sind wahrscheinlich sämtliche Hoheits- und Sonderrechte der „Herren zur Lippe“ zu verdanken.

Hermann II. (1196 bis 1229)

Hermann II. (* 1175 in Lippe, heute Lippstadt; † 25. April 1229) war Mitregent seines Vaters und folgte ihm 1196 als Regent des Hauses Lippe. Weniger kriegerisch als sein Vater und Bruder versuchte er in seiner Gegend oft als Vermittler tätig zu werden. Im deutschen Thronkrieg 1198 stand Hermann auf welfischer Seite und ging erst 1214 zu Kaiser Friedrich II. über.

Unter Hermann II. begann die lippische Münzprägung.[31]

Münzen
Nominal: 1 Pfennig auf Soester Schlag
Münzstätte: Lippstadt
Ausgabe: um 1200
Material: ?; Gewicht = 1,40 g; Durchmesser = ? mm
Vorderseite: Erzbischof mit Mitra, Krummstab und Fahne, deren Spitze mit der fünfblättrigen lippischen Rose besetzt ist
Rückseite: PATROCLVSINI / Kreuz mit je einer Kugel in den Winkeln, im ersten Winkel zusätzlich das Soester Zeichen
Nominal: 1 Pfennig auf Soester Schlag
Münzstätte: Lippstadt
Ausgabe: ?
Material: ?; Gewicht = ? g; Durchmesser = ? mm
Vorderseite: Colonia-Monogramm, LIPIACIVITAS
Rückseite: Torgebäude darüber Kuppelturm flankiert von zwei kleineren Türmen, über der Kuppel fünfblättrige Rosette
Nominal: 1 Denar
Münzstätte: Lippstadt
Ausgabe: 1195 bus 1225
Material: Silber; Gewicht = 1,39 g; Durchmesser = 19 mm
Vorderseite: +LPIA, Sitzender Geistlicher mit Krummstab in der Rechten und Fahne in der Linken, über der Fahne eine fünfblättrige Rose
Rückseite: +PATROCLVS INI. Kreuz, in den Winkeln Kugel, im ersten Winkel Soester Zeichen[32]

Bernhard III. (1229 bis 1265)

Bernhard III. (* um 1194; † um 1265) folgte 1229 dem gefallenen Vater als Regent des Hauses Lippe nach und nannte sich seitdem „Statutum in favorem principum“, dann 1232 „von Gottes Gnaden“ und zeitweise auch „Graf“. Durch häufige Fehden wurde das Haus Lippe unter seiner Führung (finanziell) stark geschwächt.

Die Münzen Bernhards und seines Sohnes Bernhard IV. lassen sich nicht unterscheiden. Die Motive der geprägten Pfennige orientierten sich an den Vorbildern sowohl benachbarter Gebiete, zum Beispiel der bischöflich-Paderborner Münzstätten Brakel und Warburg, als auch englischer Steirlinge.

Anmerkung: Warburg erhielt im Mittelalter das Recht, eigene Münzen zu prägen. Bereits während der Stauferzeit (~1140 bis 1270) hatte die Stadt schon für kurze Zeit ein Münzregal. – Die Münzstätte befand sich am Marktplatz in der Altstadt. Die Währung wird um 1327 „Warburger Denarien“ bzw. um 1366 auch „alte Warburger Pfennige und Münte“ bzw. „schwere Marken und Pfennige“ genannt.
Münzen
Nominal: 1 Pfennig
Münzstätte: Blomberg
Ausgabe: zwischen 1229 und 1265
Material: ?; Gewicht = 1,04 g
Vorderseite: ?
Rückseite: ?
Nominal: 1 Pfennig auf Soester Schlag
Münzstätte: Lippstadt
Ausgabe:
Material: ?; Gewicht = 1,30 g
Vorderseite: von einem Reif eingefasste Rosette in einem Dreieck
Rückseite: von zwei Türmen flankiertes Gebäude mit Kuppelturm

Bernhard IV. (1265 bis 1273)

Bernhard IV. (* um 1230 in Brake, heute Bielefeld; † Juni 1275) beerbte seinen Bruder Hermann III. zur Lippe um die Stadt Lippstadt und nahm, zusammen mit seinem Onkel, Bischof Simon I. von Paderborn, an der Schlacht bei Zülpich gegen das Haus Jülich teil, bei der sein Onkel gefangen genommen wurde. Bernhard löste ihn 1269 aus und begründete so die Verschuldung des Hauses Lippe.

Münzen
Nominal: 1 Pfennig (Sterling)
Münzstätte: ?
Ausgabe: 1268
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: ?
Rückseite: ?

Simon I. (1273 bis 1344)

Unter der Regentschaft Simons I. (* um 1261; † 10. August 1344) erlangte die Herrschaft Lippe, unter anderem erwarb er die Burg Varenholz und das Gogericht Langenholzhausen, ihre größte territoriale Ausdehnung.

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
Münzstätte: ?
Ausgabe: von 1275 bis 1344
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: Brustbild mit erhobener Rechten und mit Rose von vorn unter Dreibogen, darauf ein hoher Turm zwischen zwei kleineren Türmen und zwei Fahnen
Rückseite: fünfblättrige Rosette in Dreieck, in den Winkeln je ein Kreuz
Nominal: 1 Sterling
Münzstätte: Lippstadt, evtl. auch Lemgo
Ausgabe: zwischen 1275 und 1344
Material: Silber; Durchmesser: 18 mm; Gewicht: 1,12 g
Vorderseite: SIMON NOBIL [III], gekrönter Kopf von vorn mit Zepter in der Rechten
Rückseite: HEI-RIO-N LV-NDE, langes Doppelfadenkreuz, in den Winkeln je drei Kugeln[33]
Nominal: 1 Sterling
Münzstätte: Lippstadt
Ausgabe: zwischen 1275 und 1344
Material: Silber; Durchmesser: 19 mm; Gewicht: 1,23 g
Vorderseite: [+NO]BILI[S SIMON]. Unter Dreibogen mit drei Türmen und zwei Fahnen Büste mit Rose in der Linken und erhobener Rechten
Rückseite: MON-ETA L-IPPE. Im Dreieck Rose zwischen drei Kreuzen[34]

Otto (1344 bis 1360)

Otto war von 1344 bis 1360 Herr von Lippe. Nach dem Tod seines Vaters wurde die Herrschaft Lippe dahingehend aufgeteilt, dass Otto das Gebiet um Lemgo bekam und sein Bruder Bernhard V. das Gebiet um Rheda. Otto residierte in Lemgo, das damals noch aus zwei Städten (Altstadt und Neustadt) bestand, die sich erst fünf Jahre nach seinem Tod vereinigten.

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
Münzstätte: Lemgo
Ausgabe: ?
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: 1,13 g
Vorderseite: gekrönter bärtiger Kopf von vorn
Rückseite: Kreuz, in den Winkeln je eine Rose

Simon III. (1360 bis 1410)

Simon III. (* um 1340; † 1410) brachte um 1400 durch Verpfändung zunächst die Städte Barntrup und Salzuflen sowie das Schloss Sternberg unter seine Herrschaft, 1405 folgte schließlich die gesamte Grafschaft Sternberg.

Simon war verheiratet mit Ermengard von Hoya und hatte sieben Kinder. Bernhard, ihr ältester Sohn, wurde Simons Nachfolger.

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
Münzstätte: ?
Ausgabe: zwischen 1360 und 1410
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: ?
Rückseite: ?

Bernhard VI. (1410 bis 1415)

Bernhard VI. (* um 1370; † 1415) heiratete 1371 Margarethe von Waldeck-Landau. Um 1380 heiratete Bernhard in zweiter Ehe Margarethe von Mörs. Sein Sohn aus zweiter Ehe, Simon, wurde sein Nachfolger.

Simon IV. (1415 bis 1429)

Der um 1404 geborene Simon IV. zur Lippe († 11. August 1429) behauptete 1424 in einer Fehde mit Graf Adolf IX. von Schaumburg die Grafschaft Sternberg und ließ sich später in Osterholz ein Jagdschloss mit Wassergraben bauen.

Münzen
Nominal: 1 Mariengroschen
Ausgabe: 1601; Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Caspar Huxer
Material: Silber; ø Durchmesser: 21,4 mm; ø Gewicht: 1,48 g
Vorderseite: Wappenschild der Grafschaft Lippe, darüber Reichsapfel, darunter das die Umschrift SIMON CO ET – NO DO I LIP teilende Münzmeisterzeichen
Rückseite: stehende Strahlenmadonna mit Zepter in der Rechten und Kind in der Linken; MARI M – DOMIN 1601

Bernhard VII. (1429 bis 1511)

Bernhard VII. (* 1429; † 2. April 1511) war Landesherr der Herrschaft Lippe. Wegen vieler blutiger Fehden, in die er verwickelt war, wurde er auch „Bellicosus“ genannt.

Bis 1446 stand er unter vormundschaftlicher Regierung seines Onkels Otto, dann des Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers. Dieser schloss 1444 mit dem Herzog Adolf von Kleve-Mark einen Vertrag, wonach er diesem die bis dahin verpfändete Stadt Lippstadt zur Hälfte abtrat. Zugleich wurde zwischen beiden Häusern ein Bündnis errichtet, das Bernhard in die sogenannte Soester Fehde mit dem Kölner Erzbischof Dietrich verwickelte. Letzterer rief 1447 ein böhmisches Heer zu Hilfe, das die lippeschen Lande verwüstete, die Städte Lippstadt und Soest jedoch vergebens belagerte.

Nach der 1449 erfolgten Beilegung des Streites wohnte Bernhard zunächst auf der Burg Blomberg. 1468 wählte er Detmold, damals mit etwa 350 Einwohnern die kleinste unter den lippischen Städten, zu seiner ständigen Residenz. An den anschließenden Wiederaufbau des Schlosses erinnert unter anderem eine Inschrift im alten Schlossturm des Detmolder Schlosses mit der Jahreszahl 1470.

Bernhard focht seine Fehden mit wechselnden Gegnern und Verbündeten. So leistete er 1469 dem Landgrafen Ludwig II. von Hessen Beistand gegen dessen Bruder Heinrich III., war aber andererseits eine der wichtigsten Stützen seines Bruders Simon, des Fürstbischofs von Paderborn, gegen Landgraf Ludwig II. während der 1464 wegen der Burg Calenberg ausgebrochenen und bis 1471 dauernden Hessen-Paderbornischen Fehde.

Münzen
Nominal: 2 Pfennig
Münzstätte: Lemgo
Ausgabe: 1498
Material: Silber; Durchmesser: 14 mm; Gewicht: 1,03 g
Vorderseite: NOBIL BERNHARD L.; Wappenschild mit Rose
Rückseite: MON - NO[V - LEM]GO; in der Mitte ein rautenförmig durchbrochenes Kreuz; in den Winkel die Jahreszahl 1498[35]
Nominal: 1 Kreuzgroschen
Münzstätte: ?
Ausgabe: 1505
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: ?
Rückseite: ?
Nominal: 1 Stüber
Münzstätte: Lippstadt ?
Ausgabe: 1505
Material: Silber; Durchmesser: 21 mm; Gewicht: 1,31 g
Vorderseite: + NOBIL BERNARD DE LIP. Wappenschild mit Rose, an drei Seiten Ringel
Rückseite: ANO DOMINI MCCCCC V. Ankerkreuz[36]
Merkwürdiger alter Lippischer Münzvalor

Vorlage:Zitat

Simon V. (1511 bis 1536)

Simon V. zur Lippe (* 1471; † 1536) war seit 1511 Edelherr und seit 1528 Graf zur Lippe. Während seiner Regierungszeit bis 1536 wurde in Lippe die Reformation eingeführt.

1520 wurden am Köterberg silberhaltige Blei- und Kupfererze gefunden. Sie stellten die Eröffnung eines Bergwerks in Aussicht. 1528 erfolgte die Einrichtung einer Münzstätte bei Lippstadt sowie die Ausprägung von Guldengroschen und Kleinmünzen.[37]

Tageslöhne und Preise 1535[38]
Beruf Entgelt
Maurer- und Zimmermeister 2,8 Groschen
Geselle 2,5 Groschen
Stein- und Kalkträger 1,4 Groschen
Artikel Preis
1 Scheffel (~ 27 kg) Roggen 8,3 Groschen
1 Liter Wein 1,8 Groschen
1 Pfund Butter oder Salzspeck 1,3 Groschen
1 Fünf-Pfund-Brot 0,8 Groschen

Der Guldengroschen zeigt zum ersten Mal das neue gräfliche Wappen mit dem gevierten Schild: Neben dem Stammwappen der Rose erscheint nun auch das Wappen der Grafschaft Schwalenberg.[39]

 Übersicht der Prägungen  1528 o. J.
1 Guldengroschen (= 1 Taler) S
1 Schlüsselpfennig S S
Dreischildheller S

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, S = Silber

Münzen
Nominal: 1 Guldengroschen (= 1 Taler)
Münzstätte: Lippstadt; Münzmeister: Gerhard Loys
Ausgabe: 1528
Material: Silber; Durchmesser: 41,6 mm; Gewicht: 28,71 g
Vorderseite: „SIMON • COM[ES]: ET • NOBIL[IS]: DO[MINUS]: DE. LIPP[IA]:“ (Simon, Graf und Edelherr zur Lippe) um nach links schauenden Kopf (Simon mit goldener Drahthaube, einem kleinen gekröselten Halskragen und einer Pelzhaube[40]).
Rückseite: „MONETA. NOVA. ARGENTE[A]: 1528 .“ (Neues Silbergeld) um ein vierfeldiges Wappen unter einem Fürstenhut
Sonstiges: Dieser repräsentative Porträttaler, auch "Köterbergtaler" genannt, ist eine der frühesten Großsilbermünzen Nordwestdeutschlands.[41]
Nominal: 1 Schlüsselpfennig
Münzstätte: Lippstadt; Münzmeister: Gerhard Loys
Ausgabe: 1528 und/oder später
Material: Silber; Durchmesser: 13,5 mm; Gewicht: 0,21 g
Vorderseite: gespaltener Wappenschild unter „S“; umlaufend 20 Punkte
Rückseite: leer

Bernhard VIII. (1536 bis 1563)

Bernhard VIII. (* 6. Dezember 1527 in Detmold; † 15. April 1563 ebenda) war acht Jahre alt, als sein Vater 1536 starb. Da er in diesem Alter die Regierung noch nicht übernehmen konnte, führten Landgraf Philipp von Hessen, Graf Adolph von Schaumburg und Jobst II. von Hoya die Vormundschaft und erzogen Bernhard im evangelischen Glauben. 1546 trat er dann die Regierung der Grafschaft Lippe an und versuchte während seiner Amtszeit vor allem, den evangelischen Glauben in seiner Grafschaft zu festigen. Dies stieß auf Missfallen des Kaisers Karl V., dessen Truppen im Verlauf des Schmalkaldischen Kriegs (1546–1547) das Land des Grafen besetzten und nach der Niederlage der evangelischen Seite 1548 das Augsburger Interim durchsetzten. In der Folge wurde Lippe zum direkten Reichslehen. 1555 besuchte Bernhard selbst den Reichstag in Augsburg und 1556 berief er eine Versammlung der evangelischen Geistlichkeit in seiner Grafschaft ein. Bernhard starb 1563.

Unter Bernhard VIII. wurden keine Münzen geprägt.

Tageslöhne und Preise um 1550 in Schieder[42]
Beruf Entgelt
Handwerksmeister 10 bis 11 Schillinge
Geselle 9 Schillinge
Tagelöhner 6 bis 9 Schillinge
Mäher 12 Schillinge (= 1 Mark)
Artikel Preis
1 Scheffel (= 44 Liter) Roggen 4 Mark 8 Schillinge
1 Scheffel Saatbohnen 5 Mark 7 Schillinge
1 Pfund Zucker 2 Mark 6 Schillinge
1 Hammel 9 Mark
1 Paar Schuhe 3 Mark
1 Sense 7 Mark

Simon VI. (1563 bis 1613)

Simon VI. zur Lippe (* 15. April 1554 in Detmold; † 7. Dezember 1613 in Brake) war von 1563 bis 1613 Reichsgraf und Landesherr der Grafschaft Lippe-Detmold. Simon war ein kluger, den neuen Wissenschaften gegenüber aufgeschlossener Renaissancefürst, der mit vielen Größen der Zeit, wie etwa mit Tycho Brahe oder Jost Bürgi, korrespondierte. Für Kaiser Rudolf II., dessen Hofrat und Kammerherr er war, übernahm er diplomatische Missionen wie die Schlichtung fürstlicher Erbstreitigkeiten. Er fungierte zudem als Vermittler und Agent vor allem von Gemälden aus den Niederlanden. 1584–1589 wurde die Burg Brake, die 1562 bis 1570 an Christoph von Donop verpfändet war, zum Schloss in den Formen der Weserrenaissance ausgebaut. Sie blieb bis zum Tode des Grafen Regierungssitz. Unter Simon VI. wurde die Grafschaft Lippe 1605 reformiert. Das führte zu großen Unstimmigkeiten mit der Freien und Hansestadt Lemgo, die seit 1522 lutherisch war. Lemgo widersetzte sich dem Edikt, den reformierten Glauben anzunehmen, und es kam zur „Lemgoer Revolte“. Der Glaubensstreit wurde erst 1617 mit dem Röhrentruper Rezess beendet.

Simons Bibliothek – 1597 umfasste sie rund 500, bis 1707 waren es ungefähr 3000 Bände[43] – diente der höfischen Repräsentation, war aber auch die Sammlung eines Berufspolitikers und Diplomaten mit theologischen und historischen Werken sowie philosophisch-staatstheoretischer und rechtswissenschaftlicher Literatur, die später den Grundstock der Lippischen Landesbibliothek Detmold bildete, wo sie noch heute aufbewahrt wird.

Durch seine Urkunde vom 16. Dezember 1592 bestätigte Kaiser Rudolf II. der Grafschaft Lippe das Münzrecht: Vorlage:Zitat

Jahresgehälter laut Lippischer Kammerordnung von 1610[44]
Beruf Entgelt
Lippischer Kanzler 450 Taler
Hofrat 250 Taler
Bürgerlicher Rat 100 Taler
Lippischer Amtmann 50 Taler
Kutscher, Hofschneider 20 Taler
Küchenjunge 6 Taler

Da Lippe über keine eigenen Silberminen verfügte, musste das Edelmetall teuer eingekauft werden. Der Schlagschatz musste darüber hinaus die Kosten für Gerätschaften, Löhne sowie die festgelegte Abgabe an den Landesherrn decken. Aufgrund der schwierigen Arbeitsverträge – die Münzmeister hatten erhebliche Risiken zu tragen – rechnete sich nur die Prägung minderwertiger Reichs- und Mariengroschen. Daneben wurden aber auch wenige Gosler und Dreier geprägt.

In der 50-jährigen Regierungszeit Simons wurden mindestens sechs Münzmeister angestellt: Peter Busch, Caspar Huxer, Henning Hansen, Engelbert Hausmann (alle in Detmold), Christoph Dyß (Blomberg) und Caspar Kohl (Blomberg). Sie alle verwendeten die Technik der Hammerprägung.

 Übersicht der Prägungen  1595 1598 1601 1602 1604 1605 1606 1607 1608 1609 1610 1611 1612 1613 o. J.
Doppelter Reichstaler S
1 Taler S S S S
1/24 Taler (Reichsgroschen) S S S * S S S S S S
1/36 Taler (Mariengroschen) S S S S * S S S *
1/96 Taler (Dreier) S S S S S S S *
1 Gosler S
1 Schlüsselheller S

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, S = Silber; * = siehe Abbildung

Münzen
Nominal: 1 Mariengroschen
Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Engelbert Hausmann
Ausgabe: 1605; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: ? mm; Gewicht: ? g
Vorderseite: Marienbild mit Jesuskind, umlaufend „MARIA MA - T DOM 1605“ (vollständige Jahreszahl)
Rückseite: lippisches Wappen, vierfeldig; umlaufend „SIMON CO ET NO DOM I LIP“
Nominal: 1 Mariengroschen
Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Engelbert Hausmann
Ausgabe: 1605; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: 19,8 mm; Gewicht: 1,32 g
Vorderseite: Marienbild mit Jesuskind, umlaufend „MARIA MA - T DOM 605“ (unvollständige Jahreszahl)
Rückseite: lippisches Wappen, vierfeldig; umlaufend „SIMON CO ET NO DOM I LIP“
Nominal: 1/24 Taler (Reichsgroschen)
Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Engelbert Hausmann
Ausgabe: 1608; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: 20,3 mm; Gewicht: 1,56 g
Vorderseite: Wappenschild der Grafschaft Lippe mit Decke und gekröntem Bügelhelm
Rückseite: „1608“ über und „24“ in Reichsapfel; umlaufend „RUDOL II D G R I S?“
Nominal: 1/96 Taler
Münzstätte: Blomberg; Münzmeister: Christoph Dyß oder Caspar Kohl
Ausgabe: 1610; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: 16,2 mm; Gewicht: 0,70 g
Vorderseite: Rose / • S • C • E • N • DE • L
Rückseite: „1610“, beiderseits ein Kringel / darunter ein Reichsapfel, darin „96“

Simon VII. (1613 bis 1627)

Simon VII. (* 30. Dezember 1587 auf Schloss Brake bei Lemgo; † 26. März 1627 in Detmold) wurde zusammen mit seinem älteren Bruder Bernhard an der Hofschule zu Kassel unterrichtet. Nach Bernhards frühem Tod (1602) wurde er nach Brake heimgeholt und von seinem Vater systematisch in die Regierungsgeschäfte eingeführt. 1617 beendete Simon VII. den erbitterten Streit, die „Lemgoer Revolte“, seines verstorbenen Vaters Simon VI. mit der Stadt Lemgo im Röhrentruper Rezess.

Kaufkraft des Lippischen Geldes in den Jahren 1617 und 1620
Artikel Preis 1617[45] Artikel Preis 1620[44]
1 Scheffel Weizen 30 Groschen Ein Paar Schuhe 15 Groschen
1 Scheffel Hafer 12 Groschen Ein Paar Kinderschuhe 6 Groschen
5 Pfund Brot 2½ Groschen 1 Pfund Butter aus Friesland 4½ Groschen
1 fettes Schwein 126 Groschen 1 Pfund Lippische Butter 3½ Groschen
1 mageres Schwein 40 Groschen 1 Pfund Käse 2 Groschen
1 Huhn 1½ Groschen Drei Heringe 1 Groschen
Münz- und Taxordnung von 1620[46]
Artikel Preis Artikel Preis
Ein neu Hufeisen 2 Groschen 6 Pfennige Zimmeraxt 21 Groschen
100 Schuhnägel 1 Groschen 4 Pfennige Barte 7 Groschen

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) war Simon bemüht, sein kleines Land so weit wie möglich aus den Wirren des Krieges herauszuhalten, indem er sich neutral verhielt. Zu einer großen Belastung der Bevölkerung kam es allerdings in den Kriegszeiten durch die Einquartierungen und die damit verbundenen Verpflichtungen.

Der lautmalerische Doppelbegriff „Kipper und Wipper“ beruht auf dem „Wippen“ der Waagbalken und dem Aussortieren („Kippen“) der besseren Münzen, welche dann dem Geldumlauf entzogen wurden.

Gleichzeitig wurde seine Regierungszeit durch die Kipper- und Wipperzeit belastet: Der „kelingeldfluus“ war durch die Reichsmünzordnungen von 1559 und 1566 zu hoch angesetzt worden, so dass Münzstätten, die keinen Bergwerkszugang hatten, Pfennige und Groschen nur mit Verlusten prägen konnten. Die Münzstätten behalfen sich, indem sie die Feingehalte der Münzen immer weiter absenkten und somit der Gegenwert zum Taler immer höher stieg.[47]
So kam es zum Beispiel ab Februar 1620 zu einer Fehde zwischen Lippe und dem Magistrat der Stadt Frankfurt: Der am Detmolder Hof tätige Hans Adam von Hammerstein reiste inoffiziell in die Mainmetropole um 17.000 geringwertige Taler in für Lippe gewinnbringendes kostbares Geld zu tauschen. Er wurde erwischt und das Geld beschlagnahmt. Trotz aller Bemühungen Simons, unter anderem zog er die Erzbischöfe von Mainz und Köln sowie Beamte des damals in Speyer untergebrachten Reichskammergerichts hinzu, zog sich der Prozess über zwei Jahre hin und endete mit der Androhung, dem lippischen Hause die Münzhoheit abzuerkennen.[48]

 Übersicht der Prägungen  1614 1615 1616 1617 1618 1619 1620 1621 1622 1623 o. J.
1 Goldgulden G G * G
Vorlage:0Abschlag davon G
1 Taler S S S S S S S
Doppeltaler und Abschläge S S S(g) S
12 Kreuzer S S
1/21 Taler S S S
1 Guter Schilling“ zu 12 Pfennig S
12 Pfennig S
1/24 Taler (= 1 Reichsgroschen) S S S * S S S S S
3 Kreuzer S S S
1/36 Taler (= 1 Mariengroschen) S
3 Pfennig K K
2 Pfennig K K
1 Pfennig K K K
1/2 Pfennig K *

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, g = vergoldet, S = Silber, K = Kupfer; * = siehe Abbildung

Münzen
Nominal: 1 Goldgulden
Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Melchior Kuttner
Ausgabe: 1619
Material: Gold; Durchmesser: 22,6 mm; Gewicht: 3,07 g
Vorderseite: „SIMON COMES ET NOBI DOMINVS IN LIPPIA“ um Wappenschild der Grafschaft Lippe mit Decke und bekröntem Bügelhelm
Rückseite: „MATTHIAS I ROM IMP SEMP AV 1619“ um gekrönten doppelköpfigen Reichsadler mit Reichsapfel
Nominal: 1/24 Taler
Münzstätte: Blomberg; Münzmeister: Caspar oder Melchior Kohl
Ausgabe: 1616
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „1616“ über und „24“ in Reichsapfel; umlaufend „MATI * D * G * P * I * S * A“
Rückseite: heraldische Rose über und lippisches Wappen unter Helm; umlaufend „SIM ??  ???“
Nominal: 1/2 Pfennig
Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Melchior Kuttner
Ausgabe: 1622 oder 1623
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: heraldische Rose, umgeben von je fünf Sternen und Punkten
Rückseite: Wertzahl („1“ / „-“ / „2“) zwischen zwei Kronen und zwei Lilien
Einige Stellen aus der Berechnung der Huldigungs-Kosten des
Grafen Simons zur Lippe in der Stadt Lemgo vom Jahr 1621 (Auszug)
[49]
Artikel Preis
Für vier feiste Ochsen von Osnabrück gegeben 106 rthl. 20½ gr.
Für Span-Ferken zum Gebrath gebraucht gegeben 16½ rthl.
Für 1200 Eyer, 7 Eyer zum Groschen, gegeben 4 rthl. 26½ gr.
Für einen frischen Lachs von Minden gegeben 6½ rthl.
Für acht Scheffel Roggen, jedes Scheffel zu 23 gr., gegeben 5 rthl. 4 gr.
Für 3 Scheffel Weizen gegeben 3 rthl. 27 gr.
Für Minder und Hämelsch Bier gegeben 130 rthl. 23 gr.
Für Lemgoisch Bier gegeben 12 rthl. 19 gr.
Für Paderbornisch Bier gegeben 38½ rthl.

Simon Ludwig (1627 bis 1636)

Noch nicht mündig war Simon Ludwig (* 14. März 1610 in Brake; † 8. August 1636 in Detmold an Pocken), als sein Vater 1627 starb, so dass sein Stiefgroßvater Graf Christian von Waldeck zu seinem Vormund bestimmt wurde. 1627 trat der junge Graf die standesübliche Kavalierstour an, die ihn nach Prag, Frankreich, England und in die Niederlande führte. Nach seiner Rückkehr 1631 wurde die vorzeitige Volljährigkeitserklärung beim Kaiser Ferdinand II. beantragt.

Unter den Einfluss seines Kanzlers Christoph Deichmann gab Simon Ludwig allmählich die vorsichtige neutrale Politik seines verstorbenen Vaters auf und näherte sich Schweden an. Das brachte ihn in Misskredit bei den Kaiserlichen. Aber auch von der Gegenpartei blieb die Grafschaft Lippe nicht verschont; die Schweden verlangten Proviantlieferungen wie die Kaiserlichen Kontributionen. Die gräfliche Familie bekam die Härte der Kriegslasten noch deutlicher und direkter zu spüren als nur durch unbequeme dienstliche Verpflichtungen, so wurden 1634 die Burg Schwalenberg und 1636 Schloss Varenholz überfallen und geplündert.

Während der Regierungszeit Simon Ludwigs wurden keine Münzen geprägt.

Simon Philipp (1636 bis 1650)

Simon Philipp war, wie seine Brüder, noch im Kleinkindesalter, als sein Vater starb. Seine Mutter, Gräfin Katharina, strebte die Vormundschaft über ihre Söhne an, aber da sie mit 24 Jahren selbst noch nicht volljährig war,[50] sollte ihr Vater, Graf Christian von Waldeck, als Vormund herangezogen werden. Doch da meldete Johann Bernhard, Bruder des verstorbenen Grafen, die Vormundschaft seiner Neffen und die Regentschaft im Lande an.

Aus Angst um das Leben ihrer Söhne setzte sich Gräfin Katharina mit den hessen-darmstädtischen Truppen, die zu der Zeit gerade in Lemgo und Rinteln lagen, in Verbindung, und 1638 entführte ein hessischer Hauptmann die jungen Prinzen und brachten sie nach Lemgo und Hameln („Prinzenraub“). Später wurden sie in die Obhut des Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt nach Marburg gegeben.

Zum Schutz vor dem Kriegsgeschehen wurden die Prinzen 1645 nach Gießen in Sicherheit gebracht. Dort gingen aber die Pocken um, woran 1646 die jüngeren Brüder von Simon Philipp starben. Darauf ließ seine Mutter Katharina ihren Sohn 1647 ein zweites Mal „entführen“. Über Umwege kehrte Graf Simon Philipp nach Detmold zurück. Ab 1649 reiste Simon Philipp nach Paris, Grenoble, Rom, Mailand und Florenz. In Florenz erkrankte er an den Pocken und verstarb 1650 daran. Da er ohne Nachkommen starb, wurde sein Onkel, Johann Bernhard, rechtmäßiger Landesherr der Grafschaft Lippe.

 Übersicht der Prägungen  o. J.
≤1638
1638 1639 o. J.
≥1644
ano-
nym
1 Goldgulden G
2 Mariengroschen S
1/24 Taler (= 1 Reichsgroschen) S S
6 Pfennig K K
3 Pfennig K K K
2 Pfennig K K K
1 1/2 Pfennig K *
1 Pfennig K K K
1/2 Pfennig K K

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, S = Silber, K = Kupfer; * = siehe Abbildung

Münzen
Nominal: 1 1/2 Pfennig
Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Michael Kuttner oder Münzdirektor Hans Georg Mörser
Ausgabe: 1636 bis 1650; Auflage: ?
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: abwechselnd fünf große und fünf kleine Rosetten um „1 1/2“
Rückseite: abwechselnd fünf große und fünf kleine Rosetten um heraldische Rose

Johann Bernhard (1650 bis 1652)

Johann Bernhard (* 1613; † 1652) war der zweitälteste Sohn von Graf Simon VII. zu Lippe und der Gräfin Anna Katharina von Nassau-Wiesbaden-Idstein. Nach dem Tode seines Neffen Graf Simon Philipp zur Lippe war er von 1650 bis 1652 Landesherr von Lippe-Detmold. Er starb kinderlos.

Tagelöhne und Preise in Schieder um 1650[51]
Beruf Entgelt
Handwerksmeister 9 Groschen
Geselle 7 bis 8 Groschen
Kohlenbrenner 5 Groschen, zzgl Kost
Hirtenjunge 1 Groschen
Artikel Preis
1 Scheffel Weizen 36 Groschen (= 1 Taler)
1 Scheffel Hafer 12 bis 24 Groschen
1 Scheffel Salz 14 Groschen
1 Pferd 28 bis 36 Taler
1 Kuh 7 bis 10 Taler
1 Schwein 1 Taler 4 Groschen
1 Huhn 4½ Groschen
1 Maß Wein 7½ Groschen
1 Pfund Butter 4 Groschen

Hermann Adolf (1652 bis 1666)

Hermann Adolf (* 1616; † 1666) vollendete 1659 die Erweiterung der Burg zu Horn mit einem prächtigen Barockportal, über dem die Wappen seiner Familie und der seiner Frau angebracht sind. Durch Entsendung einer Kompanie Landsknechte beteiligte er sich 1663/1664 am vierten Österreichischen Türkenkrieg.

 Übersicht der Prägungen  1658
3 Dukaten G
1 Taler S *
1/2 Taler S
1/4 Taler S
4 Mariengroschen S
2 Mariengroschen S

Erklärung: G = Gold, S = Silber: * = siehe Abbildung

Münzen
Nominal: 1 Guldengroschen (= 1 Taler)
Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Christoph Henning Schlüter
Ausgabe: 1658; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: 46,9 mm; Gewicht: 28,82 g
Vorderseite: Brustbild im Harnisch, umlaufend „HERMAN ADOLF GRAF V E HERR Z LIPP AO 1658“
Rückseite: Gekrönter Wappenschild der Grafschaft Lippe, umlaufend (in zwei Versionen belegt) „SPES CONFISA DEO NVNQVAM CONFVSA RECEDIT“

Simon Heinrich (1666 bis 1697)

Simon Heinrich zur Lippe-Detmold (* 13. März 1649 in Sternberg; † 2. Mai 1697 in Detmold) ließ in den Jahren 1683–1685 bei dem heutigen Augustdorf das dort durch seinen Vater 1657 erbaute Jagdhaus Lopshorn durch ein repräsentatives Jagdschloss mit symmetrisch um einen Ehrenhof angeordneten Nebengebäuden ersetzen.

 Übersicht der Prägungen  1671 1672 1673 1674 1681 1683 1685 1689 1692 o. J.
12 Dukaten S
10 Dukaten G G
9 Dukaten S
8 Dukaten G
6 Dukaten G
4 Dukaten G
3 Dukaten G G
1 1/2 Dukaten G
1 Dukat G G
1 Doppeltaler S S
1 Taler S * S S S
24 Mariengroschen S
1/3 Taler S * S
1/4 Taler und Klippe S S
6 Mariengroschen = 1/6 Taler S S
4 Mariengroschen S * S
2 Mariengroschen S
1 Mariengroschen S S * S
1/24 Taler S S
1 Matthier S S S
1 1/2 Pfennig B
1 Pfennig = 1/6 Mariengroschen B *
1/2 Pfennig = 1/12 Mariengroschen B
1/2 Pfennig K

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, S = Silber, K = Kupfer, B = Billon; * = siehe Abbildung

Münzen
Nominal: 1 Pfennig (= 1/6 Mariengroschen)
Ausgabe: 1666
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „6“ in Reichsapfel, umlaufend „LANDT * MUNTZE“
Rückseite: heraldische Rose, umlaufend „* GREFLIGE * LIPP *“
Nominal: 1 Taler
Ausgabe: 1672
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „SIMON HEINRICH: C: & NOB: DOM: IN LIP.: *“ um nach rechts blickenden Kopf
Rückseite: heraldische Rose über, „1672“ und „H“ neben sowie lippisches Wappen unter Helm, umlaufend „CLEMENTE DEO ET BONA CONSCIENTIA:“
Nominal: 1/3 Taler
Ausgabe: 1672
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „III“ / „EINEN“ / „REICHS“ / „THAL“ / zwischen zwei Rosetten ein „‘X‘ “, umlaufend „* GR: LIPP: SILBER: MUNTZ * 1672“
Rückseite: Rosette über und lippisches Wappen, vierfeldig, unter Helm; umlaufend „SIMON HEN. G. U. EDLER H. Z. LIPPE“
Nominal: 6 Mariengroschen
Ausgabe: 1672; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Johann Hoffman
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite:
Rückseite: *VI* / MARIEN / GROSS / 1672
Nominal: 4 Mariengroschen
Ausgabe: 1672; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Johann Hoffman
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite:
Rückseite:
Nominal: 1 Mariengroschen
Ausgabe: 1672
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „1“ / „MARI“ / „GROS“ / „1672“; umlaufend „* GR LIPP LANDT MUNTZ“
Rückseite: von Zweigen umrandete heraldische Rose, darunter „36“

Friedrich Adolf (1697 bis 1718)

Friedrich Adolf (* 2. September 1667; † 18. Juli 1718) brach mit der Tradition seiner Vorgänger, seinen militärischen Verpflichtungen dem Reich gegenüber durch Zahlung von Subsidiengeldern nachzukommen und stellte eine eigene lippische Kompanie auf. Diese wurde zwischenzeitlich über das vom Reich geforderte Maß hinaus auf Bataillonsstärke ausgebaut. Während seiner Regierungszeit kam die Truppe jedoch nicht zum Einsatz.

 Übersicht der Prägungen  1710 1711 1712 1713 1714 1715 1716 1717 o. J.
Medaille zu 10 Dukaten G
10 Dukaten G
5 Dukaten G G GVorlage:0A)
Vorlage:0Silber-Abschlag davon S
1 Dukat G G G G GVorlage:0A) G
Vorlage:0Silber-Abschlag davon zu 1 1/2 Dukaten S
Vorlage:0Silber-Abschlag davon zu 2/3 Taler S
Vorlage:0Silber-Abschlag davon S
Vorlage:0Kupfer-Abschlag davon K
Medaille zu 1 Dukaten G G
Vorlage:0Silber-Abschlag davon S
Vorlage:0Gold-Abschlag von 1/48 Taler G G
1/4 Dukat G G
Vorlage:0Klippe zu 1/4 Dukat S
1 Taler S S S S
2/3 Taler S S S S S S S S
Vorlage:0Kupfer-Abschlag davon K
1/3 Taler S S S S S S
Klippe zu 1/4 Taler S
Vorlage:0Kupfer-Abschlag davon K
1/6 Taler S S S S
1/12 Taler S S S S S S S S
1 Mariengroschen S S S S S S B
1/48 Taler S S S S S S S
Matthier S S S S S S
3 Pfennig K
2 Pfennig K
1 1/2 Pfennig K
1 Pfennig = 1/6 Mariengroschen V
1/2 Pfennig K

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, S = Silber, K = Kupfer, B = Billon; V = verschiedene Metalle verwendet

Vorlage:0A) Anmerkung: Aus Anlass des 180-jährigen Jubiläums der Kreissparkasse Detmold (Lippische Spar- und Leihekasse) im Jahr 1966 wurden zwei lippische Dukaten in 986/000 Dukatengold neu geprägt und zum Verkauf angeboten. Es handelt sich um einen fünffachen Dukaten aus dem Jahr 1715 (Originalauflage = 2 Stück) und einen einfachen Dukaten aus dem Jahr 1716 (Originalauflage = 116 Stück).[52]

Münzen
Nominal: 1 Spruchdukat
Ausgabe: 1710, zum 43. Geburtstag des Grafen Friedrich Adolf; Münzmeister: Hans Lüder; Stempelschneider: vermutlich Ernst Brabant aus Hannover
Material: Gold; Gewicht: 3,60 g
Vorderseite: Büste im Harnisch mit umgelegtem Mantel
Rückseite: * GOTT * / ERHALTE / DAS * HOCH / GRÄFFL * / LIP * HAUS / * 1710 *
Nominal: 1/2-Taler-Klippe
Ausgabe: 1715; achteckig; Münzstätte Detmold; Abschlag von den Stempeln des 5-Dukaten-Stücks; vermutlich nur 40 Exemplare geprägt
Material: ?; Gewicht = ? g; Durchmesser = ? mm
Vorderseite: Brustbild im Harnisch mit Ordensband nach rechts, FRID * ADOLF * COM * & * N * D * LIPP *
Rückseite: zwei nach vorne schauende Löwen halten gekrönten lippischen Wappenschild
Nominal: 1/4 Taler-Klippe
Ausgabe: 1713; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans Lüder; Stempelschneider: Ernst Brabant aus Hannover
Material: Silber; Durchmesser: 24,4 mm; Gewicht: 7,15 g
Vorderseite: Büste im Harnisch mit Allongeperücke, Ordensschärpe und Mantel; „B“ / FRID ADOLP * COM ET N D LIPP
Rückseite: * HEUT * / * SIND * ES * / SECHS * UND / VIRTZIG * IAHR / DA * DIESER * HERR / GEBOREN * WAHR / GOTT * LASS * IHN * DOP / PELT * SOLCHE * ZAHL / IN * SEGEN * LEBEN * / ÜBERALL / ANNO * 1713 * / D 12 * SEPT *
Nominal: 1 Taler
Ausgabe: 1713; Münzmeister: Hans Lüders; Stempelschneider: Tobias Brabandt
Material: ?; Gewicht = ? g; Durchmesser = ? mm
Vorderseite: Drapiertes und geharnischtes Brustbild mit Ordensschärpe nach rechts, unten Stempelschneiderinitiale
Rückseite: Unter Fürstenkrone vierfeldiges Wappen mit aufgelegtem Mittelschild umgeben von der Kette des Schwarzen Adlerordens
Nominal: 1/12 Reichstaler
Ausgabe: 1713; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans Lüders
Material: Silber; Durchmesser: 23,6 mm: Gewicht: 3,26 g
Vorderseite: gekrönter, französischer Wappenschild der Grafschaft Lippe
Rückseite: * 12 * / EINEN REICHS / THALER / 1713 / HL
Nominal: 2 Pfennig
Ausgabe: 1715 bis 1717; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: Kupfer; Durchmesser: 18,7 mm; Gewicht: 1,45 g
Vorderseite: Wertzeichen „II“ in Kreis, umlaufend je vier Rosetten und Helme (?)
Rückseite: Rose mit Kelchblättern, umlaufend „G LIPP L MVNTZ *“
Nominal: 1 1/2 Pfennig
Ausgabe: 1716 bis 1717; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: Kupfer; Durchmesser: 16,9 mm; Gewicht: 0,92 g
Vorderseite: Wertzeichen „1 ½“ von abwechselnd sechs großen und sechs kleinen Rosen umrandet
Rückseite: heraldische Rose von abwechselnd fünf großen und fünf kleinen Rosen umrandet
Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1716 bis 1717; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: ?; Durchmesser: 15,3 mm; Gewicht: 0,78 g
Vorderseite:
Rückseite:
Nominal: 1/2 Pfennig
Ausgabe: 1715 bis 1716; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: Kupfer; Durchmesser: 15,7 mm; Gewicht: 0,89 g
Vorderseite:
Rückseite:

Simon Heinrich Adolf (1718 bis 1734)

Simon Heinrich Adolf (* 25. Januar 1694; † 12. Oktober 1734) ist dadurch bekannt geworden, dass er im Jahre 1720 von Kaiser Karl VI. in den Reichsfürstenstand erhoben werden sollte, dies aber nicht ausgeführt werden konnte, weil es ihm nicht möglich war, die dazu nötigen Kosten von 4400 Reichstalern zu beschaffen. Eine chronische Geldnot nötigte ihn 1725, die verschuldeten holländischen Herrschaft Vianen und Ameide zu verkaufen und die Burg Sternberg 1733 an Hannover zu verpfänden. Außerdem verwendete Simon Heinrich Adolf ungemeine Sorgfalt auf die Wohlfahrt seines Landes, förderte kräftig Religion, Sitte, Gerechtigkeit und den Wohlstand aller seiner Untertanen.

 Übersicht der Prägungen  1718 1719 1720 1722 1724 1726 1727
1 Dukat G G
1 Taler S
2/3 Taler S S S
Vorlage:0Kupferabschlag davon K
1/2 Taler-Klippe S
Vorlage:0Goldabschlag davon G
Vorlage:0Kupferabschlag davon K
1/3 Taler S
1/6 Taler S
1/12 Taler S S
1 Mariengroschen S
1 Matthier S
1 Pfennig K
1/2 Pfennig K

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 2/3 Taler (Gulden)
Ausgabe: 1719; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Ludolph Henrich Lüders
Material: Silber; ø Durchmesser: 37,7 mm; ø Gewicht: 16,74 g
Vorderseite: nach rechts blickender Kopf, umlaufend „SIMON * HENRICH * ADOLF * M * C * ET * M * D * LIPP“
Rückseite: „2/3“ und „1719“ unter sowie fünf Helme über lippischen Wappen; umlaufend „SUPR * D * TIAN * ET * A * MEID * BURG * H * ULTR *“
Nominal: 1/6 Taler
Ausgabe: 1720
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „VI“ / „EINEN REICHS“ / „THALER“ / Rosette / „L H L“, umlaufend „NACH DEM LEIPZIGER FVS 1720“
Rückseite: nach rechts blickender Kopf, umlaufend ‚Rosette‘ „SIM: HENR: ADOLPH COM. & N D LIPP S D V & AM:“
Nominal: 1/2 Taler-Klippe
Ausgabe: 1727, zum 33. Geburtstag des Simon Heinrich Adolf; achteckig; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Ludolph Henrichs Lüders
Material: Silber; ø Durchmesser: 32,6 mm; ø Gewicht: 14,5 g
Vorderseite: „SIM HENR ADOLP COM & NOBDOM LIPP“ um nach rechts blickenden Kopf des Simon Heinrich Adolf; darunter die Jahreszahl „XXXIII A.D. ANNO“ / „COMPLETO“
Rückseite: „ZU DREY“ / „UNDDREYSSIG“ / „IAHRN. GIB GOTT“ / „NOCH VIELE ZU.“ / „DEM HERREN GLUCK“ / „UND HEYL DEM LANDE“ / „FRIED UND RUH.“ / „ANNO 1727 4 FEB“ / „DIENATALI.“; darum umlaufend „* GOTT ERHALTE DAS HOCHGRAEFLICHE LIPPISCHE HAUS“

Simon August (1734 bis 1782)

Bis 1747 regierte Simon August unter Vormundschaft seiner Mutter Johanna Wilhelmine, Tochter des Fürsten Georg August von Nassau-Idstein. Unter dem Einfluss der Aufklärung erließ er eine neue Haushalt-, Sozial- und Rechtsordnung und führte 1749 in Lippe zusammen mit Adolf von Hillensberg den Haushaltsplan ein, um nicht mehr auszugeben, als an Einnahmen zur Verfügung steht. Die Sparkasse Detmold und die Landesbrandversicherungsanstalt führen sich auf erste Gründungen von ihm zurück. Er erwarb die Saline Salzuflen und baute Meinberg zum Heilbad aus.

In die Regierungszeit Simon Augusts fiel 1753 die Einführung des Konventionsfußes. Danach hatte das Fürstentum Lippe als Währung den Taler: 1 Taler = 36 Mariengroschen = 288 Pfennig = 576 Heller.

Lebensmittelpreise bei Kaufmann Schulz in Lemgo (1767)[53] Preise der Schuhmacher in Detmold (1770)[54]
Artikel Preis Artikel Preis
1 Stück Limburger Käse 6 gr 1 Paar volständige Stiefel von Engl. Leder 6 rthl.
1 frische Zitrone 2 gr 1 paar dito von hiesigem Kalbleder 4 rthl.
1 Pfund Spelzmehl 4 gr 1 paar Frauenschuh von Kalbleder 30 gr
1 Pfund Griesmehl 4 gr 1 paar Mannspantoffeln mit Hakken 1 rthl.
Detmolder Fleisch- und Brot-Taxe[55][56][57][58]
Artikel 1767 1768 1770 1771
1 Pfund Kalbfleisch 1 gr 2 gr 2 gr
1 Pfund Rindfleisch 2 mgr 2 pf 2 gr 2 pf 1½…2 gr
1 Pfund Schweinefleisch Vorlage:02 gr 3 pf 2 gr 2 pf 2⅓…2½ gr
1 Scheffel Weizen Vorlage:01 rthl. 18 gr 1 rthl. 27…30 gr 1 rthl. 12 gr 1 rthl. 30…32 gr
1 Scheffel Roggen 1 rthl. Vorlage:034 gr…1 rthl. 30 gr 1 rthl. 9…12 gr
Landesherrliche Verordnungen wegen der auswärtigen Silbermünzen

Vorlage:Zitat

Vorlage:Zitat

Vorlage:Zitat

Vorlage:Zitat

 Übersicht der Prägungen  1763 1764 1765 1766 1767 1768 1769 1770 1772
1 Dukat G G G
1 Taler S
2/3 Taler S S
1/3 Taler S
1/6 Taler S S S
4 Mariengroschen S
1/12 Taler S S S S S
1/24 Taler S
1 Mariengroschen S S S S S
1/48 Taler S
1 Matthier S S S S
2 Pfennig K S S
1 Pfennig S / K K K
1/2 Pfennig K
1 Heller K K
Vorlage:0Silberabschlag davon S

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Keine Batzen und Kreuzer

Vorlage:Zitat

„Falschgeld“ (1)

Vorlage:Zitat

„Falschgeld“ (2)

Vorlage:Zitat

„Falschgeld“ (3)

Vorlage:Zitat

Münzen
Nominal: 1 Dukat
Ausgabe: 1769, zur Hochzeit mit Prinzessin Casimire von Anhalt-Dessau am 9. November; Münzstätte: Detmold (?); Münzmeister: wahrscheinlich Daniel Stümer
Material: Gold; Durchmesser: 20,4 mm; Gewicht: 3,48 g
Vorderseite: SIM:AUG:COM:LIPP:&CASIM:PRINC:ANH um Büsten des Brautpaares
Rückseite: Spruchband FELICITAS PUBLICA / zwei ineinander gelegte Hände / 9. NOV: 1769
Nominal: 1 Matthier
Ausgabe: 1766
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „MATT.“ / „1766“ / „B 3“ (?)
Rückseite: heraldische Rose, umlaufend acht Rosetten
Nominal: 1 Konventionstaler
Ausgabe: 1767, zum 40. Geburtstag des Simon August am 12. Juni 1767; Münzmeister: Johann Conrad Bandel; Wardein: Daniel Stümer
Material: Silber; Durchmesser: 41,3 mm; Gewicht: 28,01 g
Vorderseite: nach rechts blickender Kopf; umlaufend „SIMON AUGUST COM. * OB. D. LIPP. S. D.V. & ??HVLTR.“
Rückseite: „QUEM“ / „QUADRAGESIES ET“ / „SEMEL PATRIAE“ / „NATUM ESSE“ / „GP ATULAMUR“ / „d: XII Jun.“ / „MDCCLXVII“
Anmerkung: Dieser lippische Taler ist der einzige jemals nach dem Konventionsfuß geprägte lippische Taler; da aber die Wertangabe fehlt, entspricht er nicht ganz den Vorschriften!
Nominal: 1 Heller
Ausgabe: 1767
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „HELLER“ / „GR. LIPP.“ / „SCHEIDE“ / „MUNTZ“ / „1767“
Rückseite: heraldische Rose
Nominal: 1 Heller
Ausgabe: 1768
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „HELLER“ / „GR. LIPP.“ / „SCHEIDE“ / „MUNTZ“ / „1768“
Rückseite: heraldische Rose
Nominal: 1 Matthier
Ausgabe: 1769
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „MATT.“ / „1769“ / „B 3“ (?); umlaufend „* GR: LIPP: LAND MUNTZ“
Rückseite: „AS“ in heraldischer Rose, umlaufend „* COM & N D LIPP S: D: V & A“
Nominal: 1/3 Taler
Ausgabe: 1772
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: 7,73 g
Vorderseite: „3“ / „EINEN“ / „THALER“ / „1772“ / „--------“ / „H D S“ / „IUSTIRE“, umlaufend „40 : ST ** EINE FEINE MARCK“ und Rosette
Rückseite: lippisches Wappen, vierfeldig, unter Krone; umlaufend „SIM. AUG. COM. & N. D. LIPP. S. D. V. & A.“
Nominal: 4 Pfennig
Ausgabe: 1784
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischenzwei Rosetten eine „4“ / „PFEN“ / „NING“ / „1784“ / „D + S“
Rückseite: „L M * G L“ um heraldische Rose

Ludwig Heinrich Adolph (1782 bis 1789), Regent für Leopold I.

Am 13. März 1786 errichtete Graf Henrich Adolph zur Lippe für die Gräflich-Lippische Leihekasse zu Detmold die erste Leihekasse-Verordnung. Damit war der Grundstein gelegt. Ab dem 1. Mai waren die Kassen geöffnet, um Spargroschen sicher zu verwahren und den Bürgern kleinere Darlehen zu geben. Aus den alten Rechnungsbüchern geht hervor, dass Ende des Jahres 1786 bereits Spareinlagen in Höhe von 26.432 Reichstalern angesammelt und fast in gleicher Höhe Kredite ausgelegt worden waren.[59]

Regierungs-Verordnung „Wegen der ausländischen Kupfer- und Silber-Scheidmünzen; wie auch wegen einiger falschen Münzen.

Vorlage:Zitat

Regierungs-Verordnung „Wegen einiger falscher Münzen.“ (1)

Vorlage:Zitat

Regierungs-Verordnung „Wegen der neuen französischen Louisd'or und der Laubthaler von 1784 und 1785.

Vorlage:Zitat

Regierungs-Verordnungen „Wegen einiger falscher Münzen.“ (2)

Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat

Regierungs-Verordnung „Die auswärtigen Scheidemünzen betreffend.

Vorlage:Zitat

 Übersicht der Prägungen  1783 1784 1785 1786 1789
1 Mariengroschen S * S S
4 Pfennig S
1 Matthier S S
2 Pfennig S
1 Heller K

Erklärung: S = Silber, K = Kupfer; * = siehe Abbildung

Münzen
Nominal: 1 Mariengroschen
Ausgabe: 1784; Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Daniel Stümer
Material: Silber; Durchmesser: 17,4 mm; Gewicht: 1,34
Vorderseite: Rose mit Kelchblättern, darauf das Monogramm aus LHA
Rückseite: GR LIPP LAND MVNTZ   um   * 1 * / MARIEN / GROS / 1784 / D • S
Münzmeister Balthasar Reinhard

Vorlage:Zitat

Leopold I. (1789 bis 1802)

Wilhelm Leopold I. (* 2. Dezember 1767 in Detmold; † 4. April 1802 in Detmold) war der erste Fürst von Lippe. Am 5. November 1789 übernahm er die Regierung und löste als erstes den noch von seinem Großvater Simon Heinrich 1720 beantragten Fürstenbrief ein. 1790 kam eine bereits in früheren Jahren diagnostizierte Geistesstörung zum Ausbruch und es folgte seine Entmündigung durch das Reichskammergericht; 1795 wurde dann nach Eintritt einer Besserung die Vormundschaft bedingt aufgehoben. Am 2. Januar 1796 heiratete er Pauline von Anhalt-Bernburg. In dieser Ehe gesundete der Fürst und wurde Vater von zwei Söhnen. Pauline wurde seine Beraterin und Mitarbeiterin, wobei sie es klug einrichtete, meist im Hintergrund blieb und alles vermied was als Überschreitung ihrer Pflichten gedeutet werden konnte. Nach kaum sechsjähriger Ehe starb der Fürst 1802 an Darmtuberkulose, unter deren Einfluss sich zuletzt noch einmal Geistesstörung und Gedächtnisverlust einstellten. Pauline übernahm in der Folgezeit die Regentschaft für den noch unmündigen Erbprinzen, den späteren Fürsten Leopold II. und galt als treffliche Landesmutter.

 Übersicht der Prägungen  1789 1790 1791 1792 1793 1794 1795 1796 1798
1 Jeton (= 1 1/2 Dukaten) G
Vorlage:0Silber-Abschlag davon S
Vorlage:0Kupfer-Abschlag davon K
1 Prämientaler S
Vorlage:0Kupfer-Abschlag davon K
Prämienmünze (zu 1 Gulden Courant) S
1/12 Taler S S
1 Mariengroschen S S S S S
1 Matthier S S S S S
1 Pfennig K
1 Heller K K

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: Jeton zu 1½ Dukaten
Ausgabe: 1796; zur Geburt des Erbprinzen Paul Alexander Leopold; Münzstätte Gotha; Medailleur: Theodor Stockmar
Material: Gold; ø Durchmesser: 22,5 mm; ø Gewicht: 5,26 g
Vorderseite: fürstliche Wappenschilde von Anhalt und Lippe auf Mantel unter Fürstenkrone
Rückseite: FREVDE / DEN / ELTERN / GLᕓCK / DEM LANDE / AM 6.NOV: / 1796 / T.ST.F.
Nominal: Prämienmünze zu 1 Gulden Courant
Ausgabe: 1793; Prämie für den Flachsanbau; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Balthasar Reinhard
Material: Silber; ø Durchmesser: 33,8 mm; ø Gewicht: 14,36 g
Vorderseite: neunfach geteilter Wappenschild mit fünffacher Helmzier
Rückseite: DEM / GUTEN / LANDWIRTH / B:R: im Eichenkranz
Landesherrliche Verordnung die Goldmünzen betreffend

Vorlage:Zitat

Bekanntmachungen und Regierungsverordnungen wegen falscher und schlechter Münzen aus eigenem und benachbartem Lande (1791, 1792, 1794, 1796, 1797, 1798 und 1799)

Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat

Preise eines Scherenschleifers im Jahr 1792[60]
Haushaltsgeräte Entgelt
Schleifen einer großen Papierschere 1 Groschen 3 Pfennig
Schleifen eines Federmessers mit einer Klinge 4½ Pfennig
Schleifen eines Federmessers mit zwei Klingen 1 Groschen 3 Pfennig
Schleifen eines Tafelmessers 1 Groschen 3 Pfennig
Schleifen eines hohlen Rasiermessers 3 Groschen 3 Pfennig
Chirurgische Instrumente Entgelt
Schleifen einer Injektionslanzette 4 Groschen 4½ Pfennig
Schleifen eines Aderlasseisens 2 Groschen 4½ Pfennig
Schleifen eines Schröpfschnepfers 12 Groschen 3 Pfennig
Bezahlung einer Hebamme im Jahr 1795[61]
Dienst Entgelt
Natürliche Geburt 18 Mariengroschen
Leichte Zwillingsgeburt 24 Mariengroschen
Wiederbelebung eines todtgebohrenen Kindes 24 Mariengroschen
Nachtwache 4 Mariengroschen
Besichtigung einer verdächtigen Weibsperson 12 Mariengroschen
Einprüfung in die Gebärmutter 4 Mariengroschen
Neuprägungen

Vorlage:Zitat

Fleischpreise am 1. Februar 1800[62]
Artikel Lemgo Horn Blomberg Salzuflen Detmold
1 Pfund Ochsenfleisch 3 gr 3 pf 3 gr
1 Pfund Rindfleisch 3 gr … 3 gr 2 pf 3 gr 2 gr 3 pf 3 gr 2 gr 4 pf
1 Pfund Schweinefleisch 4 gr 3 pf 4 gr 3 pf 4 gr 3 pf
1 Pfund Hammelfleisch 3 gr 3 pf 2 … 2½ gr 3 gr
1 Pfund Kalbfleisch 1 … 2 gr 2 gr 1½ … 2 gr 1½ … 2½ gr
Diverse Nachrichten und Bekanntmachungen wegen falscher und schlechter Münzen (1800 und 1801)

Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat Vorlage:Zitat

Pauline (1802 bis 1820)

Pauline (* 23. Februar 1769 in Ballenstedt als Prinzessin von Anhalt-Bernburg; † 29. Dezember 1820 in Detmold) gilt bis in die heutige Zeit als eine der bedeutendsten Herrscherinnen in Lippe: Sie hob am 1. Januar 1809 durch fürstliche Verordnung die bis dahin bestehende Leibeigenschaft der Bauern auf, bewahrte die Selbstständigkeit Lippes und bemühte sich um eine Verfassung, mit der die ständische Ordnung aufgebrochen wurde. Im kollektiven geschichtlichen Bewusstsein der lippischen Bevölkerung rangiert jedoch ihr soziales Engagement an erster Stelle.[63] Sie gründete die erste Kinderbewahranstalt in Deutschland, eine Erwerbsschule für verwahrloste Kinder, ein freiwilliges Arbeitshaus für erwachsene Almosenempfänger und eine Pflegeanstalt mit Krankenstube.

Am 4. April 1802 starb Leopold I., und Pauline übernahm am 18. Mai für ihren unmündigen Sohn, den späteren Fürsten Leopold II., die Regentschaft.

Kornpreise von 1810 in Taler und Groschen für einen Lippischen Scheffel (= 36,25 Liter)[64]
Artikel Lemgo Horn Blomberg Salzuflen Detmold
Weizen 1 T 253/4 G 1 T 252/3 G 1 T 23 G 1 T 281/2 G 1 T 281/4 G
Roggen 1 T 81/6 G 1 T 41/4 G 1 T 51/2 G 1 T 81/2 G 1 T 83/4 G
Gerste 351/2 G 353/4 G 351/4 G 1 T 23/4 G 1 T 23/4 G
Hafer 602/5 G 601/6 G 501/4 G 801/4 G 693/5 G

Die „Leihekasse von 1786“ ist jedoch nicht der einzige Vorläufer der heutigen Sparkasse Detmold. 1804 wurde unter der Regierung der Fürstin Pauline zur Lippe die "Leihbank" gegründet. Die beiden Institute schlossen sich 1909 zur "Fürstlich-Lippischen Landesspar- und Leihekasse in Detmold" zusammen. Zum Kreis der Vorgänger zählen weiterhin auch die "Sparkasse Horn-Bad Meinberg" von 1841, die "Stadtsparkasse Lage" von 1860, die "Städtische Sparkasse Barntrup" von 1883, die "Städtische Sparkasse Detmold" von 1904, die "Amtssparkasse/Kreissparkasse Lage (Lippe)" von 1906, die "Städtische Sparkasse Schwalenberg" von 1914, die "Gemeindesparkasse Elbrinxen" von 1919 und die Amtssparkasse/Kreissparkasse Detmold" von 1920.[59]

 Übersicht der Prägungen  1802 1803 1804 1809 1812 1814 1816 1818
1 Mariengroschen S S S
Vorlage:0Gold-Abschlag davon zu 1/2 Dukaten G
2 Pfennig K
1 Pfennig K S
1 Heller K K K K K
Vorlage:0Silber-Abschlag davon S

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 1 Heller
Ausgabe: 1802, Auflage = 166.369 Stück (Wert = 166.369 Heller); 1809; Auflage = 108.288 Stück (Wert = 108.288 Heller); 1812, 1814, 1816
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „HELLER“ (Variante: mit „.“ (1809)) / „1802“ / Rosette (Variante: Münzmeisterzeichen „T“ (1812))
Rückseite: heraldische Rose
Nominal: 2 Pfennig
Ausgabe: 1802, Auflage = 127.008 Stück (Wert = 254.016 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „II“; „PFEN=“ / „NING“ (Variante mit „.“) / „1802“ / Rosette
Rückseite: heraldische Rose
Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1802, Auflage = 119.832 Stück (Wert = 119.832 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“; „PFEN=“ / „NING“ / „1802“ / Rosette
Rückseite: heraldische Rose
Nominal: 1 Mariengroschen
Ausgabe: 1804
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „LIPP.MAR“ / „GROS:“ / „1804“ / „--------“
Rückseite:
Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1818
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „PFEN=“ / „NING“ / „1818“ / Münzmeisterzeichen „T“ (Variante: ohne „T“)
Rückseite: heraldische Rose
Ankündigung neuer Münzen

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Warnhinweise vor falschen Münzen in den Lippischen Intelligenzblättern

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Auch das gab es …

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Leopold II. (1820 bis 1851)

Paul Alexander Leopold II. (* 6. November 1796 in Detmold; † 1. Januar 1851 ebenda) war beim Tod seines Vaters Leopold I. erst sechs Jahre alt. Deshalb übernahm zu Beginn seiner Regentschaft im Jahr 1820 seine äußerst fähige Mutter Pauline bis zu ihrem Tod die Regierungsgeschäfte.

Gesetzliche Ausbringung der wichtigsten Sorten vor Einführung der Reichswährung
Nennwert Prägezeit Metall Gewicht Feingewicht Feingehalt
Doppeltaler 1843 Silber 37,120 g 33,408 g 900,0
Vereinstaler 1860, 1866 Silber 18,519 g 16,667 g 900,0 ‰
2 1/2 Silbergroschen 1847 Billon 3,248 g 1,218 g 375,0 ‰
2 1/2 Silbergroschen 1860 Billon 3,221 g 1,208 g 375,0 ‰
1 Silbergroschen 1847 Billon 1,559 g 0,487 g 312,5 ‰
1 Silbergroschen 1860 Billon 2,196 g 0,483 g 220,0 ‰
1/2 Silbergroschen 1847 Billon 0,974 g 0,244 g 250,0 ‰

Zur Regierung gelangt, führte Leopold ein wahres Einsiedlerleben. Seine Gemahlin, Prinzessin Emilie von Schwarzburg-Sondershausen (* 23. April 1800), war eine gute, sanfte Frau, die sich der strengen Lebensweise ihres Gatten unterwarf. Das Ehepaar hatte neun Kinder und führte ein musterhaftes Familienleben. Leopold II. hatte zwei Leidenschaften, die Jagd und das Theater, das zu den besten Deutschlands gehörte, dessen Kosten aber, im Vergleich zu den Einnahmen des Staates, unverhältnismäßig hoch waren. Albert Lortzing war von 1826 bis 1833 am Detmolder Theater engagiert.

Jährlicher Lebensbedarf eine Tagelöhners um 1849
Hausmiete 18 Taler
Gartenmiete 6 Taler
Ackerland zu Kartoffeln 7 Taler
wöchentlich 1/2 Scheffel BrotkornVorlage:0Vorlage:0 26 Taler
Backlohn 4 Taler 10 SGr.
Hülsenfrüchte 2 Taler
Holz 10 Taler
Kaffee 5 Taler
Fett, Salz, Öl 10 Taler
Einliegergeld 1 Taler
gesamt[65] 89 Taler 10 SGr.
Jahresgehälter ausgewählter Berufe um 1850
Beruf[66] Gehalt
Wanderziegelmeister 300…500 Taler
Ordentlicher Lehrer nicht unter 150 Taler
Zimmermann 100…110 Taler
Tagelöhner ohne Kost 60…84 Taler
Wanderziegler 45…55 Taler
Tagelöhner mit Kost 31…45 Taler
Großknecht 28…38 Taler
Kleinknecht 20…25 Taler
Grasmäher 18…20 Taler

1838 trat das Land Lippe der Dresdner Münzkonvention und 1857 dem Wiener Vertrag bei. Die Münzung erfolgte – gemäß diesen Verträgen – in Berlin.

 Übersicht der Prägungen  1821 1822 1823 1824 1825 1826 1828 1829 1830 1835 1836 1840 1843 1847
2 Taler S
2 1/2 Silbergroschen S
1 Silbergroschen S
1/2 Silbergroschen S
Vorlage:0Kupfer-Abschlag davon K
3 Pfennig K
Vorlage:0Silber-Abschlag davon S
1 1/2 Pfennig K K K K
1 Pfennig K K K K K K K K K K
1 Heller K K K K K

Erklärung: S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
Münzstätte: Blomberg; Beauftragter für Kupferprägungen: Strickling
Ausgabe: 1821
Material: Kupfer; Durchmesser: 18,6 mm; Gewicht: 2,02 g
Vorderseite: heraldische Rose, als Butzen kleine (Variante: große) Punkte
Rückseite: zwischen zwei Rosetten „I“ / „PFEN=“ / „NING.“ / „1821“ / Münzmeisterzeichen „ST“
Nominal: 1 1/2 Pfennig
Münzstätte: Lemgo; Beauftragter für Kupferprägungen: Trebbe
Ausgabe: 1825
Material: Kupfer; Durchmesser: 20,9 mm; Gewicht: 2,90 g
Vorderseite: heraldische Rose
Rückseite: zwischen zwei Rosetten „I I/2“ / „PFEN=“ / „NING.“ / Jahreszahl / Münzmeisterzeichen „T“
Nominal: 1 Heller
Münzstätte: Blomberg; Beauftragter für Kupferprägungen: Strickling
Ausgabe: 1840
Material: Kupfer; Durchmesser: 16,5 mm; Gewicht: 1,08 g
Vorderseite: heraldische Rose
Rückseite: zwischen zwei (Variante: große oder kleine) Rosetten eine „I“ / „HELLER“ (Variante: „HELLER.“) / Jahreszahl (Variante: Jahreszahl mit „.“) / Münzmeisterzeichen „ST.“ (Variante: „ST“)
Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1821, 1824
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „PFENNING“ / Jahreszahl / Münzmeisterzeichen „ST.“
Rückseite: heraldische Rose
Nominal: 1 Guter Pfennig
Ausgabe: 1825
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „GUTER“ / „PFENNIG“ / „1826“
Rückseite: Wappen unter Krone
Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1828, 1829, 1830, 1836, 1840
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei (Variante 1836: große und kleine) Rosetten eine „I“ / „PFENNIG“ / Jahreszahl / Münzmeisterzeichen „ST.“ (Variante 1929: ohne „.“; Variante 1840: ohne Münzmeisterzeichen)
Rückseite: heraldische Rose
Nominal: Doppeltaler
Ausgabe: 1843, Auflage = 16.800 Stück (Wert = 33.600 Taler)
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „* 2 THALER VII EINE F. MARK 3 1/2 GULDEN *“ / „VEREINS 1843 MÜNZE“ um neunfeldiges Wappen auf Hermelinmantel unter Fürstenhut
Rückseite: „PAUL ALEXANDER LEOPOLD FÜRST ZUR LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf; Münzstättenzeichen „A“
Randschrift: „CONVENTION VOM 30 JULY 1838 *“
Nominal: 2 1/2 Silbergroschen
Ausgabe: 1847, Auflage = 363.264 Stück (Wert = 908.160 Silbergroschen)
Material: Billon; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „12 EINEN THALER“ über und „SCHEIDEMÜNZE“ unter „2 1/2“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1847“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „PAUL ALEX. LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rand: glatt
Nominal: 1 Silbergroschen
Ausgabe: 1847, Auflage = 750.000 Stück (Wert = 750.000 Silbergroschen)
Material: Billon; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „30 EINEN THALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „1“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1847“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „PAUL ALEX. LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rand: glatt
Nominal: 1/2 Silbergroschen
Ausgabe: 1847, Auflage = 320.580 Stück (Wert = 160.290 Silbergroschen)
Material: Billon; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „60 EINEN THALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „1/2“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1847“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „PAUL ALEX. LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rand: glatt
Nominal: 3 Pfennig
Ausgabe: 1847, Auflage = 1.019.600 Stück (Wert = 3.050.700 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „3“ / „PFENNINGE“ / „1847“ / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „4 EINEN SILB. GROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter Fürstenhut
Rand: glatt
Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1847, Auflage = 972.000 Stück (Wert = 972.000 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „1“ / „PFENNING“ / „1847“ / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „12 EINEN SILBERGROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter Fürstenhut
Rand: glatt
Bekanntmachung über die außer Cours kommenden Waldeckschen Münzen

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Verordnung, die herrenlosen Conventions=1/6 und 1/12 Stücke und die ausländische Scheidemünze betreffend

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Das passiert …

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Einführung der Silbergroschen und Silberpfennige

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Bekanntmachung

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Leopold III. (1851 bis 1875)

Paul Friedrich Emil Leopold III. (* 1. September 1821 in Detmold; † 8. Dezember 1875 ebenda) regierte vom 1. Januar 1851 bis zum 8. Dezember 1875. Als streng Konservativer war Leopold ein Gegner der Märzrevolution. Er löste deshalb den Landtag bald auf und hob durch Verordnung vom 15. März 1853 die Verfassung von 1849 auf und führte die Verfassung von 1836 wieder ein, obwohl man ihm davon abriet. Die liberale Partei schäumte über diesen Staatsstreich, während sich der Fürst auf den Standpunkt stellte, dass er die durch die Revolution erzwungene Verfassung weder veranlasst noch gebilligt, geschweige denn beschworen habe. Seine Kabinettsräte ersetzte er darauf durch den unrühmlich bekannten Dr. Hannibal Fischer, den hochkonservativen „Flotten-Fischer“, der sich und die Regierung weiterhin äußerst unbeliebt machte. Seinem Nachfolger, dem konservativen Minister Alexander von Oheimb, gelang trotzdem ein großer Erfolg in der Verhandlung mit den Ständen, indem er die Trennung von Landes- und Domanialhaushalt im Sinne des Fürsten durchführte und die Anerkennung der Stände erlangte, dass das Domanium als Privatbesitz der fürstlichen Familie anerkannt wurde. Im Allgemeinen dauerte aber der Verfassungsstreit an, und die liberale Opposition erregte sich über von Oheimbs Erfolg nur noch mehr, machte dem Fürsten das Leben sauer und verbitterte ihn, während sich der Riss zwischen Konservativen und Liberalen, zwischen Stadt und Land vertiefte. Dies schmerzte den Fürsten durchaus, denn er galt als leutselig und freundlich: Zu seinen wöchentlichen Audienzen hatte jedermann Zutritt.

Münzgesetz des Deutschen Reichs

Nach der Reichsgründung 1871 behinderten acht unterschiedliche Landeswährungen Handel und Verkehr der Gliedstaaten im Deutschen Reich. Es existierten insgesamt acht Landeswährungen mit Talern, Vereinstalern, Konventionstalern, Kreuzern, Hellern, Groschen, Silbergroschen, Neugroschen, Gulden, Konventionsgulden, Schillingen, Mark, Pfennigen, Neu-Pfennigen, Franc, Centimes, Bremer Goldtalern, Groten, Schwaren, Preußischen oder Graumannschen Reichstalern, Kuranttalern sowie Friedrich d’or, die auf unterschiedlichen Gold- und Silbergehalten in ihren Münzen fußten und den Handel erschwerten. Daher verabschiedete Kaiser Wilhelm I. die erste Währungsunion im Deutschen Reich.
Durch das Gesetz vom 4. Dezember 1871[67] wurde mit der Reichsgoldmünze der Goldgehalt der neuen gemeinsamen Währung „Mark“ festgelegt und dieser durch das Münzgesetz vom 9. Juli 1873[68] auf alle Landeswährungen angewendet. – 1875 wurde die im ganzen Kaiserreich eingeführte Goldmark auch Zahlungsmittel im Fürstentum. Die Vorderseite, das Avers, konnte von den Gliedstaaten des Reiches gestaltet werden. In Lippe zeigten sie teils das Porträt des regierenden Fürsten.

 Übersicht der Prägungen  1851 1858 1860 1866
1 Vereinsthaler S S
2 1/2 Silbergroschen S
1 Silbergroschen S
3 Pfennig K
1 Pfennig K

Erklärung: S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1851, Auflage = 1.080.000 Stück; 1858, Auflage = 900.000 Stück
Material: Kupfer; Durchmesser: 17,6 mm; Gewicht: 1,5 g
Vorderseite: „12 EINEN SILB. GROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter einem Fürstenhut
Rückseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „1“ / „PFENNING“ / Jahreszahl / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt
Nominal: 3 Pfennig
Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1858, Auflage = 60.000 Stück
Material: Kupfer; Durchmesser: 24,0 mm; Gewicht: 4,5 g
Vorderseite: „4 EINEN SILB. GROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter Fürstenhut
Rückseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „3“ / „PFENNINGE“ / „1858“ / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt
Nominal: 1 Vereinsthaler
Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1860, Auflage = 25.600 Stück; 1866, Auflage = 17.500 Stück
Material: Silber; Durchmesser: 33,1; Gewicht: 18,5 g
Vorderseite: „PAUL FRIEDRICH EMIL LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf, am Halsabschnitt „C. P.“, darunter das Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „EIN VEREINSTHALER XXX EIN PFUND FEIN“ und Jahreszahl um ein neunfeldiges Wappen auf Hermelinmantel unter einem Fürstenhut
Randschrift: „MÜNZVERTRAG VOM 24. JANUAR 1857“
Nominal: 2 1/2 Silbergroschen
Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1860, Auflage = 120.000 Stück
Material: Silber; Durchmesser: 21,1 mm; Gewicht: 3,2 g
Vorderseite: „PAUL FRIEDR. EMIL LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rückseite: „12 EINEN THALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „2 1/2“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1860“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt
Nominal: 1 Silbergroschen
Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1860, Auflage = 432.000 Stück
Material: Silber; Durchmesser: 18,5 mm; Gewicht: 2,2 g
Vorderseite: „PAUL FRIEDR. EMIL LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rückseite: „30 EINENTHALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „1“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1860“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt

Woldemar (1875 bis 1895)

Günther Friedrich Woldemar (* 18. April 1824 in Detmold; † 20. März 1895 ebenda) war bei seinem Regierungsantritt am 8. Dezember 1875 schon 51 Jahre alt.

Angesichts der eigenen Kinderlosigkeit, dem entmündigten Bruder Karl Alexander zur Lippe und die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten für die Erbfolge versuchte er die Ereignisse zu präjudizieren. Aufgrund persönlicher Abneigung und beseelt von dem Wunsch, sein Land einem Mitglied eines regierenden Fürstenhauses zu vererben, bestimmte in seinem Testament den Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe, einen Schwager Kaiser Wilhelms II., zu seinem Nachfolger und entfachte dadurch den lippischen Thronstreit, der in dem folgenden Jahrzehnt in Lippe die Geister trennte und das Interesse der Weltöffentlichkeit erregte.

Während der Regierungszeit Woldemars bis zum 20. März 1895 sind keine lippischen Münzen geprägt worden.
In Woldemars Regierungszeit fiel 1876 die erste Ausgabe von 100-Mark-Banknoten der Deutschen Reichsbank.

Kornpreise 1876 in Detmold[69][70][71][72]
100 Pfund Februar März April Mai
Weizen 10,00 Mark 10,00 Mark 10,75 Mark 10,75 Mark
Roggen 8,50 Mark 8,30 Mark 8,75 Mark 8,75 Mark
Gerste 8,50 Mark 8,25 Mark 8,75 Mark 9,00 Mark
Hafer 9,00 Mark 8,75 Mark 9,25 Mark 9,00 Mark
Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung von Scheidemünzen der Thalerwährung
Anzeige im Fürstlich Lippischen Regierungs- und Anzeigeblatt:
„Tabellen zur Berechnung der Zinsen für jedes Münzsystem“ (1876)

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           Ergänzung zur Bekanntmachung

Vorlage:Zitat

           Reaktion auf die Bekanntmachung

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Falsche Goldstücke

Vorlage:Zitat

Bekanntmachung betreffend die Außerkurssetzung der Zweithalerstücke und Eindrittelthalerstücke deutschen Gepäges. Vom 2. November 1876.

Vorlage:Zitat

           Ergänzung

Vorlage:Zitat

Alexander (1895 bis 1905)

Fürst Karl Alexander (* 16. Januar 1831 in Detmold; † 13. Januar 1905 in St. Gilgenberg in Eckersdorf) war vom 20. März 1895 bis zum 13. Januar 1905 nominell regierender Fürst zur Lippe, aber als geisteskrank entmündigt. Bis 1897 führte Schaumburg-Lippe die Regentschaft, ab 1897 Lippe-Biesterfeld, ab 1905 endgültig Lippe-Biesterfeld. Die wechselnde Regentschaft ist auch als lippischer Erbfolgestreit bekannt. Mit Alexanders Tod am 13. Januar 1905 starb die Detmolder Linie des Lippischen Fürstenhauses aus.

Während der Regierungszeit Alexanders sind keine lippischen Münzen geprägt worden.

Leopold IV. (1905 bis 1918)

Leopold IV. Julius Bernhard Adalbert Otto Karl Fritz Georg Gustav zur Lippe (* 30. Mai 1871 in Oberkassel bei Bonn; † 30. Dezember 1949 in Detmold) war der letzte regierende Fürst von Lippe (1905 bis 1918). Leopolds Regierung stand im Zeichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufstiegs, er war aufgeschlossen für Technik und Industrie. Um den Bewohnern Erwerbsmöglichkeiten zu bieten, ließ er die Staatswerkstätten einrichten und eine größere Anzahl bedeutender Bauvorhaben ausführen. Die Prachtbauten des Regierungs- und Landtagsgebäudes, der Sparkassen und Banken, des Gymnasiums, des Lehrerseminars, die Christuskirche mit Fürstengruft auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz, das evangelische Pfarramt, die Kasernen, der Ausbau des Schlosses usw. dienten dieser Maßnahme. In Bad Salzuflen unterstützte er mit Zuschüssen aus der eigenen Kasse die Erbohrung der Leopoldsquelle. Seine bedeutendste Schöpfung ist die Fürst-Leopold-Verwaltungsakademie: eine Fachhochschule, in der kriegsversehrte Offiziere zu Kommunalbeamten umgeschult wurden.

Seine große Liebe galt der Jagd und dem Theater, so ließ er mitten im Ersten Weltkrieg das abgebrannte Hoftheater wieder aufbauen. Auch der Volksbildung wandte er seine Fürsorge zu. Das Landesschulgesetz von 1914 schuf die staatliche Oberschulbehörde und beseitigte die Schulaufsicht der Kirche. Die Akademie stellte die Lehrer besser, den preußischen gleich. Die neuen Steuergesetze brachten eine gerechte Verteilung der Lasten und eine wesentliche Erhöhung des Steueraufkommens. Die Erschließung des Landes durch Straßen und Bahnen förderte Handel und Verkehr. Besonders die Industrialisierung machte starke Fortschritte. Im Zuge der Novemberrevolution wurde Leopold IV. durch den lippischen Volks- und Soldatenrat am 12. November 1918 zum Thronverzicht gedrängt.

 Übersicht der Prägungen  1906 1913
2 Reichsmark S
3 Reichsmark S

Erklärung: S = Silber

Münzen
Nominal: 2 Mark
Münzstätte: Berlin; Medailleur: Otto Schultz (Vorderseite)
Ausgabe: 1906, Auflage = 20.000 Stück
Material: 900er Silber; Durchmesser: 28,0 mm; Gewicht: 11,111 g
Vorderseite: „LEOPOLD IV FÜRST ZUR LIPPE“ um nach links blickenden Kopf, darunter das Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „DEUTSCHES REICH 1906“ und „ZWEI MARK“ um gekrönten Reichsadler mit Brustschild
Rand: geriffelt
Nominal: 3 Mark
Münzstätte: Berlin; Medailleur: Otto Schultz (Vorderseite)
Ausgabe: 1913, Auflage = 15.000 Stück
Material: 900er Silber; Durchmesser: 33,0 mm; Gewicht: 16,667 g
Vorderseite: „LEOPOLD IV FÜRST ZUR LIPPE“ um nach links blickenden Kopf, darunter das Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „DEUTSCHES REICH 1913“ und „DREI MARK“ um gekrönten Reichsadler mit Brustschild
Randschrift: „GOTT – MIT – UNS“

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Die Geschichte der Lateinischen Münzunion. Olten 2004.
  2. Die Münzstätten. In: Heinrich Ihl, Arnold Schwede: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1923. Band 1, S. 32f.
  3. Horner Münzgeschichte bei www.penke.info, abgerufen am 6. April 2020.
  4. „Stadtgeschichte im Detail“ bei www.lemgo.de; abgerufen am 14. Juli 2023.
  5. Währungsgrenzen des westfälischen Oberwesergebietes im Spätmittelalter. In: Walter Häverick (Hrsg.): Numismatische Studien. Heft 1, 1951, S. 24/25.
  6. Vertrag des Edelherrn Bernhard VII. und der Stadt Lemgo mit dem Münzmeister Dietrich von Neuß, abgerufen am 10. Januar 2014.
  7. Münzmeister Loyß in der coingallery; abgerufen am 16. Januar 2022.
  8. Jacob Pfahler: Münzmeister im Niedersächsischen und Oberrheinisch-Westfälischen Reichskreis im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts Teil 2; abgerufen am 15. Januar 2022.
  9. Vorlage:Literatur
  10. Vorlage:Literatur
  11. Vorlage:Literatur
  12. Christoph Henning Schlüter im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure von der Renaissance bis zur Gegenwart (online) der Ludwig-Maximilians-Universität in München; abgerufen am 2. Januar 2024.
  13. Johann Hoffmann im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure von der Renaissance bis zur Gegenwart (online) der Ludwig-Maximilians-Universität in München; abgerufen am 12. November 2023.
  14. Kreissparkasse Detmold: Anzeige zum Verkauf von zwei Neuprägungen anlässlich des 180-jährigen Jubiläums; Januar 1967.
  15. Ludolph Heinrich Lüders im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure von der Renaissance bis zur Gegenwart der Ludwig-Maximilians-Universität in München; abgerufen am 12. November 2023.
  16. Johann Balthasar Reinhard im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure (MMLO); abgerufen am 16. Januar 2022.
  17. St. Nicolai Lemgo, Reg. 10
  18. Bürgerbuch der Stadt Lemgo (Bürgermatrikel) Buchregister Nr. 8902. (Stadtarchiv Lemgo A526)
  19. Feuerspritze für die Feuerwehr Wülfer
  20. Feuerspritze für die Feuerwehr Ottenhausen
  21. Hermann Grote, Ludwig Hölzermann: Lippische Geld- und Münzgeschichte. Leipzig 1867.
  22. Lebensdaten des Johann Christian Gerke; abgerufen am 1. März 2022.
  23. Henning Brauns im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure (MMLO); abgerufen am 16. Januar 2022.
  24. Johann Heinrich Siegel im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure (MMLO); abgerufen am 16. Januar 2022.
  25. Wardeine in Lippe. In: Heinrich Ihl, Arnold Schwede: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1923. Band 1, S. 36f.
  26. Die Zählweise des Geldes, Münzfüße, Gewichte. In: Heinrich Ihl, Arnold Schwede: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1923. Band 1, S. 38ff.
  27. Peter Berghaus: Die Anfänge der Münzprägung in Lemgo und Lippstadt, in: „Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde“, Detmold, 1952. S. 110; abgerufen am 4. Mai 2020.
  28. Vorlage:Webarchiv
  29. August Falkmann, Otto Preuß: Lippische Regesten. Band 1, S. 74, Nr. 42.
  30. 30,0 30,1 Vorlage:Webarchiv
  31. Sammlung Gunther Wiegrebe: Die Münzen der Edelherren zur Lippe im Mittelalter, Hermann II., 1197–1229
  32. Virtuelles Münzkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums, Braunschweig; abgerufen am 16. Oktober 2023.
  33. Virtuelles Münzkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums, Braunschweig; abgerufen am 12. November 2023.
  34. Virtuelles Münzkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums, Braunschweig; abgerufen am 12. November 2023.
  35. Virtuelles Münzkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums, Braunschweig; abgerufen am 4. Oktober 2023.
  36. Virtuelles Münzkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums, Braunschweig; abgerufen am 15. Oktober 2023.
  37. Sammlung Gunther Wiegrebe: Die Münzen der Grafschaft Lippe, seit 1528
  38. Kurt Wallbaum: Die Ortsteile der Großgemeinde Bad Salzuflen um 1535 in: „Heimatland Lippe“ – Zeitschrift des Lippischen Heimatbundes und des Landesverbandes Lippe, Nr. 5/1988, Detmold, S. 39, abgerufen am 1. Mai 2020.
  39. Heinrich Ihl: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1913. Band 2: Die Münzen. Bonifatius-Verlag, Paderborn 2016, ISBN 978-3-89710-641-3, Kapitel Münzen des Grafen Simon V. (1511–1536), Graf ab 1528. S. 7.
  40. Johann David Köhler: Historische Münzbelustigungen. Band 22, S. 81.
  41. Beschreibung des Guldengroschens bei www.coingallery.de; abgerufen am 17. März 2020
  42. Löhne und Preise bei Der Genealogische Abend - Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe e. V.; abgerufen am 18. April 2021.
  43. Detlev Hellfaier: Geistiges und kulturelles Leben am Hofe Simons VI. In: Heimatland Lippe. Nr. 4, Detmold, April 1986, S. 126.
  44. 44,0 44,1 Sabine Schierholz: „Plattdeutsche Ecke“ - „Daler un Grössens“. In: Lippische Landes-Zeitung. 22. Februar 2011.
  45. Vorlage:Literatur
  46. Vorlage:Literatur
  47. Vorlage:Literatur
  48. Vorlage:Literatur
  49. Lippisches Intelligenzblatt, 21tes Stük, 21. Mai 1785, S. 167 f. (PDF 1,15 MB).
  50. Nach damaliger Rechtslage wurde die Volljährigkeit erst mit Vollendung des 25. Lebensjahres erreicht.
  51. Walter Schmidt: Schieder - Die Geschichte eines lippischen Dorfes, 1964, 1. Auflage; Verlag: Eilers, Bielefeld.
  52. W. Hansen: Lippische Dukaten aus dem 18. Jahrhundert. In: Heimatland Lippe, 60. Jahrgang, Nr. 1, Januar 1967, Seite 35.
  53. Lippisches Intelligenzblatt. 4tes Stück, 28. Februar 1767, S. 53 f
  54. Lippisches Intelligenzblatt. 3tes Stück, 20. Januar 1770, S. 37 f.
  55. Lippisches Intelligenzblatt. 4tes Stück, 28. Februar 1767, S. 56
  56. Lippisches Intelligenzblatt. 30tes Stück, 23. Julius 1768, S. 471 f.
  57. Lippisches Intelligenzblatt. 3tes Stück, 20. Januar 1770, S. 36.
  58. Lippisches Intelligenzblatt. 45tes Stück, 9. November 1771, S. 719 f.
  59. 59,0 59,1 Vorlage:Webarchiv
  60. Lippisches Intelligenzblatt vom 10. November 1792, Seite 353 f.
  61. Lippisches Intelligenzblatt vom 9. Mai 1795, Seite 145 f.
  62. Lippisches Intelligenzblatt vom 1. Februar 1800, S. 40 (digitale-sammlungen.llb-detmold.de).
  63. Vorlage:Webarchiv
  64. Kornpreise im Fürstlich-Lippischen Intelligenzblatt, 51. Stück, Sonnabends, den 22. December 1810.
  65. Vaterländische Blätter, Nr. 7, 1849
  66. C. Ehlers: Politische und sozioökonomische Antriebskräfte der Revolution 1848/49 in Lippe. Münster.
  67. RGBl. 1871, S. 404–406 vom 4. Dezember 1871
  68. Münzgesetz und RGBl. 1873, S. 233–240 vom 9. Juli 1873
  69. Fürstlich Lippisches Regierungs- und Anzeigeblatt. Nr. 5, 1. Februar 1876.
  70. Fürstlich Lippisches Regierungs- und Anzeigeblatt. Nr. 51, 5. März 1876.
  71. Fürstlich Lippisches Regierungs- und Anzeigeblatt. Nr. 78, 1. April 1876.
  72. Fürstlich Lippisches Regierungs- und Anzeigeblatt. Nr. 101, 1. Mai 1876.

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